Archiv für den Monat: Juli 2014

Vom Ende der korporatistischen Demokratie (Politisches Prekariat III)

Von , am Donnerstag, 31. Juli 2014

Turbulente Zeiten, mehr noch woanders als hierzulande. Stuttgart 21 war ein lindes Lüftchen gegen die Demokratiebewegungen in zahlreichen islamischen, aber auch christlich-südeuropäischen Ländern, wie derzeit Spanien und Griechenland. Näheres dazu z.B. hier in der seit einiger Zeit intessantesten deutschen Wochenzeitung Jungle World

Viel wurde in diese Protestbewegungen schon hineinfantasiert. Dass das Internet- und Facebook-Revolutionen gewesen seien, können nur Altmedien halluzinieren, denen ihre kenntnisarme Angst davor schon das Gehirn vernebelt hat. Es sagt mehr über die Halluzinierer als über die Fakten aus. Und insofern sind sie mit den Feudalherren vergleichbar, die einst den Buchdruck fürchteten.

So wie der Buchdruck einst den Impuls zum massenhaften Erlernen von Lesen und Schreiben gab, Weiterlesen

Putin stoppen? … Und was kommt dann?

Von , am Donnerstag, 31. Juli 2014

Ich will mich jetzt nich auch noch hier ins Getümmel stürzen. Klar ist: im Krieg stirbt Wahrheit immer zuerst. Wem kann man überhaupt noch glauben? Ich weiß es nicht.

Auch viele Leute, die ich bisher für vernünftig gehalten habe, sind der Meinung, dass man Putin „stoppen“ müsse. Gut, denke ich, warum nicht? Wenn es bessere Alternativen gibt. „regime change“ nennen das die Geostrategen. Was dabei herauskommt kann man schon in vielen Ländern studieren: Iran, Irak, Syrien, Palästina, Libyen, Ägypten, Afghanistan, Mali, Sudan, Somalia ….. Weiterlesen

„Sie wissen gar nicht, was bei mir in ‚höchsten Tönen‘ ist“ – Hans Meyer spricht zu uns

Von , am Dienstag, 29. Juli 2014

Und zwar hier in einem sehr ausführlichen und lesenswerten Interview von David Nienhaus auf waz.de. Vor lauter bei Hans Meyer obligatorischer und durchaus zutreffender Medienkritik reicht die Zeit kaum, um über die Gladbacher Mannschaft zu sprechen. Aber die Saison wird noch lang und reichlich Gelegenheiten bieten.

Das Elend der öffentlichen Kontrolle (Politisches Prekariat II)

Von , am Dienstag, 29. Juli 2014

Die Wirtschaftswundergeneration der BRD glaubte noch an die Leistungsgesellschaft. Leistung sollte sich lohnen, Wahlparolen wurden danach ausgerichtet. Wer arbeiten will, findet auch was, glaubte man. Deutschland wurde gar als „Modell“ bezeichnet, von der SPD im Wahlkampf 1976. Man glaubte, dass es, mit Rückschlägen durch einzelne Konjunkturkrisen zwar, die professoral und väterlich durch Karl Schiller und Helmut Schmidt tagesschaugerecht analysiert wurden, jetzt stetig aufwärts gehen würde. Den Kindern sollte es einmal besser gehen. Das war die soziale Marktwirtschaft in Reinform, die Attac-Mitglied Heiner Geißler heute rhetorisch verteidigt und gerne wiederhaben möchte.

Es ist anders gekommen. Weiterlesen

Das Prekariat der deutschen Politik (I)

Von , am Dienstag, 29. Juli 2014

Ein Versuch über den Zusammenhang von gesellschaftlicher Entwicklung, Parteimitgliedschaft und allgemeiner Politikverdossenheit

Dieser Beitrag ist zuerst am 9.2.2007 im „Freitag“ erschienen und geringfügig aktualisiert worden.

In der Bevölkerung sind Kritik und Unverständnis an den Politikern auf Spitzenwerte gewachsen. Dieser Affekt hat eine demokratiegefährdende Seite: Abwendung von und Aversion gegen kontroversen Diskurs und „parlamentarische Schwatzbuden“, Legitimation für eigenes Nichtengagement und Desinteresse an gesellschaftlichen Angelegenheiten, die Sehnsucht nach dem „starkem Mann“, oder ersatzweise einer „Großen Koalition“. Dieser Affekt ist jedoch gleichzeitig ein Indiz für die durchaus sensible Wahrnehmung von Wirklichkeit. Weiterlesen

Bannas bringt Nahles ins Spiel

Von , am Montag, 28. Juli 2014

Spiegel-online hat das diesjährige Sommerloch mit dem Gerücht zu stopfen versucht, die Bundeskanzlerin denke über ihren Abtritt nach. Eine durchaus übliche Methode: die Machthaberin geht in Urlaub, die Hintersassen trauen sich in ihrer Abwesenheit gegenüber Journalisten irgendwelchen Unsinn zu verbreiten, oder die Journalisten schreibens gleich direkt als Erfindung. Denn nachprüfbare Quellen werden nicht genannt.

Dennoch ist es ja schön, wenn man in der nachrichtenarmen Zeit mal ein Thema „machen“ kann. So hat denn Günter Bannas letzte Woche einen wie immer virtuosen Konter gesetzt. Weiterlesen

Israel/Gaza – lieber versuchen zu verstehen, als alles besser zu wissen

Von , am Sonntag, 27. Juli 2014

Die inländischen Auseinandersetzungen über den Israel/Gaza-Konflikt sind nicht zu ertragen. Das Ausmass an Besserwisserei in etablierten und alternativen Medien ist unendlich. Am Badestrand liegen und räsonieren, das können wir mindestens so gut wie Fußballspielen: weltmeisterlich.

Ich habe keine fertige Meinung zu diesem Thema. Ich weiss auch keine Lösung. Und höre nur gerne zu und lese, wenn sich jemand daran versucht, oder mir Perspektiven auf die Sache öffnet, die für mich noch neu sind.

Zwei Beispiele aus den letzten Tagen:

Sarah Eltantawi: Sisis Schulhofpolitik (taz)

Gideon Levy: Was will die Hamas wirklich? (FR)

Aldi-Albrecht: Nur Doofe zahlen Steuern

Von , am Sonntag, 27. Juli 2014

Zahlen Sie Steuern und gehen Arbeiten? Ganz schön bescheuert. Die Cleveren machen nicht wenig Schulden, sondern viel. Sie gehen nicht Arbeiten, sondern lassen arbeiten. Sie geben nicht an, sondern halten sich zurück. Sie wollen nicht berühmt sein und durch die Medien geistern, sondern möglichst wenige sollen sie kennen, und niemand wissen, was sie mit ihren Milliarden tun. Von wegen Grundgesetz (Art. 14, „Eigentum soll dem Wohle der Allgemeinheit …..“) …. haben wir gelacht.

Wie das Karl Albrecht organisiert hat, und wie Staat und Politik dabei tatenlos zuschauen, hat der Kollege Jens Berger, Redakteur der nachdenkseiten (nicht immer meine Meinung, etwas besserwisserisch und doktrinär, aber trotzdem immer lesenswert) kürzlich in einem Buch („Wem gehört Deutschland?“) und das Aldi/Albrecht-Kapitel vor ein paar Tagen bei Telepolis veröffentlicht.

Hörbefehl des Tages: Sonntagsspaziergang im DLF

Von , am Sonntag, 27. Juli 2014

Politisch-kulturelle Information, abwechslungsreiche Musik, Entspannung pur: das ist der „Sonntagsspaziergang“ im Deutschlandfunk, wöchentlich sonntags 11.30 h bis 13 h, und zwischendrin 10 Minuten (!) Tagesnachrichten. Das ist Radio wie es weiterleben soll und dafür zahle ich gern.

Mani Stenner – eine Nachrufempfehlung und ein zusätzlicher Gedanke

Von , am Samstag, 26. Juli 2014

Heute findet drüben in Bonn die Trauerfeier für Mani Stenner statt. Mein Ex-Chef Roland Appel hat dazu einen Nachruf verfasst, der sehr weitgehend auch meine Erfahrungen mit Mani wiedergibt.

Ich möchte nur noch einen Gedanken ergänzen. Mani verkörperte eine Typus Politiker, den ich als sich politisierender Jugendlicher sehr veehrt habe, und von dem ich fürchte, dass er immer mehr verschwindet. Es ist der fähige Verhandler. Weiterlesen

Von Duisburg nach Chongqing – dreimal die Woche

Von , am Freitag, 25. Juli 2014

Die legendäre „Seidenstraße“ gibts heute noch, auf der Schiene. Und ihr westlicher Endpunkt ist nicht mehr Venedig oder irgendeine andere „Weltstadt“, sondern Duisburg. Auf dieser Strecke fährt nun schon seit drei Jahren ein 650 Meter langer Güterzug der YuXinOu Logistics Company Ltd. Er braucht für die 11.200 Kilometer 16 Tage, ist damit um vieles schneller als die Schiffsreise und um vieles preisgünstiger als die Luftfracht.

Diese Kenntnisse verdanke ich ein weiteres Mal dem Online-Magazin Telepolis aus dem Heise-Verlag. Hier gehts zu dem entsprechenden Artikel.

Und danke China! Duisburg kanns brauchen.

Friseure, Ärzte! – Euer Wartezimmer braucht das Slowfood-Magazin

Von , am Freitag, 25. Juli 2014

Während die von der italienischen Linken inspirierte internationale Slowfood-Bewegung immer schon eine Politik für mehr Gerechtigkeit und Ökologie mit dem Recht auf Genuss zu verbinden wusste, hatte die immerhin weltweit zweitgrößte nationale Sektion in Deutschland damit lange Probleme. Wie hierzulande üblich spielten kleinlich gesinnte und vor allem auf Distinktion bedachte Vereinsmeier lange Zeit eine dominierende Rolle. Weiterlesen

Der Fußball hat ein Gerechtigkeitsproblem

Von , am Freitag, 25. Juli 2014

Derzeit beherrschen die DFL-Manager die Schlagzeilen damit, dass sie das Bremer Parlament als „Stammtisch“ beschimpfen. Das ärmste aller Bundesländer will nämlich seine polizeilichen Dienstleistungen nicht mehr kostenlos einer Organisation zur Verfügung stellen, die dank des Medienzaren Rupert Murdoch über einen Milliardenumsatz verfügt.

Ich halte das keineswegs für unproblematisch. Weiterlesen

Bonner Stadtverwaltung nicht ausgelastet

Von , am Donnerstag, 24. Juli 2014

Die Stadt muss sparen, zuwenig Einnahmen, zuviele Schulden. Die schwarz-grüne Koalition hatte sich in der letzten Wahlperiode auf Drängen des Grünen-Fraktionschefs Peter Finger auf Sparen in der Verwaltung konzentriert. Darüber waren der Oberbürgermeister, der Kämmerer und der Beamtenbund-dominierte Peronalrat sehr sehr böse. Sie würden lieber an den andern da draußen sparen.

Doch trotz dieses unmenschlichen Leistungsdrucks der seitens der Politik auf die Verwaltung ausgeübt wird, haben manche Ämter immer noch genug Zeit, Weiterlesen

SKY rasiert Wirte und Fans

Von , am Donnerstag, 24. Juli 2014

Kennen Sie Rupert Murdoch? Der 83-jährige hat schon Tony Blair und George Bush installieren und stürzen geholfen. Seine Medien, und er hat viele, sind berüchtigt, manche wie der US-TV-Sender und Marktführer Fox-News und das britische Boulevarblatt Sun für übelsten Kampagnenjournalismus und Hetze. Die deutsche Medienlandschaft ist im Vergleich dazu wie eine Modelleisenbahn. Doch halt: Murdoch ist auch bei uns schon im Stall. Weiterlesen

Ukraine – es gibt Alternativen zur Propaganda beider Seiten

Von , am Dienstag, 22. Juli 2014

Ich bin regelmässiger Leser des Onlinemagazins Telepolis aus dem Heise-Verlag. Ich bewundere, dass ein Verlag, dessen Geschäftsmodell auf Fachzeitschriften (u.a. C’t) basiert, sich so ein ungewöhnliches Magazin erlaubt, mit ein paar verrückten Mitarbeitern, ein paar Jungs mit Kastrationsängsten dabei, Weiterlesen

FAZ-Autor Serra predigt für Orgien

Von , am Dienstag, 22. Juli 2014

Es ist nicht alles schlecht in „den Medien“. Darauf will ich hier künftig häufiger hinweisen. Und solche Hinweise unterlassen und es einfach tun. Jacob Strobel Y Serra, was für ein schöner Name, predigte vor einigen Tagen – ich hatte es wegen der WM nicht bemerkt – für „Orgien mit Messer und Gabel!“.

Dabei gabelt er jede Menge ideologischen Überbau auf und entsorgt ihn im intellektuellen Papierkorb. Er verteidigt das „Degustationsmenü für hundert Euro“, das hierzulande unter Dekadenz- und Hedonismus-Verdacht fällt, Weiterlesen