Sky für 50 €/Monat oder: der Kampf um die informationelle Weltherrschaft

Von , am Donnerstag, 22. September 2016

Heute flatterte mir ein Telekomprospekt ins Haus: Sky 3 Monate umsonst, dann 9 Monate für 25€/Monat, danach 51€/Monat, mit Fußnote Nr. 6 im Kleingedruckten. Der Umbruch dieses Kleingedruckten zieht sich über 10 Seiten. Und ist für mich als Sehbehinderten nicht lesbar. Darum ist es im Kern auch keine Werbung, sondern Altpapier. Ich gehe zum Sky-Gucken in die Kneipe – mein Gastwirt lässt sich von dem Sender aussaugen, ich reiche ihm meine Biertrinkerhand zu seiner Rettung. Wie lange das gutgeht ist ungewiss.
Denn es handelt sich um eine Art Weltkrieg der hier ausgetragen wird. Die IT-Konzerne tun es, die Autokonzerne, die Banken, die Chemie- und Saatgutindustrie, die Sportmächte und die Medienkonzerne – jeweils alle beidseitig des Atlantik, und beidseitig des Pazifik.

Nachdem die Saatgutindustrie hier (und hier) schon behandelt wurde, hier eine kurzer Blick auf die Medienindustrie. Die Fußballgroßmacht in Deutschland ist die Deutsche Fußball-Liga (DFL), mit Krösus FC Bayern und seinem aus Lippstadt/Westfalen stammenden Präsidenten Rummenigge an der Spitze, und gleich dahinter mit dem BVB eine weitere westfälische Großmacht. Ihr mit weitem Abstand größter zahlender Kunde ist der Pay-TV-Sender Sky. Der gehört vollständig dem Konzernkonglomerat des Australiers Rupert Murdoch, der nebenbei den Zeitungsmarkt dieses seltsamen Brexit-Inselvolkes beherrscht und dort die Premierminister aussucht, im Hauptberuf aber Film (20th Century Fox) und TV (Fox) in den USA betreibt. Mit Murdoch ist Trump also schon hier, und wirkt und wirkt. Australien, das Heimatland von Mr. Murdoch ist das Land, das jetzt schon Flüchtlinge und Migranten auf unbewohnten Inseln interniert und bewacht, ein „Vorbild“ für manche Europäer, die wiederum ein „Vorbild“ für kenianische Regierungspolitiker sind.
Also kurz zusammengefasst: unser Profifussball lebt von dem Mann, der gerade Trump zum US-Präsidenten macht. Danke auch vielmals.

In England, wo derzeit der teuerste (bisher ebenfalls von Murdoch bezahlte) und global begehrteste Fußball gespielt wird, ist Murdoch jetzt was furchtbar dummes passiert, was die geldgierige Premier League, einmal an Murdochs Milliarden-Nadel dran, völlig süchtig und besoffen gemacht hat. Ein weiteres Medien-Konglomerat bewarb sich um Senderechte, trieb somit in der Versteigerung die Preise immer weiter hoch und bekam auch relevante Senderechte ab. Dieses Konglomerat trat unter dem Namen „Perform Group“ auf. Dahinter verbirgt sich ein vielfach verschachteltes Firmengeflecht dessen größter Einzelinvestor selbst eine schillernde Figur ist: der ukrainisch-russisch-USamerikanische Oligarch Leon Blavatnik. U.a. mit der Internetmarke Dazn hat er jetzt auch den deutschen Fußball-Medienmarkt betreten, hat bereits Internet-Zusammenfassungsrechte an der DFL erworben (dem Springer-Verlag weggeschnappt) und zeigt hier bereits die spanische La Liga (u.a. mit dem Classico Barca-Real), die bisher das österreichische LaOla.tv anbot.
Das wird Murdoch und Trump schon genug wurmen – Blavatnik ist bisher öffentlich als Obama-Spender aufgetreten.

Jetzt hat Blavatniks Firmengruppe aber sogar einen fetten Deal mit der chinesischen Onlinegruppe Baidu, der dort googleartig marktbeherrschenden Suchmaschine, abgeschlossen. China ist zur Zeit der Fantasiemarkt aller Fußballstrategen. Chinesen sind jetzt schon die größten Investoren in Europas Fußballmarkt und haben US-Amerikaner, Araber und russische Oligarchen bereits hinter sich gelassen. Warum? Fußball wird als Entertainment-Markt verstanden. Er weist noch Wachstumsraten und Renditen auf, die fast allen anderen Branchen längst fremd sind, höhere als sie selbst in China gewöhnt sind. Chinesische Milliardäre und Oligarchen schwärmen also in die Welt hinaus zum investieren, mit dem Segen und der schützenden Hand ihrer Regierung und Partei (hier ein aktuell weiterer großer Schritt). Wer Entertainment beherrscht, beeinflusst und beherrscht Kultur, Information, Nachrichten, am Ende auch die Politik. Diese Strategie ist weder fortschrittlich noch demokratisch, sie ist schlicht systemgerecht und allemal besser und effizienter, als die gleichen Ziele mit militärischen Gewaltmitteln zu verfolgen.

Doch werden Murdoch und Trump das einsehen?

PS: Jetzt erkläre mir bitte noch jemand, warum weder von der deutschen Wirtschafts“fach“presse noch von anderen „Qualitätsmedien“ jemand in der Lage war, diese minutenlangen Google-Recherchen durchzuführen und über diese strategischen Interessen zu berichten, die konservative britische Tagespresse das aber problemlos geschafft hat. Wohlgemerkt: niemand muss sich meinen Deutungen anschliessen; die Fakten hätten genügt.

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