Elbphilharmonie und Grundrechenarten

Von , am Donnerstag, 11. Januar 2018

Aus Berlin soll es erst morgen Neues geben. Da ist also noch viel Medienraum zu füllen. Die Lücke hat das Hamburger Stadtmarketing erkannt, und schüttet sie mit Jubel über seine Elbphilharmonie zu. Da das Ding nun steht, sollen wir uns noch aufregen?

Wenn wir für doof gehalten werden, ja! Bestandteil des Jubels ist, die Elbphilharmonie habe „in sieben Monaten einen Überschuss von 900.000 Euro“ erwirtschaftet. Klingt irgendwie nach mehr, als eine Million.
Wenn wir nun grosszügig annehmen, dass es in einem Jahr 2 Millionen sein könnten: dann dauert es klar weniger als 400 Jahre, bis die Baukosten, die wir Steuerzahler*innen bestreiten mussten, wieder eingespielt sind.

Hamburg besteht ja nun leider darauf, und gewinnt darüber beständig teure Prozesse vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, die Elbe noch tiefer auszubaggern, damit noch grössere Schiffe seinen Hafen erreichen können. Ein anderes Wahrzeichen, die Köhlbrandbrücke (Baujahr 1974) soll sogar nach weniger als 50 Jahren wieder abgerissen werden, weil sie nicht mehr hoch genug für die Containerschiffe von heute ist. Je weniger die Elbe noch Fluss, und je mehr sie Tiefseekanal ist, umso leichter werden auch die Sturmfluten mit dem Klimawandel, den die Bundesregierung nicht mehr aufhalten will, den Weg nach Hamburg finden. Hoffen wir also, dass die Elbphilharmonie auf salzwasserbeständigen Fundamenten und Mauern steht, damit wenigstens der Saal und die teuren Penthouse-Wohnungen noch oben rausgucken, wenn die Baukosten eingespielt sind.

Wie schön wäre es doch gewesen, wären die aufgewandten Baukosten direkt in Kulturförderung geflossen. So gingen sie an den Baukonzern Hochtief, der heute dem spanischen ACS-Konzern gehört; Hauptaktionär: Fiorentino Perez, in seiner Freizeit Präsident von Real Madrid, Freund, Sponsor und Protege der spanischen Regierungspartei PP und des einstigen Regierungschefs Aznar. Die Welt ist eben ein Dorf. Jetzt wird vom Senat betont, auch andere Hamburger Kultureinrichtungen würden „was davon haben“. Na, dann steht Olafs Vizekanzlerschaft ja nichts mehr im Wege.

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