SPD, Linke, Grüne, „Sammlungsbewegungen“ – lest Greffrath

Von , am Mittwoch, 17. Januar 2018

Letzten Freitag habe ich es wieder verpasst, mir die deutsche LeMonde diplomatique (der taz beigelegt) zu beschaffen. Nach einem angeregt verquatschten Mittagessen im Pastis habe ich immer nur im Kopf: Lotto abgeben nicht vergessen. So habe ich die Januar-Ausgabe verpasst. Die Rettung ist, was online steht.

In diesem Fall: Matthias Greffrath. Lange Zeit war er für mich ein typischer Berliner Salonintellektueller. Teil seiner Berufsbiografie war die Chefredaktion der „Wochenpost„. Im Zuge der Eroberung der DDR durch die BRD, hatte sich der Bertelsmann-eigene Gruner&Jahr-Verlag dieses Wochenblättchen einverleibt. Nach Greffrath, der die Auflage nicht hochkriegte, übernahm Matthias Döpfner. Auf den folgte der baldige Tod.

Ich weiss nicht, ob Greffrath geerbt hat. Oder eine feine Abfindung mitgenommen. Oder beides. Jedenfalls hat er beständig dazu gelernt, politische Bewegungen der Welt studiert, und der Publikationsort LeMonde diplomatique, die in Frankreich zu den Mitgründerinnen der Attac-Bewegung gehörte, ist nur folgerichtig.

Was er hier aktuell schreibt, ist ein aktuelles Aufgabenheft für deutsche Linke. Die Antworten wären der Inhalt. Wenn es die gibt, oder wenn sie wenigstens aktiv bearbeitet werden, dann könnte eine positive Dialektik mit der Formfrage (Partei, Koalition, Bewegung) ingang kommen. Ohne solchen Inhalt wäre – und ist – die Form vergeblich.

Ein Kommentar zu “SPD, Linke, Grüne, „Sammlungsbewegungen“ – lest Greffrath

  1. Roland Appel

    Geffrath ist wirklich eine gute Analyse dessen gelungen, was der SPD nicht mehr einfällt, die Linke gar nicht denken kann und die Grünen sich schon seit 20 Jahren nicht mehr trauen: Menschliche Zukunft politisch zu denken. Als ich in den Nachrichten von Wagenknechts und Lafontaines „Sammlungsbewegung“ hörte, musste ich herzlich lachen: Die Oberspalter und -Sektierer gründen von Oben eine „Sammlungsbewegung“. Das erinnert an Gerhard Schröder, der 1978 als JuSo-Bundesvorstitzender eine „Bürgerrechtsbewegung“ (ca. 15 Mitglieder) gegen Berufsverbote gründete – Kommunisten und andere Betroffene durften da aber nicht mitarbeiten. Wie einsam muss es am Küchentisch in Saarbrücken für die beiden inzwischen wohl sein?

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