Goalgetter Ginter – danke BVB!

Von , am Sonntag, 21. Januar 2018

Bei meiner Borussia in Mönchengladbach überwiegt derzeit unter den Fans nicht die Zufriedenheit. Wir ärgern uns über die Teilnahme an einem Schneckenrennen um die Plätze 2 ff., und was alles möglich gewesen wäre. Gut, in der Geldtabelle belegen wir nur einen oberen Mittelfeldplatz, zu verdanken einem seriösen Management und seriöser Vereinsführung. Der Marktwert unserer Mannschaft wird auf 172 Mio. taxiert; zum Vergleich: die des BVB z.B auf 424 Mio. Bei den Spielergehältern zählt Gladbach im Jahr unter 40, der BVB über 90 Mio. im Jahr. Dennoch liegen wir heute einen Punkt vor dem BVB.

Die Beziehung zwischen unseren rivalisierenden aber nicht verfeindeten Vereinen ist lang. Frank Mill wird mit uns beiden verbunden. Heiko Herrlich, der seine charakterlichen Mängel, die er bei seinem Wechsel von Mönchengladbach nach Dortmund offenbarte, kürzlich noch mal bestätigte.
Die jüngere Vergangenheit gestaltete sich für uns im Schatten des BVB erfreulich. Für Marco Reus, den Gladbach im Dortmunder Umfeld entdeckte, und der bei uns überragend spielte, erhielten wir einen – heute lächerlichen, aber damals – stolzen Preis, der unserer Mannschaftsentwicklung sehr gut getan hat. Und Marco nun ja, seit er Führerschein hat, kommt er noch nicht wieder richtig auf seine einst wertvollen Fussballerbeine. Auch den Ablösewert von Aubameyang hat der BVB, sich von dessen familiären Beratern am Nasenring durch die Arena ziehen lassend, ordentlich runtergewirtschaftet: von einst über 80 auf jetzt 50 Mio.

Matthias Ginter, den Christian Streich beim SC Freiburg zu einem bärenstarken Profi ausgebildet hat, wurde in Dortmund nicht wirklich weiterentwickelt und stabilisiert. Im Gegenteil, seine WM-Chancen gerieten in Gefahr. Er hat die richtige Konsequenz gezogen. Während in Dortmund seit Monaten über Probleme in der Innenverteidigung gestöhnt wird, also das, wo jetzt kein Ginter mehr ist, hat er heute bei uns nach 19 von 34 Spieltagen schon seit 4. Saisontor (als Abwehrspieler!) gemacht, nebenbei auch das andere durch seinen Ballgewinn vorbereitet.
Er wird mit solchen Leistungen seinen Mannschaftskapitän Stindl zur WM nach Russland begleiten dürfen. Beide werden dort ihren Marktwert saftig steigern. Aubameyang dagegen ist nicht qualifiziert.

Falls ihr in Dortmund mit der Chancenauswertung der Herren Sancho und Isak (17 und 18) – verständlicherweise – nicht zufrieden seid, schickt sie über den Rhein nach Mönchengladbach, wie einst Marco Reus.

Wir werden uns danach schon einigen …..

Update 22.1.: Klaus Bittermann, Verleger und BVB-Fan, nach Monaten des Onlineverschwindens hinter einer Paywall, ist heute wieder zu lesen und besonders bitter. Jupp Heynckes muss gegen ihn verteidigt werden. Der BVB war gefühlt noch in der 2. Liga, als der Konzern aus dem Süddeutschen unserer Borussia den – mindestens geistig – noch Minderjährigen Lothar Matthäus abwarb. Kurz bevor er am 24.3.84 auf dem Bökelberg eine 0:3-Schlappe bezog. Borussia-Trainer damals: Heynckes. Den jungen Trainer hat das Erlebnis damals so traumatisiert, dass er es wenig später (1987) vorzog, seine Trainerlaufbahn ebenfalls dort fortzusetzen. Es folgten seine rhetorischen Duelle gegen einen Drogenabhängigen namens Daum; die meisten FC-Fans werden sich nicht erinnern, weil sie noch nicht auffe Welt waren. Die verlor Heynckes, wurde aber immer Meister. Später CL-Gewinner mit Real Madrid, Raul und Morientes als Stars aufgebaut, und unmittelbar danach gefeuert. Heynckes ist Konservativer geblieben; und Teil des Systems – darin hat Bittermann Recht. Er wird aber genauso gut wie ich integre Sportjournalist*inn*en kennen, von denen er wissen kann, dass der Mensch, das Individuum Jupp Heynckes in diesem dreckigen Geschäft ein anständiger Kerl geblieben ist. Wenn wir, Bittermann und ich, uns mal vorzustellen versuchen, wir wären in ähnlicher Weise in dem Geschäft: würde uns das so gut gelingen wie Heynckes? Das bezweifle ich.

2 Kommentare zu “Goalgetter Ginter – danke BVB!

  1. Roland Appel

    Lieber Martin, auch wenn ich weiss, dass Deine eigentümlichen fußballerischen Vorlieben aufgrund einer schweren Kindheit – Prägung durch Rot-Weiss Essen und eine unbekannte, vermutlich auf eine Bewunderung des Jungdemokraten MBÖ für den Unternehmer Günther Netzer zurück gehende Bindung an Borussia Mönchengladbach – entstanden sind, kann ich die Tendenz Deines Artikels vollkommen teilen. Ich hab jetzt nicht ausgerechnet, wieviel die einzelnen Spieler meines Fahrstuhlvereins 1. FC Köln wert sind, aber die Häme über den Kauf des angeblichen „Zweitligatorjägers“ Terrodde, der nun erneut den FC in die Punkte geschossen hat, beflügelt mich, Dir vollkommen zuzustimmen, dass Kohle nicht alles ist im Fußball. Ich bin 1000 mal lieber FC-Fan als meine Schwägerin, die jeden Sieg der Bayern als selbstverständlich empfindet. Und Stöger ist beim BVB auch kein Messias – auch das beruhigt mich.

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