Lobo

Von , am Donnerstag, 1. Februar 2018

Welche Partei muss ich wählen, damit Sascha Lobo Bundeskanzler werden kann, weil er es werden darf und werden soll, weil er es werden muss?

Ganz ehrlich, vor dem Kerl habe ich allerhöchsten Respekt. Und das, obwohl ich ihn eigentlich nicht leiden kann.

Das hat eigentlich ganz „unpolitisch“ angefangen, als er sich entschlossen hat, aus seiner peinlich „gutgehenden“ Frisur, seinem Anzug und seiner grundsätzlich sehr hellen Birne ein Geschäftsmodell zu entwickeln und mit seinem Blog und Live-Programm „Lobo erklärt dummen Menschen das Neuland“ auf jahrelange Tournee für Fernseh-, Firmen- und SPD-Events (die er zwei Jahre lang – wie wir heute wissen, offensichtlich vergeblich – beraten hat) zu gehen. Egal, ob dort zuerst er „das Netz“ gepriesen hat – oder es später dann als „kaputt“ deklarierte… Auf dieser inhaltlichen Reise war ich bei oft ganz nah bei ihm.

Ich bin überzeugt, Lobo war jeden Cent seiner Honorare wert. Weil er (meistens) wohl einfach gut war. Ich lese ihn gerne, habe ihn persönlich allerdings nie jenseits des TV erlebt. Oft ging er mir dort auf den Sack. Einfach weil er oft Recht hatte und die Leute das dann auch spüren ließ. Und wenn er mal nicht „Recht“ hatte, konnte man sich immer köstlich über ihn aufregen. Von den anderen Dummschwätzern hat mensch ja oft schon die Namen vergessen, bevor die Sendung zuende war. (Deshalb: Frisur!)

Aber der Mann hat weit mehr drauf, als „nur“ Netz. Der sieht etwas und hat dazu immer eine Meinung, oft eine Erklärung, und manchmal auch das Wissen, welches man braucht, um hinter und unter die „Offen-„sichtlichkeit zu gelangen. Er hat nicht immer Recht, behauptet das aber auch nicht. Oft hat er auch keine Ahnung und vermutet und behauptet nur zu wissen, was er sagt. Streit ist manchmal unvermeidlich. Kein Problem. Mach ich auch so. ;-)

Er diskutiert. Hat immer starke Gründe, Argumente und Zugang zu denen, mit denen er es zu tun hat – mit denen oder von denen er spricht. Das macht ihn nicht nur zu einem vorzüglichen meinungsstarkten Kommentator und Analysten, sondern auch zu einem geborenen Erklärer und Vermittler von Politik – wenn er denn (noch) vermitteln will.

Spiegel-Online hat Lobo vor Jahren eine Kolumne geschenkt, die sichert seither vermutlich schon mal sein Grundeinkommen. Zusammen mit den Frauen Stokowski und Berg ist er der eine Kolumnist dort, dessen Stammleser ich bin. In seiner Rolle als Kolumnist, Netz-Erklärer und als Prototyp des überhaupt-nicht-zur-hysterie-neigender Anti-Wutbürgers, ist ihm heute die Wut-Schnur geplatzt. Vermittlung, vermutlich, zwecklos!

Auf Volker Kauder wütend zu sein, ist wirklich nicht schwer – und Lobo ist wirklich nicht der erste, der „seine Fresse nicht mehr sehen“ will. Die Wut auf das, was Kauder und KonsortINNen uns in den letzten zwölf Jahre vorgespielt haben, müsste tatsächlich noch viel größer sein. Vor allem muss das mal einer sagen…! Und zwar deutlich. Einer dem die Leute zuhören, damit sie mal was merken können… „Der Markt“ regelt nämlich mal gar nichts! Multiples, mutwillig herbeigeführtes Politikversagen durch untätige Ignoranz der Wirklichkeit – zur Befried(ig)ung von Konzerninteressen. Überall, übrigens! Marktkonforme Demokratie. Eben! Genau!

AfD & FDP kannst du übrigens erst Recht nicht mehr wählen, wenn du Lobo gelesen hast – was sich lohnt! Was bleibt uns also übrig und in Erinnerung, neben dem Iro des Kolumnisten und der kauderhaften Halbglatze?

Jetzt mal im Ernst und nach vorne gedacht: Man stelle sich vor, einen Wahlkampf mit genau dieser ehrlichen, begründeten und hochpolitischen Analyse des Totalversagens der diversen Regierungen Merkel zu führen… Das müsste doch locker genügen, um Bundeskanzler zu werden. Sogar mit der SPD… Die Leute sind doch nicht doof! Die merken dann doch was!

Eintreten Sascha! Endlich! Ich wähl‘ dich! Mit 100%!

Die Frisur kannst du behalten – ich schenk dir einen Hut!

Neuwahlen in Neuland! Lobo! Jetzt!

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