Kommt nach der GroKo „Österreich“?

Von , am Mittwoch, 7. Februar 2018

Tom Strohschneider ist zum Aufschreiben seines Nachdenkens im letzten Jahr vom Neuen Deutschland zum Oxiblog gewechselt. Mein Tipp ist, dass er mit seiner aktuellen Einschätzung, dass es sich bei der aktuellen Koalition um den letzten Akt einer Periode handelt, die mal „die gute alte Zeit“ genannt wird, leider ziemlich richtig liegt.

Wie Strohschneider ausserdem richtig schreibt, und auch schon bei Albrecht von Lucke deutlich wurde, ist ursächlich für diesen Totalschaden unserer Demokratie die Schwäche und Unfähigkeit der Linken. Obwohl jetzt der (oder das?) Moment für auftrumpfende, innovative linke Alternativen wäre, herrscht dort weiter Spaltung und Selbstbeschäftigung. Intelligenz wird nicht gesammelt und organisiert, sondern abgeschreckt. Es werden keine gemeinsamen Nenner und Kompromisse zu gemeinsamem gesellschaftlichen Handeln gesucht, sondern Rechthaber- und Besserwisserei gepflegt. Mag sein, dass das in Deutschland besonders „gut“ beherrscht wird, eine deutsche Besonderheit ist es leider nicht. Parallelen gibt es in fast allen EU-Ländern, und den USA auch.
Zum kulturell naheliegenden Österreich-Vergleich: nach einer kräftezehrenden zivilgesellschaftlichen Anstrengung war noch die Wahl eines kretschmannartigen Grünen Bundespräsidenten durchgesetzt worden. Danach veränderte der schmierige Kurz die rechte ÖVP in eine postmerkelige reaktionäre Richtung zur Koalitionsfähigkeit mit der möllemann-selig-vorbildlichen rechtsradikalen FPÖ, vor der der brave Lindner als Überbleibsel einer altliberalen Zeit immer noch (oder wieder) vor Neid erblasst.

Wenn die gesellschaftliche Linke den Dreh für sich weiter nicht findet, nicht einmal sucht, wird es so kommen, wie Strohschneider schreibt.

Update 8.2.: Die Jungle World hatte ähnliche Gedanken und wählte Österreich als Schwerpunktthema ihrer aktuellen Ausgabe. Verschlüsselte Texte werden in den nächsten Tagen schrittweise offen geschaltet.

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