Zerfall? – das Ich und das Wir

Von , am Dienstag, 13. Februar 2018

Für viele Individuen in den zerfallenden Volksparteien ist jetzt die Gelegenheit berühmt zu werden. Es ist zwar nicht gesichert, wie lange das anhält – ein Tag? eine Woche? – aber nur wenige wollen diese Gelegenheit an sich vorüberziehen lassen. Ein Fest für die Medien, die daraus im gewöhnlich nachrichtenarmen Karneval Funken schlagen können.

Die SPD ist dabei nicht der Hauptgegenstand, sondern gegenwärtig nur die symptomatischste Oberfläche, und gibt sich dem in organisationspolitisch masochistischer Weise hin. Was mich als linken Grünen dabei – ähnlich wie in meiner eigenen Partei – besonders schmerzt ist die Substanzarmut der sich selbst so verstehenden „Linken“. Sie können sich derzeit wirklich kaum um Benachteiligung durch gegnerische Medien beklagen (warum wohl nicht?), und gehen scheinbar auch an keinem Mikrofon vorbei.

Doch welche Botschaft wird dabei vermittelt, die auch Menschen ohne SPD-Mitgliedschaft interessieren könnte? Allein die „sozusagen“-Frequenz im DLF-Interview des Dortmunder MdB Marco Bülow heute mittag ist schon ein Signal, dass es an gedanklicher Klarheit mangelt. In zahlreichen Interviewminuten gelang es ihm weder mitzuteilen, ob er für oder gegen eine Parteivorsitzende Nahles wäre; und noch weniger aus welchen inhaltlichen Gründen. Ein fragwürdiges Kunststück, das derzeit leider die meisten seiner linken Genoss*inn*en vorführen.

Es rächt sich leider auch – ein Konflikt, den ich schon in den Grünen der 90er Jahre erlebte – wenn der Diskurs zwischen regierungskritischen und regierungswilligen Parteilinken zerbricht, sich gar zu persönlichen Feindschaften auswächst. In der SPD ist das ein Schlachtfest für Genossen, wie Hombach, Gabriel bis hin zu Ex-Genossen wie Clement, zusammengefasst den „FroGs“(Friends of Gerhard Schröder).

Die CDU schafft es nur mit abnehmendem Erfolg, sich hinter dem SPD-Geschehen zu verbergen. Merkel wird nicht hinschmeissen wie Schulz. Das ist nicht ihre Kragenweite. Aber wie lange sie sich der Haifische erwehren kann, ist offen.

Eine „Generationen“-Frage wird dabei nur vorgeschoben (wie ich es schon – besonders lächerlich – bei der Bonner Grünen-Ratsfraktion erlebt habe). Es geht nicht um Generationen oder Altersgruppen. Es geht um Karrierewettbewerb – und immer verdeckter, klandestiner, und für die Öffentlichkeit nicht mehr erkennbar – um Richtungskämpfe.

Das schreckliche anstandsarme Spiel, das dabei aufgeführt wird, nützt objektiv denen, die bei ihren Geschäften möglichst wenig von demokratischer Politik belästigt werden wollen. Sie sind auf einem guten Weg.

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