EXTRA-DIENST - Fußball

Pfiffe beim BVB – Tennispublikum im Westfalenstadion

Von , am Donnerstag, 18. Januar 2018

von Gert Samuel

Der unaufhaltbare Trend im Profi-Fußball ist die vollständige Kommerzialisierung mitsamt der Instrumentalisierung des Fußballs als Bestandteil der Unterhaltungsindustrie. Und je nachdem, wie sich Mann oder Frau dazu verhalten, kommt eben „Tennispublikum“ und entsprechendes Verhalten. (In Düsseldorf hatte ich das bei gelegentlichen Stadionbesuchen schon in den 80er Jahren erlebt.)

Leider scheint das – unaufhaltsam? – zur Regel zu werden, verstärkt durch solche inkompetenten Kommentatoren wie am Sonntag (Kai Dittmann), der meiner Meinung nach ein anderes Spiel (BVB-VW Wolfsburg 0:0) gesehen haben muss. Natürlich war ich nicht erbaut über die vergebenen vier großen Chancen des BVB – aber Pech und Glück lassen sich halt nicht verhindern bzw. erzwingen. Und ganz leicht kann so ein Spiel auch verloren gehen. Glücklicherweise hat Bürki zweimal richtig klasse reagiert.

Ich war zuletzt beim „Supercup“-Spiel gegen die Bayern im Stadion. Hinter mir saß und brüllte ein Herbert-Knebel-Typ permanent gegen den 18-jährigen Zagadou, der als gelernter Innenverteidiger auf der linken Seite verteidigen musste und natürlich nicht souverän spielte, sich allerdings in der zweite Halbzeit gut steigerte. Die Anspruchshaltung von Stadionbesuchern ist mir oft ein Rätsel. Weiterlesen

Gegen den modernen Fussball

Von , am Mittwoch, 17. Januar 2018

In vielen Fankurven hängt ein grossen Transparent solchen Inhalts. Die meisten, die es im TV sehen, verstehen es vielleicht nicht. Darum im folgenden einige Erklärversuche. Der moderne Fussball ist der, wie er heute ist. Hart und realistisch, ein Männersport, mit dem sehr viel, sehr sehr viel Geld bewegt wird (und Macht, s. #meetoo). Schwul werden die Männer immer erst, wenn sie mit dem Fussballprofidasein aufgehört haben; das ist durch zahlreiche Autobiografien, Spielerfrauen und Spielerkinder erwiesen 😉 Aber darum geht es in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht.

Die Oligarchen dieser Welt nutzen den modernen Fussball zum Imagetransfer und zur Geldwäsche, zum Netzwerken mit Politik und Business. Die VIP-Logen sind die neuen Handelszentren der Weltwirtschaft. Da ist der moderne Fussball mächtig stolz drauf. Weiterlesen

Bundesligakrise

Von , am Mittwoch, 10. Januar 2018

Übermorgen beginnt die Rückrunde, und unbarmherzig droht der Neujahrsempfang der DFL. Schreckensbleich entdecken die Fussballmedien, die sich immer noch von der Bild genannten sogenannten Tageszeitung die Agenda diktieren lassen: ojeh, ist ja alles total langweilig. Und die Zuschauer*innen im Stadion habens auch schon gemerkt.
Die Manager zeigen wie immer auf England, das ja viel, viel, mehr Geld habe. Daran kanns aber kaum liegen, wenn für deutsche Spitzenmannschaften Gegner aus Zypern unschlagbar werden. Obwohl…. gut…. Zypern ist eine der grössten Geldwaschanlagen der EU für flüchtiges Oligarchenkapital. Vielleicht müssen wir uns doch realistischere Ziele setzen.
Lesen Sie dazu hier, was die Frankfurter Rundschau am Sitz des deutschen Grosskapitals und der nationalen Fussballzentralen das sieht.

Horn / Küppersbusch

Von , am Montag, 8. Januar 2018

Ulrich Horn kenne ich seit 1990, seit meiner Arbeit im Landtag NRW, persönlich. Er war NRW-Landeskorrespondent meiner Heimatzeitung, die vermutlich die deutsche Regionalzeitung mit der zwar stark sinkenden aber immer noch grössten Abonnements-Zahl ist. Ich nahm den Mann also wichtig und begegnete ihm mit Respekt, was unklugerweise nicht alle taten. Mit der Zeit entwickelte sich daraus über intensive Diskussion „gemeinsam interessierender Themen“ – so ähnlich hätte es Genscher formuliert – eine heutige Bloggerfreundschaft, trotz oftmals unterschiedlicher politischer Meinungen. Horns Journalismus-Kunst, die ich bewundere, und die er bei der WAZ erlernen und anwenden musste, ist: mehr zu wissen, als er schreiben kann; mit der kurzen zugespitzten Form in einfacher, verständlicher Sprache möglichst viel mitteilen.
Als verrenteter Journalist und Blogger muss er heute auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Und tut es auch nicht. Weiterlesen

VfL 1900 Borussia – woher wir kommen

Von , am Freitag, 5. Januar 2018

Viele Jahrestage und Jubiläen derzeit. 20 Jahre besteht nun das Online-Fanzine seitenwahl.de, mein Leitmedium in Sachen Borussia Mönchengladbach. Dazu von hier aus ein besonders herzlicher Glückwunsch. Ich hatte das Glück, den Gewinn fünf deutscher Meisterschaften (und zahlreicher weiterer Titel) und die Kreation eines geschichtsprägenden Fussballs durch den heiligen Hennes Weisweiler bewusst mitzuerleben. Das frisch aufblühende Massenmedium Fernsehen, die Älteren kennen es noch, half mir dabei.

Nicht so die Kollegen von Seitenwahl. Als sie vor 20 Jahren anfingen, waren wir ganz unten, an der tiefsten Stelle der Vereinsgeschichte: Abstieg aus der 1. Liga, der sich sogar nach einem Wiederaufstieg noch einmal wiederholen sollte. Es drohte das Schicksal vergleichbar der zahlreichen weiteren westdeutschen Fahrstuhlmannschaften: S04, BVB, FCKö.

So ist es nicht gekommen. Das hat viel mit Hans Meyer, Rainer Bonhof, Max Eberl und Lucien Favre zu tun. Die Kollegen von Seitenwahl rufen es mit einer umfangreichen Retrospektive früherer Artikel in Erinnerung:
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Sehr erbauliche Lektüre, mit dem aktuellen Happyend auf Platz 6 der Hinrundentabelle, die mit wenigen, also auch unserer Ausnahme, immer stärker von der Kapitalkraft geprägt wird.

Warum wir nicht Weltmeister werden

Von , am Dienstag, 2. Januar 2018

Leser*innen dieses Blogs wissen, dass ich Zweifel am Stattfinden der diesjährigen Fussball-WM in Russland habe. Dass sich Wladimir Putin so intensiv mit der kriminellen Fifa eingelassen hat, spricht nicht für eine stabile Recherchequalität des Geheimdienstes, dem er selbst entstammt. Auch gelingt es ihm nicht, sein eigenes Haus, den russischen Sport, von offensichtlichem, systematischen Doping sauberzuhalten. Dass das auch anderen nicht gelingt, das aber ungleich weniger internationale Aufmerksamkeit bekommt, hilft ihm auch nicht weiter, wenn er sich selbst als Veranstalter eines Globalereignisses wie der WM exponieren will (muss?). Das ist nun aus seiner Perspektive „verschüttete Milch“.
Das bisherige Fifa-Management in Zürich deutet kaum darauf hin, dass man dort die Krisenzeichen verstanden hat. Weiterlesen

3:0 für Katalonien

Von , am Samstag, 23. Dezember 2017

Für den TV-Markt in China wurde das spektakulärste Fussballspiel der Welt heute fÜr 13 h MEZ in Madrid angesetzt. Und es nahm einen noch klareren Ausgang als die katalanische Parlamentswahl. Der „königliche“ Klub wurde gemäss aller Fussball-Lehrbuchregeln gedemütigt. Wie es sich für unsere „Leitkultur“ gehört, lieferte der deutsche Barca-Torwart, ehemalige Borussia-Mönchengladbach-Schüler und zukünftige WM-Torwart Marc-Andre ter Stegen den Gipfel dieser Demütigung: beim Stande von 2:0 bekam er einen Rückpass von der Mittellinie, kein Real-Spieler lief ihn an, also blieb er mit Ball stehen – und hätte sich dabei in Ruhe eine Zigarre anzünden können.
Auffällig die zahlreichen Aufrufe zum Aufruhr, gemäss der hierzulande als rechtsstaatlich angesehenen spanischen Gesetze: zahlreiche Zuschauer trugen rot-gelb-gestreifte T-Shirts in den Farben Kataloniens. Auch die Kapitänsbinde Lionel Messis war so designt, er hätte also „verfassungsgemäss“ eigentlich vom Platz weg verhaftet werden müssen. Bei dem Versuch hätte ich einem Elmar Brok gerne zugesehen.
Zinedine Zidane, Trainer von Real, winkt dagegen der Ruhestand. Jetzt im Champions League Achtelfinale bei den arabischen Milliardären von PSG eine bayernähnliche Vorstellung, und er hats geschafft.
Für meine Vereine ein stressfreier versöhnlicher Abschluss der Hinrunde und des Jahres. Die Perspektiven meiner Borussia sind besser, als vorhersagbar, sogar das Fussballmärchen von Eibar, nun schon das dritte Jahr erstklassig, geht weiter: gestern 4:1 gegen Girona, das Pep Guardiola besitzt, 7. in der Liga, punktgleich mit Europa-League-Plätzen.
Aber insgesamt schreibt Gladbach-Fan Klaus Hoeltzenbein in der SZ heute ganz richtig: Langeweile in fast allen europäischen Fussball-Ligen – ausser Italien.

ARD-Sportjournalismus – war das alles?

Von , am Samstag, 23. Dezember 2017

Es lief schon am Dienstag, aber ich muss meinem Ärger immer noch Luft machen. Dieses Mal wurde eine ARD-Dokumentation zu Recht um Mitternacht versenkt: das Nichts über Franz Beckenbauer. Da hatten Tom Theunissen und Olli Dittrich mit ihrer scheinbaren Fiktion „Schorsch Aigner“ vor zwei Jahren deutlich mehr zu bieten.
Das, was der NDR diese Woche in der ARD aufbot, und auch dieser Sender kann es eigentlich besser, enthielt absolut keine neue Erkenntnis, und blies die mit einer Riege Dampfplauderer, die alle niemals ein Mikrofon auslassen würden, auf – der Seriöseste war noch Harald Stenger. Interessant war allenfalls, wer alles „nicht zur Verfügung“ stand. Die wollten nichts sagen, weil sie zuviel wissen.
Der WDR hat ein produktives sportjournalistisches Team bei Sport inside zusammen, guckt es aber mit dem Arsch nicht an. Gegenwärtig ist mehrmonatige „Winterpause“ bis Mitte Februar. Die „Sommerpausen“ gehen über mehrere Jahreszeiten. Und zu allen wichtigen Turnieren (WM, EM, Olympia) ist widersinnigerweise auch immer „Pause“. Schön, dass immerhin noch Zeiten gefunden werden, zu denen überhaupt gesendet wird. Die Termine wechseln seitens der WDR-Programmdirektion allerdings so oft, dass ich das Gefühl habe, auf Internetstreaming umerzogen werden zu sollen.
Muss ich noch ein Wort verlieren, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag eni anderer ist? Interessiert das noch jemanden? Journalismus?

Stöger kann nicht über Wasser gehen

Von , am Sonntag, 17. Dezember 2017

Und Nagelsmann auch nicht. In der Stadt mit den zwei Kirchtürmen wissen sie das mittlerweile. In Dortmund dagegen sind die Kirchtürme nicht so hoch. Da können sie nicht so weit gucken. Die glauben jetzt gar, nach einem 2:1 gegen einen besseren Gegner, geschundener Elfmeter inklusive, sie seien „auf dem richtigen Weg“. Die können das Spiel gestern nicht gesehen haben.
Die Angestellten des Software-Milliardärs aus der Nähe von Sinsheim zeigten den klar besseren Fussball. Das sie trotzdem verloren haben, spricht nicht für die pädagogischen oder gar hypnotischen Kräfte ihres angeblichen Wundertrainers Nagelsmann.
Und dass der, häufig transportiert über die angeblichen Zeitungen des Springerkonzerns, in Dortmund immer noch so ein grosses Diskussionsthema ist, zeugt davon, dass die BVB-Spitze keinen klaren Blick mehr in diesem zugegeben irrsinnigen Hektikgeschäft hat. Die Grüppchenbildung in ihrer Mannschaft, die auch im gestrigen Glücksspiel unübersehbar war, ist letztendlich ihr eigenes Werk. Wer ist denn verantwortlich für das Gehaltsgefüge? Wer lässt sich denn von Spielerberaterkonzernen am Nasenring durch die Arenen ziehen?
Was mag Mo Dahoud wohl über seine Berater denken, die ihn für einen Haufen Geld auf die Ersatzbank des Westfalenstadions gelockt haben? Sicher hat er, wie viele andere Vereinsvorstände und Milliardäre auch, Freitagabend Cuisance und Oxford (beide 18) gesehen. Wie gehts, lieber BVB, eigentlich unserem früheren Fohlen Marco Reus, den wir in Eurer Stadt entdeckt hatten? Ich lese von 8 Verletzten? Was machen eigentlich Eure Trainer und die medizinische Abteilung? Und was kosten diese Ausfallzeiten? Müsst Ihr im Management nachbessern? Und besten Dank auch BVB für Matthias Ginter (z.Zt. 3 Saisontore). Ihr wisst ja, die Innenverteidigung 😉

Borussia: Eberl, das Geschäft und die Fans

Von , am Samstag, 16. Dezember 2017

Die Kolleg*inn*en von seitenwahl.de haben schon alles Nötige völlig korrekt kommentiert. Das wiederhole ich nicht, nur ergänzende Erinnerungen:

Beim von seitenwahl erwähnten Champions-League-Heimspiel gegen ManCity (1:1) war ich im Stadion. Im Oberrang über den echten Stehplatzfans, durfte ich an einer Dauerkarte partizipieren; der Inhaber war dienstlich im Kongo, und ich lasse mal offen, wer mehr gelitten hat und erregter war. Nach dem vorhergegangenen 1:2-Heimdebakel (bei 12:2 Torschüssen) gegen die Leute aus der Stadt mit den zwei Kirchtürmen war das 1:1 gegen die – allerdings lustlose – Milliardärstruppe am Mittwoch danach akzeptabel, zumal es mit 40 Minuten Unterzahlspiel, Stindl war unberechtigt vom Platz geflogen, erkämpft wurde. Um mich rum wurde viel gemotzt und gepfiffen. Keine Eventfans, Dauerkarteninhaber*innen kommen ja immer.
Am Bökelberg früher, und zu zum Teil noch viel besseren Zeiten, war es allerdings ähnlich. Weiterlesen