Kategorie: Fußball

Warum wir nicht Weltmeister werden

Von , am Dienstag, 2. Januar 2018

Leser*innen dieses Blogs wissen, dass ich Zweifel am Stattfinden der diesjährigen Fussball-WM in Russland habe. Dass sich Wladimir Putin so intensiv mit der kriminellen Fifa eingelassen hat, spricht nicht für eine stabile Recherchequalität des Geheimdienstes, dem er selbst entstammt. Auch gelingt es ihm nicht, sein eigenes Haus, den russischen Sport, von offensichtlichem, systematischen Doping sauberzuhalten. Dass das auch anderen nicht gelingt, das aber ungleich weniger internationale Aufmerksamkeit bekommt, hilft ihm auch nicht weiter, wenn er sich selbst als Veranstalter eines Globalereignisses wie der WM exponieren will (muss?). Das ist nun aus seiner Perspektive „verschüttete Milch“.
Das bisherige Fifa-Management in Zürich deutet kaum darauf hin, dass man dort die Krisenzeichen verstanden hat. Weiterlesen

3:0 für Katalonien

Von , am Samstag, 23. Dezember 2017

Für den TV-Markt in China wurde das spektakulärste Fussballspiel der Welt heute fÜr 13 h MEZ in Madrid angesetzt. Und es nahm einen noch klareren Ausgang als die katalanische Parlamentswahl. Der „königliche“ Klub wurde gemäss aller Fussball-Lehrbuchregeln gedemütigt. Wie es sich für unsere „Leitkultur“ gehört, lieferte der deutsche Barca-Torwart, ehemalige Borussia-Mönchengladbach-Schüler und zukünftige WM-Torwart Marc-Andre ter Stegen den Gipfel dieser Demütigung: beim Stande von 2:0 bekam er einen Rückpass von der Mittellinie, kein Real-Spieler lief ihn an, also blieb er mit Ball stehen – und hätte sich dabei in Ruhe eine Zigarre anzünden können.
Auffällig die zahlreichen Aufrufe zum Aufruhr, gemäss der hierzulande als rechtsstaatlich angesehenen spanischen Gesetze: zahlreiche Zuschauer trugen rot-gelb-gestreifte T-Shirts in den Farben Kataloniens. Auch die Kapitänsbinde Lionel Messis war so designt, er hätte also „verfassungsgemäss“ eigentlich vom Platz weg verhaftet werden müssen. Bei dem Versuch hätte ich einem Elmar Brok gerne zugesehen.
Zinedine Zidane, Trainer von Real, winkt dagegen der Ruhestand. Jetzt im Champions League Achtelfinale bei den arabischen Milliardären von PSG eine bayernähnliche Vorstellung, und er hats geschafft.
Für meine Vereine ein stressfreier versöhnlicher Abschluss der Hinrunde und des Jahres. Die Perspektiven meiner Borussia sind besser, als vorhersagbar, sogar das Fussballmärchen von Eibar, nun schon das dritte Jahr erstklassig, geht weiter: gestern 4:1 gegen Girona, das Pep Guardiola besitzt, 7. in der Liga, punktgleich mit Europa-League-Plätzen.
Aber insgesamt schreibt Gladbach-Fan Klaus Hoeltzenbein in der SZ heute ganz richtig: Langeweile in fast allen europäischen Fussball-Ligen – ausser Italien.

ARD-Sportjournalismus – war das alles?

Von , am Samstag, 23. Dezember 2017

Es lief schon am Dienstag, aber ich muss meinem Ärger immer noch Luft machen. Dieses Mal wurde eine ARD-Dokumentation zu Recht um Mitternacht versenkt: das Nichts über Franz Beckenbauer. Da hatten Tom Theunissen und Olli Dittrich mit ihrer scheinbaren Fiktion „Schorsch Aigner“ vor zwei Jahren deutlich mehr zu bieten.
Das, was der NDR diese Woche in der ARD aufbot, und auch dieser Sender kann es eigentlich besser, enthielt absolut keine neue Erkenntnis, und blies die mit einer Riege Dampfplauderer, die alle niemals ein Mikrofon auslassen würden, auf – der Seriöseste war noch Harald Stenger. Interessant war allenfalls, wer alles „nicht zur Verfügung“ stand. Die wollten nichts sagen, weil sie zuviel wissen.
Der WDR hat ein produktives sportjournalistisches Team bei Sport inside zusammen, guckt es aber mit dem Arsch nicht an. Gegenwärtig ist mehrmonatige „Winterpause“ bis Mitte Februar. Die „Sommerpausen“ gehen über mehrere Jahreszeiten. Und zu allen wichtigen Turnieren (WM, EM, Olympia) ist widersinnigerweise auch immer „Pause“. Schön, dass immerhin noch Zeiten gefunden werden, zu denen überhaupt gesendet wird. Die Termine wechseln seitens der WDR-Programmdirektion allerdings so oft, dass ich das Gefühl habe, auf Internetstreaming umerzogen werden zu sollen.
Muss ich noch ein Wort verlieren, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag eni anderer ist? Interessiert das noch jemanden? Journalismus?

Stöger kann nicht über Wasser gehen

Von , am Sonntag, 17. Dezember 2017

Und Nagelsmann auch nicht. In der Stadt mit den zwei Kirchtürmen wissen sie das mittlerweile. In Dortmund dagegen sind die Kirchtürme nicht so hoch. Da können sie nicht so weit gucken. Die glauben jetzt gar, nach einem 2:1 gegen einen besseren Gegner, geschundener Elfmeter inklusive, sie seien „auf dem richtigen Weg“. Die können das Spiel gestern nicht gesehen haben.
Die Angestellten des Software-Milliardärs aus der Nähe von Sinsheim zeigten den klar besseren Fussball. Das sie trotzdem verloren haben, spricht nicht für die pädagogischen oder gar hypnotischen Kräfte ihres angeblichen Wundertrainers Nagelsmann.
Und dass der, häufig transportiert über die angeblichen Zeitungen des Springerkonzerns, in Dortmund immer noch so ein grosses Diskussionsthema ist, zeugt davon, dass die BVB-Spitze keinen klaren Blick mehr in diesem zugegeben irrsinnigen Hektikgeschäft hat. Die Grüppchenbildung in ihrer Mannschaft, die auch im gestrigen Glücksspiel unübersehbar war, ist letztendlich ihr eigenes Werk. Wer ist denn verantwortlich für das Gehaltsgefüge? Wer lässt sich denn von Spielerberaterkonzernen am Nasenring durch die Arenen ziehen?
Was mag Mo Dahoud wohl über seine Berater denken, die ihn für einen Haufen Geld auf die Ersatzbank des Westfalenstadions gelockt haben? Sicher hat er, wie viele andere Vereinsvorstände und Milliardäre auch, Freitagabend Cuisance und Oxford (beide 18) gesehen. Wie gehts, lieber BVB, eigentlich unserem früheren Fohlen Marco Reus, den wir in Eurer Stadt entdeckt hatten? Ich lese von 8 Verletzten? Was machen eigentlich Eure Trainer und die medizinische Abteilung? Und was kosten diese Ausfallzeiten? Müsst Ihr im Management nachbessern? Und besten Dank auch BVB für Matthias Ginter (z.Zt. 3 Saisontore). Ihr wisst ja, die Innenverteidigung ;-)

Borussia: Eberl, das Geschäft und die Fans

Von , am Samstag, 16. Dezember 2017

Die Kolleg*inn*en von seitenwahl.de haben schon alles Nötige völlig korrekt kommentiert. Das wiederhole ich nicht, nur ergänzende Erinnerungen:

Beim von seitenwahl erwähnten Champions-League-Heimspiel gegen ManCity (1:1) war ich im Stadion. Im Oberrang über den echten Stehplatzfans, durfte ich an einer Dauerkarte partizipieren; der Inhaber war dienstlich im Kongo, und ich lasse mal offen, wer mehr gelitten hat und erregter war. Nach dem vorhergegangenen 1:2-Heimdebakel (bei 12:2 Torschüssen) gegen die Leute aus der Stadt mit den zwei Kirchtürmen war das 1:1 gegen die – allerdings lustlose – Milliardärstruppe am Mittwoch danach akzeptabel, zumal es mit 40 Minuten Unterzahlspiel, Stindl war unberechtigt vom Platz geflogen, erkämpft wurde. Um mich rum wurde viel gemotzt und gepfiffen. Keine Eventfans, Dauerkarteninhaber*innen kommen ja immer.
Am Bökelberg früher, und zu zum Teil noch viel besseren Zeiten, war es allerdings ähnlich. Weiterlesen

Uruguay / Österreich / China / Nahost

Von , am Mittwoch, 13. Dezember 2017

In Mönchengladbach könnte der Weihnachtsbaum rechtzeitig zum Fest in Brand geraten, in Dortmund entdecken sie ihre Liebe zu Österreich – ob sie sie rechtzeitig wieder loswerden? – doch das zentrale Fussballereignis passierte in Uruguay: dort wurde nämlich die Meisterschaft entschieden. Andre Dahlmeyer berichtet in der Jungen Welt. Lieber Andre, ich weiss jetzt, warum Du so schreibst wie Du schreibst: Du willst auf keinen Fall eines Tages durch Algorithmen ersetzt werden. Meine Leserschaft dafür hast Du. Wenn es omline steht ;-)
Liebe zu Österreich: die Nachtzüge, Stefan Schirmer/Zeit-online berichtet und beweist erneut, dass die Unternehmenskultur in deutschen Bürokratien dysfunktional und geeignet ist, unsere Volkswirtschaft zu ruinieren.
Bei Ulrich Horn diskutierten wir jüngst, ob und warum China heute vieles besser kann. Wenn es vom Alibaba-Chef richtig dargestellt und von Florian Rötzer/Telepolis-Chef korrekt berichtet wird, gehe ich in den Widerstand gegen „Smart Cities“.
An Widerstand ist im Nahen Osten kein Mangel. Klügere Analysten haben bereits bemerkt, das Trump nicht nur Feuer legt. Darüberhinaus stärkt er wirksam die, die er als seine Gegner/Feinde deklariert, in Alabama und im Iran. Könnte ihm nur jemand den roten Knopf wegnehmen?

Wer ist „der am meisten überforderte Intendant“?

Von , am Montag, 11. Dezember 2017

In Berlin würde jetzt alle schreiend aufstehen und „Dercon“ rufen. Ungerecht. Wir sind ja auch nicht in Berlin. Helmich ist es auch nicht, nach meiner Wahrnehmung eher ein kluger Stratege, der mit immer enger werdenden Spielräumen von seiten einer kurzsichtigen Kommunalpolitik klarkommen muss. Nein, der geschätzte Kollege Rene Martens hat diesen „Eindruck“ vom aktuellen WDR-Intendanten Tom Buhrow gewonnen. Und damit könnte er rechthaben.
Buhrow habe ich in den 80er Jahren noch bei Kölner Antifa-Demos mitlaufen gesehen. Lockerer Typ mit fortschrittlichen Ansichten, so setzte er sich in meiner Erinnerung fest. Das allein reicht offensichtlich nicht, ein immer mehr Fett ansetzendes Dickschiff durch unruhige Gewässer zu steuern. Fett schwimmt immer oben? Ja, das könnte die herrschende „Philosophie“ des WDR von heute sein. Programminnovationen sind aus dem Haus Weiterlesen

Champions League: Gähnen und Lehrgeld zahlen

Von , am Mittwoch, 6. Dezember 2017

Endlich vorbei, die Gruppenphase der europäischen Champions League, in der sich die Fussballkonzerne von Trump-Freund Murdoch und anderen Medienmogulen und Sponsoren mit Geld zuscheissen lassen. Überraschungen? Die grösste ist vielleicht, dass es der FC Basel mal wieder in die besten 16 geschafft hat, im Endspurt mit einem 1:0 gegen ManU und einem Auswärtssieg in Lissabon.
Die deutschen Teilnehmer am Schneckenrennen hinter dem Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, Brause Leipzig und der BVB, zahlten Lehrgeld. Leipzig zuhause gegen die Reserve von Besiktas Istanbul, die zuhause noch nicht einmal in ihrer Stadt die Spitze bilden, 1:2. Und der BVB gegen die Reserve von Real 2:3. Aubameyang hatte sein Vorstellungsgespräch im Bernabeu-Stadion, machte seine zwei Tore. Im Für-Sich-Selbst-Glänzen hat er Weltmeisterniveau, eine Mannschaft mitreissen kann er nicht.
Die Bundesliga bestätigte damit, dass sie weder die stärkste Liga der Welt noch von Europa ist. Das wahre Gipfeltreffen ist Sonntag um 17.30 h in Manchester. Bei ManU gegen ManCity trifft US-amerikanisches auf arabisches Grosskapital, und sie führen katalanische (City, Guardiola) gegen portugiesische (ManU, Mourinho) Fussballschule ins Feld. Deutschland ist mit dem Schwarzen Leroy Sane aus dem Ruhrgebiet und dem einer türkischen Familie entstammenden Ilkay Gündogan, geb. in der gleichen Stadt wie ich, (beide deutsche Nationalspieler, beide ManCity) beteiligt. Wer gerne stolz sein will auf unser Land: bitteschön!

Stärkste Liga der Welt? – Keineswegs

Von , am Montag, 4. Dezember 2017

Nachdem ich meinen gestrigen Ärger über meine Borussia eine Nacht überschlafen habe, muss im Angesicht der nicht lügenden Tabelle folgendes unbarmherzig festgestellt werden: fussballerisch geht die Bundesliga am Stock. Wenn eine Mannschaft mit 6 bis 8 gut gespielten Halbzeiten in 14 Spielen auf einen Champions-League-Platz (4.) gelangen kann, was sagt das dann über die andern?
Die Europapokal-Tabellen lügen auch nicht. Ausser den Konzernteams sind Weihnachten alle draussen. Das Schneckenrennen in der DFL hinter diesen Nasen aus dem süddeutschen Raum ist doch erbärmlich langweilig.

Was die geografischen und ökonomischen Rahmenbedingungen betrifft, wäre ein Mittelfeldplatz für Borussia Mönchengladbach – Manager Eberl formuliert alljährlich das realistische Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ – das Höchste, was erreichbar ist. Mein Gott, allein schon diese Stadt, auf die der „Borussia-Park“ wie eine draufgefallene fliegende Untertasse aus dem Weltraum aussieht. In unmittelbarer Nähe die Scheingiganten in Köln (grösste Stadt NRWs) und S04 und BVB, beide im grössten Ballungsraum Deutschlands.

Dieser Aufmerksamkeitsschatten ist möglicherweise der grösste Vorteil. Weiterlesen

Lob (von Teilen) der taz: SPD, WM

Von , am Samstag, 2. Dezember 2017

Als die taz Ende der 70er gegründet wurde, unterstützte ich als Abonnent und späterer Autor das vom „Berliner Extra-Dienst“ inspirierte Konkurrenzprodukt „Die Neue„. Die machte Jahre später pleite. Beider Gründer Charly Guggomos wurde nachgesagt, er habe mit der Stasi kooperiert. Für eine Stellungnahme war er nicht mehr zu erreichen, denn er war zum Zeitpunkt der Anschuldigungen schon tot. Ich selbst habe drei Jahre meines Berufslebens auf Kosten der DDR gearbeitet, und wurde dabei, wie ich später durch Akteneinsicht feststellte, aufmerksam durch die Stasi beobachtet. Überrascht davon war ich nicht.
Die taz wurde durch sowohl geschickte als auch glückliche Immobilienspekulationen am Leben erhalten. Wie jedes Medium hat sie viele Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen Weiterlesen

Fifa-Skandal – die ersten Toten

Von , am Mittwoch, 22. November 2017

Bisher habe ich die Charakterisierung von Fussballorganisationen als „Mafia“ oft mit der Einschränkung versehen, dass es bisher wenigstens noch keine Todesopfer gab. Das muss ich nun korrigieren. Thomas Kistner, einer der besten Beobachter dieser Szene, berichtet in der SZ von den ersten.
In seiner Darstellung spielt der bereits verstorbene Julio Grondona eine wichtige Rolle, als Täter und Kopf der Organisation. Es ist kaum eine Übertreibung zu sagen: er beherrschte das ganze Westufer des Atlantik, so weit es Fussballkorruptionsnetzwerke betraf. Seit seinem Verscheiden scheint es heftige Diadochenkämpfe zu geben, die – für die ermittelnden Strafverfolger*innen wie für uns als Öffentlichkeit erfreulich – zu einem kräftigen Zuwachs an Singvögeln/Kronzeug*inn*en geführt hat. Und Singvogelverdächtige geraten in Lebensgefahr.
In der Heimat von Senor Grondona, in Buenos Aires/Argentinien lebt und arbeitet auch Extradienst-Leser Andre Dahlmeyer, der einzige Journalist, über den ich regelmässig was über das sportliche lateinamerikanische Fussballgeschehen erfahren, heute mit einer formidablen Reportage in der Jungen Welt aus dem Stadion der Boca Juniors, wo Dahlmeyer den BVB beim spionieren erwischte. Er hat sich dort in wirkliche Gefahr begeben, denn die argentinischen Fankurven werden noch schlimmer als in Italien von organisierter Kriminalität beherrscht und terrorisiert. Die deutsche Bundesliga ist dagegen ein Disneyland, und die Dormunder Südtribüne ein Streichelzoo. Danke für Deine sachdienlichen Hinweise! ;-)

Borussia – Boateng – Balotelli – Togo

Von , am Sonntag, 19. November 2017

Jetzt nicht durchdrehen, für ein paar Stunden Dritter und auf einem Champions-League-Platz, dritter Auswärtssieg in Serie von einstigen „Auswärtsdeppen“, Tabellenführer der konzernunabhängigen Vereine. Es sind noch 19 Punkte bis zu den Klassenverbleib sichernden 40. Seht nur den Saisonverlauf des – börsennotierten – BVB!

Ich erinnere mich noch gut an ein Heimspiel 1995 gegen den späteren deutschen Meister (noch mit Sammer) BVB am Bökelberg. Wir lagen 1:3 zurück, und hatten schon alle Hoffnung fahren lassen. Auf der Gegengeradentribüne stand wenige Reihen hinter mir ein Gladbach-Fan der in einem unaufhaltsamen kritischen Wortschwall über unseren angeblich lauffaulen eigenen schwarzen schwedischen Mittelstürmer Martin Dahlin herzog. Die Pointe des Spiels war, Weiterlesen

Laubbläser in Marl – eine Assoziationskette

Von , am Mittwoch, 15. November 2017

Gestern war ein schöner Abend für Fans von Borussia Mönchengladbach. Unser Mannschaftskapitän Lars Stindl schoss, wie es sich dramaturgisch gehört, nur 7 Minuten nach seiner Einwechslung in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das 2:2, nach einer Özil-Götze-Stindl-Kombination mit exzellenter künstlerischer B-Note. Stindl lieferte einen weiteren durchschlagkräftigen Beleg für seine Bewegungsintelligenz und Teamfähigkeit. Er ist zu einem wirklich grossen Spieler gereift und dürfte, Verletzungsfreiheit und das Stattfinden des Turniers vorausgesetzt, bei der WM in Moskau sicher dabei sein. Danach wird sich dann eine Käuferschlange vor dem Büro von Max Eberl bilden.
Nach dem Spiel begrüßte der ARD-Sportschauclub („Wir sind ja hier unter uns“) Borussias Vorstandsmitglied und einstigen Wundertrainer Hans Meyer (75). Er musste keine aktuellen Geschäftsgeheimnisse ausplaudern, weil sich seine Befragung auf sein epochales Wirken in Jena/DDR konzentrierte.
Was hat das mit der Überschrift zu tun? Weiterlesen

Kinder an die Macht – McDonalds Fussballeskorte

Von , am Dienstag, 14. November 2017

von Dieter Bott

„EIN UNGLAUBLICHER TRAUM —–
nicht grösser als 1,48 m und schulsport-tauglich“
„DER GRÖSSTE fussball-FAN der welt“—-

1
HEUTE ABEND –dienstag 14.november- sehen wir
als schmückendes und beglückendes beiwerk
beim initations-ritus mit ernster miene die national-hymnen- und fussball-helden flankierend

vor dem freundschafts-spiel deutschland gegen frankreich
In der ARD um 20 uhr 45 —vor dem anpfiff— die von MC DONALDS gesponserte
FUSSBALL ESKORTE—-zweimal ELF KINDER von 6 -10 jahren
werden Im adidas-dress aufgestellt —

„DIE AUSSTATTUNG: bestehend aus adidas-R-trikot, hose, stutzen und schuhen
darf selbstverständlich als erinnerung an den grossen tag behalten werden“

„SEID DABEI —mit den national-spielern HAND in HAND ins STADION
einlaufen und die TOLLE STIMMUNG erleben.“

„diesen UNGLAUBLICHEN TRAUM könnt IHR euren KIDs jetzt erfüllen“ Weiterlesen

Espana Corrupta / Xavi & Pirlo

Von , am Montag, 13. November 2017

Wird Spanien von einer kriminellen Vereinigung regiert? Die offiziellen Ermittler vermeiden diese Begrifflichkeit, noch; Journalist*innen dagegen nicht mehr. Das geht aus diesem DLF-Bericht hervor. Fälschlicherweise suggeriert er, dass dieses Thema und die Katalonien-Frage zwei verschiedene Themen sind. Das sind sie nicht. Im Gegenteil ist es genau das, was die Katalan*inn*en gegen die spanische Zentralregierung mobilisiert. Und sie sind es, die für Europa eintreten und von der EU im Stich gelassen werden. Die damit zeigt, wie schwach sie ist.

Christian Eichler weist heute auf das Karriereende der aus meiner Sicht grössten Fussballer unserer Zeit hin: Xavi Hernandez und Andrea Pirlo. An Charakter- und Ich-Stärke nehmen sie es spielend mit den Steuerhinterziehern Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf, Weiterlesen

Fifa / Färöer gegen Färöer / Städte gegen ihr Theater

Von , am Sonntag, 12. November 2017

Thomas Kistner, SZ-Redakteur, ist seit etlichen Jahren einer der ganz wenigen kritischen Sportjournalisten. Ich weiss nicht, ob er überhaupt von irgendwas Fan ist, auf jeden Fall Fan seines Berufes. Eine selten gewordene Spezies. Zusammen mit seinem Kollegen Aumüller legt er sich an diesem Wochenende ein weiteres Mal mit dem „Kaiser“ Franz Beckenbauer an. Nun könnte man meinen, der Arme lebt doch sowieso am Rande von Herzinfarkten, ist nur noch ein Opfer, wie, sagen wir mal, Boris Becker. Ein Kaiser steht nicht nur für sich selbst, er ist Repräsentant eines komplizierten Herrschafts- und Korruptionsystems, in dem sich in der Regel ein recht umfangreicher Adel verbirgt. Und so war es mit Beckenbauer wirklich. Vorgestern erst erwähnte ich hier im Zusammenhang mit dem Niedergang des Privatfernsehens den Kirch-Konzern, seine Verästelungen und seinen Zusammenbruch. Da ist er also schon wieder …..
Island ist schon genial, aber noch kleiner und noch spektakulärer sind die Färöer-Inseln. Sie mischen nicht nur das Fussballbusiness auf, sie entwickeln sogar die Macht, Google zu nötigen, mit ihrer schärfsten Waffe, den Schafen. Grossartig.
Was für ein Bild gibt dagegen das Rheinland ab. Andreas Rossmann (FAZ) berichtet aus Köln, wie der nächste Theaterintendant seine Flucht vorbereitet. Ähnlichkeiten mit Bonn wären nicht zufällig. Die Städte sind unfähig, sich selbst zu managen. Schulen werden nicht saniert, nicht weil das Geld fehlt, sondern fachlich qualifiziertes Personal, um es kontrolliert auszugeben. Seit der Entlassung des berüchtigten Naujoks findet die Stadt Bonn keine Führung mehr für ihr Immobilienmanagement, die – und sei es in einem personellen Tandem – ingenieur- und kaufmännische Fachqualifikation in sich vereint. Und das ist dann, so die Pointe von CDU, SPD und FDP im Stadtrat, praktischerweise schuld: die Oper.

Hans Schäfer gestorben

Von , am Dienstag, 7. November 2017

Ein feiner Kerl hat uns und den FC verlassen.
Vor wenigen Tagen hatte ich hier noch seinen 90. Geburtstag gewürdigt.
Jetzt ist aus dem Glückwunsch ein Nachruf geworden.
So weit ich es kenne, hat der Mann ein tolles Leben gelebt und uns und dem Fußball viel gegeben.
Von den vielen Kulissenschiebern im Geschäft und in Köln, hat er sich nicht benutzen lassen, eine Lebensklugheit, die er seinem legitimen fußballerischen Erben Wolfgang Overath immer voraus hatte.
Ich bin glücklich, ihm persönlich begegnet zu sein.

Bundesliga-Krise

Von , am Montag, 6. November 2017

Saison nach weniger als einem Drittel – sportlich – beendet, schon vor der kalten Jahreszeit, das allein ist schon problematisch für den Konzern Deutsche-Fussball-Liga (DFL).
Dietrich Schulze-Marmeling habe ich persönlich in den frühen 80ern kennengelernt. Da war er Vertreter der „Autonomen“ im Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung. Später verzog er sich ein Jahr nach Nordirland. Heute ist er bekennender BVB-Fan und respektierter Geschichtsschreiber des Konzerns aus dem süddeutschen Raum. Er analysiert in der taz kurz und prägnant die fussballerischen Symptome, die es dahin gebracht haben. „Stärkste Liga der Welt“ muss irgendwo anders sein.
Rouven Ahl (Junge Welt) entdeckt derweil Fussball-Innovation in der Zweiten Liga, bei Holstein Kiel, trainiert vom einstigen „ewigen Talent“ Markus Anfang.

Lambsdorff-Trump / Arabien / Agroindustrie / Katalonien / Drohnenkrieg / Feminismus

Von , am Sonntag, 5. November 2017

Das Wochenende ist Palaverzeit. Die Mitglieder des politisch-medialen Komplexes in Berlin sind auf Heimaturlaub, machen Wahlkreisarbeit, oder treffen sich in Parteigremien und Kungelrunden, und geben Interviews. Der Springer-Verlag versucht mit seinen Sonntagsblättern die Agenda in seinem Sinn zu steuern, dass der Spiegel jetzt samstags erscheint – hat das schon jemand bemerkt?

Die für das Volk relevanteste Nachricht ist, dass die Bundesligasaison gestern Abend im Westfalenstadion – gefühlt – vorzeitig beendet wurde. Jetzt folgt wieder eine Länderspielpause, gegen England und Frankreich. Bei gutem Fussball könnte sie die Stimmung der Fans kurzzeitig aufhellen, die der Bundesligamanager dagegen weiter ansäuern. Denn Vereine und Nationalmannschaft ergänzen sich nicht mehr, sondern sind Konkurrentinnen um den Aufmerksamkeits- und Medienmarkt.

Es gab trotz allem eine Reihe politischer Vorgänge, die Aufmerksamkeit verdienen.
Während in Bonn, von der Berliner Republik weitgehend unbemerkt, die Weltklimakonferenz tagt, gibt der Bonner Abgeordnete Lambsdorff, der bei der Direktwahl im Wahlkreis klar scheiterte, ein Interview, mit dem er fast trumpartig den Klimaschutz einkassieren will. Weiterlesen

Fussballweltkrieg – it’s the economy, stupid!

Von , am Freitag, 3. November 2017

Die Aufregung über den bevorstehenden europäischen Fussball-„Nationencup“ der Uefa ist noch gar nicht richtig ausgebrochen, ausser in unseren TV-Anstalten, die in ihrer Panik schon unsere Millionen aus den Fenstern geworfen haben. Da hat die Fifa zu einem Revanchefoul gegen die Uefa angesetzt, dass der mit dem guten Weitblick-Instrumentenkasten eines alten konservativen Politikers ausgestattete DFB-Chef Grindel als erster „Alarm“ gerufen hat. Die Fifa will in den bisherigen „Confed“-Cup-Jahren eine „Klub-WM“ ansetzen, ein direkter Angriff auf die sportlich langweilige aber beständig Geld scheissende Uefa-Champions-League.

Im Kern geht es strategisch darum, wer welche renditeträchtigen Marktplätze am schnellsten und wirkungsvollsten besetzt, bevor es jemand anders tut. Die Fifa analysiert richtig, dass die Vereinsmarken in der globalen Fussballwelt längst mehr Identifikation erzeugen, als die Nationalmannschaften. Da sie mehr zusammen trainieren und spielen, zeigen sie auch den besseren Fussball. Und, siehe Champions-League, sie mobilisieren entschieden mehr Kapital. Das kommt im Fussball mittlerweile in grösserem Masse aus Asien, als aus Europa. Von den in dieser Sportart abgemeldeten USA, die umso mehr in Sachen Fussballkorruption strafrechtlich ermitteln, ganz zu schweigen.
Wir dürfen davon ausgehen, hier geht es nicht um Fussball, sondern um Geopolitik. Niemand weiss das besser als Herr Grindel. Weiterlesen