Thema: Champions-League

Die europäische Fussball-Langeweile

Von , am Montag, 19. Februar 2018

Führt an einer Europa-Liga noch ein Weg vorbei? Was elektrisiert die Masse der Fans noch, ausser Champions-League (die aber auch erst jetzt, in ihrer KO-Phase)?

Ein Überblick über die grossen und mittelgrossen europäischen Fussball-Ligen ergibt, dass ganze sechs noch interessant ist. Bei zwei Dritteln herrscht bereits das große Gähnen. Weiterlesen

Bedingungslose Kapitulation des ARD-Journalismus

Von , am Donnerstag, 8. Februar 2018

In den Lesestatistiken dieses Blogs lassen sich die politischen Themen, die die Menschen bewegen, präzise ablesen. Monatsspitzen waren rund um die Wahltermine Mai 17/NRW-Landtagswahl, September 17/Bundestagswahl. Tagesrekord war der Montag nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen.

Die ARD dagegen hat viel Geld für Fussball investiert, und muss das Zeug versenden. Es handelt sich aktuell um ein DFB-Pokal-Viertelfinale, also eine Runde der letzten acht Mannschaften. Da muss die Neubildung einer Regierungskoalition ein halbes Jahr nach der Wahl halt mal zurückstehen. Die ARD-Hierarchen werden mit den Einschaltquoten wedeln, und „Siehste!“ rufen. Der Schaden, den sie ihrem eigenen Ansehen und dem ihrer zahlreichen gutbezahlten journalistischen Mitarbeiter*inne*n zufügen, ist dennoch um einiges gewichtiger. Weiterlesen

Champions League: Gähnen und Lehrgeld zahlen

Von , am Mittwoch, 6. Dezember 2017

Endlich vorbei, die Gruppenphase der europäischen Champions League, in der sich die Fussballkonzerne von Trump-Freund Murdoch und anderen Medienmogulen und Sponsoren mit Geld zuscheissen lassen. Überraschungen? Die grösste ist vielleicht, dass es der FC Basel mal wieder in die besten 16 geschafft hat, im Endspurt mit einem 1:0 gegen ManU und einem Auswärtssieg in Lissabon.
Die deutschen Teilnehmer am Schneckenrennen hinter dem Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, Brause Leipzig und der BVB, zahlten Lehrgeld. Leipzig zuhause gegen die Reserve von Besiktas Istanbul, die zuhause noch nicht einmal in ihrer Stadt die Spitze bilden, 1:2. Und der BVB gegen die Reserve von Real 2:3. Aubameyang hatte sein Vorstellungsgespräch im Bernabeu-Stadion, machte seine zwei Tore. Im Für-Sich-Selbst-Glänzen hat er Weltmeisterniveau, eine Mannschaft mitreissen kann er nicht.
Die Bundesliga bestätigte damit, dass sie weder die stärkste Liga der Welt noch von Europa ist. Das wahre Gipfeltreffen ist Sonntag um 17.30 h in Manchester. Bei ManU gegen ManCity trifft US-amerikanisches auf arabisches Grosskapital, und sie führen katalanische (City, Guardiola) gegen portugiesische (ManU, Mourinho) Fussballschule ins Feld. Deutschland ist mit dem Schwarzen Leroy Sane aus dem Ruhrgebiet und dem einer türkischen Familie entstammenden Ilkay Gündogan, geb. in der gleichen Stadt wie ich, (beide deutsche Nationalspieler, beide ManCity) beteiligt. Wer gerne stolz sein will auf unser Land: bitteschön!

Stärkste Liga der Welt? – Keineswegs

Von , am Montag, 4. Dezember 2017

Nachdem ich meinen gestrigen Ärger über meine Borussia eine Nacht überschlafen habe, muss im Angesicht der nicht lügenden Tabelle folgendes unbarmherzig festgestellt werden: fussballerisch geht die Bundesliga am Stock. Wenn eine Mannschaft mit 6 bis 8 gut gespielten Halbzeiten in 14 Spielen auf einen Champions-League-Platz (4.) gelangen kann, was sagt das dann über die andern?
Die Europapokal-Tabellen lügen auch nicht. Ausser den Konzernteams sind Weihnachten alle draussen. Das Schneckenrennen in der DFL hinter diesen Nasen aus dem süddeutschen Raum ist doch erbärmlich langweilig.

Was die geografischen und ökonomischen Rahmenbedingungen betrifft, wäre ein Mittelfeldplatz für Borussia Mönchengladbach – Manager Eberl formuliert alljährlich das realistische Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ – das Höchste, was erreichbar ist. Mein Gott, allein schon diese Stadt, auf die der „Borussia-Park“ wie eine draufgefallene fliegende Untertasse aus dem Weltraum aussieht. In unmittelbarer Nähe die Scheingiganten in Köln (grösste Stadt NRWs) und S04 und BVB, beide im grössten Ballungsraum Deutschlands.

Dieser Aufmerksamkeitsschatten ist möglicherweise der grösste Vorteil. Weiterlesen

Borussia – Boateng – Balotelli – Togo

Von , am Sonntag, 19. November 2017

Jetzt nicht durchdrehen, für ein paar Stunden Dritter und auf einem Champions-League-Platz, dritter Auswärtssieg in Serie von einstigen „Auswärtsdeppen“, Tabellenführer der konzernunabhängigen Vereine. Es sind noch 19 Punkte bis zu den Klassenverbleib sichernden 40. Seht nur den Saisonverlauf des – börsennotierten – BVB!

Ich erinnere mich noch gut an ein Heimspiel 1995 gegen den späteren deutschen Meister (noch mit Sammer) BVB am Bökelberg. Wir lagen 1:3 zurück, und hatten schon alle Hoffnung fahren lassen. Auf der Gegengeradentribüne stand wenige Reihen hinter mir ein Gladbach-Fan der in einem unaufhaltsamen kritischen Wortschwall über unseren angeblich lauffaulen eigenen schwarzen schwedischen Mittelstürmer Martin Dahlin herzog. Die Pointe des Spiels war, Weiterlesen

Fussballweltkrieg – it’s the economy, stupid!

Von , am Freitag, 3. November 2017

Die Aufregung über den bevorstehenden europäischen Fussball-„Nationencup“ der Uefa ist noch gar nicht richtig ausgebrochen, ausser in unseren TV-Anstalten, die in ihrer Panik schon unsere Millionen aus den Fenstern geworfen haben. Da hat die Fifa zu einem Revanchefoul gegen die Uefa angesetzt, dass der mit dem guten Weitblick-Instrumentenkasten eines alten konservativen Politikers ausgestattete DFB-Chef Grindel als erster „Alarm“ gerufen hat. Die Fifa will in den bisherigen „Confed“-Cup-Jahren eine „Klub-WM“ ansetzen, ein direkter Angriff auf die sportlich langweilige aber beständig Geld scheissende Uefa-Champions-League.

Im Kern geht es strategisch darum, wer welche renditeträchtigen Marktplätze am schnellsten und wirkungsvollsten besetzt, bevor es jemand anders tut. Die Fifa analysiert richtig, dass die Vereinsmarken in der globalen Fussballwelt längst mehr Identifikation erzeugen, als die Nationalmannschaften. Da sie mehr zusammen trainieren und spielen, zeigen sie auch den besseren Fussball. Und, siehe Champions-League, sie mobilisieren entschieden mehr Kapital. Das kommt im Fussball mittlerweile in grösserem Masse aus Asien, als aus Europa. Von den in dieser Sportart abgemeldeten USA, die umso mehr in Sachen Fussballkorruption strafrechtlich ermitteln, ganz zu schweigen.
Wir dürfen davon ausgehen, hier geht es nicht um Fussball, sondern um Geopolitik. Niemand weiss das besser als Herr Grindel. Weiterlesen

Noch 23 Punkte – Bundesligakrise?

Von , am Sonntag, 29. Oktober 2017

Borussia Mönchengladbach gab am 10. Bundesligaspieltag die erste Vorstellung von zwei guten Halbzeiten hintereinander. Mit nur einem guten Spiel den 6. Tabellenplatz zu erobern, sagt, da die Tabelle nicht lügt, einiges aus. Hätten wir gegen Bayermonsanto den auf dem Papier vorgesehenen Heimsieg eingefahren, wären wir jetzt punktgleich mit dem Tabellenzweiten BVB. Und hätten wir uns beim Gastspiel im Westfalenstadion nicht so blamiert, gegen einen, wie jetzt alle wissen, schlagbaren Gegner, dann wären wir punktgleich mit dem Tabellenführer aus dem süddeutschen Raum.

Dass gestern zwei Spieler der zuletzt heftig kritisierten Abwehr 2 der 3 Tore machten, dass sie beim Spielstand von 1:1 im gegnerischen Strafraum abstaubten, bei einem Auswärtsspiel gegen den – bis dahin – Tabellenvierten mit seinem jugendlichen, und was Wurfdisziplinen betrifft, noch sehr sportlichen Wundertrainer, sagt erfreulich viel über Selbstvertrauen und Spielstärke der Mannschaft – mit dem Rätsel, warum das nicht regelmässig sichtbar wird. Auch dass Thorgan Hazard mit seinem ersten Feldtor (nach 2 Elfmetern) der Saison die Spitze der mannschaftsinternen Torjägerliste eroberte, die er sich mit Lars Stindl teilt, ist kein Grund zur Kritik. Auf je mehr Spieler sich die Torerfolge verteilen, umso schwerer ist die Mannschaft für Gegner ausrechenbar. Leider ist sie das bisher auch für ihre Fans. Ziel muss bleiben: 40 Punkte, und dann gucken wir, wie weit wir sind; fehlen also noch 23.

Wenn also eine solche Mannschaft einen Europa-League-Platz erobert, was sagt das dann über die Bundesliga? Weiterlesen

Jupp

Von , am Donnerstag, 5. Oktober 2017

Knastbruder Uli Hoeness hat wohl nicht mehr viele echte Freunde. Und der Fussballkonzern im süddeutschen Raum scheint keine gute Adresse mehr zu sein für Leute, die im Fussballbusiness noch eine Weltkarriere anstreben.

Die aktuelle Gerüchteküche zeugt zum einen von der persönlichen Integrität von Jupp Heynckes. Der hat in diesem Geschäft wirklich alles erlebt, von Morddrohungen bis zum Rausschmiss nach dem Gewinn der Champions League. Er hat die Welt gesehen und ist zum Lebensabend an den Niederrhein zurückgekehrt, wie er es immer wieder getan hat. Und lässt seine Freunde nicht, wie die meisten andern in der Branche es irgendwann tun, fallen. Also hat er sich überreden lassen, noch mal dort zu arbeiten, wo er schon mehr Erfolge eingefahren hat, als die meisten andern, die sich heute noch als Celebrities und Gastkommentatoren rumreichen lassen. Ich weiss von befreundeten Journalisten: der Mann wirkt nicht nur anständig, er ist es auch.

Wie anders sein alter neuer Arbeitgeber. Weiterlesen

CL – wir werden sie nicht vermissen

Von , am Mittwoch, 27. September 2017

Die Champions League der Uefa ist seit einigen Jahren nicht nur die Geldmaschine, die einige wenige Clubs konkurrenzlos reich macht. Sie ist in den letzten Jahren auch zu einem der langweiligsten Wettbewerbe des Weltfussballs geworden. Von den letzten 8 des Viertelfinales sind meistens 7 immer die Gleichen.
Nun haben sich die vereinigten Mafiosi dazu entschlossen, die TV-Rechte dieses Wettbewerbs für Deutschland ab der nächsten Saison komplett im Pay-TV verschwinden zu lassen. Das Gute daran: dass es nicht mehr unser Geld ist, das diesen Figuren vom ZDF hinterhergeschmissen wird.
Wir dürfen es also als solidarischen Widerstand des deutschen Spitzenfussballs gegen Trump-Förderer Rupert Murdoch auffassen, erst gar keinen Abschiedsschmerz aufkommen zu lassen, und heute und gestern alle Spiele zu verlieren: Brause Leipzig 0:2, Katar II bei Katar I 0:3 und nur der BVB tanzte aus der Reihe und schoss ein Tor bei seinem 1:3. So verringern sich auch die CL-bedingten Wettbewerbsvorteile in der Bundesliga, weil keine Punktprämien eingespielt wurden. Und die Süddeutschen werden sicherlich noch für gute Intrigenunterhaltung sorgen, denn es muss ja geklärt werden, dass der Trainer an allem schuld ist.
Nun bleibt abzuwarten, ob wenigstens die Bundesligasaison noch spannend wird. Oder ob der BVB sie langweilig macht. Wie Küppi Montag schon kommentierte: „Langsam wird es unheimlich.“

Rummenigge knapp einem Anschlag entronnen

Von , am Dienstag, 26. September 2017

Wenig wahrgenommen von der breiten Öffentlichkeit hat der Präsident des Fußballkonzerns aus dem süddeutschen Raum Karlheinz Rummenigge kürzlich den Vorsitz in der Vereinigung der europäischen Grossclubs (ECA) aufgegeben, nach immerhin 10 Jahren. Kaum war sein Nachfolger, Juve- und Fiat-Boss Agnelli bestimmt, schlug direkt mal eine Bombe im Gebälk der Fussballkonzerne ein. Agnelli wurde verurteilt. Von einem italienischen Sportgericht.
Das allein ist schon eine Sensation.
Nicht minder spektakulär ist die Straftat: er hat die lukrative Verwaltung eines Fanblocks an die kriminelle Vereinigung N’Drangheta, die kalabrische Mafia übergeben. Der Kopf des größten norditalienischen Kapitalblocks macht also gemeinsame Sache mit dem brutalsten Mafiazweig Süditaliens.

Stört das irgendjemanden im europäischen Fussballbusiness? Interessiert das irgendjemanden in der EU? Ach was, Kleinkram, heute wird wieder Geld in der Champions League gemacht, Murdochs Sky wird senden (in Deutschland exklusiv!), China, Katar, Aserbaidschan und Russland werden zuschauen. Das ist wirklich wichtig.

Fussball? – Bin fieberfrei!

Von , am Mittwoch, 13. September 2017

Heute, nee siehste schon der erste Fehler, gestern war der erste Spieltag der Gruppenphase in der europäischen Geldwaschanlage Champions League. Seltsam spannungslos, erst recht nach all den erwartbaren Ergebnissen von gestern. Dass Juve bei Barca so klar (0:3) untergeht, war schon das Überraschendste, gähn ….

Diese Probleme drohen auch der deutschen Bundesliga. In der Champions League genügt es, sich frühestens zum Viertelfinale im nächsten Frühjahr wecken zu lassen. In der Bundesliga ist die spannendste Frage, wie der HSV dieses Mal den Abstieg vermeidet; und dann erst, wer hinter dem Konzern aus dem süddeutschen Raum und dem BVB die größte Verschiebung zwischen Geld- und Sporttabelle schafft (meistens der SC Freiburg). Genauso gähn …

Die ganze Aufregung, die einem echten Fan noch bleibt, ist das ständige Auf und Ab in der Formkurve seines Lieblingsvereins. Vereine, die eine solche Formkurve nicht kennen, sind langweilig; und ihre „Fans“ haben keine Ahnung, was Fansein überhaupt ist.

Es gibt eine Studie, die es langsam zum Standardwerk schafft, die Braunschweiger „Fussballstudie“, die jedes Jahr Untersuchungen zum Markenwert der DFL-Vereine veröffentlicht. Sie basiert nicht auf den Rankings von Media- und Werbeagenturen, sondern auf Aussagen von Fans und Konsument*inn*en. Die dort veröffentlichten Tabellen sind aufschlussreicher und spannender, als alles was die DFL derzeit selbst zustandebringt. Weiterlesen

„Mein Verein“ (WDR): VfL 1900 Borussia Mönchengladbach

Von , am Montag, 28. August 2017

Andreas Kramer gehört der TV-Mannschaft von Arnd Zeigler an, der weit über die Grenzen Werder Bremens hinaus bis vor die Stadtmauern einer bayrischen Grossstadt bundesweit Respekt und Anerkennung für seinen Humor und seine Fachlichkeit geniesst. Er kann also nicht verkehrt sein. Zu Beginn des Films packte mich Entsetzen: was ist das denn für ein provinzieller Mist? Er kriegte noch die Kurve, zu einem knappen aber grundsätzlich sympathischen zufriedenstellend.

Auch dieser Film verhob sich nicht an der reichen Geschichte des Vereins, sie wäre, da gebe ich Kramer völlig recht, in 45 Minuten Film nicht zu packen gewesen. Dass er sich für die zurückhaltende Würdigung Lucien Favres rechtfertigt, ist ok. Auch würdigt er die 60er Jahre angemessen. Dass er dabei allerdings kein einziges Mal den Namen des Kölners (!!!) und Gottvaters des Mönchengladbacher Fussballs Hennes Weisweiler nennt, ist aber dann doch ein notenentscheidender schwerer Fehler. Ohne Weisweiler, der nicht nur unzählige Fussballtalente sondern zu Lebzeiten 90% der deutschen Profitrainer ausbildete, hätte es die Mönchengladbacher Fussballgeschichte wie wir sie kennen – und also auch diesen Film! – nicht gegeben. Gegen diesen Fehler ist es fast schon eine lässliche Sünde, dass auch Jupp Heynckes ungenannt bleibt, Weiterlesen

Sackgassen des deutschen Fussballs

Von , am Freitag, 21. April 2017

Der BVB-Attentäter hatte keine terroristischen Motive, sondern „nur“ Habgier? Da werden sich Marc Bartra und seine traumatisierten BVB-Arbeitskollegen aber freuen. Verloren sie doch gerade gegen einen in beiden Spielen klar besseren Gegner, der die Tabelle im Land des Vizeeuropameisters anführt, aber in einem Staat residiert, der ohne die Organisierte Kriminalität vermutlich gar nicht existieren würde, und dessen Geschäftsmodell in erster Linie aus Geldwäsche besteht. Geldwäsche ist auch das, was die DFL „Investoren“ begierig anbieten will, wenn sie endlich die „50+1-Regel“ zur Begrenzung von Investorenmacht zu Fall gebracht hat. Wie schon in Leverkusen, Wolfsburg, Ingolstadt, Hoffenheim, Leipzig ….. Vorbild: die englische Premier League.
Wollen wir das? Der BVB-Attentäter würde das auf jeden Fall bejahen.

Abseits dieser ökonomischen und zweifellos bedeutsamen Hintergründe ist festzuhalten: sportlich war das Ausscheiden aus den europäischen Wettbewerben in allen drei Fällen gerecht. Weiterlesen

Gnadenlos gegen junge Millionäre

Von , am Mittwoch, 12. April 2017

Angenommen, gestern trachtete Ihnen jemand nach dem Leben, Glassplitter flogen Ihnen um die Ohren, ein Arbeitskollege von Ihnen verletzte sich dabei ernsthaft. Was für einen Fussball würden sie 20 Stunden später auf den Platz bringen?
Den Gedanken machten sich einige Großschnauzen in meiner Fussballkneipe heute nicht, die über die zweifellos sichtbaren Unzulänglichkeiten des BVB, vor allem in der 1. Halbzeit, lästerten. Sie haben ja auch sonst nix, ausser ihrem Pils.
Moralisch hat sich die Mannschaft des BVB in der 2. Halbzeit auf jeden Fall rehabilitiert. Ein Unentschieden war möglich, die eingewechselten Pulisic und Sahin brachten exakt die erforderliche Mentalität für eine erkämpfte spielerische Wende mit, und bereiteten ein Tor beim 2:3 gemeinsam vor. Aber der Gegner AS Monaco war heute keine Wald-und-Wiesen-Mannschaft, sondern der französische Tabellenführer.
Die 19,20-25-jährigen Millionäre in den kurzen Hosen, die in jungen Jahren schon teure Spielerberater, Spielerfrauen, Eltern und andere Verwandte ernähren und ihnen Arbeit geben müssen, bestimmen die Spielregeln nicht. Sondern die mafiösen Milliardäre, denen TV-Sender, Ligen, Fussballorganisationen und Vereine gehören. Es war anständig vom Murdoch-Angestellten Dittmann (Sky), der vor dem Spiel für eine Verlegung um wenigstens eine Woche plädierte. Aber das hätte den Rahmenterminkalender seiner Bosse so durchgeschüttelt, neenee, was das alles wieder gekostet hätte.
Die Dortmunder sollten es als Ehre ansehen, dass sie mit solchen Spielregeln Probleme haben. Als Menschen macht sie das bedeutender, als es eine Halbfinalteilnahme in der Gazprom-Champions-League könnte. Und die ist zwar nicht mehr wahrscheinlich; aber möglich ist sie noch.

Update 13.4.: Eine gut informierte Analyse zur Lage in der BVB-Fanszene liefert Freddie Röckenhaus in der SZ.
Update 14.4.: weitere relevante Informationen in diesem taz-Bericht von Sebastian Weiermann.

Eberl und Bayern

Von , am Montag, 3. April 2017

Die wichtigste Vertragsverhandlung von Borussia Mönchengladbach wurde vollendet. Keine Gerüchte, sondern offizielle Mitteilungen: der Vertrag mit dem ehemaligen Aussenverteidiger und heutigen leitenden Angestellten Max Eberl wurde „zu erhöhten Bezügen“ bis 2022 verlängert. Diese Frist sagt im heutigen Fussball immer weniger über den zu erwartenden Vertragsvollzug aus, dafür umso mehr über die Höhe der erforderlichen Ablösesumme, um ihn vorzeitig zu aufzulösen. Ist doch auch schön.

Es gibt einen Gladbach-Fan im Exil, den ich um seinen gut dotierten Job nicht beneide. Es ist der Sportressortchef des offiziellen überregionalen Vereinsblattes des FC Bayern, der Süddeutschen Zeitung (SZ), Klaus Hoeltzenbein. Extradienst-Gastautor Klaus Kleinöder schrieb ihm vor einigen Monaten eine empörte Abo-Abbestellung, Weiterlesen

Null Fieber vor dem Spiel

Von , am Samstag, 18. März 2017

Geld regiert die Welt. Auch Schiedsrichter gehören zu dieser Welt. Sie empfinden noch soziale Verantwortung für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und nehmen eine Kanzlerschaft von Martin Schulz in ihrer ganzen Ambivalenz bereits vorweg. Barca-PSG mit dem deutschen Schiri Aytekin: trotz katarisch-künstlicher Ernährung für PSG ist Barca trotzdem umsatzstärker und die klar wertvollere globale Marke. Gestern Abend: bei Audi in Ingolstadt sind die Staatsanwälte, die kann man doch bei unserem nationalen Champions-League-Vertreter nicht mutwillig punkten lassen. Und in der Europa-League: Gladbach wird das Ausscheiden überleben, S04 dagegen wäre endgültig pleite gewesen – und zwar in jeder Hinsicht. Wer will zu meiner notleidenden Geburtsstadt Gelsenkirchen so brutal unbarmherzig sein?

Alle Verhältnisse sind bereits im März wohlgeordnet. In der Champions League ist der große Eisenbahnraub bereits erledigt, das Viertelfinale zur Aufteilung der Beute ist angerichtet. Das Interesse an der Bundesliga ist schon so gesunken, dass Herr Rummenigge sich verdächtig veranlasst sah, mal wieder jedes Interesse an einer internationalen Superliga zu leugnen. Wenn er dabei nur nicht immer so rote Backen kriegen würde ….

Was kann also morgen noch kommen? Der erste Gladbacher Auswärtssieg der Geschichte gegen diesen Gegner erreichte mich in den 90ern völlig unerwartet in Cagliari/Sardinien im Urlaub. Sowas passiert allenfalls mal, wenn man am wenigsten damit rechnet. Insofern sind die Voraussetzungen günstig wie lange nicht mehr. Exzellent beschrieben von den Kollegen von seitenwahl.de. Kompliment an Christoph Clausen, das hätte ich nicht besser schreiben können.

Ich werde heute Abend im 17. Stock eines Bonner Hotels mit einem Fan auf der Durchreise dinieren, seine letzte warme Mahlzeit vor dem Spiel. Er hat zum Sommelier umgeschult, er soll den Wein aussuchen, es soll uns an nichts fehlen.

Und wenn ich die Bundesligasendung morgen abend auslassen will, bin ich eben gespannt, wie sich Ska Keller bei Anne Will schlägt. Der attraktivste Mann in der Runde ist gleichzeitig der Älteste. Das politischste Programm wartet allerdings im Islandkrimi „Trapped“ im ZDF. Irgendwie wird der Abend gelingen.

Champions League – die fällige Reform

Von , am Mittwoch, 8. März 2017

Reichtum, das haben wir gelernt seit es den Kapitalismus gibt, bedeutet waaahnsinnig viel Verantwortung. Im Fussball hat sich mittlerweile so viel Verantwortung angesammelt, dass sein Geschehen nicht mehr so ausschliesslich sportlichen Zufällen ausgesetzt sein darf. Es gibt Städte in Europa, in denen der Fußball schon der größte Arbeitgeber ist; andere könnten jederzeit von den Clubbesitzern komplett gekauft werden, weil sie aufgrund ihrer Überschuldung in Geld ausgedrückt nichts mehr wert sind.

Darum hier der Vorschlag, um in Zukunft Ruin und Verzweiflung zu vermeiden. Und den Fussball, nicht in der Champions-League, aber ausserhalb von ihr, wieder spannend zu machen.
Statt einer willkürlichen Auslosung von Gruppen und Spielpaarungen wird folgendes festgesetzt: Weiterlesen

Westherne und Nordlüdenscheid im Panicroom

Von , am Dienstag, 31. Januar 2017

In Düsseldorf war eine Sportbusinessmesse. Und die wichtigste dort diskutierte Frage war, wie die Fans endlich vollständig enteignet werden können. Imgrunde also die Trumpsche Agenda herunterdekliniert auf unsere beliebteste Sportart, die jetzt neu definiert wird als letzte kapitalistische Goldgrube, nachdem alles andere leider abgegrast und ausgebeutet ist. Relevanter Widerstand dagegen ist nicht erkennbar. Dennoch ist die Nervosität groß. Denn es könnte sein, dass die kapitalistische Systematik nicht von Kommunisten, sondern von sich selbst gekillt wird.

In Düsseldorf wurde den Sport-„Journalisten“ in die Aufnahmegeräte diktiert, dass die „50+1-Regelung“, eine letzte Bremse gegen schrankenlose Investoreninvasion, die in Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig und Hamburg längst nicht mehr gilt, bald ganz weg soll. Für Hannover 96 und seinen verhassten Präsidenten Kind, quasi eine Trump-Zwergenausgabe in der DFL, zu spät. Der hat das Verhältnis zu den Fans so vollständig ruiniert, Weiterlesen

Fussballbusiness – kommt jetzt der Weltkrieg?

Von , am Dienstag, 10. Januar 2017

Die Kriegserklärung der Fifa gegen die globalen Großklubs ist jetzt auf dem Tisch. Eine WM mit 48 Teilnehmerstaaten soll Marktanteile der Kontinentalverbände in Europa (Champions League) und Südamerika (Copa Libertadores) zurückerobern und die ökonomisch schwächeren Länder und Kontinente in einem Bündnis vereinen.

Die Fifa war bisher in der Defensive. Die USA, keine Fußballgrossmacht, gingen aggressiv mit ihrer staatlichen Justiz gegen ihre globale Korruption vor. Es war gleichzeitig Teil des Schleifens des Schweizer Bankgeheimnisses, jedenfalls sind die USA davon nicht mehr betroffen, wenn sie es nicht wollen. Ökonomische Interessen der USA wurden dabei nicht geschädigt, im Gegenteil.

Auf einer anderen Seite steht die – im Fussball durchaus heterogene – Grossmacht China. Darum geht es im Kern bei dem Fifa-Beschluss: wer leitet das unüberschaubare chinesische Businesskapital in seine Kanäle? Weiterlesen

Wann platzt die Fußball-Blase?

Von , am Donnerstag, 3. November 2016

Nehmen wir die TV-Termine dieser Woche:
Mo. 20.15 h St. Pauli (erstmals in dieser Saison: 5 x 1.Liga)
Di. 20.45 h Champions League (demnächst zusätzlich um 19 h)
Mi. 20.45 h Champions League (demnächst zusätzlich um 19 h)
Do. 19 h & 21.05 h Europa-League
Fr. 18.30 h 2.Liga, 20.30 h 1.Liga
Sa. 13 h 2.Liga, 15.30 h 1.Liga, 18.30 1.Liga
So. 13.30 h 2.Liga (erstmals diese Saison auch 2 x 1.Liga), 15.30 h 1.Liga, 17.30 h 1.Liga
Es gibt immer noch Leute, die sich wundern, dass die Amateurmannschaften, die keine Profikarriere anbieten und am Wochenende spielen müssen, Nachwuchsprobleme haben. Ich wiederum kann aus eigener persönlicher Erfahrung berichten, dass das Zugucken vor der Glotze auch schon körperlich anstrengend ist. Nach zwei Spielen hintereinander ist, da mein Kneipier einfach keine Liegestühle anschaffen will, „alles zuende“.

Doch manchen ist es noch nicht genug. Weiterlesen