Thema: Hans Meyer

VfL 1900 Borussia – woher wir kommen

Von , am Freitag, 5. Januar 2018

Viele Jahrestage und Jubiläen derzeit. 20 Jahre besteht nun das Online-Fanzine seitenwahl.de, mein Leitmedium in Sachen Borussia Mönchengladbach. Dazu von hier aus ein besonders herzlicher Glückwunsch. Ich hatte das Glück, den Gewinn fünf deutscher Meisterschaften (und zahlreicher weiterer Titel) und die Kreation eines geschichtsprägenden Fussballs durch den heiligen Hennes Weisweiler bewusst mitzuerleben. Das frisch aufblühende Massenmedium Fernsehen, die Älteren kennen es noch, half mir dabei.

Nicht so die Kollegen von Seitenwahl. Als sie vor 20 Jahren anfingen, waren wir ganz unten, an der tiefsten Stelle der Vereinsgeschichte: Abstieg aus der 1. Liga, der sich sogar nach einem Wiederaufstieg noch einmal wiederholen sollte. Es drohte das Schicksal vergleichbar der zahlreichen weiteren westdeutschen Fahrstuhlmannschaften: S04, BVB, FCKö.

So ist es nicht gekommen. Das hat viel mit Hans Meyer, Rainer Bonhof, Max Eberl und Lucien Favre zu tun. Die Kollegen von Seitenwahl rufen es mit einer umfangreichen Retrospektive früherer Artikel in Erinnerung:
1. Teil
2. Teil
3. Teil
Sehr erbauliche Lektüre, mit dem aktuellen Happyend auf Platz 6 der Hinrundentabelle, die mit wenigen, also auch unserer Ausnahme, immer stärker von der Kapitalkraft geprägt wird.

Stärkste Liga der Welt? – Keineswegs

Von , am Montag, 4. Dezember 2017

Nachdem ich meinen gestrigen Ärger über meine Borussia eine Nacht überschlafen habe, muss im Angesicht der nicht lügenden Tabelle folgendes unbarmherzig festgestellt werden: fussballerisch geht die Bundesliga am Stock. Wenn eine Mannschaft mit 6 bis 8 gut gespielten Halbzeiten in 14 Spielen auf einen Champions-League-Platz (4.) gelangen kann, was sagt das dann über die andern?
Die Europapokal-Tabellen lügen auch nicht. Ausser den Konzernteams sind Weihnachten alle draussen. Das Schneckenrennen in der DFL hinter diesen Nasen aus dem süddeutschen Raum ist doch erbärmlich langweilig.

Was die geografischen und ökonomischen Rahmenbedingungen betrifft, wäre ein Mittelfeldplatz für Borussia Mönchengladbach – Manager Eberl formuliert alljährlich das realistische Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ – das Höchste, was erreichbar ist. Mein Gott, allein schon diese Stadt, auf die der „Borussia-Park“ wie eine draufgefallene fliegende Untertasse aus dem Weltraum aussieht. In unmittelbarer Nähe die Scheingiganten in Köln (grösste Stadt NRWs) und S04 und BVB, beide im grössten Ballungsraum Deutschlands.

Dieser Aufmerksamkeitsschatten ist möglicherweise der grösste Vorteil. Weiterlesen

„Mein Verein“ (WDR): VfL 1900 Borussia Mönchengladbach

Von , am Montag, 28. August 2017

Andreas Kramer gehört der TV-Mannschaft von Arnd Zeigler an, der weit über die Grenzen Werder Bremens hinaus bis vor die Stadtmauern einer bayrischen Grossstadt bundesweit Respekt und Anerkennung für seinen Humor und seine Fachlichkeit geniesst. Er kann also nicht verkehrt sein. Zu Beginn des Films packte mich Entsetzen: was ist das denn für ein provinzieller Mist? Er kriegte noch die Kurve, zu einem knappen aber grundsätzlich sympathischen zufriedenstellend.

Auch dieser Film verhob sich nicht an der reichen Geschichte des Vereins, sie wäre, da gebe ich Kramer völlig recht, in 45 Minuten Film nicht zu packen gewesen. Dass er sich für die zurückhaltende Würdigung Lucien Favres rechtfertigt, ist ok. Auch würdigt er die 60er Jahre angemessen. Dass er dabei allerdings kein einziges Mal den Namen des Kölners (!!!) und Gottvaters des Mönchengladbacher Fussballs Hennes Weisweiler nennt, ist aber dann doch ein notenentscheidender schwerer Fehler. Ohne Weisweiler, der nicht nur unzählige Fussballtalente sondern zu Lebzeiten 90% der deutschen Profitrainer ausbildete, hätte es die Mönchengladbacher Fussballgeschichte wie wir sie kennen – und also auch diesen Film! – nicht gegeben. Gegen diesen Fehler ist es fast schon eine lässliche Sünde, dass auch Jupp Heynckes ungenannt bleibt, Weiterlesen

Freibad oder Fussball?

Von , am Freitag, 4. August 2017

Für Jugendliche im Ruhrgebiet der 70er Jahre war das die tägliche Sommerlochfrage.
Selten liess sich beides so gut verbinden wie am 5.6.1971. Ich hörte die Schlusskonferenz des letzten Spieltages der Bundesliga im Freibad Gladbeck. Ich glaubte kaum an ein gutes Ende, denn Borussia Mönchengladbach schien durch die Wertung des Torpfostenbruchs im Spiel gegen Werder Bremen (Spielstand wenige Minuten vor Schluss 1:1, Spielwertung danach 0:2) die Chance zur Titelverteidigung gegen den Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, verspielt zu haben. Doch dann gelang am letzten Spieltag der kaum zu erwartende 4:1-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt. Bis zur 70. Minute stand es 1:1, Bernd Nickel hatte die Führung durch Netzer mit einem seiner berühmten Hammerweitschüsse ausgeglichen, alle Fingernägel waren abgekaut. Dann Weiterlesen

Max Eberl – es wird eng

Von , am Mittwoch, 15. März 2017

Rainer Bonhof war als missratener Trainer das Gesicht eines Tiefpunktes der Vereinsgeschichte des VfL 1900 Borussia Mönchengladbach: der erste Bundesligaabstieg 1999. Auf ihn folgte Hans Meyer. Heute sind beide Vorstandsmitglieder und als solche nationale Spitzenklasse. Weil sie nicht ständig in die Schlagzeilen drängen, weil sie die Leistungsträger ihre Arbeit machen lassen, weil sie – ein immer seltener werdender Charakterzug – auch mal die Klappe halten können.

Was Bonhof jetzt gemacht hat, ist dennoch richtig. Planungssicherheit ist wichtiger als monatelanges Tauziehen. Es gibt keinen Anlass, die eigene Planung und Arbeit von den politischen Ränkespielen der diversen CSU-Seilschaften bei diesem Konzernverein im süddeutschen Raum abhängig zu machen. Wenn die keine Entscheidungen über ihre Machtverhältnisse treffen können, müssen wir ein eigenes Drehbuch schreiben.

Die Ablösesumme für den Manager Eberl wird um ein Vielfaches höher sein müssen, als sie es für den Spieler Eberl gewesen wäre. Borussia könnte sich freilich auch die beste Lösung leisten: dass er bleibt, und die tolle schon von ihm geleistete Arbeit fortsetzt und zu weiteren sportlichen (und wirtschaftlichen) Erfolgen führt; die Fundamente dafür sind gelegt. Das Abenteuer, das ihm Hoeness und Rummenigge bieten können, würde dagegen irgendwann ein böses der Gesundheit nicht zuträgliches Ende finden.

Update 16.3.: Medienmeldungen, auf die sich mein Kommentar bezieht, basieren auf einem offensichtlichen Durchstich aus der Vereinsführung heraus an das Lügenblatt mit den großen Buchstaben. Dass jemand meint, darauf angewiesen zu sein, ist immer ein Zeichen von Schwäche und mangelndem Format. Der offizielle Originalton von Bonhof geht so. Mit uninterpretierbaren klaren Ansagen von Eberl wäre alles zu erledigen.

Max Eberl

Von , am Montag, 23. Januar 2017

Natürlich bringt mich, wie jeden Gladbach-Fan, das Werben des Steuerkriminellen Uli Hoeness um Max Eberl zur Weißglut. Und ich kann darum mit Eberls Interview am Samstag im Aktuellen Sportstudio nicht zufrieden sein. Trotzdem bleiben Restzweifel, ob Hoeness‘ Störmanöver erfolgreich enden kann, denn Eberl ist ein kluger Kopf. Ich versuche mal, mich in ihn reinzuversetzen.

Es wäre unvernünftig von Eberl, die alte Geheimagentenweisheit, die exakt identisch im nicht weniger kriminellen Fußballbusiness gilt, „Sag‘ niemals nie!“ zu vergessen. Darum seine Einsilbigkeit auf entsprechende Fragen. Seinen Buddy Hoeness, in alten Jugendfußballertagen liebgewonnen, und Eberl war damals keine Supertalent, sondern lebte auch schon als aktiver Fußballer von seinen charakterlichen Stärken, wollte er nicht öffentlich desavouieren. Die Antworten auf alle anderen Fragen waren aber durchaus erhellend. Weiterlesen

Danke Lucien

Von , am Montag, 21. September 2015

Er ist gegangen aus eigenem Entschluss. Der VfL hat ihn nicht rausgeworfen. So ist die öffentliche Performance der Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses von Lucien Favre mit dem VfL 1900 Borussia Mönchengladbach. Beide Seiten wahren so ihr Gesicht.

Favre hat als Trainer ein ähnlich sympathisch-verrücktes Image wie Guardiola, dem er er einst als Hospitant beim CF Barcelona beim Trainieren zugesehen hat. Weiterlesen

„Sie wissen gar nicht, was bei mir in ‚höchsten Tönen‘ ist“ – Hans Meyer spricht zu uns

Von , am Dienstag, 29. Juli 2014

Und zwar hier in einem sehr ausführlichen und lesenswerten Interview von David Nienhaus auf waz.de. Vor lauter bei Hans Meyer obligatorischer und durchaus zutreffender Medienkritik reicht die Zeit kaum, um über die Gladbacher Mannschaft zu sprechen. Aber die Saison wird noch lang und reichlich Gelegenheiten bieten.