Thema: Saud

Tatort Saudi-Arabien

Von , am Dienstag, 7. November 2017

Wenn der ARD-Tatort nicht mehr „experimentell“ sein soll, kann ihn quasi jede/r selber schreiben. Die FAS-Medienredaktion hat schon mal ein paar Folgen entworfen. DafĂŒr braucht keiner mehr Drehbuchautor*inn*en und auch keine 23 Drehtage. Die Schauspieler*innen, einmal eingescannt, lassen sich sicher auch digital animieren. Die Zuschauer*innen werden dann ĂŒber 70 sein, aber 6-8 Mio. sind so immer zu schaffen, und viel billiger! Vielleicht mit einem neuen Soundtrack von Reinhard Mey, der quasi als Teaser alles musikalisch zusammenfasst. Einst hatte das ZDF mit seiner Serie „Der Kommissar“ 90% Marktanteil. Der war 30 Minuten kĂŒrzer. Hauptsache ist doch nur, dass am Schluss das Gute siegt und mann gut einschlafen kann.

Ungleich spannender der Wirklichkeitskrimi in Saudi-Arabien.
Aktuelle Berichte aus dem Handelsblatt hier und hier, eine EinschĂ€tzung von Guido Steinberg (SWP) zu den innerfamiliĂ€ren MachtkĂ€mpfen in der feudalen Herrscherfamilie Saud, und eine Zusammenfassung von Thomas Pany (Telepolis) zur angeheizten Kriegsgefahr. Wenn das so weiterlĂ€uft bekommt EU-Europa in KĂŒrze in seiner Nachbarregion zu der einen Atommacht Israel noch zwei dazu: Saudi-Arabien und den Iran, Chinas Nordkorea-Problem mal 3.
Wer will noch mal unbedingt Aussenminister werden?

Der digitale Kapitalismus deutscher Zeitungsverlage

Von , am Dienstag, 10. Oktober 2017

Didier Eribon wurde hierzulande mit 7 Jahren VerspĂ€tung berĂŒhmt. So lange brauchte es fĂŒr die Übersetzung seines Buches „RĂŒckkehr nach Reims„. Darin beschrieb er die Verwandlung seiner einst kommunistisch orientierten Verwandtschaft zu WĂ€hler*inne*n der rechtsradikalen FN. Was hierzulande gerne totalismustheoretisch gelesen wird (linksradikal=rechtsradikal), sieht Eribon ganz anders: Ursache sei der Verrat einst angeblich „linker“ Parteien an den Interessen ihrer WĂ€hler*innen. Dennoch hat er ganz vernĂŒnftig im 2. Wahlgang den PrĂ€sidenten Macron gewĂ€hlt. Den sieht er heute als Gefahr fĂŒr Freiheit, Kultur und Zivilisation: seine Verachtung die die arbeitenden Menschen, seine neoliberale Anti-Sozialpolitik, seine Steuerumverteilung zugunsten der sich Bereichernden zu Lasten derer, die nicht mehr viel haben an Respekt und Selbstachtung.
Darum hat Eribon auf seine goldene Ehreneintrittskarte zur Frankfurter Buchmesse gerne verzichtet und es mit einem flammenden Text im SZ-Feuilleton begrĂŒndet.

Ich hoffe, die SZ hat dem Mann wenigstens ein faires Honorar bezahlt. Denn das Interesse des Verlages geht wohl dahin, eine grössere Verbreitung des Textes zu vermeiden. Er ist nÀmlich online nur hinter ihrer Paywall zu lesen.
Das ist exakt die „Digitalstrategie“ der deutschen Verleger*innen. Weiterlesen

Aussenpolitik und Sicherheit – damals und heute

Von , am Samstag, 7. Oktober 2017

Derzeit wird irgendein Jahrestag im Zusammenhang mit Willy Brandt begangen (25. Todestag?), ein Anlass fĂŒr einige Medien, sich wieder mit ihm zu beschĂ€ftigen. Das begrĂŒsse ich. Ein sehenswertes StĂŒck war der jĂŒngst auf Phönix ausgestrahlte Film von Michael Kloft, der sich stark auf ein Buch und Interviews mit Torsten Körner stĂŒtzte.
Einschub: auf der wenig benutzerfreundlich gestalteten Phönix-Homepage kann ich leider kein ĂŒbersichtlich gestaltetes Mediathek-Angebot entdecken. Ich habe wohl den letzten Wiederholungstermin erwischt.
Ganz von Legendenbildung lassen konnte Klofts Film leider nicht. So wird auf dem Umweg ĂŒber den interviewten Egon Bahr, der sich auf eine Selbstaussage Brandts zu stĂŒtzen vorgab, behauptet, Brandt sei „je Ă€lter umso linker“ geworden. Gleichzeitig wird zurecht darauf verwiesen, welchen grossen – menschlich stabilisierenden – Einfluss Brandts letzte Ehefrau Brigitte Seebacher auf ihn ausĂŒbte. Der war keinesfalls links.
Der fĂŒr die Gegenwart bemerkenswerte an Brandt und seiner Politik, und schwerpunktmĂ€ssig seiner Aussenpolitik, war, dass er den vom Krieg traumatisierten Menschen – nicht nur in Deutschland – das GefĂŒhl wachsender Sicherheit vermittelte. Diese Kunst beherrscht heute niemand mehr.
Das heute absichtlich verbreitete GefĂŒhl Weiterlesen