Unmittelbar vor dem Duell am Sonntag gegen den FC Bayern zeigen sich beim BVB grundlegende Probleme. Die steil nach oben verlaufene Leistungskurve vom Saisonstart weist seit drei Pflichtspielen einen empfindliche Knick auf. Fundamentaler könnten die Konflikte mit den eigenen Fans sein.

Anders als der FC Bayern mit seinem tennisähnlichen Event- und Business-Publikum ist der BVB immer noch stolz auf die größte Stehtribüne Europas, der schon hymnische Mediendarstellungen gewidmet wurden. Sie gehört also zum Selbstbild des Vereins, zum Markenkern des Konzerns BVB. Das fördert Widersprüche, wenn es darum geht, im schlicht-kapitalistischen Sinne konkurrenzfähig nicht nur mit den Bayern, sondern den europäischen Oligarchenvereinen aus Paris, Barcelona, Madrid, Manchester und London werden zu wollen und – noch schwerer – bleiben zu können.

Empfindlich reagierten die handelnden Personen, dass ausgerechnet Kevin Großkreutz Fußballgott sich als medialer Verstärker einer lange schon köchelnden Fankritik betätigte. Dabei reagieren die Abteilungen des Konzerns ähnlich sensibel wie …. sagen wir aktuell mal: VW.
(Anmerkung zu dem verlinkten Bericht: er erschien auf einer Webseite der Funke-Mediengruppe, auf der es mitunter schwerfällt, zwischen Werbeanzeigen und Pop-ups journalistische Texte aufzufinden, eine Widersprüchlichkeit, die bis heute klassisch für das Ruhrgebiet und seine Geschichte ist.)

Parallel dazu ist in der Mannschaft der Konzentrationsfaden gerissen. Gestern dilletierte eine Ersatzmannschaft in Saloniki, die einen spürbaren Kontrast zu den unmittelbar vorher spielenden Rivalen aus Gelsenkirchen zeigte. Leistungsträger wie Gündogan oder Hummels wurden “geschont”. Aber nutzt so eine Pause dem Aufbau und dem Erhalt ihrer inneren Spannung, und insbesondere der des gesamten Teams? Wenn am Sonntag nicht alles stimmt, werden sie in München chancenlos aussehen und die Langeweile in der Bundesliga wird sich wieder sehr, sehr breit machen.