von Lars Grimm

In den Vereinigten Staaten von Amerika werben Autohändler mit einem ‘“Credit and Forget It“ Finance Center’ oder einem ‘For the People Credit Approval’, die Kredite auch an Kunden mit geringem Einkommen und schlechter Bonität vergeben. Vielversprechend proklamieren die Händler in ihren Reklameanzeigen: „If you’ve been turned down for auto credit in the past, but have a job and can afford a small monthly payment, then this will be the most important information you have ever read!“ (Colonial Subaru 2017, vgl. Myers 2017). Der Kauf- bzw. Kreditanreiz für den potentiellen Kunden besteht nach ihren Angaben in der Vergabe von Krediten durch ein spezielles „network of relationships with banks that specialize in rebuilding people’s credit and often can approve you… no matter what your credit history looks like!“ (ebd.). Dieses Beispiel günstiger Automobilkredite verdeutlicht den Trend eines erleichterten Zuganges zu Darlehen in den vergangenen 20 Jahren, zunehmend ungeachtet der finanziellen Situation des Kreditnehmers, was mit der steigenden Verschuldung privater Haushalte einhergeht (vgl. Montgomerie 2007: 4-8, Young 2011: 27ff.). Daniel Mertens und Richard Meyer-Eppler diagnostizieren einen Anstieg der privaten Verbindlichkeiten in 15 OECD-Ländern zwischen 1995 und 2010 von 57 Prozent auf 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während das Privatvermögen sich im gleichen Zeitraum nur um ca. 30 Prozent erhöhte (vgl. Mertens/Meyer-Eppler 2014: 260). Vor allem in den USA stiegen insbesondere die Immobilien- und Konsumkreditschulden. Erstere verdoppelten sich zwischen 2001 und 2007. Diese wachsende Verschuldung ist allerdings kein rein (anglo)amerikanisches Phänomen, wie die ebenso steigende Privatverschuldung beispielsweise in Dänemark, den Niederlanden und Norwegen zwischen 1995 und 2007 zeigt (vgl. ebd.: 265f.).

Privathaushalte müssen Wirtschaftswachstum tragen

Auf den ersten Blick profitierten die Arbeitnehmer, die zugleich auch Kreditnehmer waren, von den zinsgünstigen, leicht erhältlichen Krediten, die einerseits durch damit steigende Nachfrage Arbeitsplätze sicherten, Beschäftigung generierten und gleichzeitig den individuellen Konsum erleichterten. Andererseits mussten die Kreditnehmer jedoch einen wachsenden Anteil ihres Einkommens für Zins und Tilgung bereitstellen. Hauptprofiteure dieser Entwicklung waren allerdings die Stabilität des Wirtschaftssystems, das produzierende Gewerbe und nicht zuletzt die Finanzwirtschaft. Sieht man die aktuelle Verfassung des Wirtschaftssystems aus Colin Crouchs Perspektive des ‘privatisierten Keynesianismus’, wird klar, warum die wachsende Kreditaufnahme zu Konsumzwecken eine systemerhaltende Funktion hat. Seit der Reduzierung der staatlich organisierten keynesianischen sog. ‘Defizitfinanzierung’ im Laufe der 1970er und 1980er Jahre, auf dem das sog. ‘fordistische’ Akkumulationsregime nach 1945 beruht hatte, zugunsten der Ausweitung neoliberaler, auf Geldwertstabilität achtender Politikkonzepte, verschiebt sich die Verantwortung für Wirtschaftswachstum auf die einzelnen Privathaushalte: „Instead of governments taking on debt to stimutale the economy, individuals did so.“ (Crouch 2009: 390) (vgl. ebd.: 390f., Young 2011: 17f., Mertens/Meyer-Eppler 2014: 266f.).

Kapitalisierung von allem

Die Möglichkeit aber, – ohne für den Arbeitgeber kostspielige Lohnsteigerungen – den wirtschaftlichen Motor durch stabile bis steigende private Nachfrage in Gang zu halten, verlangt ein attraktives Kreditangebot, das für einen steigenden Absatz sorgt und unter Umständen positive Effekte für den Börsenkurs der betreffenden Unternehmen hat. Für das Banken- und Finanzsystem ist die steigende Kreditaufnahme in zweierlei Hinsicht positiv. Zum einen sorgen mehr Darlehen für mehr Einnahmen durch Zinszahlungen. Zum anderen sind die gleichen kreditgebenden Banken sehr häufig auch am Handel von Wertpapieren beteiligt, die auf genau diesen vergebenen Krediten basieren. Teil der aktuellen „Capitalization of Almost Everything“ (Leyshon/Thrift 2007) ist die Verbriefung von Schulden, im Englischen ‘securitization’ genannt. Insbesondere der Aufstieg von ‘asset-backed securities’ (ABS, dt.: forderungsbesichertes Wertpapier) ist Produkt dieser Verbriefungswelle, die seit den 1980er Jahren bis zum Beginn der Finanzkrise 2007 anwuchs (vgl. Montgomerie 2006: 312, Leyshon/Thrift 2007: 106-109, Deutsche Bundesbank 2017). Ein ABS wird erzeugt, indem die vielen tausend von einer Bank vergebenen Kredite gebündelt, sowie in ein sog. ‘special purchase vehicle’ (SPV, dt. Zweckgesellschaft) verschoben werden und daraufhin dieses SPV Wertpapiere verkauft, die den Käufern Zahlungen aus den Tilgungen und Zinsen der ausstehenden Kredite über einen vertraglich festgelegten Zeitraum garantieren. Diese Papiere können wiederum auf den internationalen Finanzmärkten gehandelt werden, erlauben den Banken die Kreditrisiken aus ihren Bilanzen zu verschieben und sich durch den Verkauf der Wertpapiere zu rekapitalisieren, was den Verleih weiterer Darlehen ermöglicht. Die ABS werden in ‘trenches’ (vom frz. ‘tranche’=Scheibe, Abschnitt) aufgeteilt, von denen jede einer anderen Risiko- und somit Profitkategorie entspricht (vgl. Montgomerie 2006: 312f., Montgomerie 2007: 11f., Mertens/Meyer-Eppler 2014: 269f.). Für spezielle Kreditarten existieren spezielle ABS, wie beispielsweise sog. ‘certificates for amortizing revolving debt’ (CARDs) für Kreditkartenschulden und ‘certificates for automobile receivables’ (CARs) für Autokredite, aber auch Bildungskredite, Telefonrechnungen und – vor allem für die globale Finanzkrise am Ende der ersten Dekade des Jahrtausends höchst relevant – Hypothekenkredite können auf die beschriebene Art und Weise vermarktet werden (vgl. Montgomerie 2007: 11, Young 2011: 18f., 23-27, 32f.). Diese ABS funktionieren nur, wenn es eine ausreichend große Zahl von Kreditnehmern gibt, deren Rück- und Zinszahlungen noch ausstehen, da ohne einen ausreichend großen Geldstrom, die Verbindlichkeiten der Wertpapiere nicht bedient werden können (vgl. Montgomerie 2007: 12′). Die Banken, die ohnehin durch ihre Rolle als ursprünglicher Kreditgeber und als Verkäufer von forderungsbesicherten Wertpapieren via Zweckgesellschaften ein doppeltes Interesse an der Kreditvergabe haben, profitieren demnach von der verstärkten Kreditausgabe und der damit korrespondierenden großen Zahl ausstehender Kreditforderungen. Die vermehrte Ausgabe von Krediten zum Zwecke des Immobilienkaufs und des Konsums stellt somit eine win-win-Situation für das Wirtschaftssystem und speziell die produzierenden Unternehmen und das ‘Finanzkapital’ (Rudolf Hilferding) dar, die allerdings nur bei einer lebhaften Nachfrage nach Krediten funktioniert.

Da die Kreditaufnahme per definitionem für Verleiher und Leihenden ein Risiko darstellt, das zum Kalkül der Kreditindustrie gehört (s. ‘Credit and Forget It’), und das heutzutage auch niedrige Einkommensschichten eingehen, muss es seitens der Kreditnehmer starke Beweggründe jenseits ökonomischer Rationalität geben, die für ihn ein solches finanzielles Risiko legitimieren. Diese Gründe, die die Basis des Kreditbooms der vergangenen Jahrzehnte bilden, sind historisch-soziokultureller Natur.

Defensiver Konsum

Sie hängen zum einen mit der sich wandelnden makroökonomischen und wirtschaftspolitischen Lage seit den 1970ern zusammen, zum anderen aber auch mit historisch weiter zurückreichenden psychosozialen Dispositionen. Wie die Empirie zeigt, stagnieren seit ca. 20 Jahren die Einkommen bzw. wachsen in niedrigen bis mittleren Einkommensschichten sehr langsam, während sie in hohen Einkommensklassen stärker anstiegen (vgl. ebd.: 14-18). Dies wird vor allem an den USA und Großbritannien deutlich, zwei Länder, in denen die Privatverschuldung sehr stark wuchs (vgl. Mertens/Meyer-Eppler 2014: 266). Gleichzeitig verschob sich, insbesondere in den USA, der sozialpolitische Fokus auf eine private, kapitalgesicherte soziale Vorsorge und damit tendenziell weg von seiner wohlfahrtsstaatlichen Ausrichtung, die seit Lyndon B. Johnsons ‘Great Society’ vorherrschte (vgl. ebd.: 268f.). Dies befeuerte die Kreditnachfrage auf dem Immobiliensektor, da das Eigenheim zu den weit verbreiteten, altersvorsorgenden Investitionen gehört (vgl. Young 2011: 19-22). Angesichts nahezu stagnierender Einkommen wäre eine angemessene ökonomisch rationale Reaktion des Verbrauchers jedoch eine Anpassung, d.h. Reduzierung des Konsums gewesen, was sich in sinkenden Unternehmenseinnahmen und steigender Arbeitslosigkeit niedergeschlagen hätte. Genau dies geschah allerdings nicht, vielmehr manifestierte sich, unterstützt durch günstige Kredite und Kreditkarten, stattdessen der sogenannte defensive Konsum. Er bewirkt keine von rein konsumistischen, vermehrenden Wünschen ausgehende Verschuldung, sondern eine bestandssichernde Verschuldung zur Wahrung des Lebensstandards, des sozialen Status und eines Anscheins von lebensweltlicher Normalität (vgl. Zukin/Maguire 2004: 191, Montgomerie 2007: 11, 19). Schon Adam Smith beschrieb in der 1791 erschienenen sechsten Auflage seiner ‘Theory of Moral Sentiments’ (dt. Titel 1795: ‘Theorie der Sittlichen Gefühle’) eindrücklich, wie groß die Angst des Menschen vor sozialem Abstieg war und warum Sicherheit durch ‘Klugheit’ die handlungsleitende Maxime sein solle (‘vgl. Smith 1795: 100’). Auch der amerikanische Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler Thorstein Veblen formulierte diese Ansicht in seiner ‘Theory of the Leisure Class’ (dt. ‘Theorie der feinen Leute’): „Jedes Abweichen von dem Lebensstandard, den wir in dieser Hinsicht [hinsichtlich des Normen des Prestiges, L.G.] als angemessen betrachten, kommt einer schmerzlichen Vergewaltigung unserer menschlichen Würde gleich.“ (Veblen 1993: 154). Jenseits gegenwärtiger „status panic“ (Mills 1969: 254) geht es auch um die vergleichende, historische Orientierung am prosperierenden ‘Golden Age’ (Eric Hobsbawm) des Kapitalismus zwischen den 1950ern und den 1970er Jahren, hinter das man zurückzufallen droht.

Mit offenem Mund leben

Während der defensive Konsum durch die Stabilisierung des haushaltsindividuellen und statusangemessenen Konsumniveaus und der Lebenschancen die Kreditaufnahme der privaten Haushalte intensiviert, kurbelt der offensive Konsum, der sogenannte Konsumismus als Kennzeichen der industriellen Wirtschaftsverfassung sog. ‘moderner’ Gesellschaften ebenso die Kreditnachfrage an, nämlich durch die Weckung und Verstärkung individueller Konsumwünsche. Folgt man Daniel Bells 1976 publizierter Analyse in ‘The Cultural Contradictions of Capitalism’ (dt. ‘Die Zukunft der westlichen Welt’), so waren in der bürgerlichen Marktwirtschaft seit jeher jene individuellen Wünsche und nicht nur Bedürfnisse maßgebliche Motive des Gütererwerbs (vgl. Bell 1976: 262f.). Diese Wünsche sind Bell zufolge „ihrer Natur nach unbegrenzt und unersättlich“ (ebd.: 263). Das Absterben der letzten Reste einer genussfeindlichen, teilweise dem Protestantismus entstammenden, Ethik zugunsten einer hedonistischen Ethik erlaubte die intensivierte Verfolgung dieser Konsumwünsche und „der das sozio-ökonomische System (…) antreibende Motor war der auf Verschwendung beruhende Gedanke privater Wünsche und unbegrenzter Ziele“ (ebd.). In der psychoanalytisch-soziologischen Charakterologie Erich Fromms bedeutet der Konsumismus das Ende des hortenden, auf Sparsamkeit und Vorsicht bedachten Gesellschafts-Charakters des 19. Jahrhunderts zugunsten der modernen, rezeptiven Marketing-Orientierung des 20. Jahrhunderts, „deren Ziel es ist, immerzu etwas zu empfangen, es sich einzuverleiben, immer wieder etwas Neues zu besitzen, sozusagen ständig mit offenem Mund zu leben.“ (Fromm 1989b: 98) (vgl. Fromm 1989a: 55, Fromm 1989b: 68, 95-99).

Gefördert wurde dieses neue gesellschaftliche Charakteristikum durch die auf industriellen Massenkonsum ausgelegte, fordistisch-keynesianistische Wirtschaftsordnung nach 1945. Vor allem in den USA, wo die Wirtschaft traditionell stark vom Binnenkonsum abhängt, machen sich heute die Folgen dieses jahrzehntelangen Konsumtrainings bemerkbar. Es entwickelte sich der soziale Anspruch zum Wohle der Volkswirtschaft zu konsumieren, verbunden mit einer Subjektwerdung und Sozialisation in einer vom industriellen Überfluss bestimmten, kapitalistischen ‘Wegwerfgesellschaft’, die die systemerhaltende Komponente des kontinuierlichen Konsumierens zu einer als Normalität empfundenen individuellen Disposition werden ließ. Diese ausschließliche Konsumorientierung ist so lange erfüllbar, wie sich das Einkommensniveau halten bzw. steigern lässt, bildet jedoch in Zeiten rückläufiger Einkommen und damit nicht korrespondierender Preise eine ‘kulturelle Phasenverschiebung’ (engl. ‘cultural lag’) im Sinne William F. Ogburns aus. Das bedeutet, dass die spezifische pleonexische (griech. pleon=mehr und echein=haben) Konfiguration des Gesellschafts-Charakters, die bereits während des ‘Golden Age’ entstand, heutzutage ebenso noch vorherrschend ist, allerdings vor allem in einkommensschwachen wirtschaftlichen Verhältnissen ohne kreditbasierte Verschuldung nicht mehr ohne weiteres funktioniert (vgl. Cynamon/Fazzari 2008: 8). Ihren Anteil an der Ausprägung einer konsumistischen Haltung hatte sicherlich die sich schon seit den 1920er Jahren intensivierende Verflechtung von Werbung, Produktion und Finanzwirtschaft. Banken profitieren seitdem von den neuen, durch Werbung und „brand infatuation“ (Dholakia 2012: 8) (man denke z.B. an Apple) angeregten Kaufwünschen, die via Kredit finanziert werden, teilweise durch direkt vom Produzenten geschaffene Geldinstitute, wie z.B. die 1919 gegründete General Motors Acceptance Corporation, heute bekannt unter dem Namen Ally Financial (vgl. ebd: 3ff.). Es geht darum, wie John Kenneth Galbraith 1958 (und Karl Marx über 100 Jahre vor ihm) erkannte, dort wo noch keine Wünsche existieren, Wünsche zu schaffen, sodass die Produktion durch Marketing ihre eigene Nachfrage erzeugt (vgl. Galbraith 1959: 171-174, Hellmann 2010: 181f.) . Neben dem psychosozialen Aspekt des marktwirtschaftlichen Konsums weist dieser zudem auf ideologischer Ebene ‘demokratische’, egalitäre Konnotationen auf. Aus dieser Warte ist der Konsum qua Geldressourcen im Idealfall prinzipiell jedem offen und wird nicht durch soziale Schranken behindert, sodass Partizipation am Konsum einer sog. ‘Massenkultur’ und ihrer materiellen wie ideellen Güter Teilhabe am sozialen Ganzen bedeutet und somit eine sozial integrative Funktion erfüllt (vgl. Schrage 2003: 57-66, 72). In eine ähnliche Richtung weist auch der (Pseudo-)Egalitarismus, der sich in Luxusprodukten ‘für alle’ (z.B. Kaviar) niederschlägt, die in der Regel mit den oberen Einkommensschichten konnotiert werden, heutzutage allerdings bei Discountern zu finden sind. In Verbindung mit dem freien Zugang zu Gütern in Zeiten des „choosing self“ (Don Slater, zit. nach Zukin/Maguire 2004: 180), losgelöst von religiösen oder klassenbasierten Formen der Subjektivierung, entsteht eine Ideologie, derzufolge die Kontrolle über den individuellen Konsum den Königsweg der absoluten Gestaltung seiner Subjektivität darstellt (vgl. ebd.: 180-183). Der Massenkonsummarkt birgt das Versprechen unbegrenzter „Verfügbarkeit von Welt“ (Schrage 2008: 3958), und von der Partizipation an seinen Gütern hängt das individuelle Glück ab. Dieser Möglichkeitsraum als Ort der Ich-Omnipotenz und die Vorfreude auf das Erlebnis Konsum des Konsumierens ist es, was Colin Campbell zufolge das Wesen des Konsums ausmacht (vgl. Hellmann 2008: 33). Es sei das „imaginative pleasure-seeking to which the product image lends itself, ‚real‘ consumption being largely a resultant of this ‚mentalistic‘ hedonism.“ (zit. nach Hellmann 2010: 190f.) . Konsum ist also in diesem Sinne auch, über den Weg des Marktes, die identitätsbildende Verwirklichung eines Möglichkeitsspielraums, den das Geld dem Individuum sozial und materiell einräumt und mit dem er über sich selbst hinausgeht (vgl. Marx 1968: 562-567).

Die geschilderten soziokulturellen Faktoren des defensiven und offensiven Konsums, sowie die mit ihm konnotierten Werte bzw. Funktionen der Individualisierung, der Freiheit des Konsumenten und der sozialen Integration durch demokratische Konsumpartizipation bieten einen Erklärungsansatz für den hohen Stellenwert bzw. die soziale Relevanz von Konsum für das Individuum und für das ökonomische System als Ganzes. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge lässt verstehen, warum Bankkredite trotz der oft nicht mehr zu bewältigenden steigenden privaten Verschuldung vom Konsumenten in Anspruch genommen werden und zugleich Finanzwelt, Produktion, sowie Wirtschaftssystem gemeinsam diese gesellschaftliche Disposition befördern und zu ihrem Profit nutzen.


Der vollständige Text inklusive aller Fußnoten des Autors:

Lars Grimm – Finanzialisierung, Kredit und Konsum (PDF 113 KB)


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Unter dem Namen "Gastautor*inn*en" fassen wir eine Reihe ganz verschiedener und oft unregelmäßig erscheinender Autor*inn*en und Quellen zusammen. Hierbei kann es sich um individuelle Personen, aber auch Institutionen handeln. Wir bedanken uns sehr für die freundliche Genehmigung zur Übernahme der Beiträge!