Was ist das Merkel?

Von , am Donnerstag, 12. Juli 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Schon Helmut Kohl soll darüber gerätselt haben. Kein Macho dieser Welt bekommt eine entschlüsselnde Antwort auf diese Frage hin. Angela Merkel wird so zu einer riesigen Projektionsfläche für Männer und Frauen. Und weil die Frauen die Mehrheit sind, kann sie damit sogar Wahlen gewinnen.
Frauke Steffens/FAZ berichtet heute von den Diskussionen in den USA zum Nato-Gipfel, zum sinkenden Stellenwert Deutschlands, und dem stabilen Merkels. Subtil bringt sie darin Kritik am Kurs ihres eigenen Blattes unter, wie es wohl nur Auslandskorrespondentinnen vergönnt ist.
Einen Leuchtturm in der publizistischen Dunkelheit hat jedoch Constantin Seibt in der Schweizer “Republik” gesetzt. Das schöne, kleine, bisweilen reaktionäre Land hat zwar keine Küste (dafür aber die beste Eisenbahn Europas!), hält sich aber bewusst nur am Rand EU-Europas auf. Das ermöglicht einen anderen, weniger betriebsblinden Blick. Seibts Text beginnt mit einem gründlich geratenen Versuch der Enträtselung Merkels. Gezwungenermassen trägt er mit dieser Personalisierung zur allgemeinen Legendenbildung bei. Diese Gefahr scheint er selbst erkannt zu haben, und schlägt darum einen Bogen zum Kern der verheerenden deutschen Europa- und Euro-Politik, die in vorderster Linie ebendiese Angela Merkel mitverantwortet. Er zieht, anders als der übliche Konferenzjournalismus, der uns in der Regel verabreicht wird, die Vorhänge zur Seite und riskiert einen Blick hinter die Bühne, in die EU-Konferenzzimmer und auf den politökonomischen Inhalt dessen, was sich dort abspielt.
Die “Republik” ist ein ambitionierter Versuch, guten, bezahlten Journalismus in der Digitalisierung zu betreiben. Wenn Seibt ein repräsentatives Beispiel dafür ist: Glückwunsch, genau das brauchen wir!

Dank an Karin Robinet für den Hnweis!

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