Drogba und Boateng

Von , am Freitag, 9. November 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Jerome Boateng wagt sich – ein ganz kleines bisschen – aus der Deckung. Beim Bertelsmann-eigenen Gruner&Jahr gibt er eine eigene Zeitschrift heraus (keine Texte online). Es ist der heisse Scheiss der Verlagsbranche: zu jeder Kleinigkeit eine eigene Zeitschrift. Dabei sind die Dinge, die Boateng dort laut einem Spiegel-online-Bericht (Gruner&Jahr ist am Spiegel zu 25% beteiligt) anspricht, keine Kleinigkeiten. Auf der Zielgeraden seiner Karriere pflegt er das kalkuliert-begrenzt offene Wort zu sich, seinem Mitspieler Mesut Özil und zur Nationalmannschaft. Mitwirkend: eine seltsame Vorsicht. Aber immer noch besser als Schweigen (wie die Mehrheit der Spieler).
Was für eine andere Hausnummer ist im Vergleich dazu Didier Drogba, der jetzt als 40-jähriger sein letztes Spiel als Profifussballer absolviert haben soll. Das mit so einer mickrigen Agenturmeldung abzufeiern ist schon eine ganz eigene publizistische Blamage. Im Gegensatz zu dem kleinen Boateng war Drogba schon als aktiver Profi ein wichtiger Politiker in seinem eigenen Land, der Cote d’Ivoire. Merkwürdig, wie wenig das gewürdigt wird, und auf welch verschlungenen Wegen wir dahin finden. Hier z.B. der Wikipedia-Eintrag zu Drogba. Dort finden wir immerhin den Hinweis, dass er 2011 Mitglied einer Wahrheits- und Versöhnungskommission geworden sei. Und dort wird immerhin die Arte-Dokumentation “Rebellen am Ball” von 2012, moderiert von Eric Cantona, erwähnt. Und erst in der finden wir gewürdigt, dass Drogba schon als Mannschaftskapitän der zur “Sommermärchen”-WM 2006 qualifizierten Nationalmannschaft, gemeinsam mit allen (!) seinen Teammitgliedern, erfolgreich für einen Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien geworben hat. Die Mannschaft wohnte damals übrigens hier um die Ecke, in Uckendorf in Clostermanns Hof.
Was die damals leisteten hatte eine Dimension, von der sich die Deutschen und ihr DFB mit seinem grindelschen “Werte”-Gequatsche – irgendwann, eines Tages mal – eine dicke Scheibe abschneiden könnten. So gesehen: DROGBA, erst 40, und schon so ein grosser Mann!

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