Erika Runge habe ich Ende der 70er Jahre persönlich kennen gelernt. Sie gehörte zu den solidarischen prominenten Unterstützer*inne*n der Anti-Apartheid-Bewegung. Ich habe sie damals als ungewöhnlich, und angenehm toughe Frau wahrgenommen, die ziemlich genau über den Lauf des Lebens Bescheid wusste. Anlässlich des Endes des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet und des Jubiläums ihrer “Bottroper Protokolle” hat die taz sie aufgesucht. Sie hatte es nicht weit – nach Charlottenburg – aber schwer, von ihr ein Gespräch zu bekommen. Heute wissen wir mehr über die Langzeitwirkung von Kriegstraumata; Erika Runge hat sie als kleines Kind besonders brutal (oder brutal “gewöhnlich”?) erlebt.
Heute produzieren wir diese Schrecknisse industriell aus der Ferne. Ein Zentrum dieser Traumata- (und Fluchtursachen-!) -produktion ist das schöne Luftverschmutzungsloch Stuttgart. Dort sitzt Africom, die technologische und strategische Zentrale für Kriegführung in Afrika. Mirco Keilberth/taz informiert schon recht lange aus Regionen, die sonst kein*e deutsche*r Journalist*in sich traut zu bereisen – ich würde es auch nicht wagen. Dadurch erfahren wir aber Dinge, die wir wissen sollten. Keilberth hat viel über die Verbrechen der libyschen Milizen (hierzulande gerne “Küstenwache” genannt) berichtet. Nun hat er einen Krieg im Norden des Tschad, eines brav-“stabilen” Bündnispartners Frankreichs und Deutschlands im Krieg gegen Migrant*inn*en, in Erfahrung gebracht. Es geht um Gold und Uran, und Gefangene werden kaum gemacht. Die Bundeswehr (in Mali) ist nicht weit, aber Frau von der Leyen wird in absehbarer Zeit gewiss nicht mit einem von der Bundespressekonferenz gefüllten Flugzeug anreisen.