Immobilienkapitalgetriebene Kommunalpolitik

Von , am Freitag, 14. Dezember 2018, in Beuel & Umland, Politik.

Für Festgeld und Staatsanleihen gibt es keine Zinsen mehr. Aktien wackeln angesichts des drohenden Handelsweltkrieges zwischen Donald Trump und Xi Jinping; die grossen Dax-Aktiengesellschaften sind bereits von Blackrock und arabischem Feudalkapital unterwandert, seriös ist was anderes. Wohin also mit dem ganzen Geld? Immobilien in Golbal Cities, gerne mit Wasser dabei!
Das gilt auch für Beuel: Kulturquartier hinterm Bahnhof, grossflächige Gartenbaubetriebe und Gewerbeflächen, Friedhöfe (die Kirchen sind in Geldnot und schliessen immer mehr ihrer unbeheizbaren Grossgebäude, sind aber gleichzeitig die grössten deutschen Grossgrundbesitzer! – Bäume auf dem Friedhof sind da allenfalls das, was bei Al Capones Verhaftung seine Steuererklärung war). Dabei sind Schienenanbindungen (Stadtbahnen und ICE-Bahnhöfe) wie Goldadern: die öffentlichen Kassen bezahlen die Infrastruktur, mit der der Grundbesitz wertvoller wird, ohne dass sein Besitzer zucken muss, geschweige denn arbeiten. Wie Jürgen Becker in einem Kabarettprogramm sagte: “Legen Sie mal einen Hunderter in die Ecke und gucken Sie wie der arbeitet!” Mit Grundbesitz in Beuel funktioniert das wirklich.
So freuen sich die Besitzer schwer vermietbarer Wohnungen an der lärmumtosten St. Augustiner Str, wo aktuell noch eine Baulücke geschlossen wird, schon duselig daran, dass der Immobilienfachmann und Beueler Bezirksbürgermeister (und nicht nur der) die Strasse verbreitern will, natürlich nur, damit die Linie 66, die an jeder Ampel angehalten wird, “nicht mehr im Stau steht”.
Gestern bestätigten die Beueler Grünen ihre Ortsverbandsführung von Dagny Schwarz und Christoph Winter einstimmig. Und redeten mal über alles, ohne Beschlussfassung. Das Immobilienkapital kam dort nicht zu Sprache. Einigkeit bestand jedoch darin, dass Beuel nicht dafür bluten darf, dass dem Autoverkehr von vorgestern noch breitere Schneisen durch den Stadtteil geschlagen werden sollen. Stadtbahnbeschleunigung ja, mehr Platz für Fussgänger*innen und Radverkehr, ja. Zum “Kulturquartier” gilt: das Stadttheater ist schon da! Wer Pläne macht, ohne mit ihm zu sprechen (ganz wie Grundgesetzänderer, die nicht mit den Bundesländern reden), dem gehts gar nicht um “Kultur”, sondern um Flächenvermarktung (das ist ein Wort nicht aus der Kulturarbeit, sondern der Immobilienspekulation).
Je näher die Wahltermine kommen, um so heisser wird es bei uns werden. Manche fürchten das und wollen schnell Fakten schaffen, bevor die Falschen gewählt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.