Ein “Manual” wird zum maximalen Totalschaden
mit Update 18.2.

Karola Wille, Intendantin des MDR, muss eine toughe, intelligente Frau sein. Sonst wäre sie nicht da, wo sie ist. Als sie noch ARD-Vorsitzende war – das Amt rotiert innerhalb der ARD-Sender ohne Kampfabstimmung – hatte sie vermutlich erkannt, dass eine Gegenwehr öffentlich-rechtlicher Medien gegen die Nordkorea-Propaganda des Herrn Döpfner vonnöten sei. Dabei ist ihr vielleicht wie mir Elisabeth Wehling aufgefallen, die was von “Framing” und der Relevanz von Sprache für politische Auseinandersetzungen weiss. Und liess sie mit einem Gutachten beauftragen, das jetzt nicht nur vorliegt; allerdings nicht für Sie und mich, sondern nur durchgestochen an ausgewählte Medien die ausgiebig darüber herziehen, ohne auf den Originaltext zu verlinken.
Wenn Frau Wille tatsächlich so tough und intelligent ist, wie ich bisher dachte, hätte sie wissen müssen, was jetzt passiert ist. In den ARD-Sendern sitzen genug bewusstlose, karrierelüsterne CDU- oder AfD-nahe U-Boote, die nur darauf warten, Frauen, die nicht ihrer Linie folgen, Fallen zu stellen, auf dass sie in eine möglichst tiefe Grube fallen. Kollateralschäden? Sind egal, wenns der guten Intrige dient.
Um so blöd zu sein, solche Risiken zu übersehen, muss mann entweder ein beamtenähnlicher Führungsfunktionär der ARD sein; oder Sozialdemokrat. Oder beides.
Ich halte jedenfalls eine Wette: durchgestochen hat das ein Mann. Und Frau Wehling gleich mit ins Feuer geworfen. Einerseits widerlich, aber nicht neu. Mich regt die Doofheit derer mehr auf, die sich haben hereinlegen lassen. Denn was sie ruinieren, ist unser Medium, unser Sender, Ihrer und meiner.
Update 18.2.: Die netzpolitik.org-Autoren Markus Beckedahl und Leonhard Dobusch sind so freundlich, das Gutachten von Elisabeth Wehling im Wortlaut zugänglich zu machen. Die ARD lehnt das “aus Urheberrechtsgründen” ab – wie gesagt: vielleicht erst mal mit dem Trecker anfangen zu üben …