Strassenraub 4.0

Von , am Mittwoch, 13. November 2019, in Medien, Politik.

Gestern gings bei Arte um den grossangelegten, berühmteste Eisenbahn- und Bankraube übertreffenden Datenraub, den die hinter Donald Trump sich nur notdürftig verbergenden kriminellen Netzwerke begangen haben: Facebook, Cambridge Analytica, SCL, Robert Mercer u.v.a. Niemand, die*der gerne mitherrschen will, will es sich mit denen verderben. Filmer Thomas Huchon, der schon mit merkwürdigen Experimenten gegen Verschwörungstheorie-Windmühlen zu kämpfen versucht hat, dokumentiert hier selbst eine Verschwörung – keine Theorie, sondern Praxis.
Wer kurzgeschlossen meint, es handele sich hier “nur” um das Übel Trump, denkt zu kurz. Schon die Obama-Kampagne war eine virtuose Datensammlerin. Bernie Sanders ist es auch, wie in Deutschland Campact oder die Grünen. Alle tun es. Was technisch möglich ist, wird gemacht. Den kleinen Unterschied machte “nur”, dass Trumps Organisation gedankenschneller und kapitalkräftiger war, um die Gelegenheit zu nutzen.
Gefordert wäre der Gesetzgeber, in Deutschland und in der EU. Der macht aber exakt das Gegenteil. Jens Spahn schleift, ohne grossen öffentlichen Wind, gegenwärtig den Datenschutz im Gesundheitswesen, vor allem für die Gesetzlichen Krankenversicherten. Die Privaten kennen sich mit oppositioneller Lobby nämlich besser aus. Was Spahn da macht, ist Ausdruck der Torschlusspanik der Deutschland AG, die jetzt, wie immer mit vielen Jahren Verspätung, erkennt, dass sie den Anschluss an das globale Datenrattenrennen um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI, “Künstliche Idiotie”) verpasst.
Der arme Uli Kelber, mehr Arbeit, als er jemals schaffen kann. Wenn keine oppositionelle Datenschutzbewegung wächst, die ihm Arbeit abnimmt und den Datenräubern in den Arm fällt, werden unsere Bürger*innen*rechte digital beerdigt.
Irre: manche zahlen sogar Abogebühren dafür, dass sie datenausgeraubt werden. Dabei müssten die uns noch bezahlen dafür, dass wir unsere Zeit auf ihren Ausraubbedarf verschwenden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.