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Zum 100. von Hennes!

Vorgestern wäre der 100. Geburtstag von Hennes Weisweiler gewesen. Heute bekam er das passende Geschenk. Die Vergleiche mit damals und heute sind sportlich alle kompletter Blödsinn, der traditionellen Oberflächlichkeit inkompetenter Medien geschuldet.
Unvergesslich wird mir eine Geschichte bleiben, die mir Heribert Fassbender mal bei einer WDR-Weihnachtsfeier erzählt hat. Er war seinerseits ganz gerührt, dass ich seine Schlussreportage vom 7:1 gegen Inter Mailand 1971 am Bökelberg quasi noch aufsagen konnte. Das Spiel lief überhaupt nicht im TV. Und das Radioprogramm schaltete sich erst nach den 21-Uhr-Nachrichten ins Stadion; da stand es bereits 6:1. Fassbender erzählte mir quasi als Gegenleistung, wie er als Jurastudent nach durchzechter Nacht morgens in Köln vom trinkfesten Weisweiler aus dem Bett geklingelt wurde. Er solle mit zum Training kommen. Dort erlebte er das Probetraining von Jürgen Wittkamp mit, der wegen des damaligen Bundesliga-Bestechungsskandals als Spieler von S04 eine Sperre zu erwarten hatte, später aber als hochklassiger Libero mehrere Borussia-Meisterschaften mitfeiern durfte.
Wer sich daran hochziehen mag: in der ersten Meistersaison lautete das Ergebnis genauso wie heute: 2:1, damals schon am zweiten Spieltag, am 23.8. am selbstverständlich ausverkauften Bökelberg erzielt. Auch die Torfolge war identisch: 0:1 Starek (11.), 1:1 Kaiser (48.), 2:1 Laumen (72.). Das Tor von Werner Kaiser, damals wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag erzielt, war auch schon der Höhepunkt seiner Profilaufbahn. Alle anderen Mannschaftskameraden hatten das Schönste noch vor sich.
Kann sein, muss aber nicht, dass es auch für die heutige Mannschaft, die ausnahmsweise mal nicht von Manuel Neuer beschenkt wurde, gilt. Der Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum ist – für diesen Spieltag – aus den Europapokalplätzen raus. wenn das auch am Ende so wäre, käme das einem Börsencrash des deutschen Profifussballs gleich. So weit wird es nicht kommen. Aber alle Nachberichte zum heutigen Spieltag werden gute Unterhaltung sein. Wenn sie gut sind, zeigen sie die Gesichter einiger bekannter und allseits unbeliebter Konzernvorstandsherren (die ARD-Sportschau am Samstag hat es unterwürfig vermieden), die damals, am 23.8.1969 noch gar nicht zum Aufgebot gehörten . Times they’re changin’.
Frank Hellmann/FR hat in seinem Vorbericht zum heutigen Spiel die ökonomisch-strategische Ausgangslage absolut korrekt beschrieben. So lange das wie heute im Fussball möglich ist, lebt er noch. Doch die Killer umkreisen ihn weltweit.
PS: Beileid auch an die BV 09 Borussia Dortmund KGaA – der Rausschmiss von Lucien Farvre muss schon wieder verschoben werden … ;-)

7 Kommentare

  1. Roland Appel

    Die Überschrieft ist irreführend. Ich dachte, Du meist den Geißbock vom FC…trotzdem fein, dass der Münchner Reklamekonzern so schön geerdet wird.

  2. Martin Böttger

    Welcher Geißbock schafft denn 100 Jahre? Die wechseln doch bei Euch (fast) so häufig wie die Trainer … oder der Vorstand … oder das Management. Wie heissen die eigentlich im Moment? Hab’ den Überblick verloren. Auf welchem Platz? In welcher Liga?

  3. andré dahlmeyer

    wiesio kann man hier eigentlich keine beiträge teilen oder binnick zu blöd?!?

  4. André Dahlmeyer

    in meiner familie sind alle fans vom 1. fc ´und also von hennes weisweiler – bin siegburger!!!

  5. Martin Böttger

    Lieber André, falls Du irgendwelche Konzernmedien meinst, die sind hier absichtlich nicht eingebunden. Aber ein Internetlink ist doch auch ohne sie überall anwend- und verbreitbar, immer gerne – Freundliche Grüße nach Buenos Aires. Und das mit dem FC verzeih ich Dir, der ist kaum noch zu sehen da unten. Die U23 hat übrigens gegen Fortuna verloren (Regionalliga West) – kannste bei Zeigler sehen.
    https://www1.wdr.de/fernsehen/zeigler/index.html

  6. Klaus Böttger

    Ich weiß jetzt gar nicht, unter welchen Beitrag ich meinen Senf schmieren soll, weil der Herausgeber es derzeit schafft in (geschätzt) jedem zweiten solchen entweder eine Referenz auf die wahre Borussia und/oder ihren Ex-Trainer einzubauen. Und das tut er ja zu recht…! Schließlich war es das zweitwichtigste Heimspiel der Saison am Samstag!

    Dem Roland halte ich zu Gute, dass er mit der SPD solidarischer umgeht als mit dem FC… so scheint es. Doch das Hennes (der 1. Bock) nach Hennes (dem Heiligen) benannt wurde (der zu jener Zeit noch Spielertrainer in der Stadt mit der großen Bahnhofkirche war – das weiß sogar er!

    Wenn die sich damals nicht miteinander über Kreuz gelegt hätten und er den Vorort von Bergheim nicht über Nacht verlassen hätte (müssen?), dann gäbe es die Borussia wohl trotzdem noch. Aber nicht in der Fussballbundesliga der Männer. Willy Brandt wäre nie Kanzler geworden und die 70er Jahre hätten nicht stattgefunden. Und Favre wäre nie zum Ballspielverein in Dortmund gegangen, sondern irgendwo Professor… oder Mathelehrer.

    Kurzum: Ett wär schade um den FC. Nicht wegen des Bockes (der gehört umgestoßen)… aber wegen Hennes und seinem Andenken. Und dem Spass gegen die zu gewinnen… Natürlich! Weil das dann das wichtigste Heimspiel der Saison ist… und das war in diesem Jahr schon am 4. Spieltag! :-)

  7. Klaus Böttger

    Um nochmal zur Fußball-Kapitalismuskritik zu kommen – die hab ich vergessen…:

    Das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München war am Wochenende der größte Quotenbringer für den Pay-TV-Anbieter Sky: Mit 810.000 Zuschauern erreichte es nicht nur mehr Leute als die Konferenz, es war auch das erfolgreichste Einzelspiel an einem Samstagnachmittag in der Sky-Historie. Die Flops des Spieltags waren Leipzig-Hoffenheim und Freiburg-Wolfsburg mit kaum messbaren Zahlen. Quelle: Meedia

    Das erledigen die Zuschauer/innen ganz souverän, wie es scheint! Ein deutlicheres Votum gegen 50+1 kann es eigentlich nicht geben. Und das wissen sie gerade auch in Fröttmaning & Frankfurt.

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