Epidemienangst / Ströbele / Arendt / ÖPNV-“Milliarden”

Von , am Freitag, 31. Januar 2020, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Brauchen Sie den Angstschauder vor weltweiten tödlichen Massenepidemien? Die Monitor-Redaktion des WDR hat da ein paar Vorschläge für Sie. Auch die übrigen Beiträge dieser TV-Insel des kritischen Journalismus sind ansehenswert (Gesichtserkennung, Libyen).
Hans-Christian Ströbele, an den werden sich die Grünen noch mal zurücksehnen. Als Marke gilt er für linkes Grünes Widerständlertum, nur weil er beständig Kritik am Obermacho (innerbetrieblicher Jargon: “das Tier”) Joseph Fischer übte, und zwar nicht ängstlich intern, sondern demonstrativ öffentlich. Dabei war Ströbele selbst Realo: unmittelbar vor dem Mauerfall 1989 setzte er in der Westberliner Alternativen Liste eine Mehrheit für eine Koalition mit der SPD durch. In einem ausführlichen Gespräch von Ulrike Winkelmann/DLF mit ihm bleibt diese Episode unterbelichtet. Kein Wunder: der Mann ist 80, da fällt viel an. Seine Gesprächspartnerin Ulrike Winkelmann leistet heute gute journalistische Arbeit für die DLF-Reihe “Hintergrund”. Ströbele sollten schreibfähige Menschen zuhilfe eilen, damit er das versprochene Buch noch schafft.
Micha Brumlik/taz weist auf eine Neuveröffentlichung von Texten von Hannah Arendt hin. Ich teile seine Bewertung, dass sie der Gegenwart noch viel zu sagen hat. Ihr TV-Gespräch mit Günter Gaus, in de 90ern in Wiederholung ausgestrahlt, war in Form und Inhalt für mich ein Erweckungserlebnis.
Gestern überschlugen sich die Medien im Abfeiern der “Milliarden”, die die barmherzige Bundesregierung über den hungernden ÖPNV ausstreut. Ich musste sarkastisch lachen. Für NRW sollen es gut 200 Millionen sein. Wieviele Brücken können damit ersetzt werden? Eine? Zwei? Drei höchstens.

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