Vielleicht sollte mal jemand den Nobelpreisträger einladen, auf seiner Never Ending Tour im Stadion des BVA halt zu machen. Also im “August-Gottschalk-seine-Frau-ihr-Stadion” am Kaiser-Wilhelm-Park. Der Ballspielverein Altenessen 06 e.V. hat neben seiner – nicht ganz so großen – Geschichte noch jüngst eine ganz eigene Berühmtheit erlangt.

Traurig, sicher. Für den Klub, den Stadtteil, den (Amateur-)Fußball, aber insbesondere für ein noch 2010 mit dem Integrationspreis des DOSB ausgezeichnetes Projekt… und deshalb vor allem für die 600 Spieler/innen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und “Alte” Herren. Denn die leben (und spielen Fußball) in Altenessen, dem Stadtteil auf dem Weg nach Essen-Karnap und Gelsenkirchen-Horst. Da hat Dylan schon mal gespielt. Im Nordstern-Park… aber das ist ein ganz anderer Park und eine ganz andere (Familien-)Geschichte.

Im BVA Stadion, welches dieser Autor noch von Bundesjugendspielen seiner Kindheit in (unguter) Erinnerung hat, steht eine Tribüne, erbaut 1959, also 4 Jahre nach dem Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft durch Rot-Weiß-Essen. Kapitän des RWE: eben der, in dem seine Frau ihr Stadion eben diese Tribüne steht…

Vera Eckardt hat dankenswerter Weise die Fakten in einem Beitrag zusammengefasst, den die WAZ in ebenso undankbarer Weise hinter ihrer Paywall vermauert hat – aber das Bild des Gegenstandes unseres Interesses ist immerhin noch zugänglich.

Heute wird so was wohl nicht mehr gebaut. Schon architektonisch ist das Bauwerk vielleicht bemerkenswerter, als vieles, was die Stadt-Essen zu den Lebzeiten dieses Autors an – nicht nur – dem Sport gewidmeten – noch so zusammengeklöppelt hat. Doch im Grunde ist auch die BVA-Tribüne nur Beton, Blech und Stahl. Das rostet.

Eine komplette Sanierung würde 318.000 Euro kosten, schreibt Eckhardt. Für eine Stadt, die dann auch schon mal Mittel aus der Instandhaltungsrücklage für das Museum Folkwang zweckentfremden musste, um 64 Millionen Euro für einen anderen Blechhaufen zusammen zu kratzen (an dessen Stelle mal ein “richtiges Stadion” stand – in welchem dieser Autor alles gelernt hat, was er über Fußball wissen musste, um ihn lieben zu wollen) ist das inzwischen wohl ganz schön viel Geld. Für jede/n Altenessener/in wären das etwa EUR 5,70. Also etwas mehr als der Gegenwert einer leeren Kiste Stauder Pils. (Sehr gut! Auch aus Altenessen.)

Der Stadtteil ist nicht wirklich die “Visitenkarte” der Stadt. Es ist, gewissermaßen, “Rough & Rowdy“. Doch Altenessen ist der bevölkerungsreichste Stadtteil in Essen und einer, in dessen Bevölkerung ungefähr mindestens zwei Drittel aller Mitgliedsstaaten der UN repräsentiert sind. Da gibt es Probleme, doch da gibt es eben auch ganz bemerkenswerte Initiativen, die im Grunde diesen Stadtteil zusammenhalten. Und nur eine davon ist ganz gewiss der BVA.

So ein Stadion und so eine Tribüne, wer braucht das schon?

“Aus Sicht der Sport- und Bäderbetriebe ständen die Kosten in keinem adäquaten wirtschaftlichen Verhältnis zur weiteren Nutzung der Tribüne. Aus nostalgischer Sicht wäre ein Abriss der Tribüne zwar bedauerlich, hinsichtlich ihrer derzeitigen Nutzung sei eine Tribüne mit derartiger Konstruktion nicht erforderlich, heißt es weiter. Man schlage deswegen vor, die Tribüne dem Erdboden gleich zu machen und das Areal zu pflastern — das koste dann lediglich um die 60.000 Euro.”

Quelle: WAZ 20.06.2020

Netto gibt es hier also einen Fehlbetrag von 250.000 Euro zu decken. Dafür muss der (Bezirks-)Bürgermeister zwar ganz schön viele Flaschen sammeln (etwa 52.000 Kisten), doch vielleicht müsste es gar nicht dazu kommen!

Wenn sich nun doch nur ein/e Veranstalter/in finden würde, die nach der derzeitigen und noch vor der nächsten Pandemie Bob Dylan nach Altenessen holen würde, um dem ersten deutschen Kaiser im Park nebenan gewissermaßen eine musikalische Vorlesung über die Geschichte der USA und das Unterbewußtsein von Robert Allen Zimmerman zu halten – dann fände sich sicher auch noch das Geld, um die Tribüne fachgerecht instand zu setzen. Der Bürgermeister würde in der ersten Reihe sitzen können, wenn er wollte…

Kaufen sie das Album! Es ist tatsächlich so gut!

Über den/die Autor*in: Klaus Böttger

Klaus lebt und arbeitet im Maschinenraum dieses Blogs, in einem tiefen Keller irgendwo im südwestlichen Münsterland. Früher war er Bergmann, Taxifahrer und Regaleinräumer im Möbelhaus. Er verbringt seine Zeit hauptsächlich "online", beruflich wie privat. Wenn er nicht gerade im Garten oder mit dem Hund draußen ist. Dann ist er "off"!