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Beschneidungsabend

Mann lernt nie aus
Gestern abend kĂĽmmerten sich zwei öffentlich-rechtliche Sender ungewöhnlich ausfĂĽhrlich mit der Körperpolitik rund um die menschlichen Geschlechtsorgane. Uli Schauen, der mir als Gewerkschaftsaktivist fĂĽr die Nöte der zahllosen “freien” Mitarbeiter*innen vor Jahren ein Begriff war, beschäftigte sich in einem DLF-Feature mit Kampagnen fĂĽr die Jungen-Beschneidung in Afrika, vorgeblich zur Aids-Prävention. Der medizinische Sinn dieser Kampagnen war und ist umstritten. Der politische Sinn dahinter wird dagegen erkennbar.
Es ist ungefähr der gleiche, fĂĽr den schätzungsweise 200 Millionen Frauen verstĂĽmmelt werden. ZDFinfo wiederholte gestern eine 3sat-Produktion “Vulva und Vagina – Neue Einblicke in die weibliche Lust”. Ich kannte sie noch nicht, und habe dabei eine Nachricht mitgenommen, die fĂĽr mich persönlich eine Neuigkeit war, und zu deren Verbreitung ich hiermit beitragen möchte. Es scheint seit einigen Jahren einen erfolgreichen operativen Eingriff zu geben, mit dem die Klitoris beschnittener Frauen wieder hergestellt werden kann: indem die innenliegenden Teile des Organs hervorgeholt werden, dass es wieder bis nach aussen ragt (hier ganz unfachlich und laienverständlich ausgedrĂĽckt). Ein Aachener Arzt wird vorgestellt, Dr. med. Dan mon O’Dey, der diesen Eingriff nach eigenen Angaben bereits 500mal vorgenommen habe, und zwar erfolgreich. Offensichtlich arbeitet er mit Pro Familia zusammen.
Was also eint die eine Beschneidung mit der anderen? Es ist immer der Versuch von politischen und/oder wissenschaftlichen Institutionen, Kontrolle ĂĽber die Menschen zu gewinnen. Die Lust ist irgendwie unheimlich, vor allem denen, die Angst vor Kontrollverlust haben, weit verbreitet unter den Mächtigen, und selbst zu ihr ein in der Regel gestörtes (oder bigottes) Verhältnis haben. Meistens verbunden mit Angst vor sich selbst – die schlimmsten Schwulenhasser sind und waren schliesslich auch immer schwule Päpste oder Kardinäle.

1 Kommentar

  1. Roland Appel

    Ich habe dieses DLF-Feature mit zunehmendem Gruseln verfolgt. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, mit welchen trivialen BegrĂĽndungen US-amerikanische Stiftungen, die angeblich dem Präsidenten (welchem?) nahestehen in kolonialistischer Manier im Afrika ohne Gesundheitssystem ihr Unwesen treiben. Das ganze erinnerte an die Versuche der US-Medizin in den 50er Jahren, des 20. Jahrhunderts, Homosexualität zur Krankheit zu erklären und mit Elektroschocks zu “heilen”.

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