Wankende ARD – Versenkte Agrarpolitik
Zuhausebleiben, Glotze läuft. Der Vorabendkrimi der ARD (“Morden im Norden”) fährt so schlechte Quoten ein, dass die ARD-Programmdirektion sogar einer Pressekonferenz der als langweilig verschrieenen Bundeskanzlerin mehr zutraut. Bevor der oder die Mörderin entlarvt war, wurde nach Berlin umgeschaltet. Wenn die Bundeskanzlerin was sagt, ist auch journalistische Begleitung, Kommentierung, Einordnung oder auch nur Zusammenfassung nicht mehr erforderlich. Dass auf Phönix und Tagesschau24 das gleiche Programm lief … es geht nicht um Programmvielfalt, sondern um Volkserziehung. Mutti spricht.
Auch der Quotenmarktführer, das Dritte (WDR) schaltete kurz rein. Aber hier ist der Quotenburner die “Lokalzeit” (und davor, wichtig, der Wetterbericht). Die dort berichteten Verkehrsunfälle und Gartenrezepte haben selbstverständlich Vorrang vor der Bundeskanzlerin, denn 20-30% gucken zu, und dürfen nicht gestört werden. Ehrlich gesagt, ist mir das persönlich alles wurscht. Aber ich möchte Ihnen das als Übersetzung aus der was-mit-Medien-Blase liefern, damit Sie wissen, wie dort gedacht (oder selbiges unterlassen) wird.
3sat-nano versenkt die irre Agrarpolitik
Damit komme ich zum “versenkt”. Dass die EU-Agrarpolitik unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft die Weichen für die nächsten fünf Subventionsjahre so gestellt hat, dass keinesfalls “zuviel” für den Klimaschutz getan wird, das haben Sie als Leser*innen dieses Blogs schon erfahren. Selten habe ich es filmisch so schön kompakt zugespitzt erklärt gesehen, wie beute im 3sat-Wissenschaftsmagazin nano, und zwar hier (Video 4 min) und hier (Video 6 min). Wie gesagt: alles nicht mehr ganz neu, auch die Filmbilder nicht, aber gut zum Weiterleiten an Ahnungslose.
Für mich stellen sich danach harte Fragen an meine eigene Partei. Will sie ernsthaft im nächsten Jahr mit denen koalieren, die das nicht nur geschehen lassen, sondern diesen aktiven Beitrag zur Klimakatastrophe nicht nur decken, weil ihnen nichts eigenes einfällt, sondern aktiv und aggressiv betreiben? Oder sollte sie es nicht vorziehen, sich an die Spitze einer Bürger*innen*bewegung zu setzen, die hier im Zentrum des mächtigsten und zahlungskräftigsten EU-Mitgliedes gegen diesen ökologischen und ökonomischen Irrsinn Widerstand organisiert? Oder wollen die Grünen gar selbst für den Aufwuchs einer Konkurrenz sorgen, der ihnen als zukünftiger Regierungspartei eine klimapolitische Opposition entgegensetzt? Zeit der Entscheidungen, es ist weniger als ein Jahr.
PS: der EU-Haushalt wird übrigens blockiert – von Polen und Ungarn! Gehts peinlicher?