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Mediathekperlen: Pastewka, Tezel, Eier ab!

Serien sind besser als Kino, oder so ähnlich, hieß es zur Jahrtausendwende, als das amerikanische Pay-TV verstanden hat, dass eine hochwertig produzierte und episch horizontal erzählte Serie die Kund:innen mehr bindet, als jeder Blockbuster. Das ist NICHT das selbe, wie es etwa die ARD seit 3667 Folgen (Stand heute) mit “Sturm der Liebe” oder “Rote Rosen” (3402 Folgen) anbietet. Das ist nicht hochwertig, sondern “Soap”, was sich übrigends vom optimalen Werbeumfeld für Haushaltsseifenprodukte herleitet. Kein Mensch würde DAFÜR Geld verlangen können (oder wollen).

Aber spätestens “The Sopranos” waren der Gamechanger. Auch für mich. Und das ist auch schon wieder über 20 Jahre her! Die erste Serie, die ich ab der ersten Staffel quasi am Tag der Erstausstrahlung im amerikanischen Pay-TV (HBO) gesehen habe. Fragen sie mich nicht wie oder wo. Ich muss mich hier ja nicht selbst belasten. Und natürlich habe ich später an der deutschen Synchronisation gelitten, wie an der programmatischen “Hinrichtung” im deutschen Free-TV (ZDF/Kabel1). Natürlich habe ich auch deshalb schon lange alle Seasons in der DVD Box. Die stehen direkt neben “M*A*S*H“, der anderen großen TV Serie meines Lebens. Und heute warte ich auf die Fortsetzung von “Ozark” und “Better Call Saul” und weiß, dass ich mir sogar Urlaub nehmen würde um sie zu bingen. (Bingjen = alle Folgen auf einmal/nacheinander sehen.)

Mit deutschen TV Serien dagegen tue ich mich noch immer schwer.

Babylon Berlin” ist so ein deutsches Referenzprodukt (ARD). Doch mit historisierten Stoffen kann ich nicht ganz so viel anfangen. Genau so wenig wie mit seriellen Remakes großer Filme wie etwa deutschen U-Bootfahrern im ZDF (“Das Boot“). Aber ich bin jetzt auch kein Snob! Bad Banks (ZDF) habe ich zwei Staffeln lang wirklich genossen. Dominik Grafs “Im Angesicht des Verbrechens” (ARD) habe ich mir zu Weihnachten schenken lassen. Natürlich aus Notwehr! Die Serie wurde ebenfalls im laufenden Programm brutalstmöglich weggesendet. Irgendwas mit Quoten hat wohl nicht den Erwartungen entsprochen. “Rote Erde” (ARD) hab ich auch noch im Regal und schaue ich sogar alle paar Jahre. Weil es Teil meiner Familiengeschichte ist. Und weil es Freude macht zu sehen, wie jung all die Kerle damals noch waren. Und Büttenwarder (NDR) (auf der Festplatte). Aber das ist keine Serie, sondern eine Lebenseinstellung. Und da komm ich jetzt wirklich in das Territorium des Herrn Ausgebers. Das lass ich lieber!

Schaue ich in die Mediatheken, dann sind Serien DAS DING! ARD & ZDF sind voll davon. Viele eingekaufte, englische und skandinavische (Ko-)Produktionen, doch auch erheblich viele selbst- und im Auftrag produzierte Stoffe. Versendet, gerne staffelweise, mitten in der Nacht,  auf den Abspielkanälen One (ARD) und Neo (ZDF). Das letzte, was mich davon richtig gefesselt hatte war der fantastische Kristofer Hivju in der norwegischen Serie “Twin” (in der ARD Mediathek bis 13.01.2022).

Jedenfalls ist das viel mehr Material und Frequenz als ich alleine weggucken kann. Da picke ich mir raus, wovon ich woanders – also etwa im Extradienst – gelesen habe. Hier nur mal drei Serien, oder besser, “Mehrteiler”-Produktionen vom ZDF (von denen ich aber bis jetzt nur eine(n) in Gänze gesehen habe – dafür 2 x – und zwei, die auch schon wieder abgesetzt sind. DANKE ZDF!).


– Morgen höre ich auf – ZDF 2016

Das Debut eines Charakterdarstellers, der mit dem gleichnamigen Kommödianten nur den Namen, das Gesicht und einige Manierismen teilt. Großartige Transformierung eines Handlungsfadens von Albuquerque, Arizona (Breaking Bad) nach Bad Nauheim, Hessen. Nur mit weitaus weniger Naturwissenschaften (Chemie hab ich nur geschafft, weil ich abschreiben konnte). Und auch nur 5 Folgen! Fünf! Ich mein’, was soll das denn, ZDF???

In der 3Sat/ZDF Mediathek verfügbar bis 11.12.2021


– Unbroken – ZDFneo 2021

Leider kein Grimme-Preis für Aylin Tezel. Aber nominiert für den Fernsehpreis!  Ich habe allerdings bisher nur die erste Folge (von 6) gesehen und will mir noch kein abschließendes Urteil erlauben. Enorm vielversprechend jedenfalls! In der allgemeinen Kritik kam sie überwiegend hervorragend weg. Wenn sie wollen, dass der Herr Ausgeber sich mal (endlich) auch dieser Serie annimmt und diese Urteile verifiziert, dann schreiben sie es unten in die Kommentare. Als journalistischer Rentner sollte er die Zeit dafür wohl finden können!

“Unbroken” – In der ZDF-Mediathek verfügbar bis 03.08.2022


– Zarah – Wilde Jahre – ZDF 2017

“Wenn Sie mich noch einmal Hausfrau nennen, schneid’ ich Ihnen die Eier ab”.

Wer so loslegt, muss das Niveau dann aber auch halten! Eine feministische Journalistin (Claudia Eisinger) mischt nicht nur ihre Zeitung auf. In den fucking Siebzigern!

Da habe ich, begeistert, aber schlimmes ahnend, meinen gerade genannten Herrn Ausgeber gefagt, ob das was ist. Weil er der Serienexperte ist und natürlich auch weil er Zeitzeuge war. Aber wer die Siebziger als Erwachsener überlebt hat und nur etwas Spass dabei hatte, kann oder will sich meist nicht an sie erinnen. Stimmt das? Jedenfalls war sein Urteil recht eindeutig vernichtend:

“Alte Wiederholung, ein klischeebeladener – phasenweise auch sehr langweiliger – Abklatsch. Konnte ich mich bei der Erstausstrahlung nicht mit anfreunden. Flog wg. Quotenpleite auch schnell wieder vom Sendeplatz.”

Sie können aber auch zB. Sven Sakowitz (taz) lesen: “Die erste Staffel ist wahrlich kein Meisterwerk geworden, hat aber gute Momente und entwickelt sich positiv. Zarah Wolf sollte noch nicht entlassen werden.”

Dem war dann aber leider nicht so… abgesetzt. Ätsch! Mutloses ZDF? Da misch ich mich nicht ein.

Ansehen werde ich mir “Zarah” auf jeden Fall noch. Vor vier Jahren hab ich überhaupt nichts davon mitbekommen. Aber da waren wir ja alle noch 4 Jahre jünger und hatten keine Zeit für “sowas”.

“Zarah – Wilde Jahre” – In der ZDF Mediathek verfügbar bis 17.06.2022


Und so überlasse ich das (deutsche) Fernsehserienuniversum nach diesem Beitrag auch gerne wieder meinem Bruder. Der guckt einfach mehr davon… und hat mir wirklich noch nie was schlechtes empfohlen!

Über den/die Autor*in: Klaus Böttger

Klaus lebt und arbeitet im Maschinenraum dieses Blogs, in einem tiefen Keller irgendwo im südwestlichen Münsterland. Früher war er Bergmann, Taxifahrer und Regaleinräumer im Möbelhaus. Er verbringt seine Zeit hauptsächlich "online", beruflich wie privat. Wenn er nicht gerade im Garten oder mit dem Hund draußen ist. Dann ist er "off"!

2 Comments

  1. Martin Böttger

    Die meisten Serien kosten mir zu viel Zeit. Rentner*innen haben davon nur wenig, wird immer knapper! Wenn ich die Schlechten gar nicht erst gucke, kann ich halt nur die Guten empfehlen ;-) Ausserdem müssen sie (für mich) kostenfrei guckbar sein, wg. s.o. Rentner! Bleiben also nur ARD, ZDF und Dealer.

    • Klaus Böttger

      Meine Rede! Das Leben ist zu kurz für schlechtes Fernsehen!

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