Mediatheken ist es immanent, ihre Benutzer:innen vom Zeitdiktat der linearen Programmierung zu emanzipieren. Das ist ihr entscheidender Wettbewerbsvorteil zum linear gestreamten Programm der TV-Anstalten. Dieser Vorteil schrumpft allerdings wegen der zeitlich oft sehr begrenzten Verfügbarkeit der Inhalte beträchtlich zusammen. Sechs Tage + X ist sozusagen die Formel, eigenproduziertes Material länger und Auftrags- oder eingekaufte Produktionen kürzer anzubieten.

Je länger das Angebot verfügbar ist, desto mehr kostet es die Gebührenzahler:innen, so nehme ich das einfach mal an.

Nun gibt es aber auch Mediathek-Programmierer:innen, die versuchen die Nachteile beider Systeme zu vereinen. Und die stellen einen Sechsteiler (euphemistisch auch “Serie” genannt) so (um Wochen) zeitversetzt online, dass zum Erscheinen des letzten Teils, der erste schon nicht mehr verfügbar ist. Brutalstmögliche Dummheit, wenn es nach mir geht! Denn ich fange einen Mehrteiler doch nicht mehr an, wenn ich nicht alle Teile sehen kann. Warum sollte ich das?

Nun bin ich ein Mediathekjunkie und bediene mich technischer Hilfsmittel um Inhalte aufzuzeichnen und dann “am Stück” zu “binge-watchen” – also nach eigenem Rhythmus anzusehen. Aber wer kann das? Und warum ist das nicht eine allgemein verfügbare Funktion? Das muss etwa mit Lizenzvereinbarungen, mit dem Rundfunkstaatsvertrag und anderen Dingen, von denen ich nichtmal vorgebe eine Ahnung zu haben, im Zusammenhang stehen. Egal, eigentlich, was genau dagegen spricht. Technisch wäre es theoretisch eine Kleinigkeit. Praktisch wiederum würde es vermutlich einen erheblichen Umbau der Software voraussetzen. Von den schon genannten Lizenzverträgen und – ganz allgemein – den Kosten des ganzen mal abgesehen.

– Die Stadt und die Macht (2016) –

Sorry für den Rant soweit, ich bin aber darum gerade ehrlich so besonders sauer auf den “Kultursender” von ARD/ZDF/ORF/SRG. Auch wenn ich 3sat gewöhnlich sehr schätze, haben sie ihr Image mit eben der beschriebenen Programmierung von “Die Stadt und die Macht” bei mir schon etwas beschädigt.

Auch und gerade weil diese kleine Serie aus 2016 auch zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021 am Sonntag wieder perfekt terminiert gewesen wäre… und weil ich Martin Brambach als ideellen Zombie von Frank Stauss sehr liebe. Die Ausstrahlung im TV war für die ARD ein Desaster. Die Vorhersage, dass sich dieses in der 3Sat Mediathek genau so wiederholt ist vermutlich nicht übertrieben?

Zur Serie können sie hier in den Kritiken weiterlesen – fangen sie mit der letzten an – weil’s die “beste” ist…:
FAZWELTSPIEGELSüddeutsche

Und ansehen (sowie downloaden) können sie ALLE TEILE unter den folgenden Link. Denn nur, weil ein Angebot nicht mehr in der Mediathek angezeigt wird, heißt es nicht, dass sie es nicht mehr sehen können. ;-)

https://mediathekviewweb.de/#query=Die%20Stadt%20und%20die%20Macht

Hier werden tatsächlich alle Dateien die auf den ÖR-Servern indexiert wurden angezeigt, solange sie auf den Servern verfügbar sind. Es wird vermutlich nicht soo lange dauern, bis dass jemand bei 3Sat das merkt und die “abgelaufenen” Dateien löscht. Doch so lang nehmen sie das gerne als besonderen Service der Verantwortlichen an ihren Kund:innen. Denn sie wissen vermutlich selbst, wie suboptimal ihr offizielles Angebot eigentlich ist.

Ein Cliffhanger bleibt:

Wer die neue “Regierende” von Berlin wird, erfahren wir erst (frühestens) am Sonntag.

Über den/die Autor*in: Klaus Böttger

Klaus lebt und arbeitet im Maschinenraum dieses Blogs, in einem tiefen Keller irgendwo im südwestlichen Münsterland. Früher war er Bergmann, Taxifahrer und Regaleinräumer im Möbelhaus. Er verbringt seine Zeit hauptsächlich "online", beruflich wie privat. Wenn er nicht gerade im Garten oder mit dem Hund draußen ist. Dann ist er "off"!