Und: Mediathekperle “Deep Dive in die Gosse” (ZDF)
Bahn-Kenner und -Kritiker Arno Luik hatte mal wieder einen Wutausbruch, im Interview mit Marcus Klöckner/nachdenkseiten. Wie schön, dann muss ich mich ja nicht mehr aufregen. Ich möchte nur einen Gesichtspunkt ergänzen.
Luik kritisiert zurecht die superteure Expansion von Tunnelstrecken. Was im Alpengüterverkehr noch einen Sinn ergibt, um ihn den Anwohner*inne*n in der Schweiz und Österreich zu ersparen, ist schon im Personenverkehr eine Qualitätsverschlechterung. Nicht nur für den Reisenden. Dem wird vermittelt, dass er “aus dem Weg geschafft” und vergraben wird.
Noch gravierender ist der Verlust an öffentlicher Sicherheit. Sicherheit wird in erster Linie durch menschliche Öffentlichkeit gesichert, weit wirkungsvoller als z.B. durch noch so allgegenwärtige Kameras, die exhibitionistisch veranlagte Delinquenten geradezu zu Übeltaten anspornen. Je mehr Menschen auf der Strasse oder am Bahnhof sind, umso wahrscheinlicher ist der praktische und sofortige Schutz potenzieller Opfer von Gewalt und Kriminalität. Je mehr Menschen und ihre Verkehrsmittel – teuer, teuer – vergraben werden, umso weniger gibt es über der Erde noch Sicherheit (und potenzielle Rettungsinfrastruktur). Das ist der schwerwiegendste Schaden, der z.B. durch die Abschaffung von Strassenbahnen und ihren Ersatz durch U-Bahnen angerichtet wird, und gilt in ähnlicher Weise für die Eisenbahn.
Räume unter der Erde plus die Wege dorthin sind Angsträume. Technischer Überwachungsaufwand ändert daran nichts. Im Gegenteil soll er ja Personalaufwand für schützende Menschen einsparen. Das ist verringerter Schutz. Insofern ist die Angst in Angsträumen nicht nur ein “subjektives Gefühl”, sondern realistisch.
Deep Dive in die Gosse
Das topseriöse ZDF-Magazin Royale widmete sich gestern, stellvertretend für all die von uns, die es zu sehr ekelt, der Vernichtung des grossen publizistischen Erbes von Axel Cäsar Springer durch seine Erben. Der Gipfel des Tiefpunkts war jüngst erreicht, als die Konzernspitze vor der linksgrünversifften “Cancel Culture” der USA zu Kreuze kroch, und einen ihrer edelsten Kämpfer als Sündenbock auf dem Altar des angloamerikanischen Finanzkapitals opferte. Faktensicher wurden Jahrzehnte des Elends und Absturzes in wenigen Sendeminuten komprimiert zusammengefasst. Mit dem prägnanten im Chor gesprochenen Gesamturteil: “Unglaublich!”
Nicht mitbehandelt wurde die Frage, warum sich dennoch so viele Massenmedien, die von vielen immer noch für seriös gehalten werden, das politische Agendasetting von dieser anrüchigen Quelle vorkauen und zur Weiterverdauung – wie schon mal gegessen – servieren lassen. Aber dann wäre die Sendezeit sicher überzogen worden.