Das sollen, nach der Überlieferung seiner Lebensgefährtin Annette Walter-Lax, die letzten Worte von Keith Moon gewesen sein, bevor er am 6. September 1978 an einer Überdosis Arzneimittel gestorben ist. Ich war gerade alt genug (13) um seine Band “The Who” für mich als Wegweiser in meiner eigenen musikalischen Sozialisation erkannt zu haben. Das Album hieß “Quadrophenia” (1973) und stammte aus dem Plattenschrank meines Bruders. Ein Jahr nach dem Tod von Keith Moon sollte die Verfilmung von Franc Roddam in die Kinos kommen. Ich sah den Film ein oder zwei Jahre später erst im Filmstudio auf der Altenessener-Straße in Essen… und danach noch bestimmt ein dutzend Mal in anderen Kinos, im TV und auf DVD.

The Who waren an einem guten Abend Rock’n’Roll-, Blues-, Oper- und Punk-Rock-Band in einem. Die lauteste (1976) und eine der “grössten” Bands aller Zeiten mit 180 Mio verkauften Tonträgern. The Who hatten nie die Perfektion der Beatles, die spektakuläre Show der Rolling Stones oder die feine Ironie der Kinks, doch sie gehören bis heute zu den einflußreichsten Bands der Geschichte. Pete Townsend war ihr Gitarrist, Songschreiber, Architekt und Mastermind. John Entwistle (The Ox) der stoische Ruhepol am Bass (damit war er Bill Wyman ganz ähnlich) und Sänger Roger Daltrey der, bis in sein hohes Alter straßenköterhafte Frontman der Band, der für ihr proletarisches Image und ihre Authentizität stand. Ihr Drummer, Keith Moon war… unvergleichbar.

Das Rolling-Stone Magazin (US) hat ihn (posthum) zum zweitgrössten Drummer aller Zeiten gewählt. Erster auf der Liste war John Bonham († 1980) von Led Zeppelin und dritter wurde Ginger Baker († 2019) von Cream. Allesamt “fine English gentlemen” und Zeitgenossen in der aufregendsten Phase der Rock-Geschichte.

Ich wurde tatsächlich zu spät geboren, um Moon noch live erlebt haben zu dürfen. Doch drei Jahre nach seinem Tod gelang es Peter Rüchel The Who in die Grugahalle nach Essen einzuladen um zusammen mit The Greatful Dead einen WDR-Rockpalast zu spielen. Allein damit hat Peter einen Meilenstein in meine Biographie gesetzt. Ein Verdienst den er noch einige Male wiederholen sollte.

Der WDR pflegt das Erbe seines ehemaligen “Jugendredakteurs” beständig und nimmt auch immer wieder einmal historische Konzerte in sein TV Nachtprogramm (mit kaum messbarer Einschaltquote vermutlich). Doch mein Programmhinweis von heute verweist auf die Mediathek von 3Sat. Dem Sender, der über das Jahr verteilt vielleicht die meisten aufgezeichneten Livekonzerte ausstrahlt – oft in 24h Programmierung zu Feiertagen und schon traditionell zu Silvester/Neujahr. Allerdings sind das in der Regel, anders als beim WDR, allesamt Fremdproduktionen – durchaus auch zur Promotion neuer Projekte oder Tourneen der jeweiligen Künstler*innen.

Heute nacht um 02:55 bis 03:55 schenkt der ZDF-Ableger uns “The Who: Live at Kilburn”, das 1978 aufgezeichnete und später nur zu Bruchteilen in dem Dokumentarfilm “The Kids are allright” von 1979 veröffentlichte letzte Konzert von The Who und Keith Moon.

Obwohl dieses Konzert bereits 2008 veröffentlicht wurde, hatte ich es bis heute morgen wirklich nicht auf dem Radar und sehe es, während ich diesen Beitrag schreibe erst/schon zum zweiten Mal. Die digitale Restauration des alten 35mm Filmmaterials ist beeindruckend, der Sound ist brilliant und die Band – nach den ersten zwei/drei Liedern – in bestechender Form. Keith Moon soll beim Anblick der Aufnahmen gesagt haben “Ich sehe aus wie ein aufgedunsener Frosch”… liefert aber tatsächlich den letzten Beleg seiner besonderen Fähigkeit sein Schlagzeug so zu benutzen und zu spielen um es wie ein ganzes Orchester klingen zu lassen.

“Drum solos are boring!” – soll er gesagt haben. Es sei denn, man(n) hört und sieht ihn selbst, möchte ich ergänzen. Hier dürfen wir alle ihn dankenswerterweise noch einmal (wieder-)sehen.

The Who: Live at Kilburn – in der 3Sat Mediathek verfügbar bis zum 30.09.2022

Über den/die Autor*in: Der Maschinist

Der Maschinist lebt und arbeitet im Maschinenraum dieses Blogs, in einem tiefen Keller irgendwo im südwestlichen Münsterland. Früher war er Bergmann, Taxifahrer und Regaleinräumer im Möbelhaus. Im Extradienst schreibt er neuerdings unter Pseudonym, weil er ein Spiel mit dem Google Algorithmus spielt, der alles wissen will, aber nicht muss. Mit dem Herausgeber ist er verwandt aber nicht verschwägert. ;-) Der Maschinist betreibt im Fediverse den feinen Kanal "Ruhrwellenreiter TV".