Aleksander Čeferin (UEFA), Thomas Bach (IOC), Gianni Infantino (FIFA) oder John Malone (Liberty Media) kennen Vladimir Putin gut, sogar vermutlich besser als Gerhard Schröder (SPD). Doch während die Affinität zum Sport sich beim deutschen Ex-Kanzler nur, abgesehen von seinem Spitznamen “Acker”, in seinem etwas zweifelhaften Hang zum Ruhrgebietsfußball als Ehrenmitglied des BVB und Aufsichtsrat beim, inzwischen ehemaligen, Schalke-Hauptsponsor Gazprom, niederschlägt, drehen die anderen vier Herren die ganz großen Räder.

Der Präsident der Russischen Föderation wiederum weiß mit all diesen Ehrenmännern und dem durch sie repräsentierten Weltsport nach belieben “zu spielen”.

Die vollkommene Skrupellosigkeit, mit der die Geldmaschinen der korrupten Institutionen des Weltsports sich in den letzten 50 Jahren von Diktatoren, Autokraten, Oligarchen und Kriegsverbrechern instrumentalisieren ließen, steht nicht mal mehr in Frage. Nur der Automatismus, dass auf den letzten korrupten Drecksack immer ein noch korrupterer Drecksack folgt, hat sich scheinbar noch immer nicht gänzlich im öffentlichen Bewußtsein durchgesetzt. Denn “die Spiele müssen weitergehen” und “The Show must go on”… um die nimmersatten Medienmaschinen weiter mit “Content” zu füttern.

Während der Auftakt der F1-Saison in Bahrein, dem Finanzzentrum der arabischen Oligarchien, in der letzten Woche noch als gewöhnlicher Geschäftsvorgang abzuwickeln war, stand noch vorgestern eben jene Rennstrecke in Dschidda, Saudi-Arabien, unter Raketenbeschuß, auf welcher sich heute noch die Räder weiter drehen sollen. Der Krieg im Jemen pausiert ja auch nicht. Anders als etwa der Krieg in der Ukraine, den die Olympischen Winterspiele in Peking offensichtlich zu verzögern, wenn schon nicht aufzuhalten vermochten. Das war Putin seinem Gastgeber Xi schuldig, dafür dass China ihm nun freie Hand zum Kriegführen in Europa lässt.

Logisch, folgerichtig und nahezu von brillanter Analyse erschlossen ist so auch die in der letzten Woche erfolgte “Bewerbung” Putins um die Europameisterschaft im Fußball (der Männer) zu bewerten. Ob es nun schon die EM 2028 oder doch erst 2032 werden soll, das obliegt Čeferins Nomenklatura noch fein abzuwägen. In letzter Konsequenz werden sie es Russland wohl kaum verweigern können – wenn “der Sport” denn weiter seine Unabhängigkeit von der Politik beizubehalten gedenkt. Dass russische Sportler:innen und Kader in laufenden Wettbewerben aufgrund des Krieges in der Ukraine suspendiert worden sind, lag eben nur in der Einmischung der Politik – und der normativen Kraft des Faktischen begründet – und als solche ist sie auch zu überwinden.

Ich bin dafür! Gebt Vladimir Putin die Spiele! Gebt sie ihm alle! Lasst die F1 in Petersburg, Moskau und Sotschi fahren, bis dass ihr der Sprit ausgeht. Gebt Putin die Sommer-/Winter-Spiele – ist eh bald alles das selbe… Gebt ihm den Fußball gleich dazu. Gebt ihm alles, EM, WM, Champions-Super-League, von mir aus auch die Bundesliga! Lebenslänglich. Mir doch egal. DIESER Sport hat es nicht anders verdient!

Unter einer einzigen Bedingung: Beendet den Krieg!

Gebt Putin die Spiele und der Ukraine das Brot!

Über den/die Autor*in: Der Maschinist

Der Maschinist lebt und arbeitet im Maschinenraum dieses Blogs, in einem tiefen Keller irgendwo im südwestlichen Münsterland. Früher war er Bergmann, Taxifahrer und Regaleinräumer im Möbelhaus. Im Extradienst schreibt er neuerdings unter Pseudonym, weil er ein Spiel mit dem Google Algorithmus spielt, der alles wissen will, aber nicht muss. Mit dem Herausgeber ist er verwandt aber nicht verschwägert. ;-) Der Maschinist auf Mastodon