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Jürgen Roth – noch unbepreist?

Möglich dass er Preise grundsätzlich ablehnt. Viele heissen Jürgen Roth. Ich meine den aus Frankfurt. Auch von da gibt es mehrere. Der Recherchejournalist, den ich noch im Kritischen Tagebuch gehört hatte, ist tot. Der Jürgen Roth, den ich meine, ist 11 Jahre jünger als ich. Und obwohl er gewiss in seinem Leben schon mehr Bier getrunken hat, als ich, noch am Leben. Doch zunächst zu meinen Distanzierungen.

Dass der zügig aus dem Sauerland abgehauen ist, kann ich nachvollziehen. In Bonn war er nur auf der Durchreise. Hier haben wir uns nicht getroffen. Aber bei einem Fussballfantreffen in Erkenschwick hat ihn mir Dieter Bott mal vorgestellt (da waren damals auch Christoph Biermann und René Martens). Den Fussballgeschmack von Jürgen Roth, seine Zuneigung zu dem Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, kann ich mir nur so erklären: Klischeebrechung, irgendwas, was überhaupt nicht zu ihm “passt”, und alle, die ihn verfolgen, vor den Kopf stösst.

Immerhin hat er sich sehr gut mit Günther Koch befreundet, einen legendären und quer zu allen Senderhierarchien arbeitenden Radioreporter, der ein bekennender 1.FC Nürnberg-Fan ist – der komplette Widerspruch zu allen CSU-Filialen. Anders als Roth habe ich Heribert Fassbender nie gehasst. Der war wie ich bekennender Gladbach-Fan, und aufs engste trinkbefreundet, schon als Jurastudent, mit dem gebürtigen Kölner und in Mönchengladbach zurecht heiliggesprochenen Hennes Weisweiler.

Wiekommichdrauf?

Heute hat Jürgen Roth eine seiner zahllosen Textminiaturen in der taz-Wahrheit abgeliefert. Wie immer dichterisch absolut fein gearbeitet. Wenn sie nicht wahr ist, ist sie gut erfunden. Aber wahrscheinlich ist sehr viel Wahres dran.

Die Sache mit den Buden ist ja eine ernste Sache. Sie nehmen in meinen Kindheitserinnerungen eine zentrale Stellung ein. Hier habe ich die ersten Zigaretten geholt, in der Zeitschriftenauslage die ersten nackten Frauen gesehen, und selbstverständlich Fussball-Fachliteratur erworben; sowie Comics von Micky Maus bis zu Walt Disney’s lustigen Taschenbüchern.

“Meine” Bude gibt es noch in Gladbeck, Landstr. 203. Doch zentraler in meiner Erinnerung ist die bei meinen Grosseltern, Essen-Karnap, Im Osterbruch, an einer unbeschreiblichen Kreuzung von fünf Strassen, ohne Ampel, aber mit massenhaft steinalten Bäumen bewachsen. In der linken Gebäudehälfte war damals noch ein Metzgergeschäft, Sie wissen schon, wo es immer ein Stück Fleischwurst umsonst gab. Nebenan anne Bude holte ich die “Atika”-Zigaretten und die BamS für meinen fussballsüchtigen Oppa (RW Essen-Fan, verwandt mit Josef Lücke, der noch mit August Gottschalk zusammengespielt hatte, der mit Helmut Rahn 1955 deutscher Meister wurde, und den ich noch auf dem Sofa meines Oppas kennen gelernt habe; zwischendurch hatte dann noch Heinz Blasey mal meine bildschöne Sitznachbarin aus meiner Schule angebaggert, die entschied sich dann aber für einen später ziemlich teuren Architekten: viele Lebensjahrzehnte, bevor ich dann dem Weltmeister Hans Schäfer vorgestellt wurde). Diese Bude ist als Gebäude so schön und so idyllisch, dass sie unter Denkmalsschutz gehört, wie auch die ewig existierende gelbe (!!!) Telefonzelle, die heute leider doch verschwunden ist.

Dieses Internet hat keine Bilder von beiden Buden. Hier eine Bildersammlung aus dem Ruhrgebiet, keine ist so schön wie die in Karnap. Und gegen das Ruhrgebiet kommt Frankfurt sowieso nicht an, trotz Jürgen Roth.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Der Maschinist

    Lieber Martin, wenn du dich in die Hand der Datenkrake begeben möchtest, dann findest du die Bude auch im Internet. (Bild von 2008, heute sieht sie wieder besser aus und auch der alte Ford Taunus ist weg.) Ich würde sie morgen pachten, wenn ich könnte. https://goo.gl/maps/FQtkrMUMCT4UGtUv5

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