Die Praktiken von #Amazon standen im Mittelpunkt einer Anhörung im Haushaltsausschuss des US-Senats. Unter dem Vorsitz von Senator Bernie Sanders, kam der Ausschuss am 5.Mai in Washington zusammen, um Subventionen an Unternehmen zu hinterfragen, die gegen Arbeitsgesetze verstoßen. Zu den diskutierten Themen gehörten das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, Verstöße gegen das Arbeitsrecht und den Schutz von Arbeitnehmer:innen.

Christian Smalls, der Präsident der Amazon Labour Union erklärte vor dem Senat, warum Arbeitnehmer:innenrechte keine Angelegenheit von „Demokraten oder Republikanern“ sind. Vertreter:innen anderer Gruppen wie der Grasswurzelorganisation Good Jobs First, der Transportgewerkschaft Teamster oder der reaktionären Heritage Foundation nahmen ebenfalls an der Anhörung teil.

Noch im Februar hat Amazon versucht den Gewerkschaftsorganisator verhaften zu lassen, weil er Lagermitarbeiter:innen während einer Gewerkschaftsaktion mit Lebensmitteln versorgt hat. Nur einen monumentalen Arbeitskampf später, sprach der New Yorker vor dem US-Senat und besuchte Präsident Joe Biden im Weißen Haus.

„Was Amazon tut: Gesetzesbruch, Einschüchterung, das sind reale Erfahrungen, die Arbeiter:innen in diesem Land traumatisieren“, sagte Smalls in seiner Eröffnungsrede. „Wir wollen das Gefühl von Schutz. Wir wollen, dass die Regierung uns erlaubt, unsere verfassungsmäßigen Rechte zur Organisierung der Arbeitnehmer:innen zu nutzen.“

Quer durch die USA haben Amazon-Arbeiter:innen das Unternehmen beschuldigt, durch eine Multi-Millionen-Dollar-Kampagne eine gewerkschaftliche Organisierung zu unterdrücken. Im vergangenen Jahr reichte der Mitbegründer von Amazonians United, Jonathan Bailey, eine Beschwerde beim National Labor Relations Board (NLRB) ein, in der er erklärte, dass das Unternehmen gegen Arbeitsgesetze verstoßen habe, indem es Vergeltungsmaßnahmen gegen ihn ergriffen habe. Er beschrieb, wie er von einem Manager 90 Minuten lang festgehalten und verhört worden, nachdem er einen Streik organisiert hatte. Das NLRB hielt diese Anschuldigungen für begründet und reichte eine Bundesbeschwerde gegen Amazon ein. Das Unternehmen einigte sich und war als Teil der Vergleichsvereinbarung verpflichtet, die Mitarbeiter:innen per E-Mail und auf Schwarzen Brettern daran zu erinnern, dass sie das Recht haben, sich zu organisieren.

Baileys Beschwerde gegen Amazon war nur eine von 37 zwischen Februar 2020 und März 2021. Doch nur wenige Monate nach der Einigung wurde wieder öffentlich, dass Amazon einen Mitarbeiter in Staten Island rechtswidrig daran gehindert hatte, gewerkschaftsfreundliche Literatur im Pausenraum zu verteilen. Aus den Akten von Amazon beim Arbeitsministerium geht außerdem hervor, dass das Unternehmen allein im vergangenen Jahr 4,3 Millionen Dollar für gewerkschaftsfeindliche Berater:innen ausgegeben hat.

Der reaktionäre Trump-Apologist, Senator Lindsey Graham (South-Carolina), versuchte sich an einer Verteidigung von Amazon und beschuldigte den Vorsitzenden Bernie Sanders, das Unternehmen zu Unrecht ins Visier genommen zu haben.

„Sie stellen hier ein einzelnes Unternehmen nur aufgrund Ihrer sozialistischen Agenda an den Pranger. Jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, veranstalten sie eine Anhörung darüber, wie jeder, der Geld verdient, schlecht ist.“ Graham sprach, an den Vorsitzenden Sanders gewandt, er sei mit einer Anhörung im Senat überhaupt nicht einverstanden. „Sie können Anhörungen durchführen, wie Sie wollen, in denen sie feststellen, dass Amazon ein Scheißunternehmen ist. Das ist Ihre politische Voreingenommenheit“.

Als Antwort richtete Smalls dann seine Eröffnungsrede an Graham.

„Ich denke, es ist in Ihrem besten Interesse zu erkennen, dass es keine Sache von links oder rechts ist. Es ist keine Sache der Demokraten oder Republikaner. Es ist eine Angelegenheit der Arbeiter:innen“, sprach Smalls zu dem Senator. „Wir sind diejenigen, die in den Konzernen leiden, von denen Sie sprechen, in den Lagerhäusern, von denen Sie sprechen. Das ist der Grund, warum ich denke, dass ich heute eingeladen wurde, in deren Namen zu sprechen, und Sie sollten zuhören, denn wir vertreten auch Ihre Wähler:innen.“

Er fuhr fort: „Die Menschen sind es, die diese Unternehmen zum Laufen bringen, es ist nicht umgekehrt.“

Auf Drängen von Sanders erklärte Smalls die Arbeitsbedingungen des jetzt gewerkschaftlich organisierten Distributionszentrums, in dem er früher gearbeitet hatte. Er beschrieb, wie Arbeiter:innen aus allen Bezirken von New York sowie Teilen von New Jersey pendeln würden, was bedeutete, dass sie etwa zweieinhalb Stunden pro Strecke unterwegs sind, eine 10- bis 12-Stunden-Schicht arbeiten und während der Arbeit nur minimale Pausen erhalten. Er beschrieb auch, wie Amazon Vertreter:innen alle 20 Minuten gewerkschaftsfeindliche Versammlungen mit Gruppen von 50 bis 60 Arbeitnehmern veranstalteten und diese Pflichtveranstaltungen bis zu viermal pro Woche stattfanden.

„Stellen Sie sich vor, Sie wären ein:e neue:r Mitarbeiter:in bei Amazon. Am zweiten Tag weißt du noch nicht einmal, welche Aufgabe du eigentlich hast, und als Erstes marschieren sie mit dir in eine gewerkschaftsfeindliche Propagandaklasse“, sagte Smalls. Er beschrieb weiter, wie die Niederlassung mit gewerkschaftsfeindlichen Schildern übersät war, die Arbeiter:innen aufforderten, unbedingt gegen eine gewerkschaftliche Organisierung zu stimmen.

Nach der Anhörung besuchten Smalls und eine Reihe anderer Gewerkschafter:innen US-Präsident Biden im Weißen Haus. „Ich habe gerade den Präsidenten getroffen, er sagte, ich hätte ihn in Schwierigkeiten gebracht“, twitterte Smalls und bezog sich wahrscheinlich auf die Gegenreaktion, die Biden erlebte, nachdem er seine Unterstützung für die Amazon-Gewerkschaft zum Ausdruck gebracht hatte – „gooooooooooood“.

Link: “Die ungekürzte Aufzeichnung der Anhörung bei C-SPAN, dem TV Kanal des US-Parlaments.

Lindsey Graham hat recht! Amazon ist ein Scheißunternehmen!

Über den/die Autor*in: Der Maschinist

Der Maschinist lebt und arbeitet im Maschinenraum dieses Blogs, in einem tiefen Keller irgendwo im südwestlichen Münsterland. Früher war er Bergmann, Taxifahrer und Regaleinräumer im Möbelhaus. Im Extradienst schreibt er neuerdings unter Pseudonym, weil er ein Spiel mit dem Google Algorithmus spielt, der alles wissen will, aber nicht muss. Mit dem Herausgeber ist er verwandt aber nicht verschwägert. ;-) Der Maschinist auf Mastodon