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“And many who survived are losing their minds“

Das Massensterben der neu mobilisierten Rekruten in der russischen Armee

Nun ist offensichtlich eingetreten, was beim Übergang von Putins begrenzter „Spezialoperation“ hin zu einer chaotischen Massenmobilisierung abzusehen war. Die mobilisierten russischen Männer werden in einen „Fleischwolf“ hineingezwungen – Kanonenfutter in einem von Putin losgetretenen und von ihm längst nicht mehr kontrollierten Krieg.

Der Ausdruck „Fleisch“, mit dem russische Militärkommandanten ihre Untergenen offensichtlich bezeichnen, steht für eine Degradation des Menschlichen. In den phänomenologischen Theorien, z.B. der von Sartre, meint es eine Schicht der „Faktizität“ – der menschliche Körper beraubt von allem, was ihn sonst einbindet in die Welt der Bedeutungen und kulturellen Prägungen, der Ansprüche und normativen Erwartungen. Die Rede von „Fleisch“ meint eine tote Faktizität des Körpers. Und es bereitet diese vor und nimmt sie vorweg. Es klingt nach WK I-Schützengraben und den „Strategen“ des Abnutzungskriegs im Hintergrund. Es klingt nach Vernutzung von Menschen im KZ.

Dass der, der in den Fleischwolf hineingerät, den Verstand verliert, ist – wenn man es überhaupt irgendwie nachvollziehen kann – fast nur folgerichtig. Der Schlag auf alle kulturellen und normativen Verbindlichkeiten geht so tief, dass nicht nur das physische, sondern auch das psychische Überleben fast wie ein Wunder erscheint.

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Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

Ein Kommentar

  1. Annette Hauschild

    Man kann nur hoffen und beten, dass die russischen Mütter und Väter, Omas und Opas, Onkel und Tanten, Ehefrauen und Freundinnen jetzt endlich in großer Masse aufschreien und ihre Kinder schützen. Ich weiß nicht mehr genau wer es gesagt hat – ich glaube es war Peter Scholl-Latour vor Jahren – auch die russischen Mütter haben nicht mehr 7 oder 8 Kinder, wie in den 30er Jahren, sondern nur noch eines oder zwei. Und die wollen sie nicht verlieren.

    Wir sollten jetzt alle Anstrengungen unternehmen, die noch verbliebenen Kontakte nach Russland zu nutzen und sie zu ermuntern, diesem Krieg ein Ende zu bereiten. Nutzen wir die noch nicht abgebrochenen Kontakte zu russischen Kollegen, Institutionen, Städtepartnerschaften, Universitäten, Freundschaftsvereinen, Hilfsorganisationen und alles was sich noch bietet. Lassen wir die russischen Kriegsdienstverweigerer, aber auch die ukrainischen, endlich rein nach Deutschland!

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