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It´s the logistics, stupid!

Der Kampf um die Kriegslogistik in Kherson gibt ein Beispiel dafür, worauf eine vernünftige Verteidigungspolitik besonders achten sollte

Solange es in dieser Welt Größenwahnsinnige wie Putin gibt, die sich auf Teufel komm raus ein Imperium schaffen wollen, darf man das nicht scheinpazifistisch abnicken – weil Krieg grausam ist. Man muss nicht kapitulieren, wie einige deutsche Intellektuelle das der Ukraine nahegelegt haben, sondern muss die Herausforderung gezielt und für Bevölkerung und die Soldaten so schonend wie möglich kontern. Das hat die Ukraine in Kherson in den letzten Wochen getan – zumindest nach dem, was ich darüber weiß. Der Erfolg der Ukraine in Kherson könnte ein Beispiel dafür bereithalten, worauf auch die deutsche Verteidigungspolitik in Zukunft besonders achten sollte.

Das hier verlinkte Video von William Speidel erklärt, wie die ukrainischen Angriffe auf die russische Logistik den Erfolg von Kherson ermöglicht haben. Bei den gezielten Angriffen auf Brücken, Eisenbahnlinien und Verkehrsknotenpunkte ging es nicht darum, den Gegner brutal zu vernichten – das wäre der putinsche Weg – sondern darum, dessen Handlungsoptionen so einzuschränken, dass seine Position haltlos wird und er sich zurückziehen muss.

Mehr zum Autor hier.

Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

2 Kommentare

  1. Roland Appel

    Ich kenne keine Intellektuellen, die der Ukraine nahegelegt haben zu kapitulieren, aber ich kenne ernsthafte Stimmen, die sich dafür aussprechen, Verhandlungen nicht aus dem Auge zu verlieren. Aber was Cherson “für unsere Verteidigungspolitik” lehren soll, erschließt sich mir ebensowenig wie dieses Filmchen. Erleben wir hier einen Philosophen beim begeisterten Kriegsspiel? Ich glaube, ich bin zu geerdet und hab zuviel Angst um die Zukunft meiner Kinder, um mich mit diesen War Games zu beschäftigen.

  2. A.Holberg

    Die Frage ist, was es im Falle der Ukraine bedeutet, zu kapitulieren. Was ist nachweisbar das Ziel des russischen Einmarsches, oder genauer, was war das Ziel im Februar und was ist es heute? Gibt es Belege dafür, dass die RF einmarschiert wäre, wenn das Kiewer Regime das von ihm unterschriebene Minsk 2-Abkommen umgesetzt hätte statt die kulturelle Unterdrückung der nationalen Minderheiten deren größte die russische ist, fortzuführen und den seit Jahren andauernden Beschuss der russischen Bevölkerung im Donesz nicht nur weiterzuführen, sondern zu intensivieren? Gibt es irgendeinen ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass die RF die Ukraine angegriffen hätte, wenn diese nicht insbesondere nach dem von den USA und ihren europäischen Vasallen finanzierten Putsch von 2014 als Hilfstruppe für die Weltherrschaftsstrategie der USA aktiv geworden wäre? Diese Praxis gehört schließlich seit dem 1.Weltkrieg immer wieder zur Hauptbeschäftigung der originär faschistischen ukrainischen Nationalbewegung um den nun wieder zum offiziellen Nationalhelden erklärten Stepan Bandera, die immer wieder als Hilfstruppen für externe Kräfte (Deutsche Reich und seit dessen Misserfolg 194 5 die siegreiche USA ) auftrat – “authentisch faschistisch”, weil sie bei aller taktischen Beweglichkeit stets Feind der ” jüdisch- bolschewistischen Weltverschwörung” und somit der in ihren Augen diese repräsentierenden UdSSR war und das völlig unabhängig davon , dass die Ukraine ihre Staatswerdung der Oktoberrevolution verdankt.

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