Alle Beträge von Gastautor*inn*en:

Wenn ich nicht Perreo tanzen kann, ist es nicht meine Revolution

Von , am Samstag, 16. Juni 2018, in Genuss, Politik.

Ein feministisches Manifest
von June Fernández

Im spanischen Staat kam die Reggaetón-Welle bereits einige Jahre früher als in Deutschland an, unter anderem dank der großen Gemeinde von lateinamerikanischen Immigrant*innen.
Im Jahr 2013 postete die baskische Journalistin June Fernández den Beitrag „Si no puedo perrear, no es mi revolución“, eine persönliche Momentaufnahme im damaligen Reggaetón-Fieber in Spanien. Ihr Post sorgte für viel Aufmerksamkeit und verbreitete sich weltweit; flugs wurde June als „Expertin“ zum Themenkomplex „Reggaetón und Feminismus“ befragt und in Talkshows eingeladen, was sie gerne annahm, um über die vielen Vorurteile über Reggaetón aufzuklären.
Heute, fünf Jahre später, hat sich die Perspektive der Autorin, die übrigens Redakteurin beim feministischen Online-Magazin „Pikara“ ist, verschoben. Weiterlesen

Reggaetón: globaler Pop des Augenblicks …

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Genuss, Politik.

…oder gekommen um zu bleiben?
von Britt Weyde
Kleiner Blick in die Geschichte des Reggaetón: von afrokaribischem Erbe, diasporischer Kreativität und dem Kampf gegen Diskreditierung

Heute ertönt Reggaetón überall auf der Welt, er ist quasi der globale Pop des Augenblicks. Despacito war der erste spanischsprachige Song, der für die Grammy Awards Anfang 2018 in zwei Kategorien (beste Single und bester Song) nominiert worden war. Aber wer kennt schon die Anfänge des Genres, das vor 25 Jahren noch stark bestimmt war von seinen lokalen Entstehungsbedingungen? Reggaetón war an erster Stelle afrokaribische Musik, der Sound der marginalisierten Wohnviertel und der Underdogs. Mittlerweile hat sich das Genre ausdifferenziert, abgesehen von der unüberhörbaren und bekanntesten Spielart, dem marktkompatiblen Pop-Reggaetón eines Fonsi, Yankee und Nicki. Und die Debatten darüber, wem der Reggaetón eigentlich „gehöre“ und wo er denn jetzt ganz eigentlich und ursprünglich entstanden sei, werden nach wie vor hitzig geführt. Weiterlesen

Blogger*innen als Journalist*innen unterschätzt

Von , am Mittwoch, 13. Juni 2018, in Medien.

von Jupp Legrand / Otto Brenner Stiftung

+++ Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Blogger*innen und Journalist*innen +++ Keine Unterschiede im Umgang mit Schleichwerbung und PR-Angeboten +++ Blogger*innen stark auf Leserschaft fokussiert, Journalist*innen stärker von Vorgesetzen beeinflusst +++ 43% der Blogger*innen arbeiten mehr als 20 Stunden die Woche, ein Drittel erzielt jedoch keine Einnahmen +++ Journalistische Reichweite (noch) sehr viel größer +++ Vorurteilen fehlen vielfach empirische Belege +++

Wie ähnlich sind sich Journalist*innen und Blogger*innen in Deutschland? Diese Frage hat eine von der OBS geförderte Studie der Ostfalia Hochschule untersucht. Zentrales Ergebnis: Sie sind sich ähnlicher als oftmals angenommen. „Deutschlands Blogger – Die unterschätzten Journalisten“ ist die erste empirische Untersuchung, die beide Gruppen vergleicht. Weiterlesen

Europäische Datenschutz-Grundverordnung – warum?

Von , am Freitag, 8. Juni 2018, in Beuel & Umland, Medien, Politik.

von Kay Wilhelm Mähler
Der Autor referierte gestern, zusammen mit Richard Ralfs, zu diesem Thema beim Ortsverband Beuel von B90/Die Grünen. Zur Anbahnung von Referaten zu vertiefender Diskussion stellen wir gerne Kontakt her. Im Folgenden eine schlagwortartige Dokumentation seiner Thesen und Notizen.

Notwendigkeit

Folie 1
— Datenvolumen wächst (verdoppelt sich jedes Jahr)

Folie 2
— Wo Daten entstehen: Bsp. Internet der Dinge
— Schwierigkeit, all jene Daten auszuwerten
— Neue “Wissenschaft” bzw. Geschäftsgebiet: Big Data Weiterlesen

Extradienst-Gastautorin Ulrike Heider liest

Von , am Mittwoch, 6. Juni 2018, in Beuel & Umland, Genuss, Politik.

von Dieter Bott
KEINE RUHE NACH DEM STURM” ist der Titel von Ulrike Heiders politischer Autobiografie.
Themen: a) sadistische nazi-lehrer —b) erste liebe c) chaos im besetzten haus — d) frauenbewegung —-SDS –kolbheim—-krahl—tomaten–und whatever you want—
HEUTE 6. Juni in Duisburg Ort: Buchhandlung Scheuermann, Sonnenwall 45, 4751 Duisburg Zeit: 19 Uhr
7. Juni in Köln Ort: Club/Bar King Georg (Moderation Rehzi Malzahn), Sudermannstraße 2, 50670 Köln, Zeit: 21 Uhr (Einlass 20 Uhr)
8. Juni in Düsseldorf Ort: onomato künstlerverein, Birkenstraße 97, 40233 Düsseldorf, Zeit: 20 Uhr, Moderation Doktor Frauke Tomczak—-S-Bahn Flingern oder Tram 709 bis Wetterstrasse

Demokratische Gestaltungskraft zurückgewinnen

Von , am Mittwoch, 6. Juni 2018, in Politik.

von Toni Hofreiter
Grün-Linke Vorschläge zum Grundsatzprogrammprozess

Ein Grundsatzprogramm in einer Zeit der Umbrüche zu formulieren, in einer Zeit, in der ein US Präsident in jeder Sekunde mit einem Tweet die Welt Kopf stehen lassen kann, ist ein Wagnis. Aber es ist ein notwendiges Wagnis, dieser gefühlten Ungeordnetheit, dem Getriebensein und dem Kontrollverlust etwas entgegenzustellen. In der Umbruchsituation in welcher sich unsere Gesellschaft und unser Parteiensystem befindet, klafft eine politische Lücke. Es fehlt ein überzeugendes politisches Angebot, das über das Verwalten und Verteidigen eines Ist-Zustandes hinausgeht. Unser Anspruch muss es sein, diese Lücke mit optimistischen, progressiven, linken Inhalten und Angeboten zu füllen.
Gelingen wird dieses Wagnis, wenn wir mit diesem Programm den Mut wecken, dass politischer Wandel möglich ist. Wenn wir die Zuversicht stiften, dass wir für alle eine bessere und gerechtere Zukunft möglich machen können. Dieser Mut ist der Schlüssel dazu, dem Rechtsruck den Boden zu entziehen, progressive Mehrheiten neu zu begründen und demokratische Gestaltungskraft zurückzugewinnen. Weiterlesen

Rente mit 63: ein voller Erfolg

Von , am Samstag, 26. Mai 2018, in Politik.

von Matthias W. Birkwald MdB

Die vorgezogene und abschlagsfreie Rente ab 63/65 ist ein voller Erfolg, denn Menschen, die 45 und mehr Jahre in die Rente eingezahlt haben, können oft nicht mehr länger arbeiten und haben sich ihren Ruhestand redlich verdient. Das kann auch die tendenziöse und vor Fehlern strotzende Berichterstattung der ‘Bild’-Zeitung nicht verschleiern. DIE LINKE fordert eine Rückkehr zur Rente ab 65 ohne Wenn und Aber. Ein Bericht der BILD-Zeitung suggeriert, dass die Kosten für die frühere abschlagsfreie Rente enorm angestiegen seien.

Dazu ein Faktencheck: Weiterlesen

Bayer-Hauptversammlung in Bonn

Von , am Mittwoch, 23. Mai 2018, in Beuel & Umland, Politik.

von Hubertus Zdebel MdB
Widerstand gegen den Monsanto-Deal – Am kommenden Freitag, den 25. Mai 2018 lädt der Agrar- und Chemiekonzern Bayer zur Jahreshauptversammlung und wird wichtige Fortschritte beim geplanten Monsanto-Deal präsentieren.

Die anstehende Monsanto-Übernahme durch den Bayer-Konzern ist eine Katastrophe für Mensch und Umwelt. Der geplante neue Superkonzern würde die weitgehende globale Kontrolle über lebenswichtige Saatgüter erlangen und die totale Durchkapitalisierung des globalen Agrarsektors auf eine neue Stufe heben. Mit der Fusion von DowChemical und DuPont und mit der Übernahme Syngentas durch den chinesischen Staatskonzern Chem-China haben bereits im letzten Jahr sehr bedenkliche Konzentrationsprozesse in der Agrarindustrie stattgefunden. Weiterlesen

Deutsche Bahn – Arbeiten im Schneckentempo

Von , am Samstag, 19. Mai 2018, in Beuel & Umland, Politik.

von Rolf Beu

Extrem verärgert, aber auch ohnmächtig sind wir, was die Baufortschritte der Deutschen Bahn in Bonn betrifft. Am Hauptbahnhof wurde zur Dachsanierung der Bahnsteig am Gleis 1 komplett gesperrt, so dass sich die Fahrgäste nun jahrelang auf dem schmalen Bahnsteig der Gleise 2 und 3 drängeln müssen. Baufortschritt? Kaum erkennbar. Selbst die Rolltreppen zum Gleis 5 wurden reparaturbedingt für Monate gesperrt. Weiterlesen

Rezension von Christoph Biermanns “Matchplan”

Von , am Mittwoch, 16. Mai 2018, in Fußball, Medien.

von Gert Samuel
Die neue Fußball-Matrix, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018

Der Satz: „Die digitale Revolution verändert das Spiel selbst, das Scouting der Vereine und die Berichterstattung der Medien“ auf der Buchrückseite veranlasste mich, es zu kaufen und zu lesen. Was ist von der „Digitalisierung des Fußballs“ zu befürchten? Reicht nicht das mittlere Chaos, das mit den Ober-Schiris in Köln angerichtet ist? Geraten nun die Geschichten um das Spiel in eine Normung auf Basis von Nullen und Einsen?
Der Prolog reduzierte meine Befürchtungen. Das Champions-League-Endspiel von 2009, das Barcelona 3:1 gegen Manchester United gewann und bei dem der kleine Messi ein Kopfballtor (!) erzielte, Weiterlesen

Eindrücke vom zapatistischen Frauenfestival

Von , am Montag, 14. Mai 2018, in Politik.

“Ohne Männer fühlen wir uns freier”
von Sonja Gerth / CIMAC

24 Jahre sind nun vergangen, seit die Nationale Zapatistische Befreiungsarmee (EZLN) im Süden Mexikos der „schlechten Regierung“ den Aufstand erklärt hat. Nach zwölf Tagen bewaffneter Kämpfe wurde damals ein Waffenstillstand verkündet. Die zapatistische Bewegung fand vor allem aufgrund ihres radikal basisdemokratischen Verständnisses schnell Fans und Verbündete in aller Welt. Es soll keine Chefinnen oder Chefs geben, das symbolisiert auch ihr Markenzeichen, die Sturmhaube, mit der alle Zapatistas zu einer Einheit verschmelzen. Einen Blick dahinter zu werfen, ist gar nicht so einfach. Rund um den 8. März 2018 fand in Chiapas das zapatistische Frauenfestival statt, mit über 7000 Teilnehmerinnen. Weiterlesen

Krieg gegen Iran als „politische Lösung“ für Syrien?

Von , am Donnerstag, 3. Mai 2018, in Allgemein.

von Bernhard Klaus / Informationsstelle Militarisierung (IMI)

Vor den Luftschlägen der USA, Frankreichs und Großbritanniens auf Syrien in der Nacht zum 14. April sah die Lage in Syrien im Grunde relativ eindeutig aus: Die Türkei hatte nach ihrer Offensive in Afrin weite Teile im Nordwesten Syriens unter ihre Kontrolle gebracht und wollte diese Kontrolle offenbar u.a. durch Umsiedelungen dauerhaft aufrechterhalten. Die kurdisch dominierten Syrian Democratic Forces (SDF) kontrollieren mit US-amerikanischer Unterstützung die nordsyrischen Gebiete östlich des Euphrat, die über das kurdische Siedlungsgebiet hinaus wichtige Öl- und Gasfelder umfassen. Das syrische Regime hingegen stand mit russischer und iranischer Unterstützung kurz davor, die verbliebenen, von Rebellen kontrollierten Gebiete zurückzuerobern. Ausnahmen hiervon bilden Idlib mit einer starken türkischen Präsenz, ein Streifen an der Grenze zu Israel bzw. den Golan-Höhen und ein Gebiet in der Grenzregion zwischen Syrien, Jordanien und dem Irak, wo u.a. US-amerikanische Spezialkräfte stationiert sind. Weiterlesen

Medienpolitische Entscheidungskultur ist nicht nachvollziehbar

Von , am Mittwoch, 2. Mai 2018, in Medien.

von Frauke Gerlach

Die Zeiten, in denen in Deutschland Rundfunkstaatsverträge in aller Regelmäßigkeit und fast ohne öffentliche Debatte geändert werden, sind vorbei. Medienpolitik ist nicht mehr allein die Sache eines kleinen Kreises von Medienpolitikerinnen und Medienpolitikern in den Ländern, von Interessenvertretern, Verbänden und Rundfunkrechtlern. Der Volksentscheid in der Schweiz über die Forderung der “No Billag”-Initiative hat gezeigt, dass man Bürgerinnen und Bürger mobilisieren kann, wenn es um die Existenzfragen eines öffentlich finanzierten Mediensystems geht. In der Schweiz hat sich eine deutliche Mehrheit von 71,6 Prozent für einen gebührenfinanzierten Rundfunk ausgesprochen. Und hierzulande? Weiterlesen

Doppelbeitrag für Betriebsrenten abschaffen

Von , am Freitag, 27. April 2018, in Politik.

Von Matthias W. Birkwald, MdB Die Linke

Seit Jahren machen entrüstete Betriebsrentner*innen auf eine gravierende Ungerechtigkeit aufmerksam: Mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) wurde 2003 in einer Nacht-und Nebelaktion von Horst Seehofer und Ulla Schmidt beschlossen, dass auf Bezüge aus der betrieblichen Altersversorgung (wie z.B. Direktversicherungen) Krankenkassenbeiträge gezahlt werden müssen. Dies gilt auch für Kapitalabfindungen. Im Unterschied zum so genannten halben Beitragssatz, den Rentner*innen für ihre gesetzlichen Renten zahlen müssen, muss bei Betriebsrenten seitdem der so genannte volle Beitragssatz gezahlt werden. Das heißt, sie müssen den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberanteil bezahlen. Ihre Betriebsrenten wurden damit auf einen Schlag um ein Fünftel gekürzt! Diese Regelung traf sogar rückwirkend auch Verträge, die bereits vor 2004 abgeschlossen worden waren. Mit einer Ausnahme: Besserverdienende, die privat krankenversichert sind. Weiterlesen

Unternehmensteuer in Deutschland

Von , am Dienstag, 24. April 2018, in Politik.

Rechtliche Grauzonen und zivilgesellschaftliche Alternativen
von Christoph Trautvetter, Silke Ötsch, Markus Henn

Eine Studie der Otto Brenner Stiftung , April 2018

Am 24. April wird Amazon-Gründer Jeff Bezos in Berlin mit dem „Axel-Springer-Award“ 2018 für „visionäres Unternehmertum“ ausgezeichnet. Schon im Vorfeld der Verleihung stiess die Auszeichnung auf heftige Kritik, attac hat die Preisvergabe in Berlin mit Protestaktionen begleitet. Dass beim „Unternehmensmodell Amazon“ Steuervermeidung eine zentrale Rolle spielt, ist auch Ergebnis einer aktuellen OBS-Studie, die u.a. das angebliche „Zukunftsmodell Amazon“ kritisch unter die Lupe nimmt.

„Unternehmensteuer in Deutschland: Rechtliche Grauzonen und zivilgesellschaftliche Alternativen“, so der Titel der OBS-Ausarbeitung, durchleuchtet kritisch die Praxis der Steuervermeidung, macht Vorschläge zur Bekämpfung von Konzern-Steuertricks und diskutiert am Beispiel der Einführung eines Siegels alternative Instrumente der Zivilgesellschaft.

Zusammenfassung des Arbeitspapiers Weiterlesen

Deutsch-Syrische Geheimdienstkooperation

Von , am Montag, 23. April 2018, in Politik.

Der Fall Zammar
von Bernhard Klaus / Informationsstelle Militarisierung (IMI)

Viel wird gerade darüber berichtet, dass der „Deutsche Dschihadist“ Mohammed Haydar Zammar von kurdischen Kräften in Syrien festgesetzt wurde. In der Frankfurter Rundschau heißt es zur Vorgeschichte: „Der Hamburger Dschihadist Zammar hatte sich Ende 2001 – kurz nach den Flugzeuganschlägen in den USA – nach Marokko abgesetzt. Dort wurde er vom US-Geheimdienst CIA verschleppt und an die syrischen Behörden übergeben, die ihn ins Gefängnis sperrten. Die USA hatten nach den Anschlägen vom 11. September ein Geheimprogramm zur Verschleppung und zum Verhör von Terrorverdächtigen im Ausland gestartet.“ Zur deutschen Rolle heißt es weiter: „Das Schicksal des Deutsch-Syrers war auch Thema eines Untersuchungsausschusses des Bundestags, weil der Verdacht bestand, dass die deutschen Stellen zu wenig taten, um einen Staatsbürger vor Willkür und Folter zu schützen. Der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte 2008 vor dem Ausschuss vehement den Verdacht zurückgewiesen, die Bundesregierung habe die Verschleppung Zammars durch den US-Geheimdienst CIA in Kauf genommen.“

Das ist – grob gesagt – beschönigend und unterschlägt einen wichtigen Moment Weiterlesen

Im gefährlichsten Land der Welt

Von , am Donnerstag, 19. April 2018, in Medien, Politik.

Von Eduard Fritsch
Die Berichterstattung über die Maras in den hiesigen Medien

Auf der letzten Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, die vom 7. bis zum 11. März 2018 stattfand, war auch El Salvador vertreten. María Luz Nóchez, Journalistin der salvadorianischen Internetzeitung „El Faro“, besuchte die ITB und den Stand ihres Landes. Ihr Kommentar: „Zwischen all den Vorzügen des Klimas, den vielfältigen Landschaften und dem guten Straßennetz tauchen die Worte Sicherheit, Gewalt und Pandillas (gleichbedeutend mit Maras, Gangs, Verbrecherbanden, d. Red.) an keiner Stelle auf. In der offiiellen Darstellung, mit der El Salvador als Tourismusziel angepriesen wird, gibt es keine Pandillas. War El Salvador früher für seinen Kaffee bekannt, so macht es heute Schlagzeilen mit den Leichen, die 60 Morde auf 100000 Einwohner*innen im letzten Jahr hinterließen. Heutzutage wäre es nicht übertrieben zu sagen, dass in diesem Land mehr Tote produziert werden als Kaffee.“ Weiterlesen

Dialog statt Eskalation

Von , am Dienstag, 17. April 2018, in Politik.

von Helmut Schäfer, Edmund Stoiber, Horst Teltschik, Günter Verheugen, Antje Vollmer

Mit großer Sorge beobachten wir den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Gegenseitige Sanktionen, die Schließungen von Einrichtungen und Dialogforen, die einmal der Verständigung und Kooperation dienten, folgen in immer schnellerem Rhythmus. Wir haben es inzwischen mit einer beunruhigenden Entfremdung zu tun. Das gegenseitige Verhältnis ist bestimmt von gegenseitigen Schuldzuweisungen, Verdächtigung und militärischen Drohgebärden.

Vor diesem Hintergrund wäre es hilfreich, wenn wir uns alle darauf besinnen würden, dass das Ende des Kalten Krieges schon einmal von beiden Seiten proklamiert worden ist. Das Wort vom “Gemeinsamen Haus Europa” sollte uns noch genauso gegenwärtig sein wie Putins Rede vor dem Deutschen Bundestag 2001, in der er ein langfristiges und umfassendes Kooperationsangebot machte.

Wir neigen dazu, unseren Teil der Verantwortung für das bisherige Scheitern eines gesamteuropäischen Projektes auszublenden. Die Kernfrage ist, Weiterlesen

Nach dem Beben ist vor dem Beben

Von , am Dienstag, 17. April 2018, in Politik.

von Gaby Küppers

Vor den Wahlen ist Mexiko in jeder Hinsicht durcheinandergeschüttelt

Am 16. Februar 2018 bebte in Mexiko die Erde. Sieben Komma Zwei, meldete die Richterskala. Damit war der Ausschlag vergleichbar mit dem im September 2017. Auch damals lag das Epizentrum in Oaxaca, einem der ärmsten Bundesstaaten im Süden Mexikos. Nach den Verwüstungen, die selbst die ferne Hauptstadt betrafen, sprach man seinerzeit von einer nationalen Katastrophe. Das neuerliche Beben schien geradezu eine Versinnbildlichung des politischen Erdbebens, das derzeit das Land erschüttert. Sogenannte Megawahlen am 1. Juli und das Zauberwort AMLO lassen bei den einen je nach Interessenslage Befürchtungen oder Hoffnungen aufkommen und andere vorab desillusioniert abwinken. Weiterlesen

Die Grünen? Sie sind kraftlos und mutlos

Von , am Freitag, 13. April 2018, in Politik.

Von Antje Vollmer und Ludger Volmer

Es war eine steile, mit sich überschlagender Stimme vorgetragene These von Anton Hofreiter, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen: „Wir sind jetzt die einzige Partei links der Mitte, verdammt noch mal!“ Sie traf das Gefühl und die Sehnsucht der Delegierten auf dem Nach-Jamaika-Parteitag, sie wurde geradezu gefeiert. Aber sie war und ist Selbstbetrug.

Die Grünen waren einmal die dritte politische Kraft im Land, damals mussten sie über ihre Verortung im Parteienspektrum nicht einmal nachdenken. Sie waren unangepasst, provokativ, in keine Schublade passend, mit radikalen Ideen zur Umgestaltung von Wirtschaft, Markt und Gesellschaft. Eine Partei von modernisierungskritischen Modernisierern, von EU-skeptischen Europäern, antikapitalistischen Marktwirtschaftlern, sozialökologischen Globalisierungsgegnern und regional-verwurzelten Internationalisten.

Heute nehmen sie den sechsten Platz im Bundestag ein. Für die Gründergeneration und auch für ihre Wähler haben sie kaum noch etwas mit den Schlüsselideen ihres legendären Aufbruchs zu tun. „Ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei“ wollten sie sein. Diese einstigen Grundwerte sind zerbröselt und abgeschliffen, einige sind ganz verschwunden. Weiterlesen