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Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Südamerika (Seite 1 von 29)

Sprechen Sie Negrão?

Über die notwendige Auseinandersetzung mit Schwarzen Männlichkeiten

Schwarze Männer: Arbeitskräfte im Sklavenstaat Brasilien. Haben die höchste Sterblichkeitsrate. Schulabbrecher. Nr. 1 in der Rangliste bei Häftlingen und Arbeitslosen. Besonders anfällig für Covid-19. Ein Großteil beschäftigt im informellen Sektor, im Dienstleistungsbereich und häufig sehr prekär. Die meisten von der „Uberisierung“ (1) der Arbeit betroffen. Das sind die Schwarzen Männer, über die viel gesprochen wird, die selbst aber wenig zu Wort kommen. Wir teilen die Erfahrung, Schwarze Brasilianer zu sein, und das schafft Gemeinschaft, bringt uns dazu, zusammen darüber nachzudenken, insbesondere bei der „Runde Schwarzer Männer“, die seit einigen Jahren in Mexiko-Stadt stattfindet. Weiterlesen

Körper, Standhaftigkeit und Territorium

Uruguay: Die „Barras Bravas“ als Ausdruck eines martialischen Männer(selbst)bildes

Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans sind in ganz Lateinamerika traurige Realität und stehen oftmals in Zusammenhang mit den „Barras Bravas“ – der organisierten Ultra- beziehungsweise Hooliganszene. Auf den ersten Blick mutet es überraschend an, dass einige der berüchtigtsten „Barras“ der gesamten Region ausgerechnet aus Uruguay kommen. Tatsächlich scheint es in der „Fußballnation“ Uruguay einen besonderen Nährboden für diese Strukturen zu geben, ein Umstand, der sich auch negativ auf Versuche auswirkt, gegen homophobe und frauenfeindliche Stereotypen innerhalb der Fußballkultur des Landes vorzugehen. Weiterlesen

Die evangelikale Rechte muss sich neu orientieren

Brasiliens neopentekostale Kirchen nach der Niederlage Bolsonaros

Angesichts der umfassenden Schikanen gegen den Kandidaten der Linken bei den brasilianischen Präsidentschaftswahlen ist es eigentlich ein Wunder, dass Luis Inácio Lula da Silva gewonnen hat. Aus den Daten des Arbeitsministeriums geht hervor, dass die Zahl der politischen Interventionen im Unternehmenssektor zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang um rund 2577 Prozent (!) zunahm. Die Aktionen waren offensichtlich koordiniert, denn das Vorgehen wiederholte sich in vielen Unternehmen, von der Veröffentlichung interner Mitteilungen ähnlichen Inhalts bis zur Verpflichtung zur Teilnahme an Wahlkampfveranstaltungen oder zum Tragen von T-Shirts mit politischen Symbolen. Weiterlesen

Mit dem Rücken zum Meer

Argentinien und sein ambivalentes Verhältnis zum Atlantischen Ozean

Die Sicht der Bevölkerungen Lateinamerikas und der Karibikstaaten auf das Meer ist sehr unterschiedlich. In Chile mit seinen 4000 Kilometern Küste spielen der Pazifische Ozean, die Seefahrt und die Fischerei eine zentrale Rolle im nationalen Selbstverständnis. In Peru stehen die Küstenregionen im deutlichen Gegensatz zum andinen Hochland, weshalb manche Leute behaupten, auf seinem Territorium existierten zwei kulturell, politisch und ökonomisch grundverschiedene Nationen. Ähnliches gilt für Ecuador. In allen drei Ländern spielen die Erzeugnisse des Meeres auf dem Speiseplan eine wichtige Rolle. Ganz anders auf der komplett von Wasser umgebenen Insel Cuba. Weiterlesen

Gefährliche Ausbrecher

Chiles Lachsfarmen gefährden das maritime Ökosystem und die Existenz der lokalen Fischer

Noch in den 70er-Jahren galt Lachs als Delikatesse, die sich Mittelstandsfamilien zu besonderen Anlässen, etwa zu Weihnachten, gönnten. Wenn sonst Fisch auf den Tisch kam, waren es Kabeljau, Rotbarsch oder Seelachs (der mit dem Lachs weder verwandt noch verschwägert ist, sondern wie der Kabeljau zur Familie der Dorsche gehört), die im Nordatlantik gefangen werden. Inzwischen ist der rosafarbene Lachs, meist als Tiefkühlware dargeboten, deutlich preisgünstiger als die genannten weißfleischigen Fische. Der Billiglachs wird aber nicht auf See gefischt, sondern stammt aus Lachsfarmen, abgesperrten Becken, die meist in Buchten und Fjorden angelegt werden. Weiterlesen

Das war knapp!

Lula zum dritten Mal zum Präsidenten Brasiliens gewählt

Erleichterung war wohl das Gefühl, das sehr viele Leute empfanden, als am 30. Oktober gegen 21.30 Uhr brasilianischer Zeit feststand, dass Lula da Silva von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei PT die Stichwahl um das Amt des Staatspräsidenten gegen Jair Bolsonaro gewonnen hatte. Außer bei der extremen Rechten in Lateinamerika und weltweit wurde die Nachricht von Lulas Sieg fast überall mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen: von den sozialen Bewegungen in Brasilien über die kritischen Intellektuellen und progressiven Kräfte in ganz Lateinamerika bis zu den Regierungen in Washington, Paris und Berlin. Denn die Sorge, dass die Stichwahl hätte anders ausgehen können, war bis zuallerletzt groß gewesen. Weiterlesen

Stolpert Flinten-Uschi über SMS-Uschi?

Und: Usbekistan / Brasilien / System Weinstein / Russische Dekadenzklasse

Die Bundeskanzlerin war froh, als sie sie endlich los war. Nicht nur eine potenzielle Rivalin, sondern auch eine beständige überehrgeizige Nervensäge mit politischer Sprengkraft. So gesehen hat Merkel, wie so oft, alles, auch die Uschi, rechtzeitig geschafft. Als Bundesaufrüstungsministerin war sie schon nah am Sturz. Es ging um Haushaltsvolumina für Bundeswehrbeschaffungen, die auf die gesamte Regierung hätten Schaden werfen können. Bei der EU-Beschaffung von Impfstoffen in der Corona-Pandemie scheint sich ein ganz ähnliches Szenario abgespielt zu haben. Weiterlesen

Bericht aus Brasilien

Eine gute Freundin von mir hat sich jüngst nach dem ersten und vor dem zweiten Wahlgang in Brasilien aufgehalten. Seit über dreißig Jahren besucht sie das Land regelmäßig und pflegt viele enge Freundschaften dort.

1. Wo ist der Wahlkampf?

Wir hatten erwartet, dass Brasilien zugeklebt ist mit Plakaten der zwei Bewerber um die brasilianische Präsidentschaft. Wir hatten mit großen Wahlkampfveranstaltungen gerechnet und uns darauf eingestellt, unsere brasilianischen Freund*innen bei ihrem Einsatz für Lula zu unterstützen. Tatsächlich hängen nirgendwo Plakate von Lula oder Bolsonaro. Weiterlesen

Ein Paradigmenwechsel

Chile, der verfassunggebende Prozess und die indigenen Völker

Am 4. September dieses Jahres wurde in Chile in einem Plebiszit der Entwurf eines Grundgesetzes, das die Verfassung der Pinochet-Diktatur ablösen sollte, abgelehnt. Die Kampagne der überwiegend konservativen Medien und rechten Parteien gegen soziale Rechte, gesellschaftliche Modernisierungen und die Anerkennung der indigenen Völker war erfolgreich. Dieses Ergebnis eröffnet verschiedene Fronten, die sich erst im Laufe der nächsten Monate herauskristallisieren werden. Trotz der Ablehnung des Verfassungsentwurfes ist der Autor des folgenden Beitrags der Meinung, dass alleine schon der Verfassungsprozess einen Paradigmenwechsel in der schwierigen Beziehung zwischen Staat und indigenen Völkern bedeutet hat. Weiterlesen

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