Thema: 68er

Adornos Tod und #fridaysforfuture

Von , am Dienstag, 6. August 2019, in Politik.

Schon zu Lebzeiten fand ich ihn nervend langweilig. Ich war 11. Das TV war schwarz-weiss. Ein Professor mit Glatze, der gespreizt daher redete, mit Wörtern, die ich nicht verstand: “Fremdwörter sind die Juden der Sprache.” Theodor W. Adorno hat heute 50. Todestag. Die Medien sind überfüllt davon. Die Frankfurter 68er sind Weltmeister, mindestens deutsche Meister wie der Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, in der Disziplin der Selbstinszenierung und Selbstikonisierung – schauen Sie sich nur Daniel Cohn-Bendit an! Ich verspreche: seine letzte Erwähnung in diesem Text. Das meiste, was ich über Herrn Adorno weiss, habe ich von Extradienst-Gastautor Dieter Bott erfahren. Er hat bei ihm studiert. Weiterlesen

Strasse, Diskurs und Wahlen

Von , am Freitag, 24. Mai 2019, in Beuel & Umland, Medien, Politik.

Gefühle haben einen grossen Einfluss auf Politik. Das ist nicht neu, sondern gaaaanz alt. Das Gequatsche, das sei durch neue Medien so geworden, ist unterhaltsamer Blödsinn. Siehe “Das Leben des Brian”! Dass es schon immer so war, soll es nicht verniedlichen. Es ist eine ernste Sache. Auch jetzt.
Am heutigen Fridayforfuture dominiert bei vielen Euphorie. In über 100 Ländern gehen Jugendliche für eine andere Politik auf die Strasse. Das Gefühl globaler internationaler Solidarität ist für alle Engagierten erhebend und sexy.
Auch der politische Nahkampf enthält schöne Erfolgserlebnisse. Weiterlesen

Päpste sind leider auch nur Menschen

Von , am Samstag, 13. April 2019, in Politik.

Keine Neuigkeit, dass Ex-Papst Benedikt XVI. die 68er verabscheut. Doch nun versucht er, ihnen den Missbrauch in der katholischen Kirche anzuhängen. Ein starkes Stück, das an der Realität vorbeigeht und viel über ihn erzählt

Wenn man dem ehemaligen Papst Benedikt XVI. glauben möchte, dann muss das Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit irgendwann überwältigend gewesen sein. Schweigen wollte er nach seinem Amtsverzicht 2013, nichts als schweigen und beten. Und „für die Welt verborgen“ bleiben. Weiterlesen

Selbstermächtigung und Steuerungsverzicht

Von , am Sonntag, 31. März 2019, in Medien, Politik.

Bewegungen verändern – neue Arenen entstehen – wem nützt es?
Nicht wenige – ich nehme mich selbst nicht aus – reiben sich wöchentlich die Augen, wenn zehn- oder hunderttausende Kinder und Jugendliche freitags unserer Politik und Gesellschaft den Marsch blasen. Dieses Phänomen ist international und breitet sich aus. In der Slowakei hat es sogar eine neue Präsidentin durchgesetzt. Das ist aber nicht die Hauptsache und sollte es auch nicht sein.
Die beeindruckendste Bewegung ist z.Z. in Algerien zu beobachten. Weiterlesen

#metoo – Veteranin Sichtermann ist froh, überwiegend

Von , am Sonntag, 9. September 2018, in Politik.

Barbara Sichtermann ist eine 68erin, eine der Klugen, Reflektierten, auch zu ironischer Distanz Fähigen. Sie hat im politischen Meinungskampf immer das Florett dem Säbel vorgezogen. Als Mittel. Denn beim Inhalt lässt sie es an Radikalität nicht fehlen. Über #metoo ist sie froh, hat aber auch Kritik. Nicht, weil sie was zu radikal findet, nichts weniger als das, sondern weil ihr bisweilen der Blick zu eng ist. Sie kommt auch mit der Position von Svenja Flaßpöhler gut klar, indem sie die Talkshow-Rollenspiele ausser Betracht lässt, und schlicht die Inhalte und Strategien diskutiert. Heute morgen im DLF, und hier nachlesbar.

Türkei, Rente – beendet SPD ihr Sommerloch?

Von , am Sonntag, 19. August 2018, in Allgemein.

Gestern hatte ich bereits auf Andrea Nahles’ Interview hingewiesen. Allein, dass die nachberichtenden Medien es heute mit dem Türkei-Thema über zwei Tage ziehen, werden sie und ihre PR-Berater*innen als besonders gut gelungen verbuchen. Das Türkei-Thema ist jedoch empfindlich ambivalent.
Der pure Wortlaut von Nahles ist nicht falsch. Unsere Bindungen zu diesem Land sind schon dadurch eng, dass Millionen unter uns dort Familie haben. Weiterlesen

’68 – es waren die Frauen

Von , am Sonntag, 10. Juni 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Die herrschende Auswertung von ’68 besagt, die damit beabsichtigte “politische” Revolution sei fulminant gescheitert, aber der “kulturelle” Wandel nachhaltig und unübersehbar. Jetzt gibts ein Buch der Historikerin Christina von Hodenberg (OMG, was für ein Name), das mit der steilen These zusammengefasst werden könnnte: ersteres haben die Männer verbockt, das zweite die Frauen geleistet.
Was Frau Hodenberg heute im Essay&Diskurs-Gespräch des DLF ausführte Weiterlesen