Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Ankara

Kulturzentrum am Taksimplatz

Symbol der modernen TĂŒrkei – Überraschend genehmigt Erdoğan die Rekonstruktion des AKM-Zentrums am Istanbuler Taksimplatz. Islamische Symbolpolitik wird dort dennoch gemacht.

Eine große rote Kugel, die durch ein Aluminium-Gitter leuchtet. Ist das die Kuppel einer Moschee? Eine Zauberkugel aus Tausendundeiner Nacht? Oder eine osmanische Bonbonniere?

Schwer zu sagen, welche Assoziation Architekt Murat Tabanlıoğlu mit seinem Entwurf aufrufen will. Eines aber belegt er nicht: dass es mit seinem Neubau des AtatĂŒrk KultĂŒr Merkezi an Istanbuls zentralem Taksim­platz zu dem symbolischen Ikonoklasmus kommt, den viele am Bosporus seit Langem befĂŒrchtet hatten.

Der graue Kastenbau am Ostende des Platzes, von den Istanbulern lakonisch AKM abgekĂŒrzt, gehört zu den Symbolbauten der modernen TĂŒrkei. 1967 von dem Architekten Hayati Tabanlıoğlu erbaut, brannte das GebĂ€ude schon 1970 aus und wurde 1977 neu eröffnet.Weiterlesen…

UnSicherheitskonferenz in MĂŒnchen (III)

von Andreas Zumach
Verharmlosen, leugnen, aufrĂŒsten – Hochrangige Politiker aus vielen LĂ€ndern der Welt verharmlosen Kriege, militĂ€rische Interventionen und AufrĂŒstung. Ein schlechtes Zeichen.

Die diesjĂ€hrige „Sicherheitskonferenz“ in MĂŒnchen ĂŒber die gefĂ€hrlichsten Konflikte und Bedrohungen dieser Welt stand unter der Leitfrage „Bis zum Abgrund – und zurĂŒck?“. Die Antwort der meisten Konferenzredner lautete: „Weiter vorwĂ€rts!“Weiterlesen…

Deutsche Panzer in Syrien

von Andreas Zumach
Waffenexport konsequent verharmlost – Die Bundesregierung ist mitverantwortlich fĂŒr Erdoğans Krieg und dessen Opfer. Mehr als verlogene Appelle zur MĂ€ĂŸigung hat sie nicht zu bieten.

Deutschlands Nato-VerbĂŒndeter TĂŒrkei fĂŒhrt Krieg mit aus Deutschland gelieferten Panzern und anderen schweren Waffen. Und dies – wie schon seit Jahrzehnten – nicht mehr nur gegen die KurdInnen im eigenen Land, was schon schlimm genug ist. Jetzt setzt Ankara aber diese Waffen auch völkerrechtswidrig gegen KurdInnen im Nachbarland Syrien ein.

Kritikerinnen und Kritiker der deutschen RĂŒstungsexportpolitik haben schon lange vor dieser gefĂ€hrlichen Entwicklung gewarnt. Alle Bundesregierungen der vergangenen 30 Jahre, seit ĂŒber RĂŒstungslieferungen an die TĂŒrkei kontrovers diskutiert wird, haben diese Gefahr immer verharmlost. In welcher parteipolitischen Zusammensetzung auch immer. Sie sind mitverantwortlich fĂŒr Erdoğans Krieg und dessen Opfer unter der kurdischen Bevölkerung in Syrien.

Niemand sollte ĂŒberrascht sein, wenn es als Reaktion auf diesen von Ankara zynischerweise unter dem Titel „Operation Olivenzweig“ gefĂŒhrten Krieg erneut zu AnschlĂ€gen kurdischer Extremisten kommt – in der TĂŒrkei und vielleicht auch in Deutschland.Weiterlesen…

Gedanken zur FlĂŒchtlingspolitik 2017 (II)

Eine Replik auf Dirk Reder

Ich teile die Ansicht Dirk Reders, es sei ein kapitaler Fehler der im Bundestag vertretenen Parteien, die FlĂŒchtlings- und vor allem Fluchtursachenpolitik und damit die Außenhandelspolitik des Westens aus dem Wahlkampf auszuklammern. Weil es auf die aktuellen und brennenden Fragen vieler Menschen vor allem dumme und faschistoide Antworten der AfD gibt, wird nicht nur verhindert, dass die Gesellschaft die wirklichen Ursachen von Flucht und Migration erörtert. So verhindern Merkel und die SPD auch, dass intelligente und komplexe Antworten gegeben werden, die zumeist alte Stamm-SPD-WĂ€hler, denen der Name Erhard Eppler noch etwas sagt, ihre Partei wĂ€hlen können. Und sie lassen zu, dass die Scheinlösung der Abschottung immer breiter an Boden gewinnt und den Diskurs weiter nach rechts verschiebt. Die jĂŒngste Diskussion bei “Plasberg”, wo es scheinbar nur noch darum ging, wer am schnellsten und umfassendsten abschiebt und ein “BILD” Redakteur neben Cem Özdemir zu den beiden gemĂ€ĂŸigten Stimmen zĂ€hlte, spricht dafĂŒr BĂ€nde.
In Österreich lĂ€sst sich gerade beobachten, wie eine mittlerweile rechtsextreme FPÖ und eine ihr nach rechts nachgerĂŒckte, populistische ÖVP mit dieser Politik Punkte machen und die SPÖ marginalisiert wird. Das könnten Merkel und die SPD hier auch erreichen, wenn sie weiter so argumentieren, dass jede Analyse von Fluchtursachen unterbleibt. Es ist zu befĂŒrchten, dass es auf es auf lange Zeit immer schwerer werden wird, dass Maßnahmen, die politisch notwendig wĂ€ren, ĂŒberhaupt eine Chance haben, gehört zu werden. Ich halte das fĂŒr einen schweren strategischen Fehler und eine Mitverantwortung von SPD, CDU/CSU, aber auch von GrĂŒnen und Linken, und ich befĂŒrchte, dass nur deshalb die AfD zweistellige Ergebnisse erzielen kann – sonst hat sie politisch nichts zu bieten.

Abschottung kann und wird nicht funktionieren

Ich glaube nicht, dass Europa sich abschotten muss, schon gar nicht kann.Weiterlesen…

TĂŒrkei gegen Erdogan verteidigen

Die autoritĂ€re Verformung der TĂŒrkei ist in vollem Gange. Rund die HĂ€lfte der knapp 80 Mio. Einwohner*innen ist oppositionell eingestellt. Besonders gefĂ€hrdet sind diejenigen in kreativ-kulturellen oder bildenden Berufen, weil sich die Inhalte ihrer Arbeit kaum von Politik trennen lassen.

Derzeit ist Erdogans StaatsfĂŒhrung mit dem UnterdrĂŒcken noch ausgelastet, weil er sich durch seine Spaltung von seinen GĂŒlen-Freund*inn*en administrativ selbst geschwĂ€cht hat. Manche Kulturbereiche, die seine Leute nicht so wichtig finden, leben darum noch in einer Blase trĂŒgerischen Schonraums. Doch jede*r, der/die drei Meter weit denken kann, weiss, dass Polizei und Staatsanwaltschaft jederzeit vor der TĂŒr stehen können, und Betroffene dann faktisch ohne Rechtsschutz dastehen, also Gefahr fĂŒr ihr Leib und Leben gewĂ€rtigen mĂŒssen. Update 7.6.: Heute z.B. wurde der Chef der tĂŒrkischen Sektion von Amnesty International Taner Kilic “abgeholt”. Und ĂŒbrigens: Deniz YĂŒcel, der langsam aus den deutschen Schlagzeilen verschwindet, sitzt immer noch in Haft, da hilft ihm leider bisher auch seine deutsche StaatsbĂŒrgerschaft nichts.

Die Merkel-Bundesregierungen, die schon in besseren Zeiten immer gegen eine EU-Integration der TĂŒrkei mobilisiert hatten, haben stattdessen immer eine angebliche “privilegierte Partnerschaft” angeboten, ein rhetorisch peinliches Ersatzangebot. Jetzt sind es aber die zahlreichen engagierten Demokrat*inn*en in der TĂŒrkei, die wirklich auf so eine privilegierte Partnerschaft angewiesen wĂ€ren.

Das wĂŒrde bedeuten,Weiterlesen…

Neue Syrienverhandlungen mit geringen Erfolgsaussichten

Von Andreas Zumach

Am Montag (23. Januar) beginnen in der kasachischen Hauptstadt Astana neue Syrienverhandlungen unter gemeinsamer Schirrmherrschaft von Rußland, der TĂŒrkei und Iran. Was bei diesen Verhandlungen rauskommen soll und kann, ist völlig offen. Die drei Schirmherren gaben keine Verhandlungsziele bekannt. FĂŒr die von der UNO vermittelten und zunĂ€chst gescheiterten Genfer SyriengesprĂ€chen des letzten Jahres existierte hingegen ein im November 2015 von allen Ă€ußeren Akteuren des Konflikts – Rußland, USA, Iran, Saudiarabien, TĂŒrkei, Katar und Irak sowie der Arabischen Liga und der EU – vereinbarter und vom UNO-Sicherheitsrat abgesegneter Verhandlungsplan mit konkreten Zielen und Fristen: landesweiter Waffenstillstand und ungehinderte humanitĂ€re Versorgung aller notleidenden Menschen; Vereinbarung einer aus Vertretern der Regierung Assad und der Opposition gebildeten Übergangsregierung in Damaskus; Ausarbeitung einer neuen Verfassung und ihre Verabschiedung durch eine Volksabstimmung; und spĂ€testens im Sommer 2017 Neuwahl von Parlament und PrĂ€sident. Alle wesentlichen Streitfragen, die zum Mißerfolg dieses Verhandlungsansatzes und zur vorlĂ€ufigen Aussetzung der Genfer UNO-GesprĂ€che fĂŒhrten, sind weiterhin ungelöst.Weiterlesen…

TĂŒrkei

Es gibt ein neues ambitioniertes Magazin namens “Renk”, vorgestellt in der taz.
Ingo Arend treibt sich lieber in Istanbul als in Berlin rum. Das kann ich nachvollziehen. Hier sein aktueller Rumtreiber-Bericht aus der Kunstszene, die sich nach dem Putschversuch in einem Kontrollvakuum freier bewegen kann als gedacht.
Diesen Eindruck macht auch eine vom Goethe-Institut mitinspirierte Initiative namens Actopolis, die sich an vielen Orten, u.a. in Ankara betÀtigt. Beeindruckende Bildsprache, auch aus dem Ruhrgebiet.
Lalon Sander erinnert an das Barbarentum des Weissen Mannes, der eben immer genau weiss, wovon er spricht.
Und der Slawe Trojanow versucht, zu befĂŒrchten ist: weitgehend vergeblich, uns Germanen die Sache mit der Angst noch mal zu erklĂ€ren.

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