Thema: Anne Will

“Alte Frau” – mit 49?

Von , am Donnerstag, 14. November 2019, in Medien.

Was würden die schönen Frauen Anne Will (53) und Miriam Meckel (52) dazu sagen? Ist eine Frau in oder nach der “Bioklippe” alt? Ich kann solche Selbstbezeugungen natürlich nicht nachempfinden, aber streng sachlich und empathisch würde ich auf der Einsicht bestehen, dass es eine Frage der jeweiligen individuellen Einstellung zum Leben ist – und die Antwort darauf unabhängig vom Fortschritt des Lebensalters in einem beständigen Wandel sein wird.
Ich beziehe mich damit auf ein Interview Weiterlesen

Die “kommentierende Klasse”

Von , am Montag, 17. Juni 2019, in Medien.

Gestern Abend habe ich wie üblich die Wiederholung eines schwedischen “Kommissar-Beck”-Krimis dem Talkshowtrash vorgezogen, zumal es sich um eine Folge handelte, in der der unübertreffliche Gunvald Larsson, gespielt vom überragenden Mikael Persbrandt, noch nicht herausgeschrieben war. Wie es vor der Glotze so zugeht, zappte ich im Krimi-Mittelteil ein bisschen rum und geriet mitten in den Höhepunkt der gestrigen Will-“Show”. Weiterlesen

Vor 23 Uhr: nur Gequatsche und Intrigen

Von , am Sonntag, 26. Mai 2019, in Medien, Politik.

Von der heutigen Wahl zum Parlament der Europäischen Union dürfen erst ab 23 Uhr, wenn die letzten Wahllokale schliessen, Ergebnisse veröffentlicht werden. Das hält das Entertainment-Business und den Hauptstadtberliner Intrigenzirkus aber nicht davon ab, auch ohne Fakten einfach weiterzudrehen (“Spin” und seine “Doktoren”). Denn wenn die Ergebnisse kommen, ist die Mehrheit des TV- und Onlinepublikums schon im Bett, Weiterlesen

Klassenkampf im “Kommunismus”

Von , am Montag, 6. Mai 2019, in Politik.

Hier in Deutschland dagegen nur “Schlechte-Laune-Meisterschaft”
“24/7” ist verhältnismässig bekannt. So werden Jobs charakterisiert in denen der Mensch totalverfügbar ist und das, was früher “Freizeit” genannt wurde, sich aufgelöst hat. In ideologischer Verbrämung wird das als Gipfel der “Selbstbestimmung” verkauft, als Abschaffung der entfremdeten Arbeit. Die Identifizierung des*der Arbeitenden mit ihrer*seiner Arbeit gewährleistet optimale effizienteste Ausbeutung und vermeidet, dass der*die Arbeitende sich gegen seine Arbeit und seine Ausbeutenden wendet.
Das sehen chinesische Arbeitgeber und Milliardäre – Damen sind mir in diesem Zusammenhang nicht bekannt – ganz ähnlich. Weiterlesen

Ösi-Faschos machen Wolf zum Symbol

Von , am Dienstag, 30. April 2019, in Medien.

Gemeint ist Armin Wolf. Im Hauptberuf Moderator von ZiB2, das ist die österreichische ORF-Version der Tagesthemen. Während unsere deutschen Tagesthemen so glattgebügelt sind, dass mich immer öfter Sehnsucht nach Hajo Friedrichs, Ulrich Wickert und Anne Will – sie war hier vielleicht schlechterverdienend als heute als ihre eigene Produzentin, aber journalistisch viel stärker! – überkommt, haben die Österreicher*innen diesen Wolf. Er kam bereits u.a. hier und hier im Extradienst vor. Und auch in Deutschland ist er zu sehen Weiterlesen

Thunberg bei Will

Von , am Montag, 1. April 2019, in Medien, Politik.

Eine kleine Wirkungsstudie beim Zappen mit einem Habeck-Vergleich
Ich mag mich täuschen und es ist vielleicht eine Projektion meinerseits: zeigte die bekennende Lesbe Anne Will beim Interview mit Weltstar Greta Thunberg Muttergefühle? Das ist ja nichts ehrenrühriges. Die gestellten Fragen waren richtig gesetzt, wie es sich für eine handwerklich seriöse Journalistin gehört. Und das “Kindchenschema”, das das Aussehen dieser immerhin schon 16-jährigen jungen Frau auslöst, erscheint auch mir unbesiegbar. Es ist eine starke Waffe. Thunberg wirkt so schlau und klug, sie weiss damit umzugehen. Weiterlesen

“Maischberger” – wie lange noch?

Von , am Donnerstag, 21. März 2019, in Medien.

Meine Leser*innen wissen, dass ich für Trash-Talkshows keine Zeit habe. Dafür habe ich meinen Mitautor Roland Appel und Hans Hütt/FAZ. Wenn ich Hütt glaube, muss es gestern wieder besonders schlimm gewesen sein. Wie tief kann der die Produktion beauftragende Sender noch sinken? Immerhin war er es, der 1973 damit angefangen hat.
Damals galt eine Talkshow als gefährlich-unkontrollierbares Etwas. Weiterlesen

Extradienst-Autor morgen im ARD-Presseclub

Von , am Samstag, 1. Dezember 2018, in Allgemein.

Extradienst-Autor Andreas Zumach diskutiert morgen mittag ab 12.03 h im ARD-Presseclub mit. Thema ist der Ukraine-Konflikt. Das gleiche Thema beschäftigt abends auch die Talkshow-Kirmes von Anne Will. Wenn Sie vergleichen wollen, bitte schön. Meine Prognose: der mittägliche Presseclub ist kürzer, sachlicher und kompetenter. Wenn Sie diesen Hinweis zu spät lesen, kein Problem: Mediathek.

Grüne Wachstumsschmerzen

Von , am Montag, 12. November 2018, in Beuel & Umland, Politik.

Jürgen Trittin wird in den Nachbesprechungen der gestrigen Anne-Will-Show wie ein väterlicher schlichtender, mediatorähnlicher rhetorischer Gefechtssieger dargestellt – ich wusste immer, dass er ein ausgeprägt höflicher Mensch ist (hier die WAZ, hier Hans Hütt in der FAZ). Da wird die Stimmung in der heutigen Fraktionssitzung der Bonner Stadtrats-Grünen anders aussehen. Weiterlesen

#metoo/WDR: Henke gerät 0:2 in Rückstand

Von , am Samstag, 5. Mai 2018, in Medien, Politik.

Noch gestern wäre das nicht möglich gewesen: ein glänzend in der Kulturszene vernetzter Staranwalt, eine öffentliche Unterschriftensammlung mit Starappeal, und Gebhard Henke wäre aus dem Gröbsten raus gewesen. Doch die Diskursmachtverhältnisse haben sich verschoben, und manche der Älteren wollen das nicht wahrhaben. Was für einige noch eine erotische Spielerei war, über die frau sich nicht so anstellen solle, Vieles ist doch früher viel schlimmer gewesen, das findet eine wachsende Zahl Andersdenkender nicht mehr lustig. Es wird also neu ausgehandelt, nichts bleibt wie es war. Weiterlesen

Alte Grüne zeigen klare Kante und Kompass

Von , am Montag, 30. April 2018, in Lesebefehle, Politik.

Dass der öffentlich sichtbare Kurs der aktuellen Grünen Parteiführung bisweilen etwas – vorsichtig ausgedrückt – erratisch wirkt, haben Roland Appel und ich hier bereits mehrmals zum Ausdruck gebracht. Die alten Grünen haben scheinbar einen klareren Kompass – nunja, sie müssen jetzt weniger in Gremien rumsitzen, und haben mehr Zeit zum Denken.
Mit Jürgen Trittin und Claudia Roth bin ich persönlich so gut bekannt, dass ich weiss, dass auf sie politisch Verlass ist.
Trittin sass gestern bei Anne Will – ich habs noch gar nicht gesehen – und wird hier in meiner alten Heimatzeitung WAZ mehrmals ausdrücklich gelobt – während der FAZ-Kolumnist kritisiert, dass SPD und Grüne nicht genug für Aufrüstung ausgeben wollen, aus dieser Feder ist das ein Bonuslob.
Claudia Roth ist dafür bekannt, dass sie auch persönlich und privat die Türkei liebt und nicht aufgibt. Weiterlesen

Die Tragödie der SPD

Von , am Dienstag, 6. März 2018, in Politik.

Die Sozialdemokraten wollen sich als Partei erneuern – in der Regierungsverantwortung. Wer daran glaubt, macht sich etwas vor.

Keine Begeisterung, keine Verzweiflung. Irgendwann ist der Vorrat an Leidenschaft aufgebraucht, irgendwann ermüdet jedes Drama. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie die Redaktion der Talkshow „Anne Will“, die das Votum der SPD-Mitglieder souverän ignorierte und die Gäste über etwas ganz anderes diskutieren ließ, aber eine gewisse Erschöpfung ist auch andernorts zu beobachten, wenn es um den langen Weg zur Regierungsbildung geht.
Befürworter und Gegner der Großen Koalition schienen am Sonntag zumindest in einem Gefühl vereint zu sein: dem der Erleichterung. Endlich ist die Entscheidung gefallen. Endlich.

Selbstverständlich beschwören jetzt die Granden der SPD die notwendige Erneuerung der Partei – was sollen sie denn auch sonst sagen? Weiterlesen

Gaus – mehr Publikum als zu Lebzeiten?

Von , am Mittwoch, 10. Januar 2018, in Medien.

In der nachrichtenarmen Zeit der Jahreswende hatte die Rheinische Post entdeckt, worauf ich hier schon mehrmals hingewiesen habe: das Interview von Günter Gaus mit Hannah Arendt. Es hat auf Youtube die Millionengrenze überschritten. Zu Recht.
RP und taz heben jede Menge Äusserlichkeiten hervor: schwarz-weiss, es wird geraucht etc. Das eigentlich Spektakuläre ist aber das inhaltliche Niveau. Und dass sich hier nur zwei Personen unterhalten, von denen schnittarm eigentlich nur eine wirklich, das aber sehr intensiv, zu sehen ist – wir sehen auch ihren Körper sprechen! – zwei Personen, die keine Show abliefern wollen, sondern sich persönlich füreinander und ihre Ansichten interessieren. Wann haben wir das das letzte Mal in der Glotze erlebt?

Ich weiss ein Beispiel. Klaus Pokatzky (gestern in Fazit/DLF, mein Zimmervorgänger in meiner Beueler WG in den 70er Jahren) verdanke ich den Hinweis auf ein Interview der grössten deutschen Schauspielerin Corinna Harfouch zu #metoo in der NZZ. Weiterlesen

Wer ist “der am meisten überforderte Intendant”?

Von , am Montag, 11. Dezember 2017, in Beuel & Umland, Fußball, Lesebefehle, Medien.

In Berlin würde jetzt alle schreiend aufstehen und “Dercon” rufen. Ungerecht. Wir sind ja auch nicht in Berlin. Helmich ist es auch nicht, nach meiner Wahrnehmung eher ein kluger Stratege, der mit immer enger werdenden Spielräumen von seiten einer kurzsichtigen Kommunalpolitik klarkommen muss. Nein, der geschätzte Kollege Rene Martens hat diesen “Eindruck” vom aktuellen WDR-Intendanten Tom Buhrow gewonnen. Und damit könnte er rechthaben.
Buhrow habe ich in den 80er Jahren noch bei Kölner Antifa-Demos mitlaufen gesehen. Lockerer Typ mit fortschrittlichen Ansichten, so setzte er sich in meiner Erinnerung fest. Das allein reicht offensichtlich nicht, ein immer mehr Fett ansetzendes Dickschiff durch unruhige Gewässer zu steuern. Fett schwimmt immer oben? Ja, das könnte die herrschende “Philosophie” des WDR von heute sein. Programminnovationen sind aus dem Haus Weiterlesen

Als wäre nichts passiert

Von , am Montag, 25. September 2017, in Politik.

Das erste Mal seit 1949 ist eine rechtsextremistische, völkisch-ideologische Sekte in den deutschen Bundestag eingezogen. Schlimmer ist, dass, dank des Einstiegs der Medien auf die AfD, diese wochenlang die Themen des Wahlkampfes bestimmen konnte. Die Welt besteht trotzdem nicht nur aus Nationalismus, Sozialneid, Flüchtlingshetze, Terrorpanik und Diffamierung der Kanzlerin, sondern wichtigen Zukunfstthemen, wie Digitalisierung, Einwanderung, Stabilisierung des Rentensystems, Ausbau der Bürgerrechte in der digitalen Welt und Friedenspolitik. Wenn die AfD nicht mehr zu bieten hat, als das absurde und skurrile Verhalten ihrer Spitzenkandidaten am Wahlabend, ihre abwegigen Forderungen nach einem Merkel-Untersuchungsausschuss, die angeblich illegale Flüchtlingspolitik der Kanzlerin, und die ideologischen fremdenfeindlichen Formulierungen, muss der Demokratie vor diesen Flitzpiepen nicht bange sein. Allerdings scheinen manchen Diskutanten die angemessenen Mittel gegen einen verbitterten, aber gegen jeden herkömmlichen Verhaltenskodex verstoßenden Nazi-Punk Gauland in Breitkord-Outfit und die notwendige Schlagfertigkeit zu fehlen.

Wer die Statements, die Reden von Merkel und Schulz und die Diskussionen der Elefantenrunde oder bei Anne Will am Wahlabend verfolgt hat, dem wurde klar, dass vor allem die CDU nichts begriffen hat. Weiterlesen

Therapie für die Grossmacht

Von , am Montag, 11. September 2017, in Fußball, Lesebefehle, Politik.

Nachdem das Duett der Kanzlerin und des Kandidaten beiden Parteien den Umfragen zufolge geschadet, und wie es Lutz Hachmeister richtig bewertet hatte, der AfD und der Linkspartei, sowie der FDP genützt hat, traten gestern die Herren Özdemir und Schäuble im baden-württembergischen Regionalprogramm von Anne Will an.
Ich will so ehrlich sein: ich habe die Sendung nicht erlitten, und stattdessen lieber miterlebt wie der “Fussballgott” Tom Theunissen den Kandidaten Arnd Zeigler anlässlich seines 10-jährigen Sendungsjubiläums zu seinem “Stellvertreter auf Erden” ernannte. Das war auf jeden Fall amüsanter und liess einen besser statt schlechter gelaunt zubettgehen.
Heute nun bekam ich Zeugenaussagen über das politische Ereignis, die vermuten lassen, dass die FAZ-Würdigung des von mir hochgeschätzten Hans Hütt allzu freundlich ausgefallen ist. Die Bewertung “Paartherapie” legt eine gleichberechtigte Ebene nahe; Grüner und CDUler stritten darum, wer besser für die Wirtschaft ist. Man darf vermuten, dass Schäuble sich davon hat traumatisieren lassen, dass die Kretschmann-Grünen da in seiner Heimat der CDU den Rang abgelaufen haben. Özdemir zelebrierte aber erneut den Irrtum der Berliner Blase, dass der Unterschied zwischen Schwarz-Grün und “Jamaika” (also mit FDP) relevante Teile der Grünen mobilisieren könne.
Im Gegensatz zu Hütt sahen andere Betrachter eher ein Therapiegespräch zwischen Vater und Sohn. Selbst die Würdigung von Pascal Beucker in der taz sei noch schmeichelhaft – es sei “noch schlimmer” gewesen.

Auch die Deuterbranche hat Probleme: Stefan Reinecke bespricht zwei Bücher, von Heinrich A. Winkler und Bernd Ulrich, über die Rollensuche der Grossmacht Deutschland. Bei Ulrich soll der Fussball da auch eine therapeutische Rolle bekommen haben.

Zum Thema politische Familientherapie passte heute auch das DLF-Kalenderblatt von Extradienst-Gastautor Michael Kleff über Jessica Mitford.

“Duell”? – Bannas lässt die Luft raus

Von , am Sonntag, 3. September 2017, in Medien, Politik.

Oft frage ich mich, wieviele in der Berliner Blase überhaupt noch unsere Verfassung und unser Wahlrecht kennen. Günter Bannas, nach Berlin zugewanderter Leiter des FAZ-Hauptstadtbüros (inkl. “Hauptstadttoilette“, Zitat Friedrich Nowotny) mit rheinischem Migrationshintergrund, ist so einer. In unserer Jugend gab es noch einen Sozialkunde-Unterricht. Wenn die Lehrer*innen schlecht waren, haben wir uns die Inhalte einfach selbst angeeignet. Und was aus Konfliktreibung entstanden ist, erwies sich als “nachhaltig”.
Durch solche Konfliktreibung, Bannas erwähnt das richtig mit dem Namen Ditfurth, es verbindet sich in meiner Erinnerung aber noch mehr mit dem Namen Trampert, ist das “Duell” überhaupt entstanden. In den damaligen “Elefantenrunden” der Spitzenkandidaten aller Parteien flippte Helmut Kohl dermassen unkontrollierbar aus, zur Freude eines stellenweise betrunkenen SPD-Vorsitzenden Brandt, dass das Kanzleramt zu dem Schluss kam: Schluss damit. Damals waren, die jungen Leute von heute werden es kaum glauben können, die Grünen von den Herrschenden noch gefürchtet.
Meine Konsequenz, zumal ich schon gewählt habe: das Langweiler-“Duell” spare ich ein. Meine Empfehlung danach: nicht “Anne Will” glotzen, sondern Deutschlandfunk hören. Dort wird u.a. Lutz Hachmeister, immer noch einer der klügsten Medienanalysten in unserer Republik, um die Deutung des Ereignisses mitringen.
Update 6.9.: Hachmeisters aktuelle Einschätzung der mdienmachtverhältnisse hier im Interview.

Rechtsverschiebung – und alle machen mit?

Von , am Dienstag, 22. August 2017, in Medien, Politik.

Umfragen und Medien sagen, der AfD-Anhang schmilze – allzu langsam – weg. Die Gefahr war nie, dass diese rechten Spinner an die Macht kommen. Die Gefahr ist, dass sie das komplette Diskursspektrum unserer Gesellschaft nach rechts verschieben und entmenschlichen. Was das betrifft, kann man ihnen den “Respekt” nicht versagen, da sind Greis Gauland und Co. schon weit vorangekommen.
Nichts Geringeres als die angeblichen “Fake-News”-Bekämpfer der ARD-Tagesschau dokumentierten das gestern auf klassische Weise. Mit vollgeschiessenen Hosen, von den Rechten als Lügenpresse und Staatsrundfunk geziehen zu werden, wurde einer AfD-Pressekonferenz mit der zentralen Botschaft, das Grundrecht auf Asyl im Art. 16 des Grundgesetzes endgültig zu beseitigen, breiter Berichtsraum gegeben. Selbstverständlich wird dabei von Gauland kein Eiertanz zur Verharmlosung der Naziverbrechen ausgelassen: das Grundrecht sei “eine Überkompensation unserer schwierigen Vergangenheit in den zwölf Jahren”. Naziverbrechen und Holocaust heissen also jetzt niedlich “die-zwölf-Jahre”. Der Ausgewogenheit der Tagesschau-Berichterstattung diente dann ein unbekannter CDU-MdB, der sagte, dass man das nicht vorhabe, was die AfD da wolle. Erst in der 20-Uhr-Ausgabe wurde dann noch ein Satz der Linken-Vorsitzenden Kipping in den Bericht reingeschnitten.

Es wird hier exakt der Fehler wiederholt, den Michael Haller jüngst in seiner Untersuchung “‘Flüchtlingskrise’ und Medien” nachgewiesen hat: Weiterlesen

Extradienst-Gastautor morgen im ARD-Presseclub

Von , am Samstag, 19. August 2017, in Medien.

Extradienst-Gastautor Andreas Zumach ist morgen um 12 h Teilnehmer des ARD-Presseclubs zum Thema Nordkorea und USA; mit dabei auch die ehemalige taz-Chefin Ines Pohl. Für Zumach immer eine günstige Gelegenheit, seine Mutter Hildegard zu besuchen. Sie war langjährige Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland, mit der seinerzeit die westdeutsche Anti-Apartheid-Bewegung fruchtbar und erfolgreich zusammenarbeitete.
Unfassbar im Vergleich zum Presseclub das Gäste-Casting von Anne Will: nur Parteileute, aber keine Oppositionspartei des Bundestages, nur Rechte – jedenfalls nach dem derzeitigen Stand der Ankündigung. Da empfehle ich als emanzipatorischere und unterhaltsamere Alternative die britische pharmaindustriekritische London-Krimireihe “New Blood“, morgen 22 h im ZDF.
Wem das noch nicht gut genug ist, der/die sollte 25 Stunden später eine Vergleichsverkostung mit “No Offence” auf ZDFneo wagen. Keine Held*inn*en, keine Models, aber die toughesten Mädels, die ich seit sehr langer Zeit in der Glotze gesehen habe. Das ist derzeit das Beste, was in der Krimininflation im deutschen Fernsehen zu finden ist. Und das ist britisch, very british.

NRW-Wahl: Selbstüberschätzung kommt vor dem Fall

Von , am Dienstag, 4. April 2017, in Politik.

Am letzten Wochenende haben sich drei Parteien für die bevorstehende Landtagswahl in NRW warm gelaufen. Viel wurde im Walde gepfiffen und sich selbst Mut zugeredet. Zunächst die SPD: Regierungspartei seit sieben Jahren unter Hannelore Kraft, der Regierungschefin, seit die resolute Grünen-Chefin Sylvia Löhrmann sie 2010 mit Erfolg zu einer Minderheitsregierung überreden konnte. Das empfahl Kraft zunächst auch für größere Aufgaben in der SPD auf Bundesebene – vielleicht auch als Alternative zu Angela Merkel – aber seitdem sie eher zögerlich agierte, hat ihr Stern viel an Strahlkraft verloren. Am Sonntag konnte man meinen, nun solle es auch in NRW SPD-Messias Martin Schulz richten. Das mutete nicht zuletzt nach dem Wahlergebnis im Saarland etwas skurril und wie aus einem Paralleluniversum an. Weiterlesen