Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Beckenbauer

Journalismus-Juwel “Sport inside”

Von der WDR-Programmdirektion ungeliebt und im Programm bis zur Unauffindbarkeit rumgeschubst, aber es gibt ja jetzt Mediatheken. “Sport inside” ist – neben dem NDR-“Sportclub” (sonntags kurz vor Mitternacht) – das einzige Sportjournalismusprogramm im gesamten öffentlich-rechtlichen und privaten deutschen Fernsehen. Sportjournalismus hier als prĂ€gnanter Unterschied zur ProduktprĂ€sentation: die gibt es in jedem Programm. Zu ihr haben die Sender hunderte Seiten dicke VertrĂ€ge mit den Veranstalter*inne*n geschlossen, in denen genauestens geregelt wird, was wie ins Bild gesetzt und wie welche Produktwerber und Spots dabei zu prĂ€sentieren sind. Pressefreiheit ist was anderes.Weiterlesen…

Espana Corrupta / Xavi & Pirlo

Wird Spanien von einer kriminellen Vereinigung regiert? Die offiziellen Ermittler vermeiden diese Begrifflichkeit, noch; Journalist*innen dagegen nicht mehr. Das geht aus diesem DLF-Bericht hervor. FĂ€lschlicherweise suggeriert er, dass dieses Thema und die Katalonien-Frage zwei verschiedene Themen sind. Das sind sie nicht. Im Gegenteil ist es genau das, was die Katalan*inn*en gegen die spanische Zentralregierung mobilisiert. Und sie sind es, die fĂŒr Europa eintreten und von der EU im Stich gelassen werden. Die damit zeigt, wie schwach sie ist.

Christian Eichler weist heute auf das Karriereende der aus meiner Sicht grössten Fussballer unserer Zeit hin: Xavi Hernandez und Andrea Pirlo. An Charakter- und Ich-StĂ€rke nehmen sie es spielend mit den Steuerhinterziehern Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf,Weiterlesen…

Fifa / FÀröer gegen FÀröer / StÀdte gegen ihr Theater

Thomas Kistner, SZ-Redakteur, ist seit etlichen Jahren einer der ganz wenigen kritischen Sportjournalisten. Ich weiss nicht, ob er ĂŒberhaupt von irgendwas Fan ist, auf jeden Fall Fan seines Berufes. Eine selten gewordene Spezies. Zusammen mit seinem Kollegen AumĂŒller legt er sich an diesem Wochenende ein weiteres Mal mit dem “Kaiser” Franz Beckenbauer an. Nun könnte man meinen, der Arme lebt doch sowieso am Rande von Herzinfarkten, ist nur noch ein Opfer, wie, sagen wir mal, Boris Becker. Ein Kaiser steht nicht nur fĂŒr sich selbst, er ist ReprĂ€sentant eines komplizierten Herrschafts- und Korruptionsystems, in dem sich in der Regel ein recht umfangreicher Adel verbirgt. Und so war es mit Beckenbauer wirklich. Vorgestern erst erwĂ€hnte ich hier im Zusammenhang mit dem Niedergang des Privatfernsehens den Kirch-Konzern, seine VerĂ€stelungen und seinen Zusammenbruch. Da ist er also schon wieder …..
Island ist schon genial, aber noch kleiner und noch spektakulÀrer sind die FÀröer-Inseln. Sie mischen nicht nur das Fussballbusiness auf, sie entwickeln sogar die Macht, Google zu nötigen, mit ihrer schÀrfsten Waffe, den Schafen. Grossartig.
Was fĂŒr ein Bild gibt dagegen das Rheinland ab. Andreas Rossmann (FAZ) berichtet aus Köln, wie der nĂ€chste Theaterintendant seine Flucht vorbereitet. Ähnlichkeiten mit Bonn wĂ€ren nicht zufĂ€llig. Die StĂ€dte sind unfĂ€hig, sich selbst zu managen. Schulen werden nicht saniert, nicht weil das Geld fehlt, sondern fachlich qualifiziertes Personal, um es kontrolliert auszugeben. Seit der Entlassung des berĂŒchtigten Naujoks findet die Stadt Bonn keine FĂŒhrung mehr fĂŒr ihr Immobilienmanagement, die – und sei es in einem personellen Tandem – ingenieur- und kaufmĂ€nnische Fachqualifikation in sich vereint. Und das ist dann, so die Pointe von CDU, SPD und FDP im Stadtrat, praktischerweise schuld: die Oper.

Diese Chance fĂŒr Bonns City wird ungenutzt bleiben

In der letzten Aprilwoche des Jahres 1972 kam ich das erste Mal nach Bonn, es war eine Klassenfahrt. Es sollte eine sensationell ereignisreiche Woche werden: Deutschland gewann zum ersten Mal in der Fussballgeschichte in Wembley gegen England, Netzer und Beckenbauer beim 3:1 auf dem sportlichen Höhepunkt ihrer Karriere im besten LĂ€nderspiel der DFB-Geschichte; Willy Brandt ĂŒberstand das Misstrauensvotum der CDU/CSU-Fraktion, unser Überleben und der Frieden in Mitteleuropa wurde ĂŒber Jahrzehnte gesichert. Die darauf folgende Bundestagswahl im Herbst des gleichen Jahres hatte die höchste Wahlbeteiligung in der Geschichte unserer Republik.
Aus dem Hauptbahnhof heraus liefen wir direkt vor einen Bretterzaun, so wie heute. Damals wurde das Loch gebaggert, fĂŒr die U-Bahn, und fĂŒr das Loch von heute. Eine der grössten BausĂŒnden in der Stadtgeschichte wurde gerade begangen. Jetzt, 45 Jahre spĂ€ter, ist die SĂŒdĂŒberbauung weg. Ein kommunikatives Kunstwerk,Weiterlesen…

Menotti: Jeden Tag Fußball ist wie jeden Tag Nudeln

Interview mit der argentinischen Trainerlegende CĂ©sar Luis Menotti
von Sandra Schmidt

An einem heißen Sommertag im Februar empfĂ€ngt CĂ©sar Luis Menotti Sandra Schmidt in seinem klimatisierten BĂŒro zwei Blocks vom Obelisken im Zentrum von Buenos Aires. El Flaco, wie der lange, dĂŒnne Mann hier heißt, ist in hervorragender Verfassung und bester Laune. Bei den politischen Themen regt er sich wunderbar auf und weist auch gern nochmal auf seine Zeiten mit Parteibuch – der argentinischen KP – hin. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papiere und alte Fußballzeitschriften, die den Trainer des Weltmeisters von 1978 und Verfechter des schönen Spiels auf dem Titelbild zeigen – „Guck’ mal, so etwas schicken mir die Leute!“. Menotti wird im Oktober 79 Jahre alt.

Wie geht es dem argentinischen Fußball heute?

Der argentinische Fußball behauptet sich wie der Jagdhund, das ist genetisch. (lacht) Diese Hunde sind seit hundert, ach was, seit tausend Jahren Jagdhunde, und hier kommen immer wieder Fußballer hervor und man weiß nicht, warum. Das kann eigentlich nur genetisch sein, denn das ganze Umfeld hier macht es niemandem leicht, sich zu entwickeln. Wir stecken in einer sehr tiefen Krise, die nicht nur, aber auch kultureller Art ist. Argentinien hat in den letzten dreißig Jahren einen tiefgreifenden Kulturverlust erlebt, und davon ist der Fußball natĂŒrlich nicht unberĂŒhrt geblieben. Er ist lĂ€ngst Teil des großen GeschĂ€fts, nicht mehr der Kultur, nicht mehr das, was der argentinische Fußball lange war: reprĂ€sentativ fĂŒr die Gesellschaft hier, mitsamt der Freude jedes einzelnen, der sein Vereinstrikot hatte. Heute trĂ€umt der junge Fußballer hier nicht mehr davon, in seinem Verein Karriere zu machen, sondern eher davon, nach Europa zu gehen. Hier herrscht das Chaos, die wirtschaftliche Situation ist sehr schwierig und komplex.

Der argentinische Fußballverband, die AFA, steckt seit dem Tod von Julio Grondona 2014 in einer tiefen Krise… (zum Zeitpunkt des Interviews war die AFA noch fĂŒhrungslos, am 30. MĂ€rz wurde Claudio Tapa zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt)

Grondona war ein Caudillo, ein AnfĂŒhrer, und wenn ich das sage, dann rede ich nicht ĂŒber Redlichkeit oder Ehrlichkeit – dafĂŒr ist die Justiz zustĂ€ndig –, sondern ĂŒber seine Art.Weiterlesen…

Geiseln von Profit und Terrorkampf

Beim Dortmunder Anschlag vom vergangenen Dienstag wurden die Spieler der Borussia, Menschen die sonst stĂ€ndig unter Beobachtung der Öffentlichkeit stehen, zu ganz gewöhnlichen Opfern eines Terroranschlags mit allen damit verbundenen Folgen. Schon von WohnungseinbrĂŒchen wissen wir, dass die Opfer oft monatelang traumatisiert sind. Bei Terrorangriffen lösen Explosionsknall, Ausnahmesituation und die Erkenntnis ĂŒber die Folgen – auch nicht eingetretene – bei den unmittelbar Betroffenen wie auch bei Zeugen ein Trauma aus. Deshalb werden die Opfer nachhaltig psychologisch betreut, um ihnen zu ermöglichen, das Ereignis zu verkraften. Werden solche Erlebnisse verdrĂ€ngt, kann es zu langfristigen psychischen Irritationen oder Störungen kommen. Schlaflosigkeit, AlptrĂ€ume, einem Burn-Out Ă€hnliche Symptome und letztich ArbeitsunfĂ€higkeit sind möglich. Wichtig sind GesprĂ€che, gemeinsame Aufarbeitung, psychologischer Rat in einem geschĂŒtzten Raum ohne Druck. Ohne Druck bedeutet auch, selbst entscheiden zu können, wann man an den Ort des erlittenen Anschlags zurĂŒckkehren möchte. Auch seelsorgerische Betreuung kann fĂŒr manche Betroffenen eine wichtige Hilfe sein. FĂŒr nichts davon wurde den Spielern von Borussia Dortmund genĂŒgend Zeit gelassen.

Berichte von Spielern, dass ihnen erst bei der Heimkehr zu ihrer Familie klar wurde,Weiterlesen…

Fußball und Geopolitik

Das werden wir wohl in nĂ€chster Zeit von den “QualitĂ€tsmedien” öfter bekommen: recherchearme Berichte wie diesen des Handelsblatts, in wie schrecklichen ZusammenhĂ€ngen die WM 2018 in Russland stehen wird. Die, die hier im Handelsblatt beschrieben sind, sind exakt identisch mit denen “unseres SommermĂ€rchens” 2006, politisch damals abgedeckt von ganz oben, was bei uns Bundeskanzler Gerhard Schröder war. Jetzt denken Sie: Schröder, Putin, na klar. Das ist zu kurz gedacht.
Was Putin hier angeblich alles beschlossen hat,Weiterlesen…

Weigl

Der 2:1-AuswĂ€rtssieg des BVB bei Sporting Lissabon war allein schon bemerkenswert, nach der SchwĂ€chung durch zahlreiche VerletzungsausfĂ€lle. Das eigentliche Ereignis, das ĂŒber dieses Spiel hinausreichen wird, war das 2:0 kurz vor dem Halbzeitpfiff durch Julian Weigl. Weigl war bisher berĂŒhmt und bei den BVB-Gegnern berĂŒchtigt als guter Leser des Spiels und strategischer Ballverteiler. Als TorschĂŒtze war er bisher – im Gegensatz zu dem durch ihn verdrĂ€ngten Nuri Sahin – nicht in Erscheinung getreten. Das hat sich heute geĂ€ndert. Das war eine solche von Eleganz geschmĂŒckte Vollstreckung, wie sie in Ă€hnlicher Weise einst von Franz Beckenbauer kreiert wurde.
Schauen Sie sich das morgen Abend noch mal in den Spiel-Zusammenfassungen des ZDF an (zwischen 22.40 h und 23.15 h). FĂŒr den Spieler selbst kann das als SchlĂŒsselerlebnis fĂŒr sein Selbstvertrauen bei einer nur extrem selten ausgeĂŒbten Aktion funktionieren. Er könnte es jetzt öfter versuchen. Darum stellt sich fĂŒr die zukĂŒnftigen BVB-Gegner die Frage, wie sie mit dieser zusĂ€tzlichen von Weigl ausgehenden Gefahr umgehen werden. Wie lange wird er unverletzt bleiben?

Kapitalismus hat mit Rechten kein Problem / Agenten und Steuern / CDUCSU-BrĂŒckenbau / DFB stolpert / Spanien

“…der Kapitalismus kommt mit den schlimmsten Tyranneien genauso problemlos zurecht wie mit der Demokratie” meint in einem taz-Interview der israelische Faschismus-Forscher Zeev Sternhell.
Warum nur stolpern so viele TĂ€ter vermutlich entschieden schlimmerer Straftaten immer wieder ĂŒber Steuerhinterziehung? Nun wird vermutet, dass es dem bekanntesten deutschen “Privatermittler” Gerhard Mauss so auch erwischen soll – Andreas Förster in der FR. Update: vielleicht kommt er auch durch, weil er zuviel weiss ……
Albert SchĂ€ffer, dem von mir sehr geschĂ€tzten ehemaligen FAZ-NRW-Korrespondenten, jetzt in Bayern stationiert, können wir bei intensiven EselsbrĂŒckenbauarbeiten fĂŒr Seehofer und Merkel beobachten.
Wie die aktuellen DFB-SaubermÀnner sich in ihren selbstgespannten StolperdrÀhten in Sachen Beckenbauer und SommermÀrchen 2006 verfangen, berichteten Michael Horeni und Evi Simeoni gestern in der FAS.
Strategische Grenzen des Linkspopulismus schon erreicht? In den spanischen Provinzen Galizien und Baskenland waren Regionalwahlen. Telepolis berichtet ĂŒber die Ergebnisse.

CL so langweilig wie Bundesliga? – das entscheidet sich heute Abend

Um das Investitionsrisiko zu senken, sind Uefa und Fußball-Großvereine darauf bedacht, möglichst wenige Fußballergebnisse dem Zufall, also dem Spiel zu ĂŒberlassen. Dem dienen die merkwĂŒrdigen Auslosungsverfahren und Regeln, wer sich wofĂŒr schon qualifiziert hat, und wer es noch muss. Normalmenschliche Wesen können das weder durchschauen, geschweige denn fehlerlos referieren. In unserem Fußball ist das alles kein Problem. Aber im Fußball von denen geht es jetzt so kompliziert zu, wie bei Börsen und Banken. Wir sollen es nicht verstehen, das ist besser fĂŒrs GeschĂ€ft. Das Fußballbusiness bildet damit bis zur Kenntlichkeit die WirklichkeitWeiterlesen…

SportkriminalitÀt grenzenlos

Ein mexikanischer Fußballer, CuauhtĂ©moc Blanco, erst Bundesgenosse und Hampelmann, dann AbtrĂŒnniger der Mafia seines Landes, diese aufregende Geschichte fand ich nur in der Jungle World. Warum nur erinnerte mich die Story gedanklich immer an Franz Beckenbauer?

Vielleicht weil AushÀngeschilder der deutschen Sportmafia in nicht so unÀhnlichen GeschÀften verstrickt sind. IOC-PrÀsident Thomas Bach war zuvor PrÀsident des Deutschen-Olympischen Sportbundes (DOSB), ist Rechtsanwalt mit vitalen GeschÀftsbeziehungen in arabische Feudalstaaten und FDP-Mitglied. Jetzt muss er empfindliche EinschrÀnkungen seiner globalen Reisefreiheit hinnehmen, ganz so wie Fifa-ExprÀsident Blatter.

Wie schön, dass es wissenschaftliche Grundlagen dafĂŒr gibt, dass den Gangstern nicht der ganze Sport in die HĂ€nde fallen kann. Ihr Feind ist u.a. der Zufall, der uns dann doch noch das eine oder andere lange Gesicht von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness bescheren wird. Das hat jetzt Prof. Klaus GĂŒnther publiziert, ein absolut integrer Politologe, fĂŒr den ich in den 80ern vier Semester als Tutor arbeiten durfte. Das GA-Interview war leider fĂŒr mich online nicht auffindbar und ist daher nicht verlinkbar; das angekĂŒndigte Buch soll in wenigen Wochen erscheinen.

Blatters Rache

Die Deutschen werden doch wohl nicht im Ernst geglaubt haben, dass sie Jupp Blatter absĂ€gen können, ohne selbst mit unterzugehen? Die Schweiz wurde von den USA gezwungen ihr Bankgeheimnis zu schleifen. Damit ist das GeschĂ€ftsmodell ihrer Volkswirtschaft eigentlich schon weitgehend ruiniert. Direkt anschliessend gings gegen die weltweit umsatzstĂ€rkste Mafiaorganisation mit Sitz in ZĂŒrich, Weiterlesen…

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