Thema: Brasilien

Weltkrieg in Amazonien?

Von , am Mittwoch, 2. Oktober 2019, in Lesebefehle, Politik.

mit Korrektur
Die Möglichkeiten des Kriegsführens haben sich mit dem technischen Fortschritt vervielfältigt. Es geht also ungefähr so, dabei wird der Krieg nur anlassbezogen für die Öffentlichkeit sichtbar. Und das öffentliche Bild des Krieges und die zu erzählenden Märchen (“Narrative”) um ihn herum sind von den Kriegführenden besser kontrollier- und steuerbar. Es geht als deklarierter Handelskrieg mit viel Symbolismus und Rhetorik. Hier gibt China Weiterlesen

Macht die Partei der Grünen ihren Job?

Von , am Samstag, 28. September 2019, in Politik.

Welchen Job? Das Grundgesetz regelt in seinem Art. 21, dass die Parteien an der “Willensbildung des Volkes” mitzuwirken haben. Eine recht offene Formulierung, denn möglich dabei bleibt, wer antreibt und -führt, und wer sich treiben lässt. Das erscheint mir heute bei keiner Partei unklarer, als bei dieser. Wir Bürger*innen einer Demokratie sind nun genötigt, uns mit dieser Frage zu beschäftigen. Denn noch spektakulärer als die “Projektion” zur “Sonntagsfrage” waren gestern im ZDF-Politbarometer die Zahlen zur “politischen Stimmung”: denen zufolge kommt hinter den Grünen (34%) erstmal ganz lange nichts mehr … Weiterlesen

Wie lange noch hält Brasilien das aus?

Von , am Freitag, 20. September 2019, in Politik.

von Viviane de Santana Paulo
Die politische Kultur des größten Landes Südamerikas verhindert (noch) eine breite soziale Mobilisierung

Frankreichs Präsident Macron ist schwer enttäuscht. Brasiliens Präsident Bolsonaro habe ihn belogen. In Osaka habe er ihm im Juni zugesichert das Pariser Klimaabkommen zu respektieren. Und nun würde riesige Waldflächen in Amazonien brennen, weil Bolsonaro denjenigen, die Amazonien entwalden und landwirtschaftlich nutzen wollen, freie Hand ließe. So haben die Brände wenigstens etwas Gutes, nämlich, dass niemand mehr ignorieren kann, Weiterlesen

Jahrhunderte brennen

Von , am Montag, 26. August 2019, in Lesebefehle, Politik.

Die FAS veröffentlichte gestern ein bewegendes Plädoyer des laut FAS “bedeutendsten brasilianischen Naturfotografen” Araquém Alcântara, erfreulicherweise paywallfrei auch online zugänglich. An FAS/FAZ darf man zwar wie an den brasilianischen Präsidenten die Frage richten: warum so spät? Sie sind halt alle vom globalen Aufmerksamkeitspegel drogenabhängig.
Der politische Zusammenhang würde heute morgen von der Vertreterin der Böll-Stiftung Annette von Schönfeld im DLF-Interview erklärt Weiterlesen

Die Welt retten mit positiven “Sanktionen”

Von , am Samstag, 24. August 2019, in Politik.

Die diesjährigen Waldbrände in Sibirien und Amazonien sowie die Eisschmelze überall da, wo noch welches war, machen uns klar, dass die Menschheit vor Problemen steht, die ein einzelner Staat nicht lösen kann. Die Zerstörung des Völkerrechts und jeglicher multilateraler Systeme durch das System Trump kann auf diese Weise eine ähnliche Wirkung entfalten, wie ein militärischer Weltkrieg.
Darum ist es gewiss richtig, wenn sich der deutsche Aussenminister Weiterlesen

“Unsere” Landwirtschaft – unser Selbstmord?

Von , am Dienstag, 23. Juli 2019, in Politik.

Das PR-Desaster, das der industriehörige Deutsche Bauernverband und die ihn aushaltende agrochemische Grossindustrie über viele Jahre und Jahrzehnte angerichtet haben, ist so unermesslich, dass der Bauer von heute, der nur mit Mühe noch eine Gattin findet, seinen Kindern und Enkel*inne*n buchstäblich nichts mehr zu vererben hat, was die noch haben wollen würden. Das ist exakt das Szenario, das die #fridaysforfuture-Kinder ihren Eltern und Grosseltern vorwerfen.
Liebe Bauern, “liebe” Agrochemie. Euer Kreuzweg ist noch nicht zuende. Weiterlesen

Initiative Sacharov Preis für Marielle Franco (posthum) und Jean Wyllys

Von , am Donnerstag, 18. Juli 2019, in Politik.

von Gert Eisenbürger / Informationsstelle Lateinamerika
Das EU-Parlament verleiht jedes Jahr den Sacharov-Preis für Menschenrechte. Jede Fraktion kann dafür Vorschläge einreichen. Die Grünen haben in diesem Jahr posthum die ermordete brasilianische Politikerin, Feministin und LGBTI-Aktivistin Marielle Franco und den ehemaligen Abgeordneten und LGBTI-Aktivisten Jean Wyllis (vgl. dieses Interview) vorgeschlagen.

Da die Preisträger mit der Mehrheit des EU-Parlaments gewählt werden müssen, Weiterlesen

Brasilien: Moro ohne Moral

Von , am Mittwoch, 17. Juli 2019, in Politik.

von Luiz Ramalho & Informationsstelle Lateinamerika (ila)
Wie sich der Justizminister Brasiliens endgültig der Ethik entledigt hat

Es war voraussehbar, die brasilianische Regierung des Ex-Hauptmanns Bolsonaro zerlegt sich selbst. Schließlich schlossen sich bereits zu deren Start Machtblöcke zusammen, die untereinander Interessenskonflikte und Widersprüche aufweisen. Nun droht eine der wichtigsten Säulen, auf die sich die Regierung stützt, einzustürzen. Der Sheriff und Superminister Sérgio Moro, von Bolsonaro zum „nationalen Denkmal“ deklariert, ist in einen unglaublichen Justizskandal verwickelt. Weiterlesen

Junge Welt: Paywall vergessen?

Von , am Freitag, 5. Juli 2019, in Lesebefehle, Medien.

Zitternder Jörges
Die Junge Welt, publizistische Speerspitze des linken Radikalismus, kämpft, wie alle linken Medien um ihre Existenz. Ist es nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Heute hat sie ihre Paywall vergessen. Normalerweise wird die Hälfte der Texte online vermauert und ist nur gegen ein Abonnement zugänglich. Auf diese Art und Weise wurden z.B. zahlreiche Texte des Extradienst-Lesers Andre Dahlmeyer für mich unlesbar, sehr bedauerlich. Anders heute.
Drei Texte möchte ich besonders empfehlen: Weiterlesen

Freitags wieder Schule?

Von , am Samstag, 29. Juni 2019, in Politik.

Die “Profis” schaffen Fakten
Vornerum Gipfelgetue in Osaka, hintenrum Freihandelsabkommen mit Mercosur. Wenn das, was die Noch-EU-Führung und die aktuellen südamerikanischen Regimes gerade abfeiern, von den Parlamenten verabschiedet wird, kann #fridaysforfuture zumachen, und die Kinder haben freitags wieder Mathe und Englisch. Ein Feiertag für den Herrn Lindner von der FDP. Weiterlesen

Gender-Konfliktzentrum Brasilien

Von , am Montag, 24. Juni 2019, in Fußball, Politik.

Vor wenigen Tagen stellten wir hier einen geflohenen schwulen brasilianischen Parlamentarier vor. Welch ein Kontrast zu den Arschlöchern, die in der jüngeren Vergangenheit und bis heute die Mehrheit der brasilianischen Fussballstars der Männer bilden. Sie stehen Schlange, um sich bei dem faschistischen Präsidenten Bolsonaro einzuschleimen. Dank an Glenn Jäger Weiterlesen

Brasilien: Fake-News und Sexualität

Von , am Freitag, 21. Juni 2019, in Medien, Politik.

Interview von Gaby Küppers mit dem brasilianischen Sozialaktivisten und ehemaligen Abgeordneten Jean Wyllys

Jean Wyllys von der brasilianischen Linkspartei PSOL hat sein drittes Mandat als Abgeordneter in der Nationalversammlung nicht mehr angetreten. Ende 2018 warf er nach Todesdrohungen das Handtuch und ging nach Berlin ins Exil. Der bekennende Schwule mit schwarzen Wurzeln war befreundet mit der am 14. März 2018 ermordeten Marielle Franco, der schwarzen, feministischen, lesbischen Stadträtin aus Rio de Janeiro, und engagierte sich für die gleichen Themen. Er wolle kein toter Märtyrer werden, sagt der 45jährige und fügt zur Aufmunterung ein abgewandeltes Zitat an: „Ich bin kein Held, denn das ist ein sehr schlecht bezahlter Job“. Weiterlesen

Frauen-WM: Viel ist möglich

Von , am Donnerstag, 13. Juni 2019, in Fußball, Medien.

Erfreulicherweise kommt es bei der aktuellen Frauen-WM nur noch selten vor, dass Kantersiege geschehen, wie beim 13:0 der innenpolitisch aufgeputschten US-Frauen gegen Thailand. Die “Kleinen” gewinnen zwar noch nicht, aber sie gehen auch nicht mehr unter. Im Gegenteil, sie erweisen sich als gefährlich. Und mit ein bisschen mehr Routine hätten sie das eine oder andere Favoritinnenteam stürzen können. Ich denke z.B. an China (gegen Deutschland), Weiterlesen

In der Tradition der Militärdiktatur

Von , am Mittwoch, 22. Mai 2019, in Politik.

von Wolfgang Meier
Trotz polternder Äußerungen ist von Bolsonaro keine grundlegend neue Amazonienpolitik zu erwarten

Bei den meisten Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen schrillten nach der Wahl Jair Bolsonaros zum neuen brasilianischen Präsidenten die Alarmglocken. Im Wahlkampf hatte der Rechtskandidat mehrfach behauptet, die in Amazonien lebenden Indigenen hätten zu viel Land, das der wirtschaftlichen Entwicklung aller Brasilianer*innen zugute kommen sollte. Viele befürchteten Angriffe auf die Indigenen und neue gigantische Großprojekte, die die Entwaldung Amazoniens beschleunigen würden. Mitunter entstand dabei der Eindruck, als ob in Brasilien bisher eine nachhaltige Politik betrieben worden wäre, die nun durch Bolsonaro akut bedroht sei. Weiterlesen

Steffens/FAZ zu Trump&Bolsonaro

Von , am Mittwoch, 20. März 2019, in Lesebefehle, Politik.

Die #fridaysforfuture-Bewegung trifft den politisch entscheidenden Kern unserer Zeit. Ohne dass sie das ausdrücklich schreibt, fällt es einem bei Lektüre der Analyse von Frauke Steffens/FAZ zum Treffen der Despoten Trump/USA und Bolsonaro/Brasilien wie Schuppen von den Augen. Die ressourcenstarken Länder, die von diesen Herren regiert werden sollen, Weiterlesen

Gut geschmiertes Erfolgsmodell

Von , am Montag, 18. März 2019, in Politik.

von Thilo F. Papacek
Der brasilianische Baukonzern Odebrecht hat über Jahrzehnte Politiker*innen in zwölf Ländern Lateinamerikas bestochen

Seit fünf Jahren ermittelt die brasilianische Bundespolizei im Fall Lava Jato (Autowaschanlage). Der Korruptionsfall um den brasilianischen staatlichen Erdölkonzern Petrobras und den Bauriesen Odebrecht weitete sich bald auf andere lateinamerikanische und afrikanische Länder aus. Der Fall demonstriert, wie Korruption demokratische Entscheidungsmechanismen untergräbt.

Eine Strafzahlung von 228 Millionen US-Dollar soll es nun sein. Weiterlesen

Frankreich / Russland / Kolumbien / Brasilien / Rumänien / China

Von , am Mittwoch, 6. März 2019, in Lesebefehle, Politik.

Thomas Pany/telepolis ordnet Macrons letzte Rede ein.
Ulrich Heyden/telepolis berichtet über AfD-kritische Kräfte in Russlands Politik- und Wissenschaftsapparat. Tobias Riegel/nachdenkseiten gibt einen kritischen Überblick, wie das quantitative Einschmelzen von deutscher Russland-Berichterstattung qualitativ alles zum Kippen bringt.
Tomasz Konicz/telepolis beschreibt in wünschenswerter Drastigkeit, wie die kolumbianische Rechte Weiterlesen

„Nossa Dança de Rúa“ – Unser Straßentanz

Von , am Freitag, 15. Februar 2019, in Genuss, Politik.

Ein Bgirl berichtet aus Brasilien
Von Viola Luisé Barner

Hiphop spielt in Brasilien eine wichtige gesellschaftliche und politische Rolle. Ursprünglich aus den Vereinigten Staaten Amerikas kommend, zeichnet sich die Kultur des Hiphop durch ihren peripheren und interkulturellen Charakter aus. So auch in Brasilien, wo die Gesellschaft durch große soziale Unterschiede geprägt ist. Während die sogenannte westliche Welt den Hiphop und seine vier Ausdrucksformen teils integriert, aber vor allem kommerzialisiert, werden im größten Land Lateinamerikas weder Graffity noch Djing, Rap oder Breaking als Kunstform, geschweige denn Berufung anerkannt, stattdessen weitgehend marginalisiert. Weiterlesen

Brasilien / Chiapas-Mexiko

Von , am Montag, 21. Januar 2019, in Lesebefehle, Politik.

Wichtige Auslandsinformationen, die ich nur in der Jungle World gefunden habe:
In Brasilien unter dem neuen rechtsradikalen Präsidenten Bolsonaro droht ein Duterte-artiger Drogenkrieg. Die Bevölkerung wird von allen bedroht – den Drogenbanden und der Polizei mit Schiessbefehl. Der Politikwissenschaftler Guaracy ­Mingardi im Interview mit Nicole Tomasek.
Die Zapatist*inn*en in Mexiko bleiben kritisch reserviert gegenüber dem neugewählten Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (“AMLO”). Darüber berichten Marta Durán de Huerta und Timo Dorsch.

Bals/Germanwatch – so geht Interview

Von , am Montag, 17. Dezember 2018, in Politik.

Der Deutsche ist gerne Fatalist. Alle unfähig ausser ich. “Die Politik” besonders. Die bringens einfach nicht. Die Erde ist von der Klimakatastrophe bedroht, und “die machen nichts”. Dieser Geist spukt auch in sehr vielen was-mit-Medien-Köpfen rum. Und der Bundesumweltministerin Svenja Schulze ist in ihren Interviews anzusehen, wie sehr sie das – zu Recht – nervt. Denn wer auf seiner Fatalismus-Analyse beharrt, entlastet sich in erster Linie selbst. Wenn “die Andern nichts machen”, hat es ja keinen Zweck mehr, wenn ausgerechnet ich was tue.
Darum ist es natürlich links zu kritisieren, dass “die Politik”, z.B. bei der COP 24 in Kattowitz, zu wenig, nicht genug unternimmt. Genauso ist es aber rechts, Weiterlesen