Thema: Cem Özdemir

Mordbrenner im Nadelstreifen ?

Von , am Mittwoch, 6. November 2019, in Politik.

Ich mache seit achtundvierzig Jahren Politik und schreibe. Ich habe als Jungdemokrat mit der sowjetischen Komsomol und der FDJ der DDR gestritten, mich mit der NPD-Jugend in den Siebzigern gewaltlos auseinandergesetzt, Antifaschismus- und Antirassismuskampagnen durchgeführt. Bei den Grünen NRW “Farbe bekennen – Rassismus ächten!” 1993 – Ich war (und bin) sprachlos angesichts dessen, was in diesem meinem Land derzeit passiert. Morddrohungen gegen Cem Özdemir und die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, nachdem der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübke von Neonazis ermordet und beinahe eine Synagoge in Halle Schauplatz eines Massenmords an Juden wurde. Ich selbst stehe auf einer “Liste” der Reichsbürger, Weiterlesen

Weltpolitiker: Özdemir, Infantino

Von , am Freitag, 13. September 2019, in Beuel & Umland, Fußball, Politik.

Ich kenne Cem Özdemir persönlich, aber nicht besonders gut. Mal haben ich ihn bei einer Grünen-Bundesarbeitsgemeinschaftssitzung in den 90ern als harten Realo kennengelernt. Ein anderes Mal begegnete er mir zufällig bei meinem damaligen Lieblingsitaliener “Pirandello”, was für seinen guten Geschmack sprach, mit einer ihn anhimmelnden bildhübschen Stern-Reporterin (der Name war mir nicht bekannt; es kam an dieser Stelle auch zu “nichts”, Cem bleibt an diesem öffentlichen Ort professionell).
Dann schien er seine Karriere selbst ruiniert zu haben, Weiterlesen

Cem / Küppi / Dittsche

Von , am Montag, 24. Juni 2019, in Lesebefehle, Politik.

Ist Ihnen auch heiss? Denken Sie daran: das grösste Gesundheitsrisiko ist statistisch erwiesen: Arbeiten. Machen Sie langsam, und nicht zu viel. Ich versuche es hier einmal beispielhaft: statt mein Hirn übermässig für interessanten Text anzustrengen, empfehle ich Ihnen:
– Cem Özdemir – ich habe ihn zwar innerhalb der Grünen nie für irgwndwas gewählt, aber zu Angelegenheiten türkischer Politik Weiterlesen

Der Schah lässt grüßen

Von , am Samstag, 29. September 2018, in Politik.

Wer heute die Bilder vom Besuch des türkischen Despoten Erdogan sieht, muss sich an den Besuch des Schah in Berlin vor 50 Jahren erinnert fühlen. Der selbst ernannte Sultan fährt im Maybach vor, wird vom Bundespräsidenten mit militärischen Ehren empfangen, von der Kanzlerin begrüßt und von Wirtschaftsbossen hofiert. Ein Journalist mit kritischem Slogan auf dem T-Shirt – ja, es ist nicht üblich, dass in der Bundespressekonferenz Slogans gezeigt werden, aber es ist ja auch kein üblicher Staatsbesuch, wenn sich der Despot vom Bosporus die Ehre gibt, der Deutschland vor einem halben Jahr noch als “Faschisten” oder “Nazis” beschimpft hat. Erdogan, das dachten im Vorfeld wohl die Kanzlerin und das Außenamt, braucht nun dringend Freunde, bekommt Druck von den USA wegen seiner Rolle in Syrien und wird zu Kreuze kriechen. Aber Kanzleramt und Außenamt haben die Situation strategisch wohl offensichtlich falsch eingeschätzt. Weiterlesen

Türkei / WDR / taz

Von , am Freitag, 28. September 2018, in Allgemein.

Aufschlussreiche Interviews zu unseren Türkeibeziehungen: Günter Seufert von der regierungsberatenden SWP, und Cem Özdemir, beide im DLF. Interessante, zum Teil zu wenig bekannte Details, aber auch nicht alles öffentlich zuende erklärt. Ein Gang Erdogans zum IWF? Wie soll das funktionieren? Die USA haben dort eine Sperrminorität. Weiterlesen

Die Türkei beschäftigt uns

Von , am Dienstag, 28. August 2018, in Fußball, Lesebefehle, Politik.

Ein bisschen ist es wie ein Fenster zur Welt da draussen. Die Millionen Mitbürger*innen mit türkischem Familienhintergrund helfen uns sie zu sehen. Manche wollen sich nicht helfen lassen, denen ist auch kaum zu helfen.
Einer der seltenen Fälle eines gelungenen Türkeidiskurses in einem Medium (von “Massen”medium ist bei dem Sender kaum zu reden) lief gestern abend bei Phönix “Unter den Linden”. Staatsminister Michael Roth (Auswärtiges Amt) und Cem Özdemir (MdB Grüne) stritten nur phasenweise, zeigten viel Nachdenklichkeit und Abwägung. Weiterlesen

Ist Özil nur die Tapete vor dem Türkei-Crash?

Von , am Montag, 23. Juli 2018, in Politik.

Es gibt zahlreiche Kommentare, die Özils Rücktritt angemssen kritisch würdigen: Peter Ahrens/Sp-on, Cem Özdemir/DLF (besser als der Kurzfassungs-Spin der DLF-Nachrichten es mich erwarten ließ), oder Rüdiger Suchsland/telepolis, dessen fussballerischer Danksagung an Özil ich mich ausdrücklich anschliessen will.
Mich überkam jedoch eine Anwandlung, als wenn wir, mal wieder, von etwas Wichtigerem abgelenkt werden sollen, oder das zumindest gerne als Mitnahmeeffekt genutzt wird.
Ich hatte in meiner Seitenzugriffsstatistik das merkwürdige Phänomen, dass dieser Text von Samstag für mich unverständlich fast alle Zugriffsrekorde gebrochen hat. Mein Webmaster erklärte mir, dass es sich wohl um maschinelle Zugriffe handele. Ihre Herkunft zu erforschen wäre zwar technisch möglich, aber als Datenschutzfreunde verzichten wir darauf.
Ich glaube, eine politische Erklärung habe ich nun gefunden. Weiterlesen

Grünen-Endzeitstimmung – woher kommt sie?

Von , am Donnerstag, 6. April 2017, in Politik.

Wenn sich die Stimmung innerhalb einer Partei parallel zu ihren Umfragewerten bewegt, dann muss die Frage erlaubt sein, welchen Stellenwert ihre eigenen Überzeugungen dabei behalten. Wenn die Grünen, ihre Mitglieder und Anhänger*innen sich von privaten Umfrageinstituten umblasen lassen, dann wirft das Fragen nach ihrer politischen Praxis auf, für den Fall, dass sie irgendwohin gewählt werden. Wenn sich Wähler*innen diesbezüglich auf eine Partei nicht verlassen zu können meinen, dann schauen sie sich, sofern sie überhaupt teilnehmen wollen, nach Alternativen um. Schnell entsteht daraus eine sich selbst verstärkende Dialektik.

Grüner Markenkern

In vielerlei Hinsicht wurden Grüne früher mal als standhaft wahrgenommen:
– für Umwelt, Ökologie, Klima- und Verbraucher*innen*schutz
– für Frieden, Abrüstung und ein fortschrittliches Europa (Zweifel begannen bereits 1999 mit dem Kosovo-Krieg)
– für soziale Gerechtigkeit mit Priorität für die Schwächsten
– für Bürgerrechte für alle, auch alle Minderheiten, gegen Polizei- und Überwachungsstaat
– für Solidarität mit Flüchtlingen und Einwanderer*innen und bewusstem Umgang mit religiöser, kultureller und sozialer Diversität.
Mit diesen Themen waren glaubwürdige öffentliche Personen und Gesichter verbunden, von Petra Kelly bis Claudia Roth, Bärbel Höhn und Renate Künast, von Jürgen Trittin bis Cem Özdemir und Fritz Kuhn. Niemand von ihnen unumstritten, alle mit vielen sie ehrenden Gegner*inne*n und Feind*inn*en, aber jede*r für sich eine Marke, die für Substanzielles geradestand.
Wie konnten die Grünen dieses kraftvolle Branding gedankenlos gefährden und selbst demontieren? Weiterlesen