Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: CHP

Moralischer Mut

Freigesprochen und doch in Haft: Osman Kavala, Förderer der tĂŒrkischen Zivilgesellschaft. Jetzt setzt sich die Kampagne „Artists United for Osman Kavala“ mit prominenten UnterstĂŒtzern fĂŒr seine Freilassung ein
Was hat er denn bloß getan? Die rhetorische Frage wirft auf, wer besonders nachdrĂŒcklich sagen will, dass jemand zu Unrecht einer Straftat bezichtigt wird. Die jĂŒngste SolidaritĂ€tskampagne fĂŒr den inhaftierten tĂŒrkischen MĂ€zen und Philanthropen Osman Kavala mit diesem Titel zu ĂŒberschreiben ist mehr als naheliegend. Schließlich haben schon Gerichte in der TĂŒrkei festgestellt, dass er sich nichts zuschulden hat kommen lassen.Weiterlesen…

Erdogan – nur der Kasper?

Das Erste, was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit. Eine alte Volksweisheit. Noch weniger, als was tatsĂ€chlich militĂ€risch passiert, wird der Öffentlichkeit die Wahrheit ĂŒber die in einem Krieg verfolgten Interessen verraten. Immer gibt es welche, die auf beiden Seiten dabei sind, z.B. die RĂŒstungslieferanten. Darin sind neben den USA Grossbritannien, Frankreich und Deutschland ganz gross. Folgerichtig wird auch der Frankreich-und-Deutschland-Link in einigen Tagen in einem Paywallarchiv verschwinden.
Der in der Regel streng realoorientiert gegen den deutschen Medienstrich bĂŒrstende Michael LĂŒders meinte nun, in Recep T. Erdogan einen besonders cleveren Machiavellisten zu erkennen.Weiterlesen…

Neustart in Kurdistan

„Wer in Diyarbakır lebt, fĂŒr den ist alles politisch“: Kurz vor der Wahlwiederholung in Istanbul streift unser Autor durch die kurdische Stadt und besucht KĂŒnstler_innen und Kurator_innen. Und begegnet einer Haltung zwischen Humor und Trotz

Eine Familie sitzt in einem mit Teppichen ausgelegten Wohnzimmer apathisch auf einem Diwan. Aus dem Fußboden vor ihnen öffnet sich ein kreisrunder Krater aus Steinen und Geröll. Heraus arbeitet sich ein Arbeiter mit einer Spitzhacke in der Hand. Alle starren ins Leere.Weiterlesen…

Asymmetrische Demobilisierung, tĂŒrkische

Hierzulande ist die Aufregung fast einheitlich gross ĂŒber das Wahlverhalten einer Minderheit der Deutsch-TĂŒrk*innen, und zwar jener, die noch die tĂŒrkische StaatsbĂŒrgerschaft besitzen. Sie sollen zu gut zwei Dritteln Erdogan gewĂ€hlt haben. Diese öffentlich inszenierte Aufregung liefert Erdogan eine extrem billige “Siehste!”-Variante: deutsche Medien finden Demokratie auch (wie er) nur gut, wenn “richtig” gewĂ€hlt wird; wĂ€hlen die WĂ€hler*innen “falsch”, brechen die Bedenken aus. Und fĂŒr billige Schlagzeilen wird gerne auf Recherche oder wenigstens Nachdenken verzichtet (hier eine Ausnahme von meinem Ex-Ruhrbarone-Kollegen Patrick Gensing).
Über 2,8 Mio. Menschen in Deutschland haben tĂŒrkischen Migrationshintergrund. Nur die HĂ€lfte von ihnen hat noch die tĂŒrkische StaatsbĂŒrgersschaft.Weiterlesen…

Was ist die Botschaft ….

… an die tĂŒrkischen vielen Millionen Demokrat*inn*en? Hier bei uns und dort?
Ich hatte mir fest vorgenommen, zum “Duett” nichts zu schreiben. Es ist alles geschrieben, nur nicht von mir ;-) Wer nur GĂŒnter Bannas gelesen hat, vorher und hinterher, ist voll informiert und hat nichts verpasst. Über 60 Mio. haben nicht zugeguckt.
Es gab aber eine politische Botschaft, und die ist verheerend in Form und Inhalt. Der Kanzlerkandidat glaubte sich in einem taktischen Vorteil, indem er sich als tĂŒrkeikritischer zu geben versuchte als die Kanzlerin. In seiner Botschaft, und auch in der seiner Konkurrentin, war allerdings absolut Null Signal an die tĂŒrkischen Demokrat*inn*en enthalten, weder an die Mehrheit der Bevölkerung in der TĂŒrkei, und ebensowenig an die Menschen tĂŒrkischer Herkunft, die hierzulande in Millionenzahl wahlberechtigt sind.
Die Journalistin Özlem Topcu hatte darauf bereits unmittelbar nach dem Duett in einer Auswertungsdiskussion des Deutschlandfunks hingewiesen (leider nicht online dokumentiert). Mein alter Jungdemokraten-Freund Pascal Beucker hat es in der taz absolut zutreffend kommentiert.
Die deutschen TĂŒrk*inn*en mĂŒssen sich nach dieser Veranstaltung wie mit dem Arsch nicht angeguckt fĂŒhlen. RĂ€tselhaft, wie einem erfahrenen Europapolitiker so ein Fehler passieren kann, dessen Wirkung weit ĂŒber den Wahltag hinausreicht. Gibt es in der SPD keine Coaches und Berater*innen mehr, die dafĂŒr ein Sensorium haben? Ihre tĂŒrkischen Partei-BrĂŒder und -Schwestern von der CHP befinden sich in einer hochdramatischen Transformation mit stĂ€ndig lauernder Gefahr der Illegalisierung. Sie mĂŒssen das Antikurdische ihres kemalistischen Nationalismus reduzieren, sie mĂŒssen viel bĂŒndnisoffener werden, um MehrheitsfĂ€higkeit zu erreichen. Nichts wĂ€re jetzt wichtiger als kritische SolidaritĂ€t ihrer immer noch mĂ€chtigsten Schwesterpartei in Europa. Klar, kann sie unter Erdogan-Bedingungen nicht demonstrativ inszeniert werden. Es fehlt allerdings der Glaube und jedes Indiz, dass es wenigstens heimlich geschieht.

Istanbul – Gecit / Übergang / Transition

von Ertan O. Erdogan

Ich war bis ca. Anfang Juli zweieinhalb Monate in meiner Geburtsstadt Istanbul und habe fĂŒr eine Doku gedreht:
“Gecit / Übergang / Transition”.
Am Beispiel der Bauindustrie und der einhergehenden Stadtteilplanung und -entstehung versuche ich zusammen mit Pressekommentaren und GesprĂ€chspartnern vor Ort den scheinbaren Erfolg einer Volkspartei zu verstehen, so die Kurzbeschreibung. Eine aktuelle filmdokumentarische Reise durch Istanbul unter dem Bann von Halbmond und Stern – plus einer Daniel-DĂŒsentrieb-GlĂŒhbirne, dem Markenzeichen der AKP.

‹Fragestellungen:

– Welchen Änderungen seit ca. 13 Jahren (Beginn der AKP-Ära) ist Istanbul als Ganzes bautechnisch ausgesetzt, hinsichtlich der Nachbarschaft & Gentrifizierung, der Umwelt / Natur und ihrer Rodung?

– Welche Entwicklung haben konkret die Stadtteile Ataköy, die klassische Satellitenstadt aus den 1980er Jahren (Sozialdemokraten/CHP) und Sirinevler, der Ort der Zuwanderer aus Anatolien, die mehrheitlich AKP wĂ€hlt, durchgemacht?
Beide Stadtteile sind mit einem FussgĂ€ngerĂŒberweg ĂŒber die Europastrasse 5 verbunden.

Da ich bereits die erste HĂ€lfte mit AKP-WĂ€hlern und Stimmen aus dem Volk des nun 90-MinĂŒters fertig geschnitten hatte, fehlten mir fĂŒr die zweite HĂ€lfte Aussagen von Fachleuten wie Architekten, Stadtplanern und Aktivisten.Weiterlesen…

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