Thema: Correctiv

#metoo, WDR und Correctiv – noch viel Klärungsbedarf

Von , am Donnerstag, 12. April 2018, in Medien.

Vor wenigen Wochen hatte ich hier anhand des Streits um einen Dokumentarfilm zum Thema Antisemitismus die Unternehmenskommunikation des WDR kritisiert, vor allem die innere und den Umgang mit Mitarbeiter*inne*n. Die derzeit an #metoo-Fällen im gleichen Sender geführte Debatte verstärkt diese Eindrücke.

Ich stimme den Ausführungen von Sonia Mikich im Spiegel-online-Interview immer noch weitgehend zu. Es ist auch richtig, wenn sich die Leitung des Senders Zeit nimmt: lieber gründlich aufklären als schnell (ganz wie ich das auch bei Skripal verlange).

Wenn die Darstellung von Correctiv allerdings zutrifft, Weiterlesen

Correct!v – die Krisen der Ebene

Von , am Montag, 2. Oktober 2017, in Medien.

Correctiv, wie soll ich es nennen? Deutscher Marktführer des stiftungsfinanzierten Recherchejournalismus mit unternehmerisch-betriebswirtschaftlichen Ambitionen. Konsequenz aus der gegenwärtig ablaufenden fundamentalen Krise der konzerneigenen, “alternativen” und öffentlich-rechtlichen Medien, wie wir sie bis zur Jahrtausendwende kannten. Versuch, im digitalen Kapitalismus ein neues Geschäftsmodell zu entdecken. All das ist in meinen Augen höchst ehrenwert, ein Dienst an der Demokratie und ihrer Weiterentwicklung. Aber natürlich als Zwischending zwischen allem, was wir bisher kannten, auch anfällig für fundamentale Krisen, oder für ein Kippen in eine existenziell falsche Richtung. Ein Abenteuer.

Nun haben Sie sich medienwissenschaftlich untersuchen lassen, von Volker Lilienthal. Ein integrer, kompetenter, eigenwilliger, unabhängiger, sicher auch selbstbewusst eitler Typ, als Medienjournalist und Forscher, ein eigener Kopf, wie sie heute zu selten sind. Lilienthal ist zu kritischen Ergebnissen gekommen, bei deren Lektüre ich, selbst wenn er namentlich nicht genannt wird, David Schraven, Gründungsherausgeber, der Correctiv zusammen mit Geldgeber Bodo Hombach ausgedacht hat, ständig vor Augen habe. Wenig überraschend, ist David mit Lilienthals Ergebnissen nur begrenzt glücklich.

Aber Kompliment und Respekt, dass sie sich das alle getraut haben. Durch den Konflikt, den sie jetzt performen, schaffen sie für uns, die Öffentlichkeit, mehr Erkenntnis und Aufmerksamkeit, als wenn sie darauf verzichtet hätten.

Macron / Ungarn / Schwarze Frauen / Shit auf correct!v

Von , am Donnerstag, 4. Mai 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Zur deutschen Macron-Diskussion Beiträge von Detlef zum Winkel (Jungle World) zur Strategie der Linken und Bernhard Schmid (Telepolis) zum TV-Duell.

Zur ungarischen Auseinandersetzung um die CEU/Soros-Universität eine differenzierte Einschätzung der ungarischen Zeitschrift Eszmelet in der Jungen Welt.

Frauen haben bei der Emanzipation der Schwarzen in Deutschland eine führende Rolle gespielt (taz-Interview).

David Schraven/correct!v scheint von seinem publizistischen Instinkt in der Hitze des Gefechts etwas verlassen worden sein, beklagt, neben vielen anderen, Stefan Niggemeier/uebermedien. Immerhin: was geklappt hat, ist, dass die Sache – eine AfD-Kandidatin in NRW soll als Prostituierte gearbeitet haben – maximal auffällt.

Medienkritik – von einer Russin aus Dortmund / Erdogan-Iran

Von , am Mittwoch, 12. April 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

In Dortmund werden schon lange nicht wenige Journalist*inn*en sehr ordentlich ausgebildet. Schade, dass davon in unserer ökonomisch vermachteten Medienlandschaft so wenig durchkommt. Die nachdenkseiten, von mir hier in letzter Zeit oft getadelt, lassen heute mit Veronika Prokhorova eine Dortmunder Absolventin zu Wort kommen, die deutschen Medien ihre Fehler noch mal ganz genau zu erklären versucht.

Correctiv versucht bereits an diesen Fehlern zu arbeiten, z.B. mit seinem neuen AfD-Schwarzbuch.

Telepolis arbeitet schon lange daran: hier die Spekulationslage zu Syrien, USA und Russland, und hier eine leider schlüssige und glaubwürdige Räuberpistole von Detlef zum Winkel zu Erdogans-Irangeschäften. Zusammengefasst: den jüngsten “Putsch” führte herbei, dass Erdogans Freunde von der Gülen-Bewegung, deren Chef bekanntlich im USA-Exil lebt, seine Iran-Geschäfte nicht mittragen wollten/durften.
Zum Trumps Nahostpolitik/-strategie (gibts die?) hier ergänzend ein langer Text aus der Huffington Post.

Zu Erdogan auch über diesem Text ein aktueller Kommentar von Hidir Celik.

Läuft nicht: Trojanows Fussballboykott

Von , am Montag, 10. April 2017, in Fußball, Politik.

Ilija Trojanow schätze ich als allseits gebildeten kosmopolitisch orientierten kritischen Autor. Persönlich mit ihm bekannt bin ich bisher nicht. Erst heute stiess ich auf seine Aufforderung zum Fussballboykott. Man kann es mit der Fastenzeit auch übertreiben. Bei einem billigen “unrealistisch” will ich es aber nicht belassen.

Warum das Großkapital so auf den Fussball fliegt, hat Trojanow richtig beschrieben, ich habe es hier auch schon mehrmals getan. Die in diesem Business erzielbaren Renditen übertreffen noch die von Immobilien. Sie können aber auch eines Tages platzen. Die Pay-TV-Abozahlen bei den Verrücktesten, den Briten, gehen schon zurück; leere Plätze in den Stadien sind angesichts ihrer diesjährigen Langeweile auch in der Bundesliga gut und reichlich zu erkennen. Auch mir sind schon mehrmals Leihkarten von Dauerkarteninhabern meines Lieblingsvereins, mit dem jeder Fan länger zusammenlebt als mit irgendeinem Menschen, angeboten worden, und die Abwägung von Reiseaufwand und Ergebnis ist nicht immer für einen Stadionbesuch ausgefallen.

Auch fällt es mir nicht schwer, auf ein überteuertes Pay-TV-Abo zu verzichten, zumal man dort für teures Geld unterirdischen Journalismus und zusätzliche TV-Werbung reingedrückt bekommt. Sie werden es wohl nie lernen, Weiterlesen

“Fake-News” – China setzt jetzt die Standards

Von , am Dienstag, 24. Januar 2017, in Medien.

Nach Trumps Unterschrift gegen das transpazifische Handelsabkommen TPP haben in Beijing wahrscheinlich einige Champagnerkorken geknallt. “America first” schafft überall auf der Welt Vakuum. Wer könnte es z.Z. besser füllen? Es gibt jedoch ein Problem, bei dem sind sich alle Regierungen einig: “Fake-News”. Man spürt förmlich in jeder Zeile das Entsetzen, das die FAZ-Berichterstatterin bei einem deutsch-chinesischen Medientreffen erfasst hat. Es ist in der Sache berechtigt, allerdings in keiner Weise auf China begrenzt.

Allen Regierungen überall auf der Welt entgleitet die Kontrolle über ihre Gesellschaften und damit potenziell über ihren Staat und ihre Regierungsmacht. Weiterlesen