Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: DDR (Seite 1 von 8)

Wechselnde Mäzene

Audiothekperlen zu den Dichtern Moliére und Fühmann
Die Feuilletons sind voll mit beiden. Ich will hier nicht verbergen, welche meine Perlen waren.
Unübertroffen wie immer ist Extradienst-Gastautor Hans Conrad Zander, der dem Monsieur Moliére sein WDR-Zeitzeichen widmete (15 min). Wie immer bei Zander, spielt die Katholische Kirche eine – mal ganz wertfrei formuliert – bedeutende Rolle. Selbst der absolutistische “Sonnenkönig” war bündnisstrategisch gezwungen, mit dem Erzbischof im Einvernehmen zu herrschen. Weiterlesen

„…einen gewissen verbliebenen Kredit“

von Rolf Sachsse
Kontinuitäten und Brüche in der fotografischen Selbstdarstellung der Bundesrepublik V
Bilder und Identitätsstiftung

Am Donnerstag, den 13. September 1979 fand im Kölner Gürzenich eine Pressekonferenz für eine Ausstellung statt, die am selben Ort einen Tag später eröffnet werden sollte. Es war die knapp zwei Jahre zuvor in Halle an der Saale gezeigte Ausstellung zum „Medium Fotografie“, die einen ersten Überblick zu dem gab, was von staatlicher Seite als Fotografie der DDR zu gelten habe – auch und gerade in einer nationalen Definition. Obwohl man den Zeitpunkt von Pressekonferenz und Eröffnung professionell und günstig gewählt hatte, waren die Pressekonferenz sehr schlecht – der Autor dieser Zeilen war der einzige westdeutsche Pressevertreter – und die Eröffnung nur mäßig besucht. Weiterlesen

„…einen gewissen verbliebenen Kredit“

von Rolf Sachsse
Kontinuitäten und Brüche in der fotografischen Selbstdarstellung der Bundesrepublik III
Fotografische Weltbilder in Ost und West

Wer die große Sammlung visueller Ikonen des 20. Jahrhunderts in Deutschland betrachtet, die Gerhard Paul seit 2008 herausgegeben hat, wird eine Leerstelle entdecken können: Auch wenn die erste Bildstrecke zur frisch gegründeten Bundesrepublik mit Fotografien aus Bonn aufwartet, so gibt es dort kein Bild, das den Gründungsakt symbolisiert – wie beispielsweise den Händedruck von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl als Grundlage der DDR. Was zu sehen ist, passt zu Bonn und dem Bild dieser frühen Bundesrepublik, das sich durch die gesamte historische Darstellung aller Medien seit der deutschen Wiedervereinigung gefestigt hat: Weiterlesen

Gekautes Kaugummi

Gestern erst klagte mir ein belesener Leser völlig berechtigt, dass die in Berlin, egal welcher Partei, dem Drecksblatt aus dem Springerkonzern immer noch Exklusivinterviews bieten, obwohl es kaum noch jemand kauft (von 5 auf 1 Mio. in weniger als 30 Jahren). Durch die ganze Geschichte dieses Mediums zieht sich eine Spur aus Dreck, Blut und Scheisse. Besonders betroffen davon war schon in den 80er Jahren der deutsche Nobelpreisträger und Namensgeber einer Parteistiftung Heinrich Böll. Hier erinnert sich ein Genosse, der beruflich selbst als Pressesprecher eines Bundesministeriums tätig war. Weiterlesen

Als Olaf Scholz (fast) zu spät kam

Seit den 50er Jahren pflegten die Jungdemokraten als erste der “Regierungsjugend” Kontakte mit der DDR. Wolfgang Mischnick, Hans-Dietrich Genscher und Wolfgang Schollwer, reisten lange vor den Sozialdemokraten in die DDR. Schollwer, der 2021 99-jährig von der FDP längst vergessen an Covid verstarb, war einer der Architekten der Entspannungspolitik der sozialliberalen Koalition.

In der Tradition dieses Ostdialogs durfte ich 1984 als Delegationsleiter der Jungdemokraten zum “Internationalen Herbstlager der FDJ” reisen. Weiterlesen

Kartoffel­suppen­kanzlerin

Mögen Parteifreunde – so wie das am Ende einer Ära immer ist – auch quengeln, weil sie nach Jahren an der Macht nun in der Opposition gelandet sind. Angela Merkel ist in die deutsche Zeitgeschichte eingegangen: Die erste Frau im Amt des Bundeskanzlers, die erste, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, die erste Naturwissenschaftlerin, die erste, die – im Rahmen des in der Politik Möglichen – selbstbestimmt aufhörte, die Jüngste bei Amtsantritt, die genauso lange durchhielt wie die Machtmaschine Helmut Kohl und länger als der Parteigründer Konrad Adenauer. Weiterlesen

Sorgfältig kalibriert

Mal was Sachliches zu China
“Kalibriert” sind die Linien auf dem Bildschirm des VAR, des Videoschiedsrichters im Profifussball. Der liebe Arnd Zeigler hat das bis zum Exzess erläutert, dass es auch die Dümmsten verstehen. Dass jedoch nicht diese Linie entscheidend ist, sondern wann sie angelegt wird – es muss im Moment der Ballabgabe sein, aber wann ist der? – das müsste darüber entscheiden, ob es Abseits war oder nicht. Und dieser Moment ist wunderbar manipulierbar. Das Auge des Bildschirmglotzers merkt nichts. Weiterlesen

Märchen Atomenergie

Im Zeichen der sich zuspitzenden Klimakrise schleichen Lobbyisten der existenzbedrohten Atomindustrie derzeit wieder durch diverse Hinterzimmer in Europa. Auf ihre skurrilen Botschaften ist nicht nur der französische Präsident Macron hereingefallen. Am 22. Oktober verkündete Kommissionspräsidentin von der Leyen, die EU wolle ein “Nachhaltigkeitslabel” und damit Milliardensubventionen für Atom- und Gaskraftwerke entwickeln. Auch Armin Laschet wurde von einem Keulenschlag der energiepolitischen Neandertaler gestreift, als er gegen jede historische oder politische Logik den Unsinn in die Welt setzte, man habe leider die falsche Energieart abgeschaltet – man hätte Kohle mit Atom tauschen können. Nach Three Miles Island, Tschernobyl oder Fukushima erstaunlich, mit welcher verantwortungslosen Dreistigkeit die Atomgefahr ausgeblendet wird. Weiterlesen

Wie die Medienvielfalt im Osten verschwand

Viele DDR-Medien reformierten sich 1989 von Grund auf. Trotzdem hatten sie keine Chance im neuen System. Ein Medienpolitiker blick zurück.
von Heiko Hilker

Von außen schien es unerklärlich: Medien, denen man vor Monaten nicht getraut hatte, wurden plötzlich massenhaft gelesen, gesehen oder gehört. Dabei hatte es in den Redaktionen nur wenige Veränderungen gegeben. Doch im Herbst 1989 reformierten sich viele DDR-Medien schnell und von innen heraus.

Linientreue Chefredaktionen wurde ab- und neue Chefredakteure von den Belegschaften demokratisch an die Spitze gewählt. Weiterlesen

Das ganze Selbst

Lehrreiche Kommunisten-Geschichten
In den 70er und 80er Jahren hatte ich im Bereich der Student*inn*en- und der Friedensbewegungspolitik viel mit Kommunist*inn*en zu tun. Ihr Fleiss und ihre Arbeitsdisziplin beeindruckten mich. Abgeschreckt hat mich dagegen, wie die Organisation ihre individuelle Persönlichkeit im Wortsinne frass. Manche, die mit autoritärer Persönlichkeit, ordneten sich dem genussvoll unter. Die Sympathischeren, Netteren litten darunter, oder zerbrachen gar. Manche schon 1986 durch die Tschernobyl-Katastrophe, spätestens 1989/90, als die materielle Absicherung durch die DDR zusammenbrach. Dieser Lebensstil erschien mir immer unakzeptabel. Weiterlesen

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