Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Deutsche Bahn AG (Seite 1 von 2)

Geheimnisvolle Durchsagen, unsichtbares Personal

Wundersame Bahn XLVIII
An manchen Tagen sollte man lieber zu Hause bleiben. Aber wir wollten uns die Revierkunst in Zeche Ewald in Herne gerne anschauen. Das war auch gut so. Die Hinfahrt funktioniert ganz gut. Wir konnten zu zweit mit meinen VRS-Ticket bis Herne und zurĂŒck fahren, ohne das sonst notwendige “Weiterfahr-Ticket” zusĂ€tzlich lösen zu mĂŒssen. Diese Regelung galt wegen Corona wĂ€hrend der gesamten Schulferien, fĂŒr uns bedeutete dies eine Ersparnis von 27,20 Euro. Die Ausstellung war auch gut, aus dem Bonner Raum war Sandra Eisenbarth aus Siegburg mit ihren neuen Arbeiten vertreten. Weiterlesen…

Wundersame Bahn (II) – was ist Netzwirkung?

Ich will versuchen es ohne HĂ€me hinzukriegen, “constructive journalism” ist der aktuelle Hype.
Dass die Bahn wĂ€hrend der Osterferien die Strecke Duisburg-Essen wg. BrĂŒckenbauarbeiten sperrt, die vielleicht meistbefahrene Personenverkehrsstrecke der Republik – wir hier im Rheintal ĂŒbertreffen sie nur durch unseren so liebgewonnenen, auch viel besser hörbaren GĂŒterverkehr – jut. Man ist ja froh, dass ĂŒberhaupt noch in Bahnstrecken investiert wird.

Die Sperrung war auch anstĂ€ndig angekĂŒndigt. Wer sich ĂŒberhaupt fĂŒr die Bahn interessiert, konnte entsprechende Nachrichten kaum ĂŒbersehen. Ich wusste also, als ich gestern nach Gelsenkirchen-Horst wollte, dass ich nicht Essen Hbf. sondern Essen-Altenessen anpeilen musste, mit einem Umstieg in Duisburg. so weit so klar, gar nicht schwer.Weiterlesen…

Vergesellschaftung – das Angstgespenst des Kapitalismus

Unser Grundgesetz ist eine der besten Verfassungen der Welt. Die Weitsicht der MĂŒtter und VĂ€ter des Grundgesetzes war einmalig. Ein Beispiel hierfĂŒr ist der Artikel 15, der mit dem Begriff “Sozialisierung” ĂŒberschrieben ist. Demnach können Grund und Boden, NaturschĂ€tze und Produktionsmittel zum Zwecke der Vergesellschaftung in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft ĂŒberfĂŒhrt werden.

Mit Kommunismus oder Sozialismus hat das nichts zu tun. Nicht ohne Grund gab es z.B. eine Deutsche Bundesbahn und eine Deutsche Bundespost. Diese wurden im Zuge der neoliberalen wirtschaftspolitischen Entwicklungen privatisiert, obwohl der Bund an der Deutschen Bahn AG unverÀndert 100 Prozent hÀlt.

FĂŒr den Kapitalismus ist die Vergesellschaftung ein politisches Schreckgespenst ersten Ranges.Weiterlesen…

Stadtwerke Bonn am Scheideweg

von Rainer Bohnet

Das kommunale Bonner Verkehrsunternehmen, die Stadtwerke Bonn (SWB) mit ihrer Verkehrssparte “SWB Bus & Bahn”, steht am Scheideweg. Die aktuelle Situation ist dramatisch und durch stĂ€ndige VerspĂ€tungen, TotalausfĂ€lle, technische FahrzeugmĂ€ngel und Personalmangel geprĂ€gt. Das sind die Auswirkungen systemischer Fehlplanungen und -investitionen. Mit der Folge einer tĂ€glich zunehmenden Unzufriedenheit der Kundinnen und Kunden.

Die SWB haben einen ĂŒbergroßen Nachholbedarf. Sie mĂŒssen zunĂ€chst ihren derzeitigen ÖPNV stabilisieren, d.h., Busse und Bahnen mĂŒssen wieder zuverlĂ€ssig, pĂŒnktlich und sicher Tausende Menschen zu ihren ArbeitsplĂ€tzen, in die Schulen, in die UniversitĂ€t oder zum Einkaufen in der City befördern. Eigentlich eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, die in den letzten Tagen und Wochen fast vollstĂ€ndig aufgegeben wurde.Weiterlesen…

Kostenloser ÖPNV – Lösung fĂŒr verfehlte Verkehrspolitik?

von Rainer Bohnet

Ein Brief der Bundesregierung an die EU-Kommission elektrisiert die Republik. Kostenloser ÖPNV in Bonn, Essen, Mannheim und einigen kleineren StĂ€dten als Mittel gegen drohende Dieselfahrverbote verbunden mit hohen finanziellen Strafzahlungen.

Der Gedanke, in einen Bus oder in eine Bahn jederzeit ohne Ticket einzusteigen, ist faszinierend. Wer jetzt noch mit dem Auto fĂ€hrt, ist entweder total bescheuert oder gedankenlos. Die Euphorie ist verstĂ€ndlich, die Lokalpresse veröffentlicht Statements und Leserbriefe, WDR 5 diskutiert zur Mittagszeit mit Höhrern aus ganz NRW, die betroffenen OberbĂŒrgermeister zucken erschrocken zusammen, die Chefs der Verkehrsunternehmen verfluchen den Rettungsversuch der geschĂ€ftsfĂŒhrenden Bundesregierung, und jeder Fahrgast in einem vollen Bus oder einer vollen Bahn denkt: “Wenn das hoffentlich gut geht.”Weiterlesen…

MedienmĂ€nner – so ungefĂ€hr kanns gehen

Sebastian Schipper, einst Schauspieler unter Regie von Dieter Wedel, heute selbst Regisseur, gab Spiegel-online ein interessantes Interview. Sicher, manche Jungs spreizen sich jetzt auch gerne PR-bewusst zu #metoo in den Medien. Dennoch gibt Schipper hier fĂŒr Business-Unkundige informative Einblicke.

Torolf Lipp von der AG-Dok kritisiert im telepolis-Interview die suizidale Programmpolitik der TV-Sender, die sich vor den Fussballoligarchen in den Staub werfen, um anschliessend rechercheorientierte Filmemacher*innen zu knechten und auszupressen – weil die, weil se sich ja fĂŒr was Gutes beruflich einsetzen wollen, um der guten Sache Willen allzu nachgiebig sind.

Ex-/Alt-Ttrotzkist Winfried Wolf erklĂ€rt uns, wie der „Anlagenotstand“ des Kapitals unsere stĂ€dtische Lebenswelt zerstört. Wolf kennt sich bei Megaprojekten der Deutschen Bahn AG besonders gut aus.

Peter Wahl, ehemals kulturpolitischer Sprecher der GrĂŒnen im Rat der Stadt Bonn, hat fĂŒr die Luxemburg-Stiftung eine lesenswerte Studie ĂŒber Melenchons linke Bewegung LFI in Frankreich geschrieben. Partei is over, in Frankreich so gut wie tot. Vielleicht ist hier zu sehen, was bei uns noch kommt, mit allen Ambivalenzen. Melenchon und Lafontaine sollen ja befreundet sein.

Der helle Wahnsinn – Die Autoindustrie ist von Sinnen

von Rainer Bohnet

Abgasuntersuchungen an Affen und Menschen. Die höchst entwickelten Lebewesen der Erde mĂŒssen fĂŒr die ungebremste AutomobiliĂ€t der menschlichen Primaten herhalten. Angeblich ohne Wissen der VorstĂ€nde und AufsichtsrĂ€te von VW, Daimler und BMW.

Es ist lachhaft und krimininell. Der Dieselskandal, das Fanal der deutschen SchlĂŒsselindustrie mit insgesamt rund 800.000 ArbeitsplĂ€tzen in Deutschland, bringt diese Industrie ins Strudeln. Sehr schlecht fĂŒr den Industriestandort Deutschland, fĂŒr das Image der Nobelkonzerne und fĂŒr das Ansehen von VorstĂ€nden, AufsichtsrĂ€ten und Managern, einer Kaste, die ausschließlich Zahlen und Gewinne im Kopf hat.

Wer hat noch Vertrauen in die Technik? Ich! In die mechanische und komplexe Technik meines Fahrrads, dessen FunktionsfÀhigkeit, die auf dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Mechanik basiert, niemals unter zwielichtigen Bedingungen an Probanden getestet wurde.

Ich fordere nicht zum ersten Mal eine Transformation der deutschen Autoindustrie, weg von Verbrennungsmotoren, hin zu Elektro- und/oder Brennstoffzellenantrieb, hin zur Entwicklung zukunftsfĂ€higer MobilitĂ€tskonzepte unter Einbezug von Fahrrad, Bus und Bahn. Wahrscheinlich verliert sie dadurch ihre SchlĂŒsselstellung in der deutschen Industrielandschaft. Das wĂ€re allerdings volkswirtschaftlich verkraftbar. Zumal die kartellartigen Strukturen, die auf Macht, Einfluss und Gewinnsucht basieren, im wahrsten Sinne des Wortes ungesund sind.

Citylogistik vs. Verkehrschaos

von Rainer Bohnet

Unsere dumme Angewohnheit, per PC, Tablet oder Smartphone bei Amazon & Co. alles zu bestellen, was grundsÀtzlich auch im stationÀren Einzelhandel zu bekommen wÀre, ist zwar bequem, löst allerdings hinter den Kulissen eine Maschinerie an, die es in sich hat. Weltweit tÀtige Logistikfirmen mit bunten Flugzeugen und Lkws kommen in Wallung. Oftmals werden deren BeschÀftigte nur prekÀr bezahlt. Sie sind in gewisser Weise die Arbeitssklaven der Moderne. Und durch unser Bestellverhalten wird ein zusÀtzlicher Verkehr generiert, der sich sehr negativ auf die Kommunen auswirkt.

Um das Verkehrsaufkommen zu kanalisieren kommt die Citylogistik wieder ins Spiel, die auf Bonn bezogen vor etlichen Jahren mal zaghaft versucht wurde, damals am Widerstand der Spediteure scheiterte.Weiterlesen…

ZĂŒge oder Immobilien – die Bahn auf dem Irrweg

von Rainer Bohnet

Die Deutsche Bahn AG ist der grĂ¶ĂŸte GrundstĂŒckseigentĂŒmer Deutschlands. Kein Wunder. Denn rund 40.000 km Gleisnetz, große Bahnhöfe und unzĂ€hlige GebĂ€ude liegen bzw. stehen auf GrundstĂŒcken, die der Bahn gehören. So richtig wurde dies erst 1994 klar, als die Bahnreform in Kraft trat. Denn zum 01. Januar 1994 wurden die BahngrundstĂŒcke in betriebsnotwendige und nichtbetriebsnotwendige Immobilien eingeteilt. Die ersteren verblieben bei der DB, die letzteren gingen in die Obhut des Bundeseisenbahnvermögens (BEV), einer Bundesoberbehörde mit Sitz in Bonn, ĂŒber, die neben diesen nichtbetriebsnotwendigen GrundstĂŒcken auch die Beamten der DB verwaltet.

Innerhalb des DB-Konzerns wurden die Immobilien anfangs selbst verwaltet. im Jahr 2002 grĂŒndete die DB die Aurelis Real Estate und 2003 verĂ€ußerte sie 30,4 Mio. mÂČ ehemals bahngenutzter FlĂ€chen an diese Firma. Seit 2007 ist die Deutsche Bahn AG an der Firma Aurelis nicht mehr beteiligt. D.h., die GrundstĂŒcke und GebĂ€ude im Portfolio der Fa. Aurelis gehören seitdem zu 100 % einer Privatfirma und nicht mehr einem staatlichen Unternehmen oder der Bundesrepublik Deutschland.Weiterlesen…

LĂ€rmaktionsplan Schiene – Chance zur Einflussnahme

von Rainer Bohnet

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), eine technische Aufsichtsbehörde im GeschĂ€ftsbereich des Bundesverkehrsministeriums, erstellt derzeit einen LĂ€rmaktionsplan Schiene, der insbesondere fĂŒr Bonn eine große Bedeutung hat. Denn durch Bonn und das Rheintal verlaufen zwei der höchst belasteten Eisenbahnstrecken Europas, die zum transeuropĂ€ischen GĂŒterverkehrskorridor zwischen den ARA-HĂ€fen (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) und Genua am Mittelmeer gehören.

Nach der Inbetriebnahme der ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln – Rhein/Main wurden auf der Linken Rheinstrecke zwischen Köln und Mainz etliche Zugtrassen frei, die jetzt durch GĂŒterzĂŒge genutzt werden. Meistens handelt es sich um internationale GĂŒterzĂŒge, die aus den Niederlanden bzw. Belgien oder aus dem Raum Duisburg/Oberhausen und aus Hamburg bzw. Bremen kommen und Ziele in SĂŒddeutschland, der Schweiz und Italien ansteuern. Ein wichtiger GĂŒterverkehrsknotenpunkt ist der Container-Bahnhof Köln Eifeltor, der grĂ¶ĂŸte seiner Art in Deutschland.

Die Rechte Rheinstrecke zwischen Köln und Wiesbaden ist traditionell sehr stark durch GĂŒterzĂŒge belegt. Auf dem rechtsrheinischen Kölner Stadtgebiet liegen die beiden Rangierbahnhöfe Gremberg und Köln-Kalk Nord und im SĂŒden der Republik liegen die Zielbahnhöfe WĂŒrzburg, NĂŒrnberg und Passau bzw. verschienene Destinationen in Österreich.

Fordern Sie Ihren LĂ€rmschutz

Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben derzeit die Möglichkeit, ihre Betroffenheit durch den BahnlĂ€rm auf einem Internetportal des Eisenbahn-Bundesamtes zu dokumentieren.Weiterlesen…

Das GeschÀft mit dem Tod oder die Kraft des Faktischen

von Rainer Bohnet

Der internationale Waffenhandel ist offenbar nicht ausrottbar. So genehmigte die Große Koalition in den Jahren von 2014 bis 2017 die höchste RĂŒstungsausfuhr, obwohl dafĂŒr Sigmar Gabriel (SPD) als Bundeswirtschafts- und als Bundesaußenminister verantwortlich war. Die Kraft des Faktischen ist offenbar immer stĂ€rker als Moral, Ethik und restriktive und durchaus strenge gesetzliche Vorgaben fĂŒr RĂŒstungsexporte, insbesondere fĂŒr die Lieferung von Waffen in Spannungsgebiete.

Mir dreht sich regelrecht der Magen um, wenn ich sehe, wie Leopard-Panzer aus deutscher Produktion von der tĂŒrkischen Armee in Nordsyrien zum Einsatz kommen. Andererseits ist dieses Szenario medial durchaus sinnvoll, weil der tausendfache Einsatz deutscher Kleinwaffen in Kriegsgebieten visuell leider nicht erfassbar ist.

Es ist das Dilemma der Verquickung von Politik und Wirtschaft. Letztere spielt in einem Industrieland wie Deutschland eine dominante Rolle, die seitens der Politik nicht ignoriert werden kann. Beispiele dafĂŒr sind die RĂŒstungsindustrie, die Autoindustrie, die Chemieindustrie und die Pharmaindustrie. Post und Bahn hat die Politik privatisiert und gerieren sich heute als kapitalistische Speerspitzen, fĂŒr die Daseinsvorsorge mit sozialromantischen TrĂ€umereien zu tun hat.

Schwerter zu Pflugscharen, eine Redewendung der Friedensbewegung, erscheint sehr verstaubt.Weiterlesen…

Die S 13 – Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?

von Rainer Bohnet

Gesamtkosten von 500 Mio. EUR. Planungszeit ĂŒber 20 Jahre. Bauzeit 13 bis 16 Jahre. Erzwungener Umzug einer Firma. Existenzielle Schwierigkeiten fĂŒr ein privates Eisenbahnunternehmen. Und große Konflikte zwischen Nahverkehr und GĂŒterverkehr. So kann man mit wenigen Worten ein Verkehrsprojekt umschreiben, das seit ĂŒber 20 Jahren die Schlagzeilen fĂŒllt.

Kurz nach dem Umzugsbeschluss des Deutschen Bundestages machte sich die Region Bonn/Rhein-Sieg Gedanken ĂŒber Kompensationsmaßnahmen fĂŒr den erzwungenen Umzug des Parlaments und diverser Ministerien vom Rhein an die Spree. Zuvorderst kam dabei der Schienenanschluss des Flughafens Köln-Bonn heraus, der rund eine Milliarde DM kostete, aber den Nachteil hatte, dass das linksrheinische Bonn immer noch keinen direkten Schienenanschluss in Richtung Airport bekommt. Also boten das Land NRW und der Bund der Region ein Projekt an, das die rechtsrheinische Seite Bonns mit einer S-Bahn ausstatten wĂŒrde. Das war und ist zwar kein Optimum, aber besser als garnichts, dachten sich BĂŒrgermeister, LandrĂ€te, Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete aller Parteien.

Die Deutsche Bahn AG wurde mit der Planung beauftragt und mehrere externe PlanungsbĂŒros begannen damit, die rechtsrheinische Strecke von Troisdorf bis Bonn-Oberkassel zu beplanen. Unmittelbar danach trat bereits der erste Ärger auf,Weiterlesen…

Busfahrermangel – wen wundert es?

von Rainer Bohnet

Die Busbranche beklagt einen Personalmangel. So gut wie niemand möchte den Beruf des Busfahrers ergreifen. Woran mag das liegen? Zuvorderst an der schlechten Bezahlung und zweitens an den miesen Arbeitsbedingungen.

Die Fahrer der Fernbusse erhalten zum Teil nur den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 EUR. Das macht im Monat rund 1.532,00 EUR brutto. Netto sind das unter 1.000,00 EUR fĂŒr unregelmĂ€ĂŸige Arbeitszeiten, auswĂ€rtige Übernachtungen und fĂŒr eine große Verantwortung fĂŒr Mensch und Material. Hinzu kommen andere Rahmenbedingungen, wie z.B. fehlende SanitĂ€reinrichtungen fĂŒr Fernbusfahrer an den Haltestellen und die Delegierung an diverse Subunternehmen.

Was zunĂ€chst als Wettbewerb zur Bahn hochgejubelt wurde, landet jetzt auf dem harten Boden der RealitĂ€t. Denn die Deutsche Bahn AG sucht gleichfalls jede Menge Fahrer, also LokfĂŒhrer, die allerdings im Gegensatz zu den Busfahrern Tariflohn erhalten.

Man muss sich nicht wundern, wenn die abhĂ€ngig BeschĂ€ftigten irgendwann die Schnauze voll haben. Ich hoffe sehr, dass sich jetzt nicht FlĂŒchtlinge anheuern lassen, die u.U. noch heftiger ausgebeutet werden. Und wenn die Fernbusbranche an ihren miesen Arbeitsbedingungen scheitern sollte, verliere ich darĂŒber keine TrĂ€ne.

Prekarisierung und sichere Rente – passt nicht

von Rainer bohnet

Gestern traf ich zufĂ€llig einen alten Kollegen, mit dem ich vor ĂŒber 30 Jahren bei der Deutschen Bundesbahn zusammengearbeitet habe. Er als Rangierer und ich als Aufsichtsbeamter. Er Arbeiter mit Tarifvertrag und ich damals Beamter des mittleren Dienstes. Soviel zur Nostalgie. Der aktuelle Bezug in die heutige Zeit ist, dass er eine auskömmliche Rente erhĂ€lt, mit der er seinen gesamten Lebensunterhalt problemlos bestreiben kann. So war das vor 1998, als prekĂ€re ArbeitsverhĂ€ltnisse weitgehend unbekannt waren.

Nachdem erstmals die Friedrich-Ebert-Stiftung in einer Studie das Prekariat als neue gesellschaftspolitische Bevölkerungsschicht identifizierte, dachte man zunĂ€chst an einen Scherz. Hatte sich in Deutschland im Verborgenen eine unbekannte neue Menschenform entwickelt? Nein, keine neue Menschenform, sondern eine Arbeitsform, die heute zur NormalitĂ€t mutiert ist.Weiterlesen…

Bashing – nein | Kritik – ja

von Rainer Bohnet

Als aktiver Gewerkschafter liegt es mir fern, Gewerkschafts- und/oder Betriebratsbashing zu betreiben. Wir brauchen starke Gewerkschaften und möglichst viele BetriebsrĂ€te, vor allem in mittelstĂ€ndischen und Kleinbetrieben. Denn die Großkonzerne sind bereits bestens versorgt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

“VW kĂŒrzt die GehĂ€lter der BetriebsrĂ€te”, titelt die Presse. Hintergrund ist ein Untreueverdacht gegen Topmanager des VW-Konzerns, die hohe Zahlungen an BetriebsrĂ€te getĂ€tigt haben. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Spitzenmanager die BetriebsrĂ€te gefĂŒgig machen wollten. Bei den Zahlungen sprechen wir nicht ĂŒber Peanuts. So hat der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, Bernd Osterloh, zeitweise bis zu 750.000 EUR im Jahr erhalten. Bislang lag sein Jahresverdienst bei rund 200.000 EUR und rĂŒckwirkend ab 01. Dezember 2017 soll es nur noch 96.000 EUR jĂ€hrlich betragen.

Habe ich in meinem Leben etwas falsch gemacht? Oder war ich an der falschen Stelle tĂ€tig? Ich war mal Mitglied des Gesamtbetriebsrats der Deutschen Bahn AG, dem grĂ¶ĂŸten Verkehrsunternehmen Europas, und fĂŒr 300.000 Kolleginnen und Kollegen zustĂ€ndig.Weiterlesen…

Öffentlich-rechtliches Internet?

von Rainer Bohnet

Ein öffentlich-rechtliches Internet? Das bringt der Publizist Dr. Serge Embacher in einem Interview mit der Stiftung Mitarbeit ins GesprĂ€ch. Wenn ich mir vergegenwĂ€rtige, dass das weltweite Internet in der Hand privater Konzerne ist, komme ich ans GrĂŒbeln. Denn die Konzerne haben in der Regel das Gemeinwohl nicht im Sinn, sondern den Gewinn und den Zugriff auf Daten von Milliarden von Menschen rund um den Globus.

Die Handlungsmöglichkeiten des Staates gegen Hass und Fakes sind sehr begrenzt. Denn was sollen nationale Gesetze gegen internationale Konzerne ausrichten? Facebook, Google und Co. sind Ă€ußerst clever und geschĂ€ftstĂŒchtig. Sie entziehen sich weitgehend der Kontrolle und dem Einfluss der nationalen Behörden und der Nutzerinnen und Nutzer.

Serge Embacher fragt, warum man keine demokratischen RĂ€ume schafft, in denen die elektronischen Welten demokratischen QualitĂ€tsstandards entsprechen mĂŒssen.Weiterlesen…

Die Bahn in Bonn

Als ich neu nach Bonn kam, wurde es von zwei fast gleichberechtigten Bahnlinien durchzogen, auf jeder Rheinseite eine. Vom Bahnhof Beuel gabs ZĂŒge nach Ancona, Rijeka und Barcelona, noch bis in die 90er Jahre. Das GebĂ€ude war bis spĂ€t in die Nacht belebt von Publikumsverkehr. Wie es heute ist, muss ich hier nicht beschreiben, es dĂŒrfte selbst AuswĂ€rtigen bekannt sein. In Essen-Altenessen, Wanne-Eickel oder Mönchengladbach ist es Ă€hnlich verlaufen. In Beuel sind wir ja jetzt schon froh, wenn es einen Fahrkartenautomaten gibt, der auch funktioniert. Und demnĂ€chst kommt die S13.

Jetzt schimpfen sie auch in Bonn. Personenverkehr wird gestrichen zugunsten des GĂŒterverkehrs. Ach, habt Ihrs auch schon gemerkt? Das kennen wir in Beuel schon seit 30 Jahren. Die Empörung ist natĂŒrlich trotzdem berechtigt.Weiterlesen…

Smartcity Gelsenkirchen-Horst

Gelsenkirchen-Horst ist nicht nur mein Geburtsort, sondern auch der von Olaf Thon, einem der grössten Fussballtalente, das der FC Schalke 04 jemals hervorgebracht hat. “Ein Horster kann kein Schalker sein” hiess es mal, vor meinem Leben. Die Begrenzung des Blicks wurde schnell erweitert. Die Rivalen von STV Horst-Emscher stiegen vom Rivalen ab zum Talentlieferanten und enden jetzt beim JĂ€ten des Unkrauts auf ihren ehemaligen TribĂŒnen. Das FĂŒrstenberg-Stadion habe ich nie betreten, immerhin die Veltins-Kneipe gegenĂŒber in der Fischerstrasse. Dort kannten sie noch alle, die mal berĂŒhmt waren. Mein Oppa hat mir immerhin noch die Kneipe von Heinz Flotho gezeigt, bei ihm zuhause aus dem Haus nicht rechts zur Trinkhalle, sondern links ĂŒber die Köttelbecke. Der Gute starb 1974 mit 69 Jahren, fĂŒr einen mit 100%-Staublunge damals Rekord; und er musste das Elend seines Vereins RW Essen nicht mehr miterleben.

Die bereits legendĂ€re Schalker Jugendarbeit, die noch unter Jens Keller blĂŒhte und langjĂ€hrig von Norbert Elgert verantwortet wurde, soll jetzt, vom neuen, modernen Manager Heidel globalisiert und professionalisiert werden. “27” Sportstudent*inn*en sollen die DatensĂ€tze von 27 Profiligen fortlaufend beobachten und analysieren. Und so sollen in Zukunft aus diesem viel grösseren Beobachtungs-Pool noch bessere Talente eingesammelt werden. Mag sein. Vermutlich ist kein Mensch besser datenvermessen als Fussballprofis:Weiterlesen…

Das Verschwinden im deutschen TV

Übers Fernsehen wird fast so gerne gemeckert, wie ĂŒber die Deutsche Bahn. Versuchen wir es also mal konstruktiv. Im “Medienquartett” des Deutschlandfunks am letzten Freitag wies Lutz Hachmeister zutreffend darauf hin, dass der Informationsgehalt von Infomationssendungen fĂ€llt und damit unsere Demokratie gefĂ€hrdet. In den USA ist besonders sichtbar, und bei uns dringt diese Erkenntnis nur langsam durch, dass dieses Vakuum durch die gesellschaftsdiagnostische Kraft der fiktionalen Angebote zunehmend gefĂŒllt wird. Das serielle ErzĂ€hlen, bei dem die Figurenentwicklung nicht auf wenige Sendeminuten und Drehtage gequetscht werden muss, erlaubt nicht nur mehr kĂŒnstlerische Freiheit fĂŒr die Macher*innen. Es kann auch Gewinn fĂŒr uns Zuschauer*innen bringen, natĂŒrlich nur wenn es gut und geduldig gemacht ist, weil uns weniger Klischees verfĂŒttert werden, und dafĂŒr mehr Charakterentwicklung und gesellschaftliche Wirklichkeit, bzw. eben ihre filmkĂŒnstlerische Interpretation.

So war es jĂŒngst bei der ARD-Miniserie “Das Verschwinden” (nur bis 21.11. in der Mediathek) in der Regie von Hans Christian Schmid und mit einer formidablen Riege von grossartigen Schauspieler*inne*n. Zum ersten Mal seit vielen Monaten fĂŒhlte ich mich an meine Begeisterung ĂŒber “Über Barbarossaplatz” erinnert,Weiterlesen…

Pendlerprotest im Norden grĂŒsst “Schwarze Null”

Gibt es in Schleswig-Holstein schon Oberleitungen? Als ich mir Sylt noch leisten konnte, endeten sie an der Hamburger Stadtgrenze. Heute, in der Immobilienblase kann sich kein normaler Mensch mehr Sylt leisten, aber viele mĂŒssen dort arbeiten, als Dienstleister*in fĂŒr die MilliardĂ€re und MultimillionĂ€re (viele von letzteren aus Hamburg). Diese Dienstleister*innen mĂŒssen aus strukturschwachen, vom herrschenden Kapitalismus verlassenen Dörfern nach Sylt anreisen. Das geht nur ĂŒber den “Hindenburgdamm“, mit der Bahn.

Die Bahn schafft das aber nicht.Weiterlesen…

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