Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Documenta

RĂ€tsel der Zeitgenossenschaft

Der Soziologe Heinz Bude wurde als GrĂŒndungsdirektor des Kasseler Documenta-Instituts vorgestellt – und prĂ€sentierte schwungvolle Visionen.
Insider wussten es schon lĂ€nger, aber erst vergangene Woche gaben die documenta und die UniversitĂ€t Kassel bekannt, dass der 1954 geborene Heinz Bude, dort seit 2000 Professor fĂŒr Makrosoziologie, „GrĂŒndungsdirektor“ des neuen documenta-Instituts werden soll. SpĂ€testens durch sein Essay zur „Generation Berlin“ ist der Wissenschaftler zu einem der markantesten Intellektuellen Deutschlands geworden.Weiterlesen…

Teil eines Kreislaufs

Kunst und Ökologie – Mit seiner Ausstellung „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ wirbt das Kunsthaus Dresden fĂŒr ein symbiotisches VerhĂ€ltnis von Natur und Zivilisation
Hitzewelle in Sibirien; die Insekten in aller Welt sterben aus; der deutsche Wald im DĂŒrre-Stress. Kein Tag vergeht, der uns nicht vor Augen fĂŒhrt, dass das VerhĂ€ltnis der Zivilisation zur Natur mehr als nur aus den Fugen geraten ist.

Zwar sollen die Deutschen inzwischen nur noch halb so viel RestmĂŒll entsorgen wie 1985, heißt es. Trotzdem scheint alles immer katastrophaler zu werden. Kann da ausgerechnet die friedliebende Kunst einen Ausweg aus dieser tödlichen Mesalliance weisen?Weiterlesen…

Aus dem mythischen Dunkel

Die documenta wird grĂ¶ĂŸer, kritische Forscher sichern NS-Spuren. Die Weltkunstschau steht vor einem Umbruch. Ein Besuch in Kassel und einer Konferenz in Berlin
Ein nackter JĂŒngling aus Bronze steht auf einem weißen Sockel, die HĂ€nde flehend nach oben gerichtet. Neben der recht kleinen Statue hĂ€ngt ein Ölbild in Blau-Gelb, ein Kraftfeld aus Dreiecken und Gittern. Wer dieser Tage die Neue Galerie in Kassel betritt, hat plötzlich das GefĂŒhl, wie es damals tatsĂ€chlich ausgesehen haben könnte, 1955, auf der ersten documenta.Weiterlesen…

Die schwarzen Bilder von Athen

Die 6. Athen-Biennale – Was bleibt von der Documenta? Die 6. Athen-Biennale „Anti“ zeigt: die befĂŒrchtete Post-Documenta-Depression bleibt aus.

„Stehen bleiben. Sie sind verhaftet. Schalten Sie die Kameras aus.“ Die Athener Polizei fackelte vergangene Woche nicht lange. Kaum hatte das bizarre Schwarmwesen in schrillen Neonfarben und Teleskop-Hörnern die Absperrung vor der alten Römischen Agora im Schatten der Athener Akropolis durchbrochen, schritten die OrdnungshĂŒter ein.

Mit GrenzĂŒberschreitungen hat Johannes Paul Raether seine Erfahrung.Weiterlesen…

documenta retten vor provinzieller Politik

von Marion Ackermann u.v.a.

Bonn ist nicht besonders. Vieles ist hier wie ĂŒberall. Z.B. wenn provinzielle Politiker*innen, die sich regelmĂ€ĂŸig von Baumafiosi ĂŒber den Tisch ziehen lassen, mit echter Kulturproduktion konfrontiert werden. Hier mal was aus Hessen und Kassel, wg. bundesweiter Aufregung:

An die Mitglieder des Aufsichtsrats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH
OberbĂŒrgermeister Christian Geselle (Vorsitzender), Staatsminister Boris Rhein (stellv. Vorsitzender), Staatsministerin Eva KĂŒhne-Hörmann, Stadtverordneter Dr. Rabani Alekuzei, Stadtverordneter Marcus Leitschuh, MdL Karin MĂŒller, Stadtverordneter Axel Selbert, Stadtverordneter Gernot Rönz, Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes, Alexander Farenholtz, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes, Staatsminister Axel Wintermeyer, StaatssekretĂ€r Dr. Martin J. Worms

14. Januar 2018

Wir möchten an dieser Stelle unsere Sorge darĂŒber ausdrĂŒcken, dass mit den jĂŒngsten Überlegungen und Maßnahmen des Aufsichtsrates der documenta eine international agierende und einflussreiche Kulturinstitution in Deutschland in ihrem Image erheblich beschĂ€digt wird und damit auch das Bild Deutschlands im Ausland.
Die Lokal- und Landespolitik, die insbesondere den Aufsichtsrat stellt und Gesellschafter der documenta gGmbH ist, nimmt ein von ihr selbst lanciertes, finanzielles Defizit zum Anlass,Weiterlesen…

documenta – „Eine geschlossene Gesellschaft“

Interview von Ingo Arend

Christina Dimitriadis kritisiert die problematische Inszenierung der Ausstellung im armen Athen und die unpassende Vokabel „Unlearning“.

Frau Dimitriadis, kĂŒrzlich wurde bekannt, dass die griechische Regierung die Wasserwerke von Athen und Thessaloniki privatisiert. Was haben Sie bei der Nachricht gedacht?

Das ist schrecklich. Wasser ist knapp und sowieso ein großes Problem in Griechenland. Denken Sie an die Inseln, wo es gar keins gibt. Wasser ist sehr teuer. Die Menschen haben Angst, dass es noch teurer wird. NatĂŒrlich werden die armen Leute darunter leiden. Viele können jetzt schon ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Deswegen gibt es inzwischen großen Widerstand dagegen.

Heißt „Von Athen lernen“, privatisieren lernen?

Ich verstehe den Sarkasmus. Aber fĂŒr mich ging es bei der documenta nie um die Frage, ob Kunst wirklich etwas praktisch an den VerhĂ€ltnissen Ă€ndern kann. Sondern immer mehr darum, ob sie eine BrĂŒcke hĂ€tte bauen können zwischen zwei LĂ€ndern, zwischen denen die Feindseligkeit in den letzten zehn Jahren dieser sogenannten griechischen Krise geradezu explodiert ist. Daraus ist leider nichts geworden.

Inwiefern?

Eine Kunstausstellung in einem krisengebeutelten Land zu machen, ist keine einfache Sache, klar. Es war auch ein großes Risiko, zumal in einem Land, das man wenig kennt.Weiterlesen…

Sorgenfalten des Kapitalismus

von Ingo Arend

Politische Kunst der Documenta – in Athen will sie neoliberale Politik am Schauplatz der AusteritĂ€tspolitik kritisieren. Sie verliert sich dabei in AllgemeinplĂ€tzen.

“Documenta is the Botox of Capitalism“. Die UmhĂ€ngetasche mit diesem Spruch, mit der ein Biennale-Aktivist zur Eröffnung ĂŒber die Documenta 14 in Athen flanierte, war natĂŒrlich eine populistische Provokation. Ganz abwegig ist der böse Slogan indes nicht.
Viele, wenn auch nicht alle der derzeit fast 200 Biennalen auf der Welt verdanken sich politischen Instrumentalisierungen. Sie dienen dem Nation Building. Sie heizen die Spektakelkultur an, oder sie verdanken ihre Existenz dem lokalen Stadtmarketing. Und auch die Schau in Hellas ließe sich als Geste kultureller Wiedergutmachung fĂŒr die von der AusteritĂ€tspolitik Angela Merkels und Wolfgang SchĂ€ubles hinterlassenen Wunden lesen. Stammt doch der ĂŒberwiegende Teil des Geldes, das die Documenta dort konjunkturfördernd ausgibt, von den deutschen Steuerzahlern.

Doch wenn man der Schau des Kurators Adam Szymczyk etwas nicht nachsagen kann, dann dass sie als Nervengift eines Systems dienen wĂŒrde, das seinen Verfallsprozess kaschieren will. Dazu legt die Documenta die Finger zu sehr in die Wunden, die ein solches System lieber ĂŒbertĂŒnchen wĂŒrde. Die geballte Ladung der dort noch bis Mitte Juli gezeigten „political and social engaged art“ lĂ€sst die Documenta eher wie die kĂŒnstlichen Sorgenfalten des Kapitalismus erscheinen. Denn irgendetwas geĂ€ndert an der Krise in Griechenland hat die Schau nicht. Wenige Wochen nach der Eröffnung musste die linke Syriza-RegierungWeiterlesen…

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