Thema: Dominik Graf

Lob der FAZ

Von , am Donnerstag, 22. März 2018, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Nein, eine Kaufempfehlung ist das nicht. Dafür ist mir der der Fazit-Stiftung gehörende Verlag zu reich und zu rechts. Heute habe ich aber ungewöhnlich viel Zeit mit Online-Lektüre verbracht, und hatte nicht das Gefühl, dass sie mir gestohlen wurde. Darum lasse ich Sie hier daran teilhaben.

Die schon mehrmals von mir vervorgehobene USA-Korrespondentin Frauke Steffens berichtet über den spektakulären Staatsbesuch des saudi-arabischen Kronprinzen Salman bei Donald Trump. Da haben sich zwei gefunden, die uns noch zu Revolutionär*inn*en machen werden. Im Tagesverlauf folgte ein weiterer Text von ihr über Sonderermittler Mueller.

Ein Kulturschaffender, dessen Werk ich verehre, belobigt einen ebensolchen: Dominik Graf schrieb schon am Sonntag über den nicht minder grossen Sepp Bierbichler, Weiterlesen

Gutes Fernsehen – kommt es wieder? Im Stream?

Von , am Donnerstag, 25. Januar 2018, in Medien.

Harald Staun und Hernan D. Caro (klingt nach Pseudonym) haben in einem Beiboot der FAZ eine lesenswerte Reportage zur Fabrikation deutscher TV-/Streaming-Serien veröffentlicht. Ungefähr in die dort beschriebene Richtung wird es gehen. Ich möchte nur ein paar kleine Abweichungen artikulieren.

Ich gehöre zu den Verehrern Dominik Grafs. Schon seine ersten Gehversuche im Vorabend-TV (“Auf Achse” mit Manfred Krug; “Der Fahnder” mit den verstorbenen Klaus Wennemann und Dieter Pfaff, sowie Dietrich Mattausch) sind heute noch vorzeigbar, ja entschieden geniessbarer als der Müll, der heute produziert wird. Andere eher schräge Sachen von ihm sind geradezu grossartig: der Jubiläumsfilm zum Grimme-Preis “Es werde Stadt“, der beste Film, der jemals über Marl gemacht wurde, oder seine Erinnerung an Michael Althen. Aber “Im Angesicht des Verbrechens“, vom deutschen Feuilleton fast einhellig militant verteidigt, war missraten, langweilig und klischeebeladen. Weiterlesen

Laubbläser in Marl – eine Assoziationskette

Von , am Mittwoch, 15. November 2017, in Fußball, Genuss.

Gestern war ein schöner Abend für Fans von Borussia Mönchengladbach. Unser Mannschaftskapitän Lars Stindl schoss, wie es sich dramaturgisch gehört, nur 7 Minuten nach seiner Einwechslung in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das 2:2, nach einer Özil-Götze-Stindl-Kombination mit exzellenter künstlerischer B-Note. Stindl lieferte einen weiteren durchschlagkräftigen Beleg für seine Bewegungsintelligenz und Teamfähigkeit. Er ist zu einem wirklich grossen Spieler gereift und dürfte, Verletzungsfreiheit und das Stattfinden des Turniers vorausgesetzt, bei der WM in Moskau sicher dabei sein. Danach wird sich dann eine Käuferschlange vor dem Büro von Max Eberl bilden.
Nach dem Spiel begrüßte der ARD-Sportschauclub (“Wir sind ja hier unter uns”) Borussias Vorstandsmitglied und einstigen Wundertrainer Hans Meyer (75). Er musste keine aktuellen Geschäftsgeheimnisse ausplaudern, weil sich seine Befragung auf sein epochales Wirken in Jena/DDR konzentrierte.
Was hat das mit der Überschrift zu tun? Weiterlesen

Grösste Gefahr für unsere Demokratie: die NSU-Verschwörung

Von , am Donnerstag, 9. November 2017, in Medien, Politik.

Gestern wies ich in meinem ZDF-Text bereits auf den Dengler-Krimi von Montag hin, der von Annette Ramelsberger in der SZ in ähnlicher Weise angegriffen wurde, wie zuvor der RAF-Tatort von Dominik Graf Attacken von Springers Angestelltem Stefan Aust hinnehmen musste. Ramelsberger ist diejenige, die in einer SZ-internen Kontroverse dafür eintritt, dass der Münchener NSU-Prozess “endlich enden” müsse.
Gestern habe ich mir den Film angesehen. Nicht so dicht inszeniert, wie von Graf, aber, und das scheint den Ärger hervorzurufen, informativ für alle, die nur mal wissen wollen, was genau hinter dieser ganzen NSU-Geschichte steckt, und das quält die Kritker*innen des Films besonders: zur “besten Sendezeit” (20.15 h), wenn wirklich viele Unwissende vor der Glotze sitzen. Der Film und sein Drehbuch beantworten vernünftigerweise nicht alle der vielen offenen Fragen. Denn klar ist nur: die offizielle Version von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt ist nicht die Antwort. Weiterlesen

ZDF – das neue Erste?

Von , am Mittwoch, 8. November 2017, in Medien.

Schon seit längerem führt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), allenfalls bedrängt von der Summe der Dritten, die deutsche Einschaltquotentabelle an. Wenn es einen Staatssender gibt, dann ist es dieser. Das Bundesverfassungsgericht musste immer wieder eingreifen, um die grundgesetzlich vorgeschriebene Staatsferne bei der Zusammensetzung seiner Aufsichtsgremien durchzusetzen. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz von der ARD profitiert von und leidet unter dem Föderalismus. Sie setzt sich aus 9 Anstalten zusammen, sogar die Zwergstaaten Bremen und Saarland haben immer noch eigene. Während Bremen früher durch kreative Programminnovationen glänzte, erinnert sei an das Interviewergespann Christian Berg und Michael Geyer oder an die Frühzeit der Talkshow “III nach neun“, können sich die meisten Zuschauergenerationen daran schon nicht mehr erinnern. Das Saarland hatte früher mit Jochen Senf zumindest einen skurril-originellen Tatort-Kommissar (der Gourmet mit dem Rennrad), kennt heute auch keine*r mehr.

Trotz komplizierter Aufsichtsstruktur dürfte also das ZDF die kürzeren anstaltsinternen Entscheidungswege haben. Und während wir es in der alten BRD-Zeit noch als “CDF” bezeichneten, also als Verschmelzung von Kohl-CDU und Fernsehen, haben sich auch diese Unterschiede abgeschliffen. Weiterlesen

Was mit Medien / Chinas Volkskongress

Von , am Freitag, 20. Oktober 2017, in Fußball, Lesebefehle, Medien, Politik.

Sascha Lobo (Sp-on) und Jens Berger (Nachdenkseiten) schreiben zur aktuellen Legitimationskrise “der Medien” – typischer Fall von beide haben recht.
dpa meldet den medienpolitischen Wasserstand von der Ministerpräsidentenkonferenz, Ex-Jungdemokrat Benjamin Hoff schreibt in der Freitag-Community seine Position als Chef der thüringischen Staatskanzlei (rot-rot-grüne Koalition).
René Martens bewertet im MDR-“Altpapier” den bisherigen Streit um die Deutung der RAF im Tatort von Dominik Graf. Update 22.10.: Eine Deutung, die meine volle Zustimmung findet, von Peter Körte in der FAS.
Ein Beispiel für seriösen Journalismus im hitzigen Gefecht: Thomas Pany (Telepolis) zum Streit um die Untersuchungen zum Insektensterben.

In der grössten Weltmacht unserer Tage ist Volkskongress. Falk Hartig schreibt in den Blättern zur politischen Ausgangslage, ND-Chef Tom Strohschneider im Oxiblog zur widersprüchlichen Wahrnehmung Chinas hierzulande.
Kai Strittmatter kommentiert das Ereignis im SZ-Leitartikel. Er übersieht beim scheinbaren Sytemgegensatz vielleicht, dass eine deutsche Innenministerkonferenz an der von ihm beschriebenen Herrschaftsform auch Gefallen finden könnte. Und wie viele EU-Innenminister würden sich denn wohl dagegen wehren? Ganz zu schweigen von den kalifornischen Konzernemmissär*inn*en, die Schlangestehen, um unter kommunistischen Türritzen in China durchkriechen zu dürfen, der “großen Märkte” und Datenmengen wegen. Ärgerliches Problem: sie werden nicht mehr erhört, die chinesischen Oligarch*inn*en, gierig wie unsere, wollen alles für sich.

Dominik-Graf-Tatort – Treffer!

Von , am Dienstag, 17. Oktober 2017, in Medien, Politik.

Getroffene Hunde … Stefan Aust, in seinem Bemühen die Herrschaft über die historische Deutung der Raf und des “deutschen Herbstes” zu verteidigen, sah sich gezwungen, den Tatort vom letzten Sonntag unter der Regie von Dominik Graf als “Raf-Propaganda” zu verunglimpfen. Wo er das tat, enthielt auch gleich das Urteil über dieses Urteil.

Aust, ein klassischer lebenslanger Narzissmus-Fall, hat seine Verdienste. Als ich ihn das erste Mal wahrnahm, hatte er seine Arbeit bei den “St.Pauli-Nachrichten” bereits beendet, und war zum Reporter beim NDR-Magazin “Panorama” aufgestiegen. Ich fand den Kerl sehr beeindruckend, er wirkte, zu dieser Zeit, mutig. Was dann als Berufsbiografie folgte, ist weitgehend bekannt. Dem “Spiegel” hat es nicht gutgetan. Die eigenhändige Zensur Austs einer Titelgeschichte zur Energiepolitik von Harald Schumann, und Verdrehung ihrer Aussagen ins industriefreundliche Gegenteil, wird unvergesslich bleiben. Weiterlesen

RAF-Mythos – materialistisch demontiert

Von , am Samstag, 14. Oktober 2017, in Politik.

Dieser Tage jährt sich, was einst und heute sentimental “deutscher Herbst” genannt wird – eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen ein paar Dutzend deutschen Linksradikalen und der damaligen politischen Führung der westdeutschen BRD. Inwieweit welche Geheimdienste wie involviert waren? Wir werden es eines Tages erfahren. Morgen soll sich der ARD-Tatort von Dominik Graf daran abarbeiten.

Vieles von damals war medienattraktive und bildstarke Äktschn und wurde mythologisiert. Wohltuend analytisch-kalt versucht sich dagegen heute Georg Fülberth in der Jungen Welt an einer Kompaktfassung diesbezüglicher Geschichtsschreibung. Es kommt meiner damaligen zeitgenössischen Sicht der Dinge ziemlich nahe, nur dass ich es seinerzeit nicht so geschliffen formulieren konnte, wie der ehemalige Professor der “Marburger Schule“.
Warum er allerdings den damaligen “Kommunistischen Bund“, genannt “KB-Nord”, für die “fitteste” linke Organisation jener Zeit hält? Das sagt wohl mehr über die Organisationen, denen Fülberth selbst angehörte, als über diese Minisekte mit Gruppenschwerpunkten in Hamburg und Göttingen. Die Herren Ebermann, Ehlers, Trittin, Trampert und Reents waren/sind mir mehr oder weniger bekannt geworden. Keine dummen Kerls. Keine Frau dabei. Zufall oder bezeichnend?

Reinecke / Marl / Tschirner

Von , am Mittwoch, 7. Juni 2017, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Seit langem schätze ich die Lektüre der taz-Beiträge von Stefan Reinecke. Besonders gelungen: sein aktuelles Stück zum Antisemitismus und Antizionismus der Linken und derjenigen, die das zu bekämpfen vorgeben. Binäres Denken ist eben keine besondere Macke blöder “Amerikaner”, sondern hierzulande mindestens ebenso verbreitet.

Andreas Rossmann liebt aus sicherer Kölner Distanz seit Jahrzehnten das Ruhrgebiet. Eine seiner ganz besonderen Städte ist an seinem Nordrand die sogenannte Stadt Marl, die, man fasst es nicht, mit bildender Kunst auf sich aufmerksam zu machen weiss. Den großartigsten Film über Marl hat vor wenigen Jahren (2014) Dominik Graf gemacht.

Nora Tschirner hat mir lange absolut nichts gesagt. Mit Till Schweiger (oder gar Oliver Pocher) Filme drehen, oje, oje. Dann sah ich sie vor einiger Zeit (2016) bei “Schulz & Böhmermann” (ZDFneo) und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Einen so coolen Geradeaus-Auftritt, uneitel und durchdacht, hatte ich nicht erwartet. Im Kampf mit ihrem Körper scheint sie weiter als viele andere Frauen meiner persönlichen Umgebung gekommen zu sein. Sie hat dazu die Kino-/DVD-Doku “Embrace” mitproduziert und dazu bei Spiegel-online ein hochpolitisches, im besten Sinne feministisches PR-Interview abgeliefert. Ich ziehe meinen Hut, mehr davon!