Thema: Doping

Fussballzukunft – ansehnlich oder hässlich?

Von , am Montag, 9. Juli 2018, in Fußball, Politik.

Derzeit ist gut zu beobachten, wie die EU politisch und ökonomisch zerfällt. Die Mächtigen betrachten und umkreisen sie, und prüfen mit kritischem Blick die attraktivsten Filetstückchen. Danke Merkel, danke Schäuble, danke Seehofer – Ihr ward 1a-Servierpersonal.
Dieses Bild enthält bereits die Tatsache, dass Europa ein attraktiver Marktplatz für die globale Ökonomie bleibt. Es lässt sich hier besser als woanders leben. Und der Fussball ist eine der Entertainment- und Technologiebranchen, in denen Europa sogar eine Marktführerschaft behauptet. Allerdings, das dokumentierten die drei Supergangster von der Ehrentribüne bereits bildlich (es fehlt: Xi Jinping): auch diese Branche wird von den gefrässigen Profitgeiern umkreist. Weiterlesen

WM, Russland und die Diskurs-Kirmes

Von , am Dienstag, 22. Mai 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Gerne hätte ich Unrecht behalten: die heraufziehende Fussball-WM verschärft das innernationale politische Konfliktgeschehen. Russland kann sich der ganzen Welt präsentieren, eine historische Chance wie ein Elfmeter: wer vor seiner Ausführung zu viel nachdenkt, kann ihn fulminant vergeben. Die Gegner*innen versuchen vorher alles, um den/die Ausführende*n optimal zu verunsichern. Das ist die Schilderung einer Fussballsituation – die politische Wirklichkeit ist um einiges komplexer. Weiterlesen

Seppelt – und nun ARD?

Von , am Samstag, 12. Mai 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Dopingexperte Hajo Seppelt wurde von Russland das Einreisevisum und damit die Presseakkreditierung entzogen. Er kann also nicht zur WM anreisen und von dort berichten. Die Empörung der ARD ist darüber gross und vordergründig lautstark. Aber ist sie auch rechtschaffen? Wieviel Substanz hat sie im Kern?
Seppelt hat mit der ARD, vertreten durch WDR und RBB, ähnliche Verträge wie die Talkshowmaster. Er ist nicht Angestellter, sondern selbstständiger Dienstleister. In der Dopingdiskussion hat er sich einen hochangesehenen – und gefürchteten – Expertenstatus erarbeitet, auf den die ARD-Sportredaktionen nicht verzichten wollen, und die Intendant*inn*en ihn darum vertraglich gebunden haben. So weit, so gut. Weiterlesen

Warum wir nicht Weltmeister werden

Von , am Dienstag, 2. Januar 2018, in Fußball.

Leser*innen dieses Blogs wissen, dass ich Zweifel am Stattfinden der diesjährigen Fussball-WM in Russland habe. Dass sich Wladimir Putin so intensiv mit der kriminellen Fifa eingelassen hat, spricht nicht für eine stabile Recherchequalität des Geheimdienstes, dem er selbst entstammt. Auch gelingt es ihm nicht, sein eigenes Haus, den russischen Sport, von offensichtlichem, systematischen Doping sauberzuhalten. Dass das auch anderen nicht gelingt, das aber ungleich weniger internationale Aufmerksamkeit bekommt, hilft ihm auch nicht weiter, wenn er sich selbst als Veranstalter eines Globalereignisses wie der WM exponieren will (muss?). Das ist nun aus seiner Perspektive “verschüttete Milch”.
Das bisherige Fifa-Management in Zürich deutet kaum darauf hin, dass man dort die Krisenzeichen verstanden hat. Weiterlesen

Mit einer guten Sache gemein machen – Medienkritik vs. asoziale Medien

Von , am Dienstag, 21. November 2017, in Medien, Politik.

von Christian Nürnberger / Otto-Brenner-Stiftung
Keynote zur medienpolitischen Tagung / Verleihung des Otto-Brenner-Preises am 21.11. in Berlin

1 Von der Informations- zur Desinformationsgesellschaft

Zwischen 2014 und 2016 ist auf die deutschen Medien die heftigste Medienkritik niedergeprasselt, die es je gegeben hat. Dann aber wurde der Fakenews-Produzent Donald Trump US-Präsident, und gleichzeitig begann sich herumzusprechen, dass die größten Desinformations-Schleudern nicht die Mainstream-Medien sind, sondern die tausend Plapper-Foren in den sozialen Medien und die Propaganda-und Fakenews-Fabriken in Russland. Retten wird das die Medien trotzdem nicht, denn

2 Das Raumschiff Erde gleitet gerade von der Guten- in die Zuckerberg-Galaxis

Und gerade dort, in der Zuckerberggalaxis, verhungern die Medien. Der Geldstrom, der einst aus der Werbung in die Zeitung und das Privatfernsehen floss, fließt jetzt zu den vier großen Big-Data-Konzernen, vor allem zu Facebook und Google.

3 Kommt ein Narrenschiff gefahren …

Die solchermaßen in ihrer Existenz bedrohten Verlage haben darauf zuerst zu spät, anschließend falsch reagiert, und sind dann auch noch von einem Narrenschiff gerammt worden. Auf dem Schiff tummelte sich das zu Verschwörungstheorien neigende, an Fakenews und alternative Fakten glaubende Aluhut- und Pegidavolk und rief Lügenpresse und Haut die Presse auf die Fresse.

Rund zwei Jahre lang wurde von diesem Schiff aus auf die Presse geschossen wie noch nie. Aber nur dank des Echoraums der mittlerweile erfundenen sozialen Medien konnte die Lügenpresse-Lüge eine so hohe Aufmerksamkeit erzielen, dass die beschimpften Journalisten zuletzt selber glaubten und schrieben, dass ihnen niemand mehr glaube. Weiterlesen

Dopingparadies Fußball

Von , am Mittwoch, 15. Februar 2017, in Fußball.

In Deutschland und England ärgert mann sich sehr, dass der spanische Fussball ihnen, meistens, bei Länderturnieren und in den Europapokalen der Vereinsmannschaften seit über 10 Jahren eine lange Nase zeigt. Die spanischen Großklubs Real und Barca beherrschen den Fußball nicht nur sportlich, sondern auch in der Geldliga; sie sind globale Marken, unbezahlbar wertvoll im Entertainmentgeschäft. Real wird dabei von der spanischen Staatspartei PP protegiert, das florierende Barcelona inkl. Womanizer Pep Guardiola, hat seine ökonomischen Fühler in die arabischen Feudaldiktaturen ausgestreckt.
Thomas Kistner/SZ fragt darum verständlicherweise, ob das Zufall sein kann. Zufällig auch hat die rechte Parlamentsmehrheit, Engagement der Linken ist allerdings auch nicht bekannt, eine Ratifizierung internationaler Antidopingabkommen bisher verschleppt, so dass sie in Spanien immer noch keine Rechtskraft haben.
Vom Antidopingkampf im deutschen Fussball ist allerdings auch wenig bekannt. Im Ohr klingen noch die Heuchel-Interviews, Doping würde im Fussball ja “gar nichts bringen”. Finanzdoping ist dagegen, ausser in Fan- und Ultrakreisen, unumstritten. Das Magazin “Sponsors”, der Name ist die Nachricht, listet die erste Finanzfußballliga auf, mit auf den ersten Blick seriös geschätzten Zahlen. Auch diese Tabelle “lügt nicht”; ein deutscher Traditionsverein von “1899” gehört dieser Ersten Liga an. Eine gewisse Logik haben also die nächsten WM-Veranstalter Russland 2018 und Katar 2022. Auf sie wird China folgen, wetten?
Beim Fußball ist es wie bei der Deutschen Bahn. Bei ihr ist das einzige, was den Betrieb stört, der Fahrgast. Beim Fussball ist der Einzige, der beim Geldverdienen stört, der Fan im Stadion. Samstag Fünfzehndreissig schauen wir im Westfalenstadion in die Zukunft.